//
Artikel Archiv

Pflanze

Diese Schlagwort ist 46 Beiträgen zugeordnet

Biostacheldraht

Natürliche und künstliche Stacheln, hier in trauter Gemeinsamkeit. Durch Androhung und tatsächliche Zufügung von Schmerzen und Verletzungen geht es in beiden Fällen darum, Zudringlichkeiten zu verhindern. Manchmal werden Brombeerhecken wie der technische Stacheldraht zur Abgrenzung von Grundstücken genutzt – dann könnte man mit Recht von Biostacheldraht sprechen. Ob er wirklich gesünder ist? Obwohl der gemeinsame Auftritt der Stacheldrähte ein Ergebnis des Zufalls sein dürfte, erscheint es mir wahrscheinlich, dass der technische Stacheldraht der Natur abgeschaut wurde.

Advertisements

Ein Farbenfest der Fünfzähligkeit

In südlichen Breiten ist man ganzjährig von farbenprächtigen Blüten umgeben. Ich bin insbesondere von den Hibiskusblüten beeindruckt, die hier in zahlreichen Variationen anzutreffen sind. Auf dem Foto sieht man eine voll entfaltete Blüte mit ihren prachtvollen Stempeln und Staubgefäßen in äußerst verlockenden Farben. Wer von den Insekten da noch zögert, ist selber schuld.
Dominierend ist hier – wie so oft im Bereich der belebten Natur – die Fünfzähligkeit. Die fünf Kronblätter leuchten hier in einem satten Rot, sie können aber auch andere Farben aufweisen. Die Staubfäden der zahlreichen Staubblätter sind zu einer langen Röhre zusammengewachsen, die weit aus der Blüte herausreicht. Wenn ich recht informiert bin, dient diese sogenannte Columna der Verhinderung der Selbstbestäubung. Besonders eindrucksvoll sind die fünf ausgreifenden Griffeläste mit ihren samtenen Narben.

Die Pracht der kleinsten Dinge

Die meisten Menschen wissen gar nicht,
wie schön die Welt ist und wie viel Pracht
in den kleinsten Dingen,
einer blume,
einem Stein,
einer Baumrinde
oder einem Birkenblatt sich offenbart.

Rainer Maria Rilke Weiterlesen

Platz ist in der kleinsten Spalte…

… so könnte man einen bekannten Ausspruch varrieren, wenn man sieht wie aus der schmalen Felsspalte eine „Hütte“ für neues Leben hervorgeht: Ein in die Spalte geratenes Samenkorn hat Wurzeln nach unten und Blätter nach oben entwickelt und richtet nunmehr als kleine Pflanze alle Ausbreitungsbemühungen in Längsrichtung aus. Weiterlesen

Drehwuchs einer Lärche

Manche Bäume haben einen Drehwuchs. Ein solches verdrilltes Wachstum, das äußerlich durch eine spiralförmige Struktur des Stamms zu erkennen ist, kann die Standfestigkeit eines Baumes verbessern und tritt daher besonders in windreichen Standorten auf. Im vorliegenden Fall ist der Drehwuchs jedoch so stark, dass es den Baum spiralförmig gespalten und einen relativ tiefen Riss hervorgerufen hat.
Die durch den Riss getrennten Baumpartien sind eine Antwort auf die Verlängerung der äußeren Holzschichten infolge der Verdrillung. Sie wird zunächst durch eine Spannung im Stamm aufgefangen, was durch eine gewisse Elastizität des Materials ermöglicht wird. Wenn die Spannung nicht mehr durch rückwirkede Kräfte in den Fasern kompensiert werden kann, kommt es zu dem Riss, der sich im Extremfall der Verdrillung entsprechend von unten nach oben um den Baum herumwindet.
Der Riss ist eine ernste Verletzung des Baumes und ein Einfallstor für Schädlinge. Offenbar ist die hier abgebildete Lärche bereits stark geschädigt. Die übermäßige Zapfenproduktion sowie abgestorbene Äste sind ein deutliches Zeichen dafür. Bevor der Baum als Ganzes abstirbt, sollen noch möglichst zahlreiche „Nachkommen“ in die Welt gesetzt werden.
Holzwirtschaftlich gesehen gehört das Phänomen wie auch der schon früher beschriebene Wimmerwuchs zu den Holzfehlern.

Suizid im Dienste der Arterhaltung

Ich hatte wieder einmal keinen Fotoapparat dabei, als ich ein sehr schönes Exemplar eines mir bis dahin unbekannten Pilzes am Waldrand inmitten einer ganzen Kolonie vorfand. Am nächsten Tag wollte ich das Foto nachholen und fand den Pilz mit einer schwarzen, aus einer teerartigen Masse bestehenden Krempe ausgestattet vor (oberes Foto). Über diese Entwicklung neugierig geworden suchte ich einige Tage später die Pilze nocheinmal auf und fand neben frischem Nachwuchs die anfangs bewunderten Pilze weitgehend in der schwarzen Masse aufgelöst vor. Weiterlesen

Natürliche Armleuchter

Kandelaber klingt besser als Armleuchter, weil man wegen der Seltenheit realer Armleuchter meist an die herabwürdigende Bezeichnung für Menschen denkt, deren Licht nicht sehr weit leuchtet. Jedenfalls ist ein Kandelaber ein aus mehreren Armen bestehender Kerzenleuchter, der in früheren Zeiten, die Helligkeit einer einzelnen Kerze entsprechend vervielfältigen sollte.
Wem die symmetrische Anordnung der Arme der Leuchter nicht so wichtig ist und eine gewisse Flexibilität des Materials in Kauf nimmt, kann Kandelaber auch in freier Natur – zumindest im Mittelmeerraum – entdecken. Besonders eindrucksvoll sind diese, wenn ihre aufwärtsgerichteten Blätter von der Sonne getroffen wie aus eigener Kraft in einem zarten Grün leuchtende Kerzen aussehen.
In Wirklichkeit passiert dort aber gewissermaßen das Gegenteil von Brennen im Sinne von Zerfall einer organischen Substanz in Kohlenstoffdioxid und Wasser unter Abgabe von Licht. Denn die grünen Blätter bringen organische Substanz u.a. durch eine Verbindung von Kohlenstoffdioxid und Wasser unter Aufnahme von Licht hervor

Reflexion und Lichtbeugung in den Haarbüscheln der Distelsamen

Nach der Mondfinsternis kommt hier die partielle Sonnenfinsternis der besonderen Art. Und das haben wir den Disteln zu verdanken. Denn diese beginnen in diesen Wochen damit, ihre Samen für den Start ins Ungewisse vorzubereiten. Einige Blüten stehen zwar noch in der vollen Pracht ihres Distelpurpurs, eifrig besucht von allerlei Insekten, andere lassen bereits die Weißhaarigkeit durchschimmern und viele Blüten sind bereits „explodiert“, indem sie ein Übermaß an Samen hervorquellen lassen, die jeweils an einer Art Gleitschirm hängen, mit dem sie bei der nächsten Gelegenheit und günstigem Wind auf Reisen zu neuen Ufern gehen. Weiterlesen

Ein Pentagon im Garten

Polygone findet man in der Natur in den unterschiedlichsten Kontexten. Dabei kommt dem Sechseck eine besondere Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund finde ich es immer wieder eindrucksvoll, wenn manche Pflanzen es geradezu herausschreien, dass es auch andere regelmäßige Polygone gibt, zum Beispiel das Fünfeck oder auch Pentagon (vom altgriechischen πεντάγωνον). Ein Beispiel ist die Blüte des Zucchini, die mit einem konkaven Fünfeck in knalligem Gelb auf sich aufmerksam macht.
Als Nutzpflanze, bei der man es hauptsächlich auf die gurkenförmigen Früchte absieht, hat sie es außerdem schwer, den Blick des Menschen von Gemüse auf Schönheit zu wenden, auch wenn dies häufig sehr naheliegt und eine gegenseitige Wertsteigerung bewirken könnte.
Der „kleine Kürbis“, wie die Pflanze in der aus dem Italienischen stammenden Bezeichnung heißt, lässt die Fünfe aber manchmal auch gerade sein, indem er auch mal vier- und sechsstrahlige Blüten zu besten gibt.
In der Hoffnung, dass dieser Aspekt des Pentagons auch ein wenig gegen Politikverdrossenheit helfen möge :), empfehle ich, einfach mal die großen Blätter der Zucchini zu lupfen und die oft halbverborgenen Blüten in all ihrer Schönheit in Augenschein zu nehmen.

Disteln – wehrhaft und filigran

Als Kind konnte ich Disteln nicht leiden, weil sie mich so manches Mal leiden ließen. Ihre Dornen sind nicht ganz ohne und das nicht ohne Absicht. Denn sie wollen sich nicht fressen lassen. Wer will das schon. Aber ich kann schwören, dass ich nie eine solche Absicht gehabt habe.
Dadurch dass biologisches Gewebe zu einer Spitze mit einer winzigen Fläche verjüngt wird, übt es bereits bei verhältnismäßig geringen Kräften, sehr große Drücke aus. Denn der Druck, mit dem der Dorn beispielsweise auf die Haut eines gefräßigen Tieres oder die Arme eines unvorsichtigen Kindes wirkt, ist gleich dem Quotienten aus Kraft und Fläche und daher bei gegebener Kraft umso größer, je kleiner die Fläche der Dornenspitze ist.
Die auf diesen physikalischen Gegebenheiten beruhenden negativen Kindheitserfahrungen haben den Blick für die Schönheit der Distel lange verstellt. Wenn ich an die Mariendistel denke, zeigt sich die Schönheit bereits darin, dass der korbförmige Blütenstand mit einer zwar rauen aber nahezu perfekten Kugelform beginnt, aus deren Oberfläche nach einem gleichzeitig ästhetisch ansprechenden und ökonomisch perfekten System die Dornen sprießen.
Später verschlanken sich diese Körbe und lassen die purpurfarbenen bis violetten Blütenblätter hervortreten, die besonders bei Bienen, Hummeln und Schmetterlingen beliebt zu sein scheinen. Jedenfalls war es kaum möglich,  eine Blüte ohne Insektenbesuch zu fotografieren (oberes Foto).
Anschließend sieht es so aus, als sei es mit der Ästhetik vorbei. Die Farben verblassen, die Hülle vertrocknet. Doch nach einiger Zeit scheint der Korb geradezu zu explodieren und lässt eine Unmenge an glänzend weißen, filigranen Federkronen hervorquellen, die jede mit einem glänzend dunklen Samenkorn versehen ist. An der Menge dieser flockigen Gebilde kann man bereits erkennen, dass sie eine sehr geringe Dichte haben müssen, um aus dem verhältnismäßig kleinen Volumen hervorzugehen.  In der Tat bestehen sie hauptsächlich aus Luft und einigen sehr leichten verzweigten Härchen. Durch diese Aufbauschung einer geringen Masse zu einem großen Volumen sind der Luftwiderstand und der Auftrieb groß, sodass schon ein kleiner Windhauch ausreicht, die Samenkörner weit fortzutragen.

Sie war ein Blümlein…

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing. Weiterlesen

Schnee im Mai?

Von weitem sieht es aus, als habe es geschneit, obwohl die angenehmen Temperaturen dagegen sprechen. Es wird allerdings sehr schnell klar, dass hier eine große Pappel ihre schneeweißen Samenfasern auf die Reise geschickt hat, die allerdings wegen der Windstille nicht allzu weit gekommen sind.
Schaut man sich die Pappelwolle aus der Nähe an, so entdeckt man, dass an jedem Flaum ein Samenkörnchen hängt, eine potenzielle neue Pappel. Angesichts der schieren Masse der Samen kann man davon ausgehen, dass die meisten von ihnen auf der Strecke bleiben. Weiterlesen

Der Zunderschwamm bleibt aufrecht

Zunderschwamm sieht man zurzeit viel in den Wäldern unserer Gegend. Das ist ein gutes Zeichen, weist es doch darauf hin, dass sie nicht mehr so intensiv bewirtschaftet werden und Bäume auch mal in Ruhe absterben dürfen. Denn auf absterbenden Bäumen tobt das pralle Leben. Am auffälligsten sind vielleicht die Zunderschwämme, konsolenartige geschichtete Pilze, die manchmal in großer feuriger Farbenpracht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen (unten links). Weiterlesen

Rollender Farn

„Schöner Farn. :wenn die Blätter noch ganz zart & zusamm’gerollt sind, kochn se Manche, in Wasser : schmeckt wie Spargel. – :Na, was geht Dir durch d’n Täti ?“

Arno Schmidt (1914 – 1979): Abend mit Goldrand. Frankfurt 1975. Weiterlesen

Buschwindröschen

Die Buschwindröschen, die hier mannigfach
in einem Blütenteppich Bäume säumen,
die in dem Walde nun aus Winterträumen
in regem Knospen grünend sind erwacht.

Sie leuchten, zarte, weiße Sterngesichter,
hell in des Buchenwaldes Kathedrale,
Geschenk des Frühlings, der die Blütenlichter
lässt lieblich lächelnd sich ins Leben malen. Weiterlesen

Ein blutender Baum

Der Walnussbaum wuchs schnell. Er breitete seine Äste auch dort aus, wo sie nicht zu gebrauchen waren. Also sägte ich einen störenden Ast ab. Was ich dann erlebte war für mich erstaunlich. Der Baum gab durch die Wunde Säfte in einem Maße ab, dass ich Angst bekam er könnte „verbluten“. Ich verband den Aststumpf mit einer festen Gummimembran und hoffte, dadurch den Saftstrom aufzuhalten. Doch was passierte, sieht man auf dem Foto. Die Membran wurde wie ein Ballon aufgeblasen. Schon nach etwa einer Stunde hatte der Ballon einen Durchmesser von 8 Zentimetern. Am nächsten Morgen war der Ballon geplatzt und der Baum saftete unentwegt weiter. Er tat es etwa eine Woche lang, bis die Wunde schließlich trocknete und sich mit den Baumeigenen Mechanismen zu verschließen begann. Der Baum hat es gut überstanden. Im Herbst gab es keine Einschränkungen in der Nussernte und die Wunde war bereits teilweise mit frischem Gewebe vom Rande her überwulst.
Ich kann mir gut vorstellen, dass nicht jede Pflanze derartige Flüssigkeitsverluste übersteht. Erstaunlich, mit welcher Stärke der Saftstrom durch das bei vordergründiger Betrachtung dichte Holzgewebe fließt! Man muss wohl davon ausgehen, dass dieser Flüssigkeitsstrom ohne meinen Eingriff für die neuen Triebe und andere Funktionen benötigt worden wäre. Oder weicht hier nur der Wurzeldruck auf die schwächste Stelle aus?

Schau mir in die Augen, Großer…

Wenn man offenen Auges durch die Natur geht, trifft man immer mal wieder auf Strukturen, die rein äußerlich dermaßen genau auf Strukturen aus völlig anderen Bereichen passen, dass es gar nicht so leicht fällt, an einen Zufall zu glauben. Die verheilten Wunden eines abgeschnittenen Astes von Bäumen ähneln oft erstaunlich genau einem, wenn auch blicklosen, Auge von Mensch oder Tier, obwohl die „Funktion“ eine ganz andere ist. Weiterlesen

Schneeblüten

Ich bin immer wieder beeindruckt von Doldenpflanzen, die ihre strahlenden Blüten auf die Verzweigungen, der Verzweigungen, der Verzweigungen erstrahlen lassen. Wenn die Pflanze dann im Herbst ausgeblüht und die feinen Blütenblätter in alle Winde verstreut hat, bleibt das verholzte Gerippe meistens noch sehr lange erhalten, oft bis in den Winter und länger (Foto unten links). Weiterlesen

Raureif trifft Korkenzieher-Hasel

raureif_dsc06699-jpg_rvDie Korkenzieher-Hasel (C. avellana Contorta) beeindruckt besonders durch ihre für Pflanzen ungewöhnlichen verdrehten Zweige, die besonders in der Winterzeit zur Geltung kommen. Im Gegenlicht wirken sie teilweise wie kalligrafische Verzierungen. Kommt dann noch die Veredelung durch Raureif hinzu, der im Sonnenlicht zahllose Funken versprüht, erhält man einen wirkungsvollen Eindruck vom Naturschönen. Weiterlesen

Zufallsstrukturierte Blattlandschaften

blattaderlandschaft_rvBlätter sind durch Adern strukturiert, die oft sehr stark an Straßennetzwerke erinnern, bei denen von den Autobahnen Hauptstraßen und von diesen Nebenstraßen usw. abzweigen, sodass jede Landschaftsparzelle erreicht werden kann. Ganz ähnliche Strukturen bieten sich manchmal den Flugreisenden an, wenn sie die Landschaften von oben betrachten. Weiterlesen

Wo aber Regen ist, wachsen Regenschirme auch…

Als ich auf einer Wanderung bei einem heftigen Regenguss dieser Pilze ansichtig wurde, ging mir ein Spruch Friedrich Hölderlins (1770 – 1843) durch den Sinn:

Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch Weiterlesen

„Das Licht treibt sein lachendes Spiel an der Oberfläche der Dinge“*

Es ist als würde diese Palme (Foto)  auf La Palma ein überirdisches Licht in ihrem Innern zum Leuchten bringen, so unwirklich hell strahlt es aus ihr heraus. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es hier mit rechten Dingen zugeht. Die Stelle, an der sich die Palmwedel vereinigen, wird zufällig so wirkungsvoll vom Sonnenlicht getroffen, dass es zu dieser faszinierenden Leuchterscheinung kommt. Das Foto kann nur unvollkommen wiedergegeben, was das Auge als ein gewissermaßen aus sich heraus leuchtendes Volumen sieht. Weiterlesen

Harmonie zwischen Straßenbelag und Monsterafrucht auf La Palma

Polygonale und darunter vor allem hexagonale Muster findet man auf La Palma nicht nur bei den Basaltsäulen und manchen Straßenbelägen vor, sondern auch bei einigen Pflanzen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Monstera deliciosa, das köstliche Fensterblatt. Monstera heißt auf lateinisch Missgestalt (lat. monstrum = mahnendes Zeichen im Sinne von Ungheuer). Die Übersetzung mit Fensterblatt ist daher eine etwas entschärfte Version der Tatsache, dass die Blätter der Pflanze  Öffnungen, also Fenster haben; und köstlich sind die Früchte, weil sie sehr gut schmecken: ein wenig wie eine Kreuzung aus Ananas und Banane. Weiterlesen

Aus dem Garten der Hesperiden

drachenbaum_la_palma_rvEindrucksvoll der Drachenbaum (Dracaena draco) wie man ihn auf den Kanarischen Inseln (hier: La Palma) gelegentlich antrifft. Schon der Name umgibt den Baum mit einem Hauch des Geheimnisvollen und folglich hört man auch immer wieder wilde Geschichten über dieses Gewächs. So soll er im Garten der Hesperiden seinen Ursprung haben. Dort wurde ein goldene Früchte tragender Baum vom Drachen Ladon bewacht. Aber Herakles tötete Ladon und aus jedem Blutstropfen wuchs ein Baum, ein Drachenbaum.
Das erinnerte mich an eine Zimmerpflanze, die ich seit Jahren bewundere. Denn auch sie lässt sich leicht vermehren. Aus jedem Teil der Pflanze kann eine neue Pflanze gezogen werden. Erst jetzt wurde mir klar, dass die Beziehung inniger ist, als diese leichte Vermehrung vermuten lässt. Diese Zimmerpflanze ist auch ein Drachenbaum (Dracaena marginata).
Seitdem ist mir dieser Drachenbaum ans Herz gewachsen. Er erinnert mich an La Palma. Dem kann auch die Tatsache keinen Abbruch tun, dass der Drachenbaum gar kein Baum im botanischen Sinne ist, sondern zur Familie der Spargelgewächse (Spargel?!) gehört.

Das Rasseln des Klatschmohns

Das Klatschmohnjahr ist noch nicht zu Ende, auch wenn die Pflanzen schon eifrig dabei sind, für das nächste Jahr vorzusorgen, indem sie ihre Samen in mehr oder weniger großen Kapseln sammeln. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sondern können auch zu einem überraschenden Hörerlebnis werden. Sobald die Kapseln verholzen haben sich die vielen kleinen Samenkörner in ihnen gelöst und sind wie in einem Salzstreuer frei beweglich (im Foto rechts unten). Weiterlesen

Guttation – ein Notfallprogramm der Pflanzen

Guttation_rvIm Frühtau findet man die Blätter von Pflanzen häufig mit winzigen Tröpfchen besetzt: Tautropfen. Sie entstehen dadurch, dass durch die Abkühlung in der Nacht der Taupunkt unterschritten wird: Weil die maximale Feuchtigkeit mit der Temperatur abnimmt, wird sie kleiner als die absolute Feuchtigkeit, sodass der überschüssige Wasserdampf zu kleinen Tröpfchen kondensiert. Weiterlesen

Zur schlingenden Umarmung von Natur und Technik

Auf der Suche nach festem Halt, treibt die Gurkenpflanze Triebe in den freien Raum und „tastet“ ihn mit auffälligen Suchbewegungen nach geeigneten Gegenständen ab. Meist findet sie etwas und sobald der Kontakt hergestellt ist, windet sich der Trieb um den Gegenstand und zurrt ihn fest. Damit hat die Gurke eine weitere stabile Stütze geschaffen, die schließlich schwere Früchte tragen können muss. Weiterlesen

Strecken und Falten – chaotisches Mischen

chaotische_mischmaschineObwohl der Regen vorüber war, lief noch einige Zeit danach das in den Regenrinnen aufgefangene Wasser  in den Brunnenring, der hier als Auffangbecken für Regenwasser dient. Dabei konnte ich eine interessante Strukturbildung beobachten. Weiterlesen

Aus der Haut fahren…

entfaltung_img_7281_rvDie Bäume fahren im Frühling aus der Haut

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Ist ja nach einem kalten Winter auch nicht erstaunlich, dass den Pflanzen der Kragen platzt und sie alles das, was sie sich in den langen Wintertagen und -nächten aufgespart haben an die Frühlingsluft lassen und zu großer Pracht entfalten.
Blattknospen, wie die der Kastanie (unteres Foto) haben ihre Laubblatt- und Blütenanlagen auf erstaunlich platzsparende und effektive Weise verpackt, sodass nach dem Knospenbruch nur noch zur Entfaltung gebracht werden muss, was en miniature bereits sorgfältig gefaltet vorhanden war. Wenn man die Entwicklung in den letzten Wochen etwas geanauer verfolgt, so kann man mit jedem Tag erleben, wie die origamimäßig zusammengelegten Miniblätter jetzt mit großem Wachstumsschub immer größer, straffer und glatter werden, um so schnell wie möglich ihrer Aufgabe gerecht zu werden, die Energie der entfaltung_dscf2225_rvSonne durch Fotosynthese zum Wohle der gesamten Pflanze – und letztlich auch der gesamten belebten Natur (uns Menschen eingeschlossen) – in Biomaterie umzusetzen.

Tagtäglich kann man die Entwicklung verfolgen. Das obere Bild ist auch schon nicht mehr aktuell. Inzwischen ist alle Schlaffheit aus den Blättern gewichen und sie haben sich waagerecht ausgerichtet.

Löwenzahn mit Glatze

Löwenzahn_mit_FastglatzeWunderbar stand er da im Silberhaar.
Aber eine Dame,
Anette war ihr Name,
machte ihre Backen dick,
machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht,
blies ihm fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze
zurück mit einer Glatze.

Josef Guggenmos (1922 – 2003)

Ohne die kleinen Gleitschirme würden die Samen des Löwenzahn einfach herunterfallen und sich gegenseitig an einer Stelle Konkurrenz machen, an der sich bereits die Mutterpflanze tief wurzelnd mit einem mächtigen Blätterkranz breit gemacht hat. Mit Gleitschirm ist das Verhältnis von Oberfläche zum Volumen der Samen so stark vergrößert, dass bereits kleine Winde ausreichen, die Samen auf eine längere Reise zu schicken, wo möglicherweise günstigere Verhältnisse für eine Einwurzelung herrschen.
Das hat sich auch der Mensch zunutze gemacht, im Fallschirm und eben auch im Gleitschirm.

Rätselfoto des Monats Mai 2017

quellungsdruck_asphalt_rvFrage: Wie kommt es zu dieser Asphaltsprengung?

__________________________________________________________________________________________.

Erklärung des Ratselfotos des Monats April 2017

Frage: Wie kommt es zu dem Wandschatten?

Antwort: Der Schatten auf dem Boden entsteht dadurch, dass eine Person durch ein Fenster hindurch von hinten und schräg oben vom Sonnenlicht angestrahlt wird, das durch ein Fenster fällt. Sowohl das Fensterkreuz als auch der Schatten der Person werden auf einem Fliesenboden abgebildet. Der Schatten an der Wand scheint ein Spiegelbild dieser Abbildung auf dem Boden zu sein und damit der Boden als Spiegel zu wirken. Dafür spricht der „Kopfstand“ des Personenschattens. Dagegen spricht allerdings, dass ein Spiegel das auffallende Licht (Fensterrahmen mit Person) nicht projiziert, sondern reflektiert und zwar gegen die Wand. Tut er ja auch, wie man sieht. Und die so erhellte Wand sieht man umgekehrt im spiegelnden Boden reflektiert. Das heißt aber, es würde sich genau das ergeben, was man sieht, nur mit einer anderen Begründung. Man sieht also das von hinten eingestrahlte Lichtmuster nicht direkt auf dem Boden, sondern indirekt dadurch, dass das vom spiegelnden Boden an die Wand reflektierte Lichtmuster durch den Boden gespiegelt wird.
Diese Argumentation wäre korrekt, wenn der Boden ein perfekter Spiegel wäre. Ist er aber nicht. Er ist gleichzeitig auch Projektionsfläche. Das kann man schon daran erkennen, dass auch die Bodenfliesen vom „Spiegelhaften“ des Bodens an die Wand reflektiert werden. Des Weiteren ist das Abbild der Person auf dem Boden deutlicher und „schattenhafter“ als auf der Wand. Darin kommt zum Ausdruck, dass der Boden eben doch auch einen Teil des einfallenden Lichtmusters projiziert und nicht nur reflektiert. Schatten und Spiegelbild fallen auf diese Weise zusammen. Das ist nicht immer so. Der Boden ist also gleichzeitig teilweise Spiegel und teilweise Reflexionsfläche oder teilweise glatt und matt.
Solche teilspiegelnden Flächen findet man im Alltag häufiger an als nur spiegelnde Flächen. Dabei kommt es zuweilen vor, dass der Schatten und das Spiegelbild nicht zusammenfallen, sondern als zwei verschiedene Abbilder zu sehen sind.
Die Schulphysik weiß schon, warum sie sich auf ideale Spiegel und Projektionsflächen beschränkt. Sie erspart sich derartig komplizierte Zusammenhänge. Sie beraubt sich damit allerdings auch der Möglichkeit, alltägliche Erscheinungen wie die vorliegende beschreiben zu können. Damit verfehlt sie eine ihrer wesentlichen Aufgaben, dazu beizutragen, alltägliche Erscheinungen in der wissenschaftlich-technischen und natürlichen Welt besser zu verstehen.

 

Löwenzahn und ein wenig Physik

Auch vergilbte Blätter sitzen manchmal noch sehr fest an der Pflanze. Wem das nicht klar ist, dem kann es so gehen wie mir. Ich möchte das Blatt von einer Topfblume entfernen und reiße den ganzen Topf von der Fensterbank. Sicherer ist es, wenn man die Restblume mit einer Hand festhält und das Blatt mit der anderen Hand abzieht. Weiterlesen

Ein Baum mit vielen Lippen

lippen_dscf1447aDieser Baum verlangt offenbar nach etwas mehr Zuwendung. Nachdem er vor längerer Zeit einen blauen Anstrich erhalten hatte, kümmerte sich seitdem keiner mehr um ihn. Die Farbe beginnt zu Blättern und bringt den nackten Stamm wieder zum Vorschein. Der Baum selbst bildet lippenförmige Ausstülpungen, so als wollte er unbedingt etwas sagen und ausdrücken. Weiterlesen

Klatschmohn – Blume des Jahres 2017

mohnNachdem wir in letzter Zeit viel Kaltes und Graues erlebt haben, erwärmt mich der Gedanke, dass dieses Jahr zum Jahr des Klatschmohns bestimmt wurde. Um uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Zeit der Mohnblüte zu gönnen, hier schon mal ein anspielungsreiches Gedicht von Hermann Löns. Rot und etwas zerknittert sind die Blütenblätter auch ohne dass man das Haar der Geliebten damit schmückt. Aber dazu im Sommer mehr. Weiterlesen

Strömendes Holz

Strömendes-HolzSo full of shapes is fancy,
that it alone is high fantastical.

William Shakespeare (1564 – 1616)

Was hier wie eingefrorene Strömungsmuster erscheint, ist nichts anderes als ein Teil aus der Rinde einer Korkeiche. Welche biophysikalischen Vorgänge zu dieser Strukturbildung verantwortlich sind, ist mir unbekannt. Es scheint aber so zu sein, dass die Natur in ganz unterschiedlichen Kontexten gerne auf ähnlichen Gestaltbildungsprozessen zurückgreift. Weiterlesen