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Metapher

Diese Schlagwort ist 42 Beiträgen zugeordnet

Züngelnde Wasserflammen am Strand

wasserflammen_rvWie jeden Tag hatten ihn seine Schritte zum offenen Meer geführt. Sein Blick war vor ihm auf den Boden gerichtet, wo das abfließende Wasser züngelnde Flammen in den Sand gezeichnet hatte. Die Rinnsale, am Ende fadendünn, mündeten in immer beitere Verästelungen, in den weiten, lodernden Flächenbrand des Ozeans…
Lass die Wasserflammen brennen, lass die Wasserflammen brennen. Einmal sagt das Feuer: Es ist gut.*
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Metaphern der Grenzüberschreitung (Lichtenberg 8)

aufklaerung_dsc04340Die physikalische und die literaische Sehweise sind grundsätzlich unvereinbar. Die eine kann nicht ohne logischen Bruch in die andere überführt werden. Dasselbe gilt für die physikalische und die lebensweltliche Sehweise. In beiden Fällen ist eine Grenzüberschreitung nötig und die ist nur in Bildern möglich, die im Vollzug des Übergangs zu Metaphern werden und die nach Georg Christoph Lichtenberg „weit klüger (sind) als ihr Verfasser und so sind es viele Dinge. Alles seine Tiefen. Wer Augen hat der sieht alles in allem“(F 369). Weiterlesen

Mäander – ein typisches Muster

maeander_dsc00623a»Betrachten Sie mein Kleid oder meinen Körper?« fragte sie und richtete sich auf, um die Brust herum leicht anschwellend.
»Ich bin sehr oberflächlich, also sehe ich nur Ihre schönen blauen Mäander. Das ist so ein altes Muster. Eigentlich hat
es etwas Verzweifeltes, finden Sie nicht?«
»Wieso?« Weiterlesen

Kurz vor dem höchsten Punkt

aufstieg_img_82001_rvNoch war alles wie der blinkende Tag, der sich seinem Zenith nähert: aufsteigend, rein, genau und von jenem Werden durchflossen, das Vor-Mittag ist und sich an einem Menschen oder jungen Tier in der gleichen unbeschreiblichen Weise ausdrückt wie an einem Ball, der seinen höchsten Punkt noch nicht erreicht hat, aber nur wenig darunter ist. Vielleicht durchschreitet er ihn gerade in diesem Augenblick.

Aus: Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften.

Zeichen im Sand

sandrippel_dsc01808b_rvEin Narre schrieb drei Zeichen in Sand,
Eine bleiche Magd da vor ihm stand.
Laut sang, o sang das Meer.

Sie hielt einen Becher in der Hand,
Der schimmerte bis auf zum Rand,
Wie Blut so rot und schwer. Weiterlesen

Hoffnung

trockenrisse-mit-pflanze_rvWas aus der Hoffnung ein so intensives Vergnügen macht, ist, daß die Zukunft, über die wir nach unserem Belieben verfügen, uns in den verschiedensten Formen erscheint, die uns alle gleich lächelnd, gleich möglich, anmuten. Selbst wenn die begehrteste unter ihnen sich verwirklicht, müßte man die andern zum Opfer bringen, und wir würden viel dabei verlieren. Der Gedanke an die Zukunft voll von unendlichen Möglichkeiten ist also fruchtbarer als die Zukunft selbst und deshalb findet man mehr Reiz in der Hoffnung als im Besitz, im Traum als in der Wirklichkeit. Weiterlesen

Eine semitransparente Wolkengardine

wolkengardine_dsc08617So würde ich das Phänomen benennen, wenn ich mich kurz fassen müsste. Jedenfalls wurde ich vor ein paar Tagen an eine Gardine erinnert, als ich am Schreibtisch vor dem gardinenfreien Fenster sitzend  zunächst nur aus dem Augenwinkel dann aber mit voller Aufmerksamkeit erlebte, wie die hellen – meiner Einschätzung nach – Altocumulus-Wolken ganz langsam von einer weitgehend durchsichtigen, dunkelgrauen Wolkenschicht überzogen wurden. Die ursprüngliche flockige Struktur war weiterhin deutlich durch die graue Gardine hindurch zu erkennen.
So etwas habe ich vorher nicht gesehen, sondern nur vollständige Bedeckungen erlebt. Später zog sich dann der ganze Himmel zu. Am nächsten Tag schneite es.

Merkwürdig! Dazu fällt mir ein Satz von Lichtenberg ein:

Die Form der Wolken war dieses Jahr so außerordentlich merkwürdig,
daß selbst Leute nach dem Himmel sahen,
die sonst nur hinsehen,
wenn sie eine Pension von dort erbitten wollen.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Kaleidoskopische Aus- und Einsichten

Kaleidoskop_1_rvDenken wir uns, um dies klarzumachen, einen Menschen, der ein Kaleidoskop für ein Fernrohr hält. Er glaubt höchst merkwürdige Gegenstände außerhalb wahrzunehmen und widmet ihrer Betrachtung allen Fleiß. Er soll nun in einen engen Raum eingeschlossen sein. Nach der einen Seite hat er ein Fensterchen, welches ihm einen beschränkten und getrübten Blick nach außen eröffnet; nach einer andern Seite ist das Rohr, mit welchem er in die Ferne zu sehen glaubt, fest in die Wand eingeschlossen. Weiterlesen

Die Schönheit des Blätterfalls

fallende-herbstblaetter_rvSieh die Blätter. . . !
Wie schön sie fallen!
Wie sie es verstehen, auf diesem kurzen Weg vom Ast zur Erde,
eine letzte Schönheit zu legen,
und trotz ihres Entsetzens darüber, auf dem Boden zu verfaulen,
wollen, dass dieser Fall die Grazie eines Fluges habe. Weiterlesen

Einkehr

ApfelbaumBei einem Wirte wundermild
da war ich jüngst zu Gaste.
Ein goldner Apfel war sein Schild
an einem langen Aste.

Es war der gute Apfelbaum
bei dem ich eingekehret
Mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste
Sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett in süßer Ruh
Auf weichen, grünen Matten
Der Wirt er deckte selbst mich zu
Mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt ich nach der Schuldigkeit.
Da schüttelt er den Wipfel
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel.

Ludwig Uhland (1787 -1862)

Dämmerung – Zeit der großen Gedanken

Dämmerung_Zeit_der_großen_GJa, die Dämmerung- der Augenblick des planetarischen Schattens – ist die Zeit, in der man großen Gedanken am wahrscheinlichsten begegnen kann. Weiterlesen

Unbeweglich auf rötlichem Gefieder

Mond_in_AbenddämmerungUnbeweglich auf rötlichem Gefieder
schwebte der Mond über den stillen Buschreihen;
die Engel peitschten ihre silbernen und goldenen Kreisel um den Berg.

Arno Schmidt (1914 – 1979)

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Eine Landschaft ist ein seelischer Zustand

Landschaft-auf-Gran-CanariaAmiel (1821 – 1881) hat gesagt, eine Landschaft sei ein seelischer Zustand, aber dieser Satz ist wie das schlaffe Glück eines schwächlichen Träumers. Sobald die Landschaft Landschaft ist, hört sie auf, ein seelscher Zustand zu sein. Objektivieren heißt erschaffen, niemand sagt, ein fertiges Gedicht sei ein Zustand, in welchem man daran denke, es zu verfertigen. Sehen heißt vielleicht träumen, wenn wir es aber sehen statt träumen nennen, so deshalb, weil wir träumen von sehen unterscheiden.

Fernando Pessao (1888 – 1935). Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987

 

Ein Netz von Zwecken

Ein-Netz-von-ZweckenDie Teleologie, welche mit dem Netz von Zwecken und Mitteln die ganze Welt einspinnen möchte, ist doch schließlich eben nur die Projektion der teleologischen Struktur der Lebenseinheit. Und zwar besagt diese nichts von einer planmäßigen Ordnung, einem Bewußtsein, das sie hervorbrachte. Sie besagt nur die Form eines Zusammenhangs. Zu diesen Merkmalen gehört, daß man sie am leichtesten als von einem bewußtsein nach Zwecken geformt vorstellt. Am leichtesten, und als oder als ob (von einem Bewußtsein geformt). Nicht aber, daß diese Struktur so und nur so entstanden gedacht werden müsse. Weiterlesen

Ein hübscher Stein

Stein„Ein Stein ist in jeder Beziehung etwas Hübsches: Gestalt, Struktur, Glanz, Härte, er hat so viel Eigenschaften, die unsere Sinne beschäftigen und befriedigen und unser Nachdenken anregen. Wir könnten solch einen Gegenstand zu tausend spekulativen oder praktischen Zwecken benutzen. Die Könige der Welt werden wir sein, wenn wir kühn versichern, daß wir in seiner Verwendung und in unserer zweckmäßigen Freude den ureigensten Sinn des Steines selbst finden. Wir werden elender als Sklaven sein, wenn wir den Stein dazu nehmen, um die anderen damit zu treffen“.
Georges Duhamel (1884 – 1966): Der Besitz der Welt. Zürich 1922.

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Wer entziffert die natürliche Schrift im Stein?

Linien-im-SteinSo erzählen die Schnitte auf dem Boden eines zinnenen Tellers die Geschichte aller Mahlzeiten, denen er beigewohnt hat, und eben so enthält die Form jedes Landstrichs, die Gestalt seiner Sandhügel und Felsen, mit natürlicher Schrift die Geschichte der Erde, ja jeder abgerundete Kiesel, den das Weltmeer auswirft, würde sie einer Seele erzählen, die so an ihn angekettet würde, wie die unsrige an unser Gehirn“.

Lichtenberg, Georg Christoph :  Schriften und Briefe III. München 1980

Gedanken sind wie Seifenblasen

Seifenblasen„Nehmen Sie eine Seifenblase an, denken Sie, der innere Raum derselben sei ihr Gedanke, so ist ihre Ausdehnung dann die Gestalt. Nun aber hat eine Seifenblase ein Moment in ihrer Ausdehnung, in der ihre Erscheinung und die Ansicht derselben in vollkommner Harmonie stehen, ihre Form verhält sich dann zu dem Stoffe, zu ihrem innern Durchmesser nach allen Seiten und zu dem Lichte so, daß sie einen schönen Blick von sich giebt. Alle Farben der Umgebung in ihr schimmern, und sie selbst steht nun auf dem letzten Punkte ihrer Vollendung. Nun reißt sie sich von dem Strohhalme los, und schwebt durch die Luft. Sie war das, was ich unter der Gestalt verstehe, eine Begrenzung, welche nur die Idee festhält, und von sich selbst nichts spricht. Alles andere ist Ungestalt, entweder zu viel, oder zu wenig“.

Clemens Brentano (1778-1848)

Mit diesem Beitrag möchte ich Anja sehr herzlich zum Geburtstag gratulieren.

Antworten ist leichter als Fragen

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 38/2, 140-41 (2000).

Solange etwas nicht fraglich ist, uns keine Fragen auferlegt und Antworten abverlangt, erscheint es selbstverständlich. Das Selbstverständliche sugge-riert aber, über alle Fragen erhaben zu sein: Was so ist, wie es ist, fordert uns nicht heraus. Das gilt insbesondere für die Alltagswelt, in der wir leben…

PDF: Antworten ist leichter als Fragen

Die Preisfrage an den Himmel

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 38/1, 68 (2000).

Auf die Frage kommt es an. Sie eröffnen die Weg zur Antwort. Je weitreichender, erschließungsmächtiger, vielversprechender die Frage, desto größer wird das Bemühen sein, die Antwort bzw. Antworten zu finden. Allein darin kann eine große Herausforderung gesehen werden.

PDF: Die Preisfrage an den Himmel

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/5, 350 (1999).

Seit Eva Adam vom Apfel zu essen gab, nahm das Verhängnis seinen Lauf. Adam und Eva waren gezwungen, das Paradies verlassen. Sie und ihre Nachkommen mußten fortan mit der Erkenntnis, die sie dem Geschmack und weiteren Eigenschaften, etwa seine Form und Schwere (siehe unten) des Apfels abrangen, sich mit Hilfe von Wissen und Wissenschaft das Leben in der Natur erträglich
machen. Dabei spielte der Apfel weiterhin eine wichtige Rolle. In zahlreichen literarischen Äußerungen wird der Zusammenhang zwischen Paradiesapfel und Naturwissenschaft sowie der naturwissenschaftlichen Technik hergestellt.

PDF: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Die Welt ist alles, was der Fall ist

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/4,280 (1999).

Die Aussage Wittgensteins, in der der Fall im metaphorischen Sinne verwendet wird, „zerfällt“ in ein ganzes Spektrum von Bedeutungen, wenn man sich die zahlreichen Fälle vor Augen führt, in denen der Fall nicht nur in der realen Bedeutung des Falles als Sturz verwendet wird. Ursprung aller Fälle ist vielleicht der Sündenfall, und nachdem die ersten Menschen der irdischen Schwerkraft ausgesetzt worden waren die Hinfälligkeit der Menschen, ihr Fall zur Erde.

PDF: Die Welt ist alles, was der Fall ist

Gerüche mit Hohlspiegeln zu konzentrieren

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 37/3, 210 (1999).Hohlspiegel-3

Spiegel stehen normalerweise für die originalgetreue Reproduktion der Realität. Andererseits weiß man, daß das Spiegelbild nicht mit dem Original zu verwechseln ist. Es hat keine Substanz. Außerdem vertauscht es Links mit rechts, so daß man sich im Spiegel nie so sieht, wie andere einen sehen. Es sei denn man betrachtet sein eigenes Spiegelbild im Spiegel. Spiegel verändern die Wirklichkeit.

PDF: Gerüche mit Hohlspiegeln zu konzentrieren

Der Himmel beginnt auf der Erde

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 36/4, 160 (1998).

Der Mensch im allgemeinen und der Naturwissenschaftler im besonderen empfingen von jeher die tiefsten Gedanken und größten Ideen vom gestirnten Himmel. Auch wenn die Motive des Blicks in den Himmel unterschiedlicher Natur sein mögen…

PDF: Der Himmel beginnt auf der Erde

Im Reich der Fee Morgana

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/12, 444 (1997).

Spätestens seit Johann Wolfgang von Goethe ist der Name Fata Morgana im Deutschen Sprachgebrauch bekannt. Er geht auf die Fee Morgana zurück, die als eine Halbschwester des sagenumwobenen König Artus gilt. Auf der Apfel- oder Glücksinsel lebten neun Schwestern, deren älteste, Morgue, die Heilkräfte aller Kräuter kannte und die Kunst beherrschte, ihre Gestalt zu wechseln, um sich wie ein Vogel in die Luft zu schwingen (Geoffrey of Monmouth). Die Fee Morgana gibt sich der Sage nach in besonders eindrucksvollen Luftspiegelungen zu erkennen und übt auf dies Weise ihre Macht aus. Italienischen Quellen zufolge wohnt sie sogar in einem Palast über den Meereswogen, der u.a. in der Meeresstraße von Messina gesehen wurde. Seitdem werden immer wieder Luftspiegelungen, vor allem solche, die aus einzelnen Felsen und Klippen, überwältigende phantasievolle Säulen, Mauern und ausgedehnte Paläste hervorzaubern mit der Fee (Fata) Morgana identifiziert.

PDF: Im Reich der Fee Morgana

Die Flamme als Prozeß und Form

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/11, 402 (1997).

Eine brennende Kerze ist mehr als eine Lichtquelle. Das zeigt ihre weite Verbreitung bei festlichen Anlässen. Die über den reinen Beleuchtungszweck hinausgehende, wenn man so will, poetische Wirkung geht vor allem von der Flamme aus. Schon das Zustandekommen der Flamme ist ein faszinierender Vorgang.

PDF: Die Flamme als Prozeß und Form

Wolken – Gedanken des Himmels

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/7,8, 283 (1997).

Den Wolken als Ursprung des Regens aber auch durch ihre verschiedenen Formen als sichtbare Verkünder und gestaltende Elemente des Wetters ist von Dichtern immer wieder besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Johann Wolfgang von Goethe hat im Anschluß an die systematisierenden Arbeiten Howards einen ganzen Gedichtszyklus dazu vorgelegt, von dem hier nur ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben werden kann…

PDF: Wolken – Gedanken des Himmels

Vom Regen in die Traufe

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/6, 242 (1997).

Eine der häufigsten, meist unerwünschten Äußerungen des Wetters (Poetisches in PhiS 35/5 (1997), S. 202) ist der Regen. Unerwünscht für Menschen in Gebieten der Erde, die mit Regen reich gesegnet sind. In vielen Fällen wird der Regen geradezu herbeigesehnt…

PDF: Vom Regen in die Traufe

Über das Wetter soll man nicht wettern

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 35/5, 202 (1997).

Die Wetterforschung, die Meteorologie, ist eine naturwissenschaftliche Disziplin, eine der ältesten, die wir kennen. Trotz großer wissenschaftlicher und instrumenteller Anstrengungen ist es jedoch bis heute nicht gelungen, verläßliche langfristige Wettervorhersagen zu treffen: Dieser Punkt ist – wie gesagt (Poetisches in PhiS 35 (1997)1)- „eine wunde Stelle im Gewissen des Physikers“ (Hermann von Helmholtz) und ist es bis heute geblieben. Deswegen gilt nach wie vor, was Lichtenberg schon vor 200 Jahren sagte: „Die Meteorologie wartet noch auf einen Newton oder Herschel.“

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…das Neue aus Vergangenem besonnen sich zu deuten

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/12, 453 (1996).

Eine der wesentlichen Aspekte deterministischen Denkens ist der Wunsch, das Geschehen der Welt vorherzusagen. Vorhersage als Zukunftsdeutung hat heute einen unseriösen Beigeschmack. Der aufgeklärte Mensch glaubt offiziell nicht an die großen Prophezeiungen. Dennoch stehen Astrologie und Wahrsagerei auch heute noch oder wieder hoch im Kurs. Die davon ausgehenden suggestiven Wirkungen führen nicht selten zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.

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Das rechnende Denken geht am Faden von Grund und Folge

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/11, 414 (1996).

„Daß die Erde um die Sonne läuft und daß wenn man eine Schreibfeder kippt diese Spitze mir ins Auge fliegt, ist alles ein Gesetz“(Georg Christoph Lichtenberg). In einer kausal organisierten Welt läuft alles nach Gesetzen ab, die das Größte mit dem Kleinsten, das Erhabenste mit dem Banalsten
verbinden. . Gesetze müssen von irgend jemand erlassen worden sein, und ihre Einhaltung muß überwacht werden. Das gilt nach der Vorstellung der Vorsokratiker sowohl für das Verhalten der Menschen wie auch der übrigen Welt. „Die Sonne wird ihre Maße nicht überschreiten, wenn aber doch, dann werden Erinnyen, der Dike Helferinnen, sie zu fassen wissen“ (Dike ist die ‚Unerbittliche‘ die „Richterin derer, die das göttliche Gesetz nicht erfüllen“).

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Ich fühle, daß ich frei bin…

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/10, 372-373 (1996).

vogelfrei_dsc02946rvSofern man den Determinismus akzeptiert, leugnet man die Willensfreiheit. Diese Problem war schon den alten Griechen bewußt: „Wenn unsere Triebe vom Fatum bestimmt sind und dieses sie zuweilen hindert und zuweilen nicht, so ist es klar, daß alles vom Fatum abhängt, einschließlich dessen, was anscheinend in unserer Hand steht…Wenn nämlich, wie sie behaupten, jedesmal, wenn dieselben Umstände vorwalten, alles genau in der gleichen Weise verlaufen muß und nicht einmal so und einmal anders, weil es von Ewigkeit an schon so bestimmt war, dann muß der innere Trieb des Lebewesens notwendig und unbedingt in der gleichen Weise reagieren, wenn dieselben Umstände vorliegen. Wo aber bleibt unsere Willensfreiheit, wenn der Trieb mit Notwendigkeit reagiert? „…

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Die Welt – eine gut geölte Maschine

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/9, 335 (1996).

Der freie Blick in die Unendlichkeit des Himmels offenbart den Menschen ein regelmäßig wiederkehrendes, mit präziser Gleichförmigkeit ablaufendes Geschehen. Auf den Himmel kann man sich verlassen. Der Gedanke, daß auch die Vorgänge auf der Erde, ja, das eigene Leben wider allen Augenschein auf ähnliche Weise determiniert, die Welt also in ihrer Gesamtheit als eine Maschine, ein Mechanismus anzusehen seien, hat die Menschen von jeher fasziniert. Schon Plato vergleicht das Weltganze mit einer riesigen Spindel und spinnt die Analogie mutig fort: Wenn die Seelen ihr Lebenslos wählen ist das Schicksal des Weltganzen und des einzelnen eng miteinander verbunden, eben wie der Spinnfaden und die Spindel. Diese Metapher bezieht sich sowohl auf die Funktion wie auf die Form. Der wulstige Spulenring setzt sich aus den Scheiben der Planetenbahnen, der Fixsternbahnen und der Mondbahn zusammen. Mitten durch die Scheiben zieht sich Plato zufolge die Weltachse hindurch, die sich wie eine Spindel „im Schoße der Notwendigkeit (ananke) dreht“. Daran ist dann das Lebenslos, der Lebensfaden des einzelnen Individuums festgebunden.

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…weiß man denn jemals, wohin man geht?

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 34/7,8, 278 (1996).

Als König Ödipus das ihm aus einer Prophezeiung zugeflossene Wissen um sein Schicksal ausnutzen wollte, um eben diesem Schicksal zu entgehen, erfüllte er es erst recht. Ödipus konnte seinem Schicksal nicht entgehen, weil ihm nur zustieß, „was ihm das Schicksal bestimmt und die mächtigen Spinnerinnen ihm bei seiner Geburt in den werdenden Faden gesponnen“ hatten (Homer). Voraussicht bietet demnach keine Möglichkeit, den Gang der Weltzu beeinflussen: „Was nämlich jeder voraussieht lange genug, dennoch geschieht es am End: Blödsinn, der nimmer zu löschende jetzt Schicksal genannt“. Zu diesem Schluß kommt Max Frisch in seinem Stück . Biedermann und die Brandstifter. (Spinnrad)

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Vergängliche Zeit

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/12 (1994).

Die Sanduhr ist nicht nur ein frühes Zeitmeßinstrument, sondern auch Symbol für die mit dem Ablauf der Zeit verbundene und durch den rieselnden Sand sichtbar vor Augen geführte Vergänglichkeit des Lebens und aller mit ihm verbundenen positiven und negativen Erlebnisse, denn…

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Zeit als „Fachwerk“

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/,10 (1994).

… Mit den Vorsokratikern beginnt die Entpersonifizierung der Zeit. Die Götter werden zunehmend zu empirischen Gegebenheiten. Dabei tritt zunächst die Flußmetapher in den Vordergrund, der Vorstellung also, daß „Alles fließt“…

PDF: Zeit als „Fachwerk“