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Metapher

Diese Schlagwort ist 53 Beiträgen zugeordnet

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein grosser Gesang.

R. M. Rilke

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Annäherung

Es mag zwar paradox klingen, doch alle exakte Wissenschaft wird vom Gedanken der Annäherung beherrscht.

Bertrand Russel (1872 – 1970)

Herbstfarben mit Spirale

Die Jahreszeiten – hier durch Herbstblätter repräsentiert – sind keine exakten Wiederholungen der entsprechenden Jahreszeiten der Vorjahre. Vielmehr verhalten sie sich wie die stufenweisen Rundungen einer Spirale, die hier auf dem Blatt als Schatten erscheint. Die gedachte Längsachse der Spiralen ist die Zeitachse und jede Windung stellt den Verlauf eines Jahres mit seinen saisonalen Veränderungen dar. Es ist deutlich zu erkennen, dass die einzelnen Windungen nicht identisch sind. Auf diese Weise bringen sie die unterschiedliche Ausprägung der Jahreszeiten im Laufe der Jahre zum Ausdruck. Weiterlesen

„Dummer Mensch“ – Schmetterlinge (3)

Ein kleiner brauner Schmetterling fliegt vor ihren Füßen auf; und setzt sich wieder, nur 3 Schritt weiter – und wieder auf :nur 3 Schrittchen weiter -?- bis Ann’Ev‘ tadlnd zu ihm sagt : „Dummer Mensch. Flieg doch nach rechts.“ (Da tut Der das auch.)

Arno, Schmidt: Abend mit Goldrand. Frankfurt 1975

Welchen Schmetterling Arno Schmidt im Auge hatte, weiß ich nicht. Mein Schmetterling, dem ich auf einem Baumstaumm sitzend begegnet bin, ist ein Großer Perlmutterfalter. Früher habe ich ihn öfter beobachten können, in den letzten Jahren hat er sich für mein Gefühl rar gemacht. Ich freue mich, hier meinen einzigen Perlmutterfalter dieses Jahres zeigen zu können.

Schmetterling (1) – wandelnde Blumen der Luft

Das Gras stand dicht…, und die Schmetterlinge, diese wandelnden Blumen der Luft, wimmelten wie Blätter im Herbst über die blumengeschmückten Wege.

aus: Felix Timmermans. Das Glück der Stille. Frankfurt 1997 Weiterlesen

Buschwindröschen

Die Buschwindröschen, die hier mannigfach
in einem Blütenteppich Bäume säumen,
die in dem Walde nun aus Winterträumen
in regem Knospen grünend sind erwacht.

Sie leuchten, zarte, weiße Sterngesichter,
hell in des Buchenwaldes Kathedrale,
Geschenk des Frühlings, der die Blütenlichter
lässt lieblich lächelnd sich ins Leben malen. Weiterlesen

Magnetturner

Magnetes Geheimnis, erkläre mir das!
Kein großer Geheimnis, als Lieb´ und Haß.
Willst du deines Gleichen kennen lernen,
So wirst du dich gleich wieder entfernen.
Warum tanzen Bübchen mit Mädchen so gern?
Ungleich dem Gleichen bleibt nicht fern.
Dagegen die Bauern in der Schenke
Prügeln sich gleich mit den Beinen der Bänke.
Der Amtmann schnell das Übel stillt,
Weil er nicht für ihres Gleichen gilt.
Soll dein Kompaß dich richtig leiten,
Hüte dich vor Magnetstein, die dich begleiten.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Die Kraft, mit der die Turner hier eine für die menschliche Spezies schwierige Figur zustandebringen, wird ihnen durch den Quader verliehen, auf dem sie stehen. Es ist ein Permanentmagnet. Durch ihn wird der eiserne Wilhelm, der auf dem Podest steht selbst zum Magneten und er erlangt dadurch die Fähigkeit, auch die weiteren Turner, die mit ihm in Kontakt stehen zu Magneten zu machen usw.

Brandwolken allerorten

Sie stehen, und schauen der fernen Brandwolke zu : wie die sich verfärbt=verformt ; weiß wird, und nach der Seite ausbricht ; wieder neu ansteigt (grau!) – Kopfschütteln

Arno Schmidt. Abend mit Goldrand. Frankfurt 1975, S. 6

Ich sei eine Sandwüste…

Ich sei wie eine Wüste, hatte er mir einmal gesagt,
die mit jedem Sandsturm eine neue Landschaft entwirft,
die keine Spur von der vorausgegangenen mehr läßt.

Dagmar Leupold: Edmond: Geschichte eine Sehnsucht. München 2002

In Sand geschrieben

Daß das Schöne und Berückende
Nur ein Hauch und Schauer sei,
Daß das Köstliche, Entzückende,
Holde ohne Dauer sei:
Wolke, Blume, Seifenblase,
Feuerwerk und Kinderlachen,
Frauenblick im Spiegelglase
Und viele andre, wunderbare Sachen,
Daß sie, kaum entdeckt, vergehen,
Nur von Augenblickes Dauer,
Nur ein Duft und Windeswehen,
Ach, wir wissen es mit Trauer.
Und das Dauerhafte, Starre
Ist uns nicht so innig teuer:
Edelstein mit kühlem Feuer,
Glänzendschwere Goldesbarre;
Selbst die Sterne, nicht zu zählen,
Bleiben fern und fremd, sie gleichen
Uns Vergänglichen nicht, erreichen
Nicht das Innerste der Seelen.
Nein, es scheint das innigst Schöne,
Liebenswerte dem Verderben
Zugeneigt, stets nah am Sterben,
Und das Köstlichste: die Töne
Der Musik, die im Entstehen
Schon enteilen, schon vergehen,
Sind nur Wehen, Strömen, Jagen
Und umweht von leiser Trauer,
Denn auch nicht auf Herzschlags Dauer
Lassen sie sich halten, bannen;
Ton um Ton, kaum angeschlagen,
Schwindet schon und rinnt von dannen.
So ist unser herz dem flüchtigen,
Ist dem Fließenden, dem Leben
Treu und brüderlich ergeben,
Nicht dem Festen, Dauertüchtigen.
Bald ermüdet uns das Bleibende,
Fels und Sternwelt und Juwelen,
Uns in ewigem Wandel treibende
Wind- und Seifenblasenseelen,
Zeitvermählte, Dauerlose,
Denen Tau am Blatt der Rose,
Denen eines Vogels Werben,
Eines Wolkenspieles Sterben,
Schneegeflimmer, Regenbogen,
Falter, schon hinweggeflogen,
Denen eines Lachens Läuten,
Das uns im Vorübergehen
Kaum gestreift, ein Fest bedeuten
Oder wehtun kann. Wir lieben,
Was uns gleich ist, und verstehen,
Was der Wind in Sand geschrieben.

Hermann Hesse 1877 – 1962

Newtons Apfel – Fall 6

Auch Gedanken
fallen manchmal unreif vom Baum.

Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951)

Isaac Newtons (1642 – 1726) Einfall einer Vereinigung von freiem Fall und kreisenden Planeten wird interessanterweise als Ergebnis einer „empirischen“ Begebenheit inszeniert. Dabei sollte für ihn wie schon für Adam der Apfelbaum zum Baum der Erkenntnis werden: Einer in verschiedenen Versionen tradierten Anekdote zufolge, fällt Newton ausgerechnet durch einen fallenden Apfel der Fall der Planeten auf. In ihrem Fall um die Sonne sieht er einen Sonderfall des freien Falls.
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Züngelnde Wasserflammen am Strand

wasserflammen_rvWie jeden Tag hatten ihn seine Schritte zum offenen Meer geführt. Sein Blick war vor ihm auf den Boden gerichtet, wo das abfließende Wasser züngelnde Flammen in den Sand gezeichnet hatte. Die Rinnsale, am Ende fadendünn, mündeten in immer beitere Verästelungen, in den weiten, lodernden Flächenbrand des Ozeans…
Lass die Wasserflammen brennen, lass die Wasserflammen brennen. Einmal sagt das Feuer: Es ist gut.*
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Metaphern der Grenzüberschreitung (Lichtenberg 8)

aufklaerung_dsc04340Die physikalische und die literaische Sehweise sind grundsätzlich unvereinbar. Die eine kann nicht ohne logischen Bruch in die andere überführt werden. Dasselbe gilt für die physikalische und die lebensweltliche Sehweise. In beiden Fällen ist eine Grenzüberschreitung nötig und die ist nur in Bildern möglich, die im Vollzug des Übergangs zu Metaphern werden und die nach Georg Christoph Lichtenberg „weit klüger (sind) als ihr Verfasser und so sind es viele Dinge. Alles seine Tiefen. Wer Augen hat der sieht alles in allem“(F 369). Weiterlesen

Mäander – ein typisches Muster

maeander_dsc00623a»Betrachten Sie mein Kleid oder meinen Körper?« fragte sie und richtete sich auf, um die Brust herum leicht anschwellend.
»Ich bin sehr oberflächlich, also sehe ich nur Ihre schönen blauen Mäander. Das ist so ein altes Muster. Eigentlich hat
es etwas Verzweifeltes, finden Sie nicht?«
»Wieso?« Weiterlesen

Kurz vor dem höchsten Punkt

aufstieg_img_82001_rvNoch war alles wie der blinkende Tag, der sich seinem Zenith nähert: aufsteigend, rein, genau und von jenem Werden durchflossen, das Vor-Mittag ist und sich an einem Menschen oder jungen Tier in der gleichen unbeschreiblichen Weise ausdrückt wie an einem Ball, der seinen höchsten Punkt noch nicht erreicht hat, aber nur wenig darunter ist. Vielleicht durchschreitet er ihn gerade in diesem Augenblick.

Aus: Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften.

Zeichen im Sand

sandrippel_dsc01808b_rvEin Narre schrieb drei Zeichen in Sand,
Eine bleiche Magd da vor ihm stand.
Laut sang, o sang das Meer.

Sie hielt einen Becher in der Hand,
Der schimmerte bis auf zum Rand,
Wie Blut so rot und schwer. Weiterlesen

Hoffnung

trockenrisse-mit-pflanze_rvWas aus der Hoffnung ein so intensives Vergnügen macht, ist, daß die Zukunft, über die wir nach unserem Belieben verfügen, uns in den verschiedensten Formen erscheint, die uns alle gleich lächelnd, gleich möglich, anmuten. Selbst wenn die begehrteste unter ihnen sich verwirklicht, müßte man die andern zum Opfer bringen, und wir würden viel dabei verlieren. Der Gedanke an die Zukunft voll von unendlichen Möglichkeiten ist also fruchtbarer als die Zukunft selbst und deshalb findet man mehr Reiz in der Hoffnung als im Besitz, im Traum als in der Wirklichkeit. Weiterlesen

Eine semitransparente Wolkengardine

wolkengardine_dsc08617So würde ich das Phänomen benennen, wenn ich mich kurz fassen müsste. Jedenfalls wurde ich vor ein paar Tagen an eine Gardine erinnert, als ich am Schreibtisch vor dem gardinenfreien Fenster sitzend  zunächst nur aus dem Augenwinkel dann aber mit voller Aufmerksamkeit erlebte, wie die hellen – meiner Einschätzung nach – Altocumulus-Wolken ganz langsam von einer weitgehend durchsichtigen, dunkelgrauen Wolkenschicht überzogen wurden. Die ursprüngliche flockige Struktur war weiterhin deutlich durch die graue Gardine hindurch zu erkennen.
So etwas habe ich vorher nicht gesehen, sondern nur vollständige Bedeckungen erlebt. Später zog sich dann der ganze Himmel zu. Am nächsten Tag schneite es.

Merkwürdig! Dazu fällt mir ein Satz von Lichtenberg ein:

Die Form der Wolken war dieses Jahr so außerordentlich merkwürdig,
daß selbst Leute nach dem Himmel sahen,
die sonst nur hinsehen,
wenn sie eine Pension von dort erbitten wollen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Kaleidoskopische Aus- und Einsichten

Kaleidoskop_1_rvDenken wir uns, um dies klarzumachen, einen Menschen, der ein Kaleidoskop für ein Fernrohr hält. Er glaubt höchst merkwürdige Gegenstände außerhalb wahrzunehmen und widmet ihrer Betrachtung allen Fleiß. Er soll nun in einen engen Raum eingeschlossen sein. Nach der einen Seite hat er ein Fensterchen, welches ihm einen beschränkten und getrübten Blick nach außen eröffnet; nach einer andern Seite ist das Rohr, mit welchem er in die Ferne zu sehen glaubt, fest in die Wand eingeschlossen. Weiterlesen

Die Schönheit des Blätterfalls

fallende-herbstblaetter_rvSieh die Blätter. . . !
Wie schön sie fallen!
Wie sie es verstehen, auf diesem kurzen Weg vom Ast zur Erde,
eine letzte Schönheit zu legen,
und trotz ihres Entsetzens darüber, auf dem Boden zu verfaulen,
wollen, dass dieser Fall die Grazie eines Fluges habe. Weiterlesen

Einkehr

ApfelbaumBei einem Wirte wundermild
da war ich jüngst zu Gaste.
Ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum
bei dem ich eingekehret
Mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett in süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit.
Da schüttelt er den Wipfel
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.

Ludwig Uhland (1787 -1862)

Dämmerung – Zeit der großen Gedanken

Dämmerung_Zeit_der_großen_GJa, die Dämmerung- der Augenblick des planetarischen Schattens – ist die Zeit, in der man großen Gedanken am wahrscheinlichsten begegnen kann. Weiterlesen

Unbeweglich auf rötlichem Gefieder

Mond_in_AbenddämmerungUnbeweglich auf rötlichem Gefieder
schwebte der Mond über den stillen Buschreihen;
die Engel peitschten ihre silbernen und goldenen Kreisel um den Berg.

Arno Schmidt (1914 – 1979)

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Eine Landschaft ist ein seelischer Zustand

Landschaft-auf-Gran-CanariaAmiel (1821 – 1881) hat gesagt, eine Landschaft sei ein seelischer Zustand, aber dieser Satz ist wie das schlaffe Glück eines schwächlichen Träumers. Sobald die Landschaft Landschaft ist, hört sie auf, ein seelscher Zustand zu sein. Objektivieren heißt erschaffen, niemand sagt, ein fertiges Gedicht sei ein Zustand, in welchem man daran denke, es zu verfertigen. Sehen heißt vielleicht träumen, wenn wir es aber sehen statt träumen nennen, so deshalb, weil wir träumen von sehen unterscheiden.

Fernando Pessao (1888 – 1935). Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987

 

Ein Netz von Zwecken

Ein-Netz-von-ZweckenDie Teleologie, welche mit dem Netz von Zwecken und Mitteln die ganze Welt einspinnen möchte, ist doch schließlich eben nur die Projektion der teleologischen Struktur der Lebenseinheit. Und zwar besagt diese nichts von einer planmäßigen Ordnung, einem Bewußtsein, das sie hervorbrachte. Sie besagt nur die Form eines Zusammenhangs. Zu diesen Merkmalen gehört, daß man sie am leichtesten als von einem bewußtsein nach Zwecken geformt vorstellt. Am leichtesten, und als oder als ob (von einem Bewußtsein geformt). Nicht aber, daß diese Struktur so und nur so entstanden gedacht werden müsse. Weiterlesen

Ein hübscher Stein

Stein„Ein Stein ist in jeder Beziehung etwas Hübsches: Gestalt, Struktur, Glanz, Härte, er hat so viel Eigenschaften, die unsere Sinne beschäftigen und befriedigen und unser Nachdenken anregen. Wir könnten solch einen Gegenstand zu tausend spekulativen oder praktischen Zwecken benutzen. Die Könige der Welt werden wir sein, wenn wir kühn versichern, daß wir in seiner Verwendung und in unserer zweckmäßigen Freude den ureigensten Sinn des Steines selbst finden. Wir werden elender als Sklaven sein, wenn wir den Stein dazu nehmen, um die anderen damit zu treffen“.
Georges Duhamel (1884 – 1966): Der Besitz der Welt. Zürich 1922.

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Wer entziffert die natürliche Schrift im Stein?

Linien-im-SteinSo erzählen die Schnitte auf dem Boden eines zinnenen Tellers die Geschichte aller Mahlzeiten, denen er beigewohnt hat, und eben so enthält die Form jedes Landstrichs, die Gestalt seiner Sandhügel und Felsen, mit natürlicher Schrift die Geschichte der Erde, ja jeder abgerundete Kiesel, den das Weltmeer auswirft, würde sie einer Seele erzählen, die so an ihn angekettet würde, wie die unsrige an unser Gehirn“.

Lichtenberg, Georg Christoph :  Schriften und Briefe III. München 1980

Gedanken sind wie Seifenblasen

Seifenblasen„Nehmen Sie eine Seifenblase an, denken Sie, der innere Raum derselben sei ihr Gedanke, so ist ihre Ausdehnung dann die Gestalt. Nun aber hat eine Seifenblase ein Moment in ihrer Ausdehnung, in der ihre Erscheinung und die Ansicht derselben in vollkommner Harmonie stehen, ihre Form verhält sich dann zu dem Stoffe, zu ihrem innern Durchmesser nach allen Seiten und zu dem Lichte so, daß sie einen schönen Blick von sich giebt. Alle Farben der Umgebung in ihr schimmern, und sie selbst steht nun auf dem letzten Punkte ihrer Vollendung. Nun reißt sie sich von dem Strohhalme los, und schwebt durch die Luft. Sie war das, was ich unter der Gestalt verstehe, eine Begrenzung, welche nur die Idee festhält, und von sich selbst nichts spricht. Alles andere ist Ungestalt, entweder zu viel, oder zu wenig“.

Clemens Brentano (1778-1848)

Mit diesem Beitrag möchte ich Anja sehr herzlich zum Geburtstag gratulieren.

Antworten ist leichter als Fragen

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 38/2, 140-41 (2000).

Solange etwas nicht fraglich ist, uns keine Fragen auferlegt und Antworten abverlangt, erscheint es selbstverständlich. Das Selbstverständliche sugge-riert aber, über alle Fragen erhaben zu sein: Was so ist, wie es ist, fordert uns nicht heraus. Das gilt insbesondere für die Alltagswelt, in der wir leben…

PDF: Antworten ist leichter als Fragen

Die Preisfrage an den Himmel

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 38/1, 68 (2000).

Auf die Frage kommt es an. Sie eröffnen die Weg zur Antwort. Je weitreichender, erschließungsmächtiger, vielversprechender die Frage, desto größer wird das Bemühen sein, die Antwort bzw. Antworten zu finden. Allein darin kann eine große Herausforderung gesehen werden.

PDF: Die Preisfrage an den Himmel

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/5, 350 (1999).

Seit Eva Adam vom Apfel zu essen gab, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Adam und Eva waren gezwungen, das Paradies verlassen. Sie und ihre Nachkommen mußten fortan mit der Erkenntnis, die sie dem Geschmack und weiteren Eigenschaften, etwa seine Form und Schwere (siehe unten) des Apfels abrangen, sich mit Hilfe von Wissen und Wissenschaft das Leben in der Natur erträglich
machen. Dabei spielte der Apfel weiterhin eine wichtige Rolle. In zahlreichen literarischen Äußerungen wird der Zusammenhang zwischen Paradiesapfel und Naturwissenschaft sowie der naturwissenschaftlichen Technik hergestellt.

PDF: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Die Welt ist alles, was der Fall ist

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/4,280 (1999).

Die Aussage Wittgensteins, in der der Fall im metaphorischen Sinne verwendet wird, „zerfällt“ in ein ganzes Spektrum von Bedeutungen, wenn man sich die zahlreichen Fälle vor Augen führt, in denen der Fall nicht nur in der realen Bedeutung des Falles als Sturz verwendet wird. Ursprung aller Fälle ist vielleicht der Sündenfall, und nachdem die ersten Menschen der irdischen Schwerkraft ausgesetzt worden waren die Hinfälligkeit der Menschen, ihr Fall zur Erde.

PDF: Die Welt ist alles, was der Fall ist

Gerüche mit Hohlspiegeln zu konzentrieren

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/3, 210 (1999).Hohlspiegel-3

Spiegel stehen normalerweise für die originalgetreue Reproduktion der Realität. Andererseits weiß man, daß das Spiegelbild nicht mit dem Original zu verwechseln ist. Es hat keine Substanz. Außerdem vertauscht es Links mit rechts, so daß man sich im Spiegel nie so sieht, wie andere einen sehen. Es sei denn man betrachtet sein eigenes Spiegelbild im Spiegel. Spiegel verändern die Wirklichkeit.

PDF: Gerüche mit Hohlspiegeln zu konzentrieren

Der Himmel beginnt auf der Erde

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 36/4, 160 (1998).

Der Mensch im allgemeinen und der Naturwissenschaftler im besonderen empfingen von jeher die tiefsten Gedanken und größten Ideen vom gestirnten Himmel. Auch wenn die Motive des Blicks in den Himmel unterschiedlicher Natur sein mögen…

PDF: Der Himmel beginnt auf der Erde

Im Reich der Fee Morgana

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/12, 444 (1997).

Spätestens seit Johann Wolfgang von Goethe ist der Name Fata Morgana im Deutschen Sprachgebrauch bekannt. Er geht auf die Fee Morgana zurück, die als eine Halbschwester des sagenumwobenen König Artus gilt. Auf der Apfel- oder Glücksinsel lebten neun Schwestern, deren älteste, Morgue, die Heilkräfte aller Kräuter kannte und die Kunst beherrschte, ihre Gestalt zu wechseln, um sich wie ein Vogel in die Luft zu schwingen (Geoffrey of Monmouth). Die Fee Morgana gibt sich der Sage nach in besonders eindrucksvollen Luftspiegelungen zu erkennen und übt auf dies Weise ihre Macht aus. Italienischen Quellen zufolge wohnt sie sogar in einem Palast über den Meereswogen, der u.a. in der Meeresstraße von Messina gesehen wurde. Seitdem werden immer wieder Luftspiegelungen, vor allem solche, die aus einzelnen Felsen und Klippen, überwältigende phantasievolle Säulen, Mauern und ausgedehnte Paläste hervorzaubern mit der Fee (Fata) Morgana identifiziert.

PDF: Im Reich der Fee Morgana

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