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Perspektive

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Anamorphosen liegen auf der Straße

Anamorphosen sind in der Kunstgeschichte verzerrte Darstellungen von Gegenständen, um sie zu verstecken und damit nur demjenigen zugänglich zu machen, der den „Schlüssel“ kennt und sie zu entzerren vermag. Berühmt geworden ist u.a. die Anamorphose eines Totenschädels, den Hans Holbein (1497 – 1543) auf seinem Gemälde „Die Gesandten“ (im Original zu bestaunen in der National Gallery in London oder in einer Reproduktion im Internet) „versteckt“ hat. Weiterlesen

Der Silberblick des Mondes und die Zentralperspektive

Panoramaaufnahme Mond – Sonne, bei der die Drehachse senkrecht auf der Ebene Mond-Sonne_Kamera stand (Foto: Udo Backhaus)

Backhaus, Udo; Schlichting, H. Joachim. In: MNU Journal 4 (2017) S. 221 – 226

Auch wenn aus optischen Gründen klar ist, dass die beleuchtete Mondseite direkt der Sonne zugewandt ist, gibt es Situationen, in denen es einem Beobachter so scheint, als „schiele“ der Mond an der Sonne vorbei.
Es werden die geometrischen und physikalischen Hintergründe dieses Phänomens beschrieben, das vor einiger Zeit wieder kontrovers diskutiert worden ist. Außerdem werden die Bedingungen genannt, unter denen es wahrzunehmen ist, und Verbindungen zu anderen optischen Phänomenen aus Lebenswelt und Astronomie aufgezeigt. Dabei ergeben sich Vorschläge für Beobachtungen und Foto- bzw. Filmaufnahmen.

Siehe auch: Schielt der Mond?

Wasserziehen der Sonne

wasserziehen_img_0215_rv„Wohl kam Pfingsten näher und näher, aber zu der Schwüle, die unbekannt und unsichtbar über des Jünglings Herzen hing, gesellte sich noch eine andere über dem ganzen Dorfe drohend, ein Gespenst, das mit unhörbaren Schritten nahte; Weiterlesen

Perspektiven des Campanile des Doms von Florenz

Dom-FlorenzPerspektivische Elemente spielen in der Renaissance eine große Rolle. Über rein spielerische Aspekte hinaus geht es dabei auch um gezielte Manipulationen der Wahrnehmung. So hat man die einzelnen Etagen des Campanile der Kathedrale nach oben hin größer werden lassen, um die perspektivische Verkürzung auszugleichen. Denn wenn man auf dem relativ engen Vorplatz des Turms steht, muss man den Blick schon ganz schön heben. Es war einigermaßen schwierig, einen Ort für ein verlässliches Vergleichsfoto zu finden. Wenigstens für die beiden oberen Etagen kann man im rechten Foto, das von der Laterne über der Kuppel des Doms aus aufgenommen wurde, erkennen, wie stark die perspektivische Verkürzung tatsächlich ist. Die nach idealisierten Vorstellungen gewünschte Wahrnehmung der Bauwerke war den damaligen Baumeistern ein besonderes Anliegen.
Im Dom selbst können weitere kreative perspektivische „Täuschungen“ bewundert werden, wie in einem früheren Beitrag bereits gezeigt wurde.

Nebel mit Baumkorona

Nebel-und-BaumkoronaMorgendlicher Nebel und eine gerade aufgegangene strahlende Sonne verheißen einen schönen Tag. Ich wandere der Sonne entgegen und muss den Blick wegen der starken Blendung senken. Das Gras ist noch weitgehend vom Raureif überzuckert, eine Pracht, die der höher steigenden Sonne bald zum Opfer fallen wird.
Jetzt vergittern einige noch winterlich nackte Bäume die Sicht. Die Sonne bricht durch das Geäst und lässt den Nebel dort in lebhaften Farben erstrahlen. Ich stelle mich so hin, dass die Sonne selbst durch einen Ast ausgeblendet wird. Weiterlesen

Physik und Kunst – Perspektiven und Wechselbeziehungen

Farbfraktal011Vortrag auf Lehrerfortbildungstagung Physik – Jenseits des Tellerrands – Physik im fächerverbindenden Kontext  am 6.11.2015 in Leinsweiler

Kurzfassung:
Obwohl Physik und Kunst normalerweise als stark unterschiedliche Ausprägungen unserer Kultur angesehen werden, weisen sie zahlreiche Beziehungen auf. Sie äußern sich u. a. in gemeinsamen Ideen, verblüffenden Überschneidungen, überraschenden Wechselwirkungen. Einige Aspekte dieser Wechselbeziehungen werden im Hinblick auf eine mögliche Einbeziehung in den Physikunterricht beispielhaft dargestellt und diskutiert.

Das Auge sieht, was es sucht
Max Slevogt

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,
sondern macht sichtbar
Paul Klee

Subtropische Perspektiven

Blick-nach-obenDie Palme

Du Palme bist ein edler Baum,
Es strebt dein hoher Sinn nach oben;
Dein Haupt wiegt sich im ew’gen Raum,
Von innrem Drang emporgehoben.

Nichts fesselt dich in niedre Haft;
Drückt auch ein Stein den jungen Gipfel,
So bäumt sich stolz dein schlanker Schaft
Und trägt die Last im grünen Wipfel.

Dich edlen Baum, nie unterjocht,
Will ich zum Vorbild mir erküren;
Der Drang, der uns im Busen pocht,
Der muß uns auch zum Ziele führen.

Wo dir, o Baum! die Kraft nicht bricht,
Soll da ein Menschenherz verzagen?
Ich ring‘ wie du in Luft und Licht,
Und muß ich Erd‘ und Himmel tragen.

O wirst du, Palme stolz und kühn,
Wenn einst des Abends Feuer glänzen,
Mit deiner Zweige kühlem Grün
Die müde Schläfe mir bekränzen?

Ludwig Pfau

Wer würde in dieser ungemütlichen Zeit nicht gern mal wieder unter Palmen liegen und das durch die Palmwedel gefilterte Himmelslicht auf Körper und Gemüt wirken lassen!

Wasserheiligenschein

Wasserheiligenschein

Heiligenscheine auf dem Wasser gelten als seltenes Naturphänomen. Zumindest muss man diesen Eindruck bekommen, wenn man ihren Bekanntheitsgrad bedenkt. Dabei sind sie meiner Erfahrung nach häufiger zu sehen, als Heiligenscheine auf der feuchten Wiese. Zumindest wenn man ein wenig nachhilft. Im Grunde eignen sich viele Teiche, künstlich angelegte Gartenteiche eingeschlossen. Was meistens fehlt ist eine gewisse Welligkeit des Wassers, die neben der fast immer vorhandenen leichten Trübung des Wassers unabdingbar ist für das Auftreten des Phänomens. Die Welligkeit kann man aber leicht selbst erzeugen, wenn man beispielsweise mit einem Stock im Bereich des eigenen Schattens im Wasser etwas herumrührt. Während der Zeit, in der sich das Wasser wieder beruhigt, sieht man deutlich die Strahlen, die den eigenen Kopfschatten zu umgeben scheinen. So ist auch dieses Foto entstanden.

Walt Whitman muss so etwas gesehen haben, wenn er schreibt:

Sah den Widerschein des Sommerhimmels  im Wasser,
Fühlte meine Augen geblendet von der schimmernden Strahlenspur,
Schaute hinab auf die feinen, strahlenden Lichtspeichen  um die Form meines Kopfes im sonnigen Wasser, …

Nimm in dich den Sommerhimmel, du Wasser, und halte ihn treulich, bis alle herniederschauenden Augen ihn wieder trinken können aus dir!
Strahlt, feine Lichtspeichen, um das Spiegelbild meines / Kopfes, oder des Kopfes irgendeines anderenen, in dem sonnigen Wasser…

Walt Whitman: Auf der Brooklyn- Fähre. Grashalme. Zürich: Diogenes 1995

Wenn der Boden versinkt

Santa-Maria-FioreWer Florenz besucht, sollte sich die Besichtigung des Doms Santa Maria Fiore nicht entgehen lassen. Im Innern des Doms sollte er seinen Blick nicht nur nach oben richten, sondern auch einmal auf den Boden. Dabei wird er erstaunt feststellen, dass die Fliesen des Bodens oft von einer rechteckigen Form abweichen, was aufgrund eines fehlenden größeren Überblicks über das Ensemble aller Fliesen unverständlich erscheint. Den Überblick kann man sich aber verschaffen, wenn man es auf sich nimmt, die Kuppel zu besteigen. In der Laterne oberhalb der Kuppel hat man nicht nur einen großartigen Überblick über die Stadt. Beim Aufstieg hat man außerdem die Möglichkeit, auf etwa halber Höhe einen Rundgang innerhalb der Kuppel zu unternehmen und auf das Kircheninnere hinab zu blicken. Dies sollte man unbedingt tun, nicht nur um eine kleine Verschnaufpause für den weiteren Aufstieg einzulegen, sondern ein eindrucksvolles Phänomen zu erleben. Blickt man nämlich auf den Boden der Kirche, so scheint dieser plötzlich in die Tiefe zu sinken und ein weiteres Stockwerk in die Kirchenarchitektur einzuziehen. Man muss sich schon anstrengen, um zu erkennen, dass es sich nicht um eine reale Vertiefung handelt, sondern um einen perspektivischen Effekt, der durch die Fliesen hervorgerufen wird, über deren Form wir uns vorhin noch gewundert haben. Weil unsere Wahrnehmung eher rechteckige Elemente erwartet, interpretieren wir unwillkürlich die Verjüngung der Fliesen als perspektivische Flucht, die von oben betrachtet suggeriert, dass der flache Boden eine in die Tiefe gehende Wand ist. Das obige Foto kann nur einen Eindruck von diesem faszinierenden Effekt vermitteln. In den Tiefen dieser Webseite findet sich ein weiterer Hinweis auf dieses Phänomen.

Die Erde, vom Mond aus gesehen

AufgehendeErde003rv„Kommt, wir wollen dem Mond einen Besuch machen.
Wir fühlen geradezu persönliches Interesse für ihn, weil er in so ausschließlichem Sinn unser intimer Freund und treuer Begleiter ist. Die Sonne scheint für uns, aber sie scheint ebenso für alle Mitglieder des Sonnensystems. Und die Sterne, ‑ so viele wir ihrer zu sehen vermögen, ‑ leuchten auch für uns, aber jedenfalls leuchten sie für andere, ihnen nähere Welten bei weitem prächtiger. Nur der Mond scheint einzig und allein uns anzugehören.
Wir sind ganz gewöhnt, von ihm als „unserm Monde“ zu sprechen. Aber ein etwas kühler und stiller Freund, denkt wohl mancher, ist er doch, der so gelassen auf alles herabschaut, was unter ihm vorgeht; seine beständige und treue Anhänglichkeit müssen wir nichts desto weniger anerkennen.
Sehr weit zu reisen brauchen wir nicht, nur ungefähr vierhunderttausend Kilometer. Das ist nichts im Vergleich zu den Hunderten von Millionen Kilometern, die wir durcheilen mußten, um einige unsrer Familienangehörigen aufzusuchen. Ein Seil, das vierhunderttausend Kilometer lang wäre, könnten wir gerade zehnmal um die Erde wickeln, wo sie am dicksten ist, am Äquator. ‑ Ihr erinnert euch, daß der Durchmesser der Erde ungefähr zwölftausendachthundert Kilometer mißt. Wenn ihr einunddreißig Stangen hättet, von denen jede zwölftausendachthundert Kilometer lang wäre, und befestigtet sie alle mit den Enden aneinander, so erhieltet ihr einen Stab, der lang genug wäre, um von der Erde bis an den Mond zu reichen. Weiterlesen

Zwei scheinen sich so nah

Parallelen-konvergierenZwei scheinen sich so nah, und kommen nie zusammen;
Zwei andre finden sich, die aus der Ferne stammen.
Was ists? Wie Linien verhalten sich die Seelen;
Zwei haben Neigungen, zwei bilden Parallelen.
Gleichgültig laufen die stets aneinander hin,
Jene begegnen sich zuletzt in Einem Sinn.

Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839, S. 172

Nikolaus – Kopernikus – Tag: Die Erde geht auf

SonnenaufgangHeute ist Nikolaustag. Er erinnert mich an Nikolaus Kopernikus, mit dessen Namen das neuzeitliche Weltbild verbunden ist. Vielleicht fand Kopernikus das heliozentrische System des Aristarch von Samos deshalb so überzeugend, weil zu seiner Zeit der Perspektivismus, der zu seiner Annahme vorauszusetzen ist, im kulturellen Kontext gewissermaßen „in der Luft“ lag. Die Kenntnis, dass man einen bestimmten Standpunkt einnehmen muss, um perspektivisch zu sehen, mag ihn zu der Überzeugung gebracht haben, dass man auch einen anderen Standpunkt einnehmen kann, z.B. die Erde von der Sonne aus zu betrachten. Dabei wird er die Erde als Planet „gesehen“ haben, der wie alle anderen Planeten auch die Sonne umkreist. Mit den Worten von Hans Blumenberg: Weiterlesen

Der Scheinriese im Säulengang

Schlichting, H. Joachim. In : Physik in unClip_142serer Zeit 44/4 (2013) 190

Ein Säulengang, der kürzer ist, als er erscheint, lässt Menschen scheinbar wachsen, wenn sie durch ihn hindurchgehen. Die geschickte optische Täuschung eines Architekten aus dem 17. Jahrhundert befindet sich in einem alten Palast in Rom.

PDF: Kann beim Autor angefordert werden (schlichting@uni-muenster.de)

Schielt der Mond?

Schlichting, H. Joachim. In: Spektrum der Wissenschaft 43/10 (2012), S. 46-48

Die Mondsichel weist stets exakt zur Sonne so muss es sein, weil sich Licht geradlinig ausbreitet. Doch manchmal schert sich die Natur nicht darum!

… die Unregelmäßigkeit der Figur, die auf der einen Seite Relief gewinnt
(wo die Strahlen der sinkenden Sonne sie besser erreichen)
und auf der anderen in einer Art Zwielicht verharrt.
Italo Calvino (1923 – 1985)

http://www.spektrum.de/alias/schlichting/schielt-der-mond/1159815

Optische Tropfenexplosion

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in unserer Zeit 43/5 (2012) 254.

Durch die Sonne oder ein Blitzlicht erleuchtete Tröpfchen auf einer
Fensterscheibe scheinen sich strahlenförmig nach außen zu orientieren. In Wirklichkeit sind sie zufällig verteilt. Wie kommt dieses Phänomen zustande?

PDF: Optische Tropfenexplosion

Wenn alles auf einen Punkt zuläuft

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in unserer Zeit 35/4, 193 (2004).

Häufig sieht man Kondensstreifen von Flugzeugen, die alle in dieselbe Himmelsrichtung verlaufen und am Horizont scheinbar zusammenkommen (Abbildung 1). Diese künstlichen Wolken geben einerseits Hinweise auf die meteorologischen Bedingungen in großen Höhen. Andererseits lässt sich einfach abschätzen, in welcher Höhe die Flugzeuge fliegen.

PDF: Wenn alles auf einen Punkt zuläuft

Perspektive täuscht

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in unserer Zeit 35/3, 145 (2004).

DomFlorenz004_rvDie perspektivische Verkürzung täuscht bekanntlich Konvergenzen vor, wo keine sind. In größeren Entfernungen, in denen das binokulare räumliche Sehen nicht mehr funktioniert, ist die perspektivischeTäuschung ein wesentliches Element der räumlichen Wahrnehmung. Der Dom Santa Maria del Fiore in Florenz bietet hierfür ein besonders beeindruckendes Beispiel. Mit diesem Beitrag beginnen wir eine Serie über Alltägliches und auf den zweiten Blick Verblüffendes.

PDF: Perspektive täuscht