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Philosophie

Diese Schlagwort ist 58 Beiträgen zugeordnet

„Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe*“

geschoepfe_dsc00896_rvDieser Satz stammt von Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), der auf zahlreiche Grenzgänge zutrifft,  die der erste Experimentanphysiker Deutschlands, Philosoph und Schriftsteller zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern, Forschungsbereichen und gedanklichen Exkursionen unternommen hat. Weiterlesen

Vollkommen und herzlos

Ring_formt_HerzUm die Vollkommenheit zu erreichen, wäre eine außermenschliche Kühle notwendig, und dann gäbe es kein Menschenherz, mit welchem man die eigene Vollkommenheit lieben könnte.

Fernando Pessoa (1888 – 1935). Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987.

Doch manchmal treten Herzen zu Tage, wo man sie nicht erwartet, z.B. hier und hier und hier und hier. Der auf die dreidimensional strukturierte Fläche des aufgeschlagenen Buches fallende elliptische Schatten des kreisförmigen Ringes lässt eine typische Herzform entstehen. Da sieht man mal, dass Bücher auf ganz unterschiedliche Weise zu Herzen gehen können.

Zur Bedeutung der Schönheit

prisma_img_1724_rvDer erste deutsche Experimentalphysiker und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) suchte nach Möglichkeiten, Neues zu finden, etwas was bislang noch nicht gesehen oder zumindest so nicht gesehen wurde. Dabei misst er in der Kantschen Tradition der Komplementarität von Denken und Anschauung der Visualisierung selbst des Unsichtbaren große Bedeutung bei. Indem er davon ausgeht, dass sich „die Menschen (…) Bilder von allem machen“ müssen, versucht  er selbst den Gedanken als den Elementen des Denkens Bildhaftes und Farbiges abzuringen: Weiterlesen

Nur noch das Rätsel

raetsel_img_6857nDie Welt-Ausrechnung, Allmacht der Neuzeit, vor der auch Diktatoren sich beugen und Alle, die sich sonst hassen, verbrüdern, will alle Dinge entsiegeln. Im Freiraum der Kunst, wenngleich er folgenlos wurde: sie versiegeln sich wieder. Je mehr wissenschaftlicher Aufschluß, desto verschlossener erweisen die Dinge sich. Sie trotzen. Weiterlesen

Gemalte Träume

gemalte_traeume_dsc00886-jpgEs ist dicht mit Platanen bestanden.
Sie bilden Alleen, wie man sie sonst von Pappeln gewöhnt ist,
dunkel, ein wenig wie gemalte Träume von Henri Rousseau.

Theodor W. Adorno (1903 -1969) Weiterlesen

Hoffnung

trockenrisse-mit-pflanze_rvWas aus der Hoffnung ein so intensives Vergnügen macht, ist, daß die Zukunft, über die wir nach unserem Belieben verfügen, uns in den verschiedensten Formen erscheint, die uns alle gleich lächelnd, gleich möglich, anmuten. Selbst wenn die begehrteste unter ihnen sich verwirklicht, müßte man die andern zum Opfer bringen, und wir würden viel dabei verlieren. Der Gedanke an die Zukunft voll von unendlichen Möglichkeiten ist also fruchtbarer als die Zukunft selbst und deshalb findet man mehr Reiz in der Hoffnung als im Besitz, im Traum als in der Wirklichkeit. Weiterlesen

Wo kein deutliches Bild ist, ist keine Vorstellung*

undeutlich_dsc00409_rvWas würde aus unserm Verstand werden,
wenn alle Gegenstände das würklich wären
wofür wir sie halten?

Georg Christoph Lichtenberg Weiterlesen

Nebenfolgen des Sinnbedarfs

Sinnsuche_im_NebelDer Verdacht, die Welt könnte ohne Sinn oder ihres vormals besessenen Sinnes verlustig gegangen sein, lastet schwer auf denen, die aus Gründen unvorsichtiger Berufswahl (oder anderen) von Ungeduldigen um Auskunft und Abhilfe bedrängt werden.

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Die Zeit steht still

zeit_steht_still_rvDie Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,
Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.
Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,
Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum. Weiterlesen

Asphaltherz

asphaltherzUm die Vollkommenheit zu erreichen,
wäre eine außermenschliche Kühle notwendig,
und dann gäbe es kein Menschenherz,
mit welchem man die eigene Vollkommenheit lieben könnte.

Fernando Pessoa (1888 – 1935)

Dieses Asphaltherz zeugt nicht gerade von der Vollkommenheit menschlicher Straßenbaukunst. Kleine Risse haben Wasser in den Straßenbelag eindringen lassen, das im Winter gefror, sich ausdehnte und den Asphalt wegsprengte. Das so durch Zufall (?) entstandene Herz, selbst nicht vollkommen, hat mich immerhin dazu gebracht, es in einem Foto festzuhalten und einen Moment über das Herzliche in der Welt nachzudenken.

Zwischenräume und Träume

ZwischenraumZwischen: eine Konfusion, Trennwand und Brücke, Lücke und Propf. Wie das numinose, unscheinbarste und abgegriffenste Wörtchen – UND. Wie jeder Gedankenstrich, sofern er die Denk-Pause ist, die er signalisiert, Kitt zugleich und Trennungszeichen, Getrenntes verbindend, Verbundenes trennend. Zwischen: eine Grenze, die, versucht man sie festzuhalten, zu wachsen beginnt, zum Zwischenraum sich weitet, wo Platz ist für alles und nichts. No man’s land, zwischen den Grenzen. Eldorado für Schmuggler und Interpreten. Was ihnen von Wichtigkeit ist, etymologisch ihr INTERESSE, ist immer: dazwischen. Zwischenhändler sind es – interpretari, ein lateinisches Deponens, schwebend zwischen passiver Form und aktivem Sinn -, ohne die Ware, die sie vermitteln, je selber berührt haben zu müssen (Christiaan L. Hart Nibbrig (*1944). Versuch in sechs Anläufen)

Das Neue entspricht einem alten Bedürfnis

das-beste-am-neuen-img_8415Der Satz Valérys, das Beste am Neuen in der Kunst entspreche stets einem alten Bedürfnis, ist von unabsehbarer Tragweite; er erklärt nicht nur die exponierten Regungen des Neuen, die man als Experimente diffamiert, als notwendige Antwort auf ungelöste Fragen, sondern zerstört zugleich den ideologischen Schein glückvoller Geborgenheit, den das Vergangene vielfach nur darum annimmt, weil das alte Leiden darin nicht unmittelbar mehr zu lesen ist als Chiffre des Leidens der gegenwärtigen Welt. Weiterlesen

Buridans Esel revisited

Buridans-EselDieser Esel hier ist nicht Buridans Esel. Denn der muss genau in der Mitte zwischen zwei identischen Heuhaufen (gibt es so etwas überhaupt?) stehend verhungern, weil die Reize, die von jedem der Haufen ausgehen, identisch sind und daher auch exakt dieselbe Wirkung haben. Weiterlesen

Spuren am Strand

Spuren_am_StrandBei der Erschließung der Vergangenheit und der Welt schlechthin sind wir oft darauf angewiesen, uns mit Spuren auseinanderzusetzen, um sie zu deuten und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die auf andere Weise nicht zu erlangen wären. Diese Spurensuche kann insbesondere in den Naturwissenschaften zu Ergebnissen führen, die man so vielleicht nicht erwartet hätte: „Wir haben an den Gestaden des Unbekannten eine sonderbare Fußspur entdeckt. Wir haben tiefgründige Theorien, eine nach der anderen ersonnen, um ihren Ursprung aufzuklären. Weiterlesen

Zustandsraum der Leichtigkeit

Zustandsraum-der-LeichtigkeImmer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der Zukunft…
Italo Calvino (1923 – 1985) Weiterlesen

Spielend und spiegelnd zum Unendlichen

Winkelspiegel„Wir leimten mit Stoffresten zwei Spiegel an einer Seite aneinander, daß sie aussahen wie zwei Buchdeckel. Anna brachte die Pappe mit dem schwarzen Strich. Dort stand unser Spiegelbuch aufgeschlagen; die Pappe taten wir so vor das Buch, daß das Scharnier der beiden Spiegel die Spitze eines Dreiecks bildete, die beiden auseinanderklaffenden Seiten kreuzten die schwarze Linie auf der Pappe. Die gemalte Linie und die beiden in den Spiegeln reflektierten Linien bildeten ein gleichschenkliges Dreieck. Anna spähte hinein. Ich begann, das Spiegelbuch langsam zu schließen, der Winkel verkleinerte sich, die schwarzen Linien bildeten plötzlich ein Quadrat. Anna starrte. Weiterlesen

Das kleinste Haar wirft einen Schatten

Filigrane_SchattenMit dieser Feststellung Johann Wolfgang von Goethes im Rücken, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Schatten oft unterschätzt werden. Vor allem dann, wenn man sie auf  negative Projektionen von Gegenständen reduziert, die das Licht, in dem sie stehen, ihrer Silhouette entsprechend ausblenden. Schatten sind mehr als das und zwar im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn.
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Ein Netz von Zwecken

Ein-Netz-von-ZweckenDie Teleologie, welche mit dem Netz von Zwecken und Mitteln die ganze Welt einspinnen möchte, ist doch schließlich eben nur die Projektion der teleologischen Struktur der Lebenseinheit. Und zwar besagt diese nichts von einer planmäßigen Ordnung, einem Bewußtsein, das sie hervorbrachte. Sie besagt nur die Form eines Zusammenhangs. Zu diesen Merkmalen gehört, daß man sie am leichtesten als von einem bewußtsein nach Zwecken geformt vorstellt. Am leichtesten, und als oder als ob (von einem Bewußtsein geformt). Nicht aber, daß diese Struktur so und nur so entstanden gedacht werden müsse. Weiterlesen

Grenzenlos und blau wie das Meer

Meer„Wo der Verlust von Realität und Realismus zu beklagen sein soll, ist der Boden unter den Füßen die geläufigste Metapher; wenn das Verlassen der Lebenswelt beschrieben werden soll, wird er zur Metapher der unauffälligen Zuverlässigkeiten, aus denen das Syndrom der Lebensweltlichkeit besteht, die zu thematisieren einer der spätesten Einfälle der Philosophie sein wird…
Sie verlieren auf der hohen See der geistigen Produktivität, wo dem Menschen die Idee der Unendlichkeit gegenwärtig ist,…jene Erdschollen aus dem Gesichte, auf denen sonst der Mensch festen Fuß faßt und seine kleinliche Philisterwelt aufbaut“ (Hans Blumenberg (1920 – 1996)).

Physik und die Entzauberung der Welt

NatursteinPhysik steht spätestens seit Max Weber (1864 – 1920) unter dem Verdikt, zur Entzauberung der Welt zu führen. Diese Gefahr besteht, wenn man sich auf die rein technologisch-mechanistischen Aspekte und bezieht. Physik auf unsere Lebenswelt bezogen kann aber auch das Gegenteil bewirken, indem sie neue Phänomene in den Blick bringt und hilft, Neues zu sehen, was ohne eine physikalische Sehweise nicht zu bestaunen wäre. Weiterlesen

Vorsicht Rutschgefahr!

Schiefe-EbeneDie schiefe Ebene spielt in der neuzeitlichen Physik insofern eine wichtige Rolle, als sie die Idee des an die Senkrechte gebundenen freien Falls mit der waagerechten Ebene durch einen kontinuierlichen Übergang zu verknüpfen gestattet. Galileo Galilei war wohl der erste, dem es mit seinen eine schiefe Rinne hinab rollenden Kugeln gelang, den zu seiner Zeit auf andere Weise kaum messend zu erfassenden freien Fall auf ein experimentell zugängliches Maß zu reduzieren und damit quantitativ zu erschließen.
Mögliche Motive und Ursprünge für diese geniale Idee findet man in den folgenden Ausführungen des Philosophen der Aufklärung Moses Mendelssohn (1729 – 1786). Er zeigt außerdem die aus physikalischer Sicht gegebene Verbindung zum Gesetz der Schwere und Werkzeugen wie der Schraube und dem Keil, sodass die Schiefe Ebene implizit auch als ein Archetyp der neuzeitlichen Physik ausgewiesen wird. Weiterlesen

Das ganze Universum in einem Stein

Wunder-oder-Hindernis„Jedes Ding ist, je nachdem, wie man es betrachtet, ein Wunder oder ein Hindernis, ein Alles oder ein Nichts, ein Weg oder eine Sorge. Es auf immer verschiedene Weise betrachten heißt, es erneuern und durch sich selbst vervielfältigen. Deshalb hat der kontemplative Geist, der nie aus seinem Dorf herausgekommen ist, gleichwohl das ganze Universum zu seiner Verfügung. In einer Zelle oder in einer Wüste liegt das Unendliche beschlossen. Auf einem Stein schläft man kosmisch.
Es gibt jedoch Augenblicke der Meditation – und sie ereilen alle diejenigen, die meditieren -, wo alles als verbraucht, als alt, als schon dagewesen erscheint, selbst wenn uns sein Anblick noch bevorsteht. Denn so sehr wir auch über etwas nachdenken und es beim Nachdenken verwandeln, nie werden wir es in etwas verwandeln, was nicht die Substanz unseres Nachdenkens sei“.
Pessoa, Fernando; Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987

Konvergierende Grenzlinien

Grenzlinien„Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe“, sagt Georg Christoph Lichtenberg (1732 – 1799). Dieser Satz fällt mir beim Blick auf die fluchtenden Grenzlinien ein, als ich von einer Sanddüne aus die Menschen am Saum des Meeres entlanggehen sehe und offenbar mehr oder weniger bewusst das Auf-der-Grenze-Spazieren“ genießen. Was von hier oben als gerade Linie aussieht ist, aus der unmittelbaren Nähe betrachtet ein rhythmisches Spiel der auf den Sandstrand auslaufenden Meereswellen, die von den Menschen je nach „Temperament“ entweder gerade gemieden werden oder deren Wechselbad man gerade genießen möchte. Weiterlesen

Menschen handeln

Menschen HandelnVermuthlich war das große Universalinstrument, die menschliche Hand, die erste Lichtputze, so wie sie der erste Prügel, die erste Wurfmaschine, der erste Griffel, die erste Rechenmaschine, das erste Trinkgeschirr, der erste Sonnenfächer, das erste Tischbesteck, und etwas geballt, die erste kräftige Demonstration für Köpfe gewesen ist, in die sonst keine andere hinein wollte.

Georg Christoph Lichtenberg 1785

Wege 7: Wo geht es lang?

Wege-7-Warum-bin-ich-hierIch und mein Leben, die immer wiederkehrenden Fragen, der endlose Zug der Ungläubigen, die Städte voller Narren. Wozu bin ich? Wozu nutzt dieses Leben? Die Antwort: Damit du hier bist. Damit das Leben nicht zu Ende geht, deine Individualität. Damit das Spiel der Mächte weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.

Walt Whitman (1818 – 1882)

Kurt Tucholsky: Das Loch als Grenzwache der Materie

Loch-2Kurt Tucholsky (1890 – 1935) wurde heute vor 125 Jahren geboren. Obwohl er schon 1935 starb, fehlt er uns in der heutigen Welt mit seinem kritischen Geist und geistreichen Humor. Und wo etwas fehlt da ist ein Loch. Auch das wusste Tucholsky auf amüsant kluge Weise:
„Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.
Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des NichtLochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.
Wenn der Mensch „Loch“ hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels. Weiterlesen

Wege 6: Der richtige Weg

Widerspruch-Wege-4Wenn mehrere Wahrheiten einleuchtend sind und sich unbedingt widersprechen, bleibt dir nichts anderes übrig, als deine Sprache zu wechseln.

Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste

Maid of the mist

Maid-of-the-mistEin Blick von oben auf ein organisiertes Geschehen, bei dem eine Verwandlung oder Vereinheitlichung geschieht. Auf der linken Seite tritt eine Schlange von Menschen in ein Gebäude ein und rechts kommen einheitlich blaue Gestalten wieder heraus. Man wird vielleicht an das Gemälde des Jungbrunnens von Lucas Cranach dem Älteren von 1546 erinnert, bei dem auf der einen Seite greise Frauen in einen Teich steigen und auf gegenüberliegenden Seite als junge Mädchen wieder herauszukommen.
Konzentriert man sich jedoch auf die mit der Verwandlung der Menschen einhergehende Uniformierung, so passt das Bild schon eher in unsere Zeit – symbolisch und tatsächlich.
In „Wirklichkeit“ ist der vorliegende Vorgang wesentlich profaner. Man kann ihn tagtäglich bei den Niagara Fällen (USA) beobachten. Die Menschen werden hier mit einer Art Regencape versehen. Sie sollen dadurch gegen Spitzwasser geschützt sein, das zu erwarten ist, wenn sie anschließend mit dem Boot „Maid of the mist“ dicht an die berühmten Wasserfälle heran fahren.

Grenzenloses Vertrauen zur Drehimpulserhaltung

Fahrrad_NaturgesetzeEin ruhender Gegenstand wird oft als Inbegriff von Stabilität angesehen. Ein Stuhl mit vier Beinen steht unverrückbar auf dem Boden. Erst wenn Bewegung ins Spiel kommt, wenn man beispielsweise mit dem Stuhl kippelt, wird die Situation instabil und es kann zu spektakulären Um- bzw. Unfällen kommen.
Es kann aber auch umgekehrt sein, nämlich dass ein bewegter Gegenstand stabiler gegen solche Umfälle ist als ein ruhender. Eindrucksvolle Beispiele dafür sind der Kreisel und das Fahrrad. Beim Kreisel ist es die Drehimpulserhaltung, die den rotierenden Kreisel daran hindert, einfach so umzufallen, wie er es täte, wenn er in Ruhe wäre. Beim Fahrrad hält sich hartnäckig das Gerücht, dass auch hier die Drehimpulserhaltung (der rotierenden Räder) entscheidend ist. Sie spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist der Einfluss der Trägheit (genau genommen ist auch das „Ausweichen“ des Kreisels ein Trägheitseffekt, aber der ist hier nicht gemeint.). Unter Trägheit verstehen wir die in vielen Situationen anzutreffenden Eigenschaft von Gegenständen, im Zustand der Ruhe oder geradlinig gleichförmigen Bewegung zu verharren, solange keine äußere Einwirkung erfolgt. Wenn ein Ball in Ruhe ist, so muss ich eine Kraft aufwenden, ihn in Bewegung zu setzen. Wenn es dann aber in Bewegung ist, „möchte“ er auch in Bewegung bleiben und wenn ich ihn fange und damit wieder zur Ruhe bringe, muss ich abermals Kraft aufwenden, um ihn zu bremsen. Weiterlesen

Sand im Getriebe der Welt

Sand-1Wie Sand am Meer
Moses

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Die Wahrheit von Schlüssel und Schloss

Wahrheit SchlüsselWenn etwas überhaupt wahr ist, so ist es ein Kompliment, zu sagen, es sei auf elaborierte Weise wahr. Ein Pfahl könnte in ein Loch und ein Stein in eine Höhlung passen durch einen bloßen Zufall. Ein Schlüssel und ein Schloss jedoch sind beide komplex. Und wenn ein Schlüssel zu einem Schloss passt, so weiß man, dass es der richtige Schlüssel ist.

Chesterton; G.K.: Das Abenteuer des Glaubens. Olten 1947

Das Lachen der Thrakischen Magd

abstrakt_img_0093Als zum erstmaligen Nachweis von Neutrinos in zwei Reservoiren von 1000 t Wasser tief unter der Oberfläche auf entgegengesetzten Enden der Erde 19 Lichtblitze mit Hilfe empfindlicher Detektoren registriert wurden, erhielt man Kunde davon, wie es im Innern eines Sterns in der großen Magellanschen Wolke vor 170000 Jahren zuging, als dieser als Supernova explodierte just im rechten Augenblick, um die Menschheit im Jahre 1987 theoretisch und instrumentell vorbereitet vorzufinden, das Ereignis zu sehen, zu beobachten und zu verstehen und als Selbstbestätigung für eine philosophische, technologische und kulturelle Entwicklung anzusehen.
Diese Entwicklung begann spätestens vor 2500 Jahren ihren Ausgangspunkt nahm, als Thales von Milet (624-547 v. Chr), die Sterne beobachtend in die Mistkuhle fiel, um von seiner thrakischen Magd dafür ausgelacht zu werden, dass er den Blick in die Ferne schweifen ließ und das Naheliegende nicht sah. Die Situation ist heute noch ganz ähnlich. Die in sicherer Entfernung stattfinden Vorgänge hat man besser im Griff als die in der beengten Nähe auf dem übervölkerten Planeten tobenden Probleme und Konflikte. Insofern ist die Thrakische Magd nicht vergessen. Weiterlesen

Der Sinn von Schein und Sein

Schein und Sinn

Zwiegespräch

Doctor Schein und Doctor Sinn
Gingen ins Café;
Schein bestellte Doppel-Gin,
Sinn bestellte Tee.

Seitlich von dem Plauderzweck
Nahmen sie dabei:
Schein – verlognes Schaumgebäck:
Sinn – verlornes Ei.

Dialog ward Zaubertext,
Nekromantenspiel;
Zwieseits wurde hingehext,
Was dem Geist gefiel,

Was dem Sinn Erscheinung schien,
Was der Schein ersann.
Schein gab Sinn, und dieser ihn,
Und die Zeit verrann.

Und die Stunde kam herein
Leis’ des Dämmerlichts.
Sein verging zu Lampenschein,
Sinn verging zu nichts.

Ferdinand Hardekopf (1876 – 1954)

GedankenGedanken

ÜberlagerungGedanken sind mehrdimensional, zumindest die tiefen. Sie bestehen oft aus einander überlagernden Bildern. Sie ähneln mehr einem Multiversum mit undurchschaubarer Hierarchie. Erst dadurch, dass die Gedanken geäußert werden, kommt es zu einer Art Projektion, bei der Gedanken zu Worten werden und dadurch in ein (mehr oder weniger) geordnetes Universum eintreten.

Fernwirkung durch Nahwirkung

Als Newtons Kraftkonzept bekannt und heftig diskutiert wurde, war ein wesentlicher Stein des Anstoßes die Fernwirkung seiner Kraft. Eine augenblickliche Wirkung über große Entfernungen ohne vermittelndes Etwas dazwischen, war im Rahmen der klassischen Physik schwer vorstellbar. Selbst Newton hielt nichts von einer Fernwirkung und vertraute wohl darauf, dass sein formal überaus erfolgreiches Kraftkonzept später eine angemessene philosophische Deutung erfahren würde. Weiterlesen