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Philosophie

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Anschauungen und Begriffe (Lichtenberg 10)

anschauung_dscf5386_rvGeorg Christhoph Lichtenberg teilt die Auffassung Immanuel Kants, dass „Gedanken ohne Inhalt (…) leer, Anschauungen ohne Begriffe (…) blind (sind). Daher ist es notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen, (d.i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen), als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d.i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermögen, oder auch Fähigkeiten, können ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, dass sie sich vereinigen, kann Erkenntnis entspringen (Kant: Kritik der reinen Vernunft). Er lobt daher den Menschen „der viel gedacht und gelesen und erfahren hat, und der alles was er gedacht gelesen und erfahren hat bei jeder Sache die er unternimmt also auch bei jedem Buch das er schreibt vereint zum besten Zweck anzuwenden weiß, alles so anschaulich darzustellen, daß jeder sehen muß was er selbst gesehen hat“ (J 1559)*. Weiterlesen

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Die Welt jenseits der geschliffenen Gläser (Lichtenberg 4)

linse_img_9674_rvDie Verbindung von Anschauung und Denken, von Wahrnehmen und Begreifen machen die Welt in der Metaphorik der Physik des 17. und 18. Jahrhunderts zu einem Buch mit Zeichen, die gelesen und verstanden werden können und wollen. Beim Lesen der Welt zeichnen sich die neuzeitlichen Physiker dadurch aus, dass sie es erstmalig verstehen, mit Hilfe der optischen Linse das wissenschaftliche Sehvermögen über die Möglichkeiten des bloßen Auges hinaus zu steigern. Mit der Linse gelingt es die Lesbarkeit der Welt auf vorher nicht zu erahnende Dimensionen auszuweiten  (siehe ausführliche Darstellung). Weiterlesen

Die Welt als Hintergrund

ente_abstrakt_dscf5126aDie gewöhnliche Betrachtungsweise sieht die Gegenstände gleichsam aus ihrer Mitte, (man ist immer schon mittendrin, HJS), die Betrachtung sub specie aeternitatis  von außerhalb. So daß sie die ganze Welt als Hintergrund haben.
Nun scheint mir aber, gibt es außer der Arbeit des Künstlers noch eine andere, die  Welt sub specie aeterni einzufangen. Es ist- glaube ich- der Weg des Gedankens, der gleichsam über die Welt hinfliege und sie so läßt, wie sie ist – sie von oben vom Fluge betrachtend.
Der Mensch aber befindet sich in dieser Welt in der die Dinge zerbrechen, rutschen, alles mögliche Unheil anstiften. Und er ist natürlich eins von den Dingen.

Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951).

Ein reflexives Spiel mit Worten im Zentrum für internationale Lichtkunst

Der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth (*1945) zeigt im Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna eine Installation, die die Fantasie anregen soll. In einem Raum den man auf einem leicht abfallenden, mäandernden Steg durchquert, begegnet man einen aus Leuchtstoffröhren geformten Text der einem fragmentarisch in immer neuen Variationen entgegentritt. Er stammt von Heinrich Heine (1797 – 1856), der im dritten Buch der Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland unter Benutzung der Analogie der christlichen Inkarnation das Verhältnis zwischen Ideen und politischer Praxis auszudrücken versucht. Weiterlesen

Pfeffer und gezackte Linien (Lichtenberg 3)

lichtenberg_figuren_rvDer erste deutsche Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) hat sich nach eigenem Bekunden in seiner experimentellen Forschung mit seltsamen Geschöpfen auf der Grenze zwischen Luft und Festkörper befasst. Als jemand der „Pfeffer und gezackte Linien“ (F 995) liebt, stößt er wohl als erster Physiker im Rahmen seiner Experimente zur Elektrostatik auf nichtlineare fraktale Muster, die fortan seinen Namen tragen sollten. Weiterlesen

Löcher im Licht

Als Entität für sich betrachtet, ist der Schatten seltsam. Er ist ein wirkliches materielles Faktum, ein physikalisches Loch im Licht, hat aber weder eine stabile Form noch eine kontinuierliche Existenz; andererseits aber sind die Metamorphosen, die er durchläuft, determiniert, und obwohl er diskontinuierlich ist, kann er wiederkehren. Weiterlesen

Metaphern der Grenzüberschreitung (Lichtenberg 8)

aufklaerung_dsc04340Die physikalische und die literaische Sehweise sind grundsätzlich unvereinbar. Die eine kann nicht ohne logischen Bruch in die andere überführt werden. Dasselbe gilt für die physikalische und die lebensweltliche Sehweise. In beiden Fällen ist eine Grenzüberschreitung nötig und die ist nur in Bildern möglich, die im Vollzug des Übergangs zu Metaphern werden und die nach Georg Christoph Lichtenberg „weit klüger (sind) als ihr Verfasser und so sind es viele Dinge. Alles seine Tiefen. Wer Augen hat der sieht alles in allem“(F 369). Weiterlesen

Lichtenberg zwischen Physik und Poesie

oeffnung_dsc04319Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) war Physiker und Schriftsteller. Er lebte in beiden „Welten“ und blickte von der einen in die andere ohne der von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuchung zu erliegen, die Differenzen zwischen beiden Sehweisen einebnen zu wollen. So konnte er aus unvertrauter Perspektive auf Vertrautes blicken und die Dinge so sehen, wie sie noch nicht gesehen worden waren. Er folgte dabei der Regel „nicht bloß aus Beschreibungen anderer, sondern so viel wie möglich durch eigenes Anschauen (zu lernen). Man muß die Sachen oft in der Absicht ansehen, etwas daran zu finden, was andere noch nicht gesehen haben“ (G 206). Von Lichtenberg kann man lernen, die Welt mit neuen Augen zu sehen und auch im Alltäglichen Physikalisches zu entdecken. Weiterlesen

Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe – (Lichtenberg 2)

geschoepfe_dsc00896_rvDieser Satz stammt von Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), der auf zahlreiche Grenzgänge zutrifft,  die der erste Experimentanphysiker Deutschlands, Philosoph und Schriftsteller zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern, Forschungsbereichen und gedanklichen Exkursionen unternommen hat. Weiterlesen

Vollkommen und herzlos

Ring_formt_HerzUm die Vollkommenheit zu erreichen, wäre eine außermenschliche Kühle notwendig, und dann gäbe es kein Menschenherz, mit welchem man die eigene Vollkommenheit lieben könnte.

Fernando Pessoa (1888 – 1935). Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987.

Doch manchmal treten Herzen zu Tage, wo man sie nicht erwartet, z.B. hier und hier und hier und hier. Der auf die dreidimensional strukturierte Fläche des aufgeschlagenen Buches fallende elliptische Schatten des kreisförmigen Ringes lässt eine typische Herzform entstehen. Da sieht man mal, dass Bücher auf ganz unterschiedliche Weise zu Herzen gehen können.

Zur Bedeutung der Schönheit (Lichtenberg 9)

prisma_img_1724_rvDer erste deutsche Experimentalphysiker und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) suchte nach Möglichkeiten, Neues zu finden, etwas was bislang noch nicht gesehen oder zumindest so nicht gesehen wurde. Dabei misst er in der Kantschen Tradition der Komplementarität von Denken und Anschauung der Visualisierung selbst des Unsichtbaren große Bedeutung bei. Indem er davon ausgeht, dass sich „die Menschen (…) Bilder von allem machen“ müssen, versucht  er selbst den Gedanken als den Elementen des Denkens Bildhaftes und Farbiges abzuringen: Weiterlesen

Nur noch das Rätsel

raetsel_img_6857nDie Welt-Ausrechnung, Allmacht der Neuzeit, vor der auch Diktatoren sich beugen und Alle, die sich sonst hassen, verbrüdern, will alle Dinge entsiegeln. Im Freiraum der Kunst, wenngleich er folgenlos wurde: sie versiegeln sich wieder. Je mehr wissenschaftlicher Aufschluß, desto verschlossener erweisen die Dinge sich. Sie trotzen. Weiterlesen

Gemalte Träume

gemalte_traeume_dsc00886-jpgEs ist dicht mit Platanen bestanden.
Sie bilden Alleen, wie man sie sonst von Pappeln gewöhnt ist,
dunkel, ein wenig wie gemalte Träume von Henri Rousseau.

Theodor W. Adorno (1903 -1969) Weiterlesen

Hoffnung

trockenrisse-mit-pflanze_rvWas aus der Hoffnung ein so intensives Vergnügen macht, ist, daß die Zukunft, über die wir nach unserem Belieben verfügen, uns in den verschiedensten Formen erscheint, die uns alle gleich lächelnd, gleich möglich, anmuten. Selbst wenn die begehrteste unter ihnen sich verwirklicht, müßte man die andern zum Opfer bringen, und wir würden viel dabei verlieren. Der Gedanke an die Zukunft voll von unendlichen Möglichkeiten ist also fruchtbarer als die Zukunft selbst und deshalb findet man mehr Reiz in der Hoffnung als im Besitz, im Traum als in der Wirklichkeit. Weiterlesen

Wo kein deutliches Bild ist, ist keine Vorstellung – (Lichtenberg 1)

undeutlich_dsc00409_rvWas würde aus unserm Verstand werden,
wenn alle Gegenstände das würklich wären
wofür wir sie halten?

Georg Christoph Lichtenberg Weiterlesen

Nebenfolgen des Sinnbedarfs

Sinnsuche_im_NebelDer Verdacht, die Welt könnte ohne Sinn oder ihres vormals besessenen Sinnes verlustig gegangen sein, lastet schwer auf denen, die aus Gründen unvorsichtiger Berufswahl (oder anderen) von Ungeduldigen um Auskunft und Abhilfe bedrängt werden.

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Die Zeit steht still

zeit_steht_still_rvDie Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,
Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.
Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,
Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum. Weiterlesen

Asphaltherz

asphaltherzUm die Vollkommenheit zu erreichen,
wäre eine außermenschliche Kühle notwendig,
und dann gäbe es kein Menschenherz,
mit welchem man die eigene Vollkommenheit lieben könnte.

Fernando Pessoa (1888 – 1935)

Dieses Asphaltherz zeugt nicht gerade von der Vollkommenheit menschlicher Straßenbaukunst. Kleine Risse haben Wasser in den Straßenbelag eindringen lassen, das im Winter gefror, sich ausdehnte und den Asphalt wegsprengte. Das so durch Zufall (?) entstandene Herz, selbst nicht vollkommen, hat mich immerhin dazu gebracht, es in einem Foto festzuhalten und einen Moment über das Herzliche in der Welt nachzudenken.

Zwischenräume und Träume

ZwischenraumZwischen: eine Konfusion, Trennwand und Brücke, Lücke und Propf. Wie das numinose, unscheinbarste und abgegriffenste Wörtchen – UND. Wie jeder Gedankenstrich, sofern er die Denk-Pause ist, die er signalisiert, Kitt zugleich und Trennungszeichen, Getrenntes verbindend, Verbundenes trennend. Zwischen: eine Grenze, die, versucht man sie festzuhalten, zu wachsen beginnt, zum Zwischenraum sich weitet, wo Platz ist für alles und nichts. No man’s land, zwischen den Grenzen. Eldorado für Schmuggler und Interpreten. Was ihnen von Wichtigkeit ist, etymologisch ihr INTERESSE, ist immer: dazwischen. Zwischenhändler sind es – interpretari, ein lateinisches Deponens, schwebend zwischen passiver Form und aktivem Sinn -, ohne die Ware, die sie vermitteln, je selber berührt haben zu müssen (Christiaan L. Hart Nibbrig (*1944). Versuch in sechs Anläufen)

Das Neue entspricht einem alten Bedürfnis

das-beste-am-neuen-img_8415Der Satz Valérys, das Beste am Neuen in der Kunst entspreche stets einem alten Bedürfnis, ist von unabsehbarer Tragweite; er erklärt nicht nur die exponierten Regungen des Neuen, die man als Experimente diffamiert, als notwendige Antwort auf ungelöste Fragen, sondern zerstört zugleich den ideologischen Schein glückvoller Geborgenheit, den das Vergangene vielfach nur darum annimmt, weil das alte Leiden darin nicht unmittelbar mehr zu lesen ist als Chiffre des Leidens der gegenwärtigen Welt. Weiterlesen

Buridans Esel revisited

Buridans-EselDieser Esel hier ist nicht Buridans Esel. Denn der muss genau in der Mitte zwischen zwei identischen Heuhaufen (gibt es so etwas überhaupt?) stehend verhungern, weil die Reize, die von jedem der Haufen ausgehen, identisch sind und daher auch exakt dieselbe Wirkung haben. Weiterlesen

Spuren am Strand

Spuren_am_StrandBei der Erschließung der Vergangenheit und der Welt schlechthin sind wir oft darauf angewiesen, uns mit Spuren auseinanderzusetzen, um sie zu deuten und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die auf andere Weise nicht zu erlangen wären. Diese Spurensuche kann insbesondere in den Naturwissenschaften zu Ergebnissen führen, die man so vielleicht nicht erwartet hätte: „Wir haben an den Gestaden des Unbekannten eine sonderbare Fußspur entdeckt. Wir haben tiefgründige Theorien, eine nach der anderen ersonnen, um ihren Ursprung aufzuklären. Weiterlesen

Zustandsraum der Leichtigkeit

Zustandsraum-der-LeichtigkeImmer wenn mir das Reich des Menschlichen zur Schwere verurteilt erscheint, denke ich, ich sollte wie Perseus wegfliegen in einen anderen Raum. Ich spreche nicht von einer Flucht in den Traum oder ins Irrationale. Ich meine, ich muß meinen Ansatz ändern, die Welt mit anderen Augen sehen, mit einer anderen Logik, anderen Methoden der Erkenntnis und der Verifikation. Die Bilder der Leichtigkeit, nach denen ich suche, dürfen nicht wie Träume verblassen vor der Realität der Gegenwart und der Zukunft…
Italo Calvino (1923 – 1985) Weiterlesen

Spielend und spiegelnd zum Unendlichen

Winkelspiegel„Wir leimten mit Stoffresten zwei Spiegel an einer Seite aneinander, daß sie aussahen wie zwei Buchdeckel. Anna brachte die Pappe mit dem schwarzen Strich. Dort stand unser Spiegelbuch aufgeschlagen; die Pappe taten wir so vor das Buch, daß das Scharnier der beiden Spiegel die Spitze eines Dreiecks bildete, die beiden auseinanderklaffenden Seiten kreuzten die schwarze Linie auf der Pappe. Die gemalte Linie und die beiden in den Spiegeln reflektierten Linien bildeten ein gleichschenkliges Dreieck. Anna spähte hinein. Ich begann, das Spiegelbuch langsam zu schließen, der Winkel verkleinerte sich, die schwarzen Linien bildeten plötzlich ein Quadrat. Anna starrte. Weiterlesen

Das kleinste Haar wirft einen Schatten

Filigrane_SchattenMit dieser Feststellung Johann Wolfgang von Goethes im Rücken, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Schatten oft unterschätzt werden. Vor allem dann, wenn man sie auf  negative Projektionen von Gegenständen reduziert, die das Licht, in dem sie stehen, ihrer Silhouette entsprechend ausblenden. Schatten sind mehr als das und zwar im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn.
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Ein Netz von Zwecken

Ein-Netz-von-ZweckenDie Teleologie, welche mit dem Netz von Zwecken und Mitteln die ganze Welt einspinnen möchte, ist doch schließlich eben nur die Projektion der teleologischen Struktur der Lebenseinheit. Und zwar besagt diese nichts von einer planmäßigen Ordnung, einem Bewußtsein, das sie hervorbrachte. Sie besagt nur die Form eines Zusammenhangs. Zu diesen Merkmalen gehört, daß man sie am leichtesten als von einem bewußtsein nach Zwecken geformt vorstellt. Am leichtesten, und als oder als ob (von einem Bewußtsein geformt). Nicht aber, daß diese Struktur so und nur so entstanden gedacht werden müsse. Weiterlesen

Grenzenlos und blau wie das Meer

Meer„Wo der Verlust von Realität und Realismus zu beklagen sein soll, ist der Boden unter den Füßen die geläufigste Metapher; wenn das Verlassen der Lebenswelt beschrieben werden soll, wird er zur Metapher der unauffälligen Zuverlässigkeiten, aus denen das Syndrom der Lebensweltlichkeit besteht, die zu thematisieren einer der spätesten Einfälle der Philosophie sein wird…
Sie verlieren auf der hohen See der geistigen Produktivität, wo dem Menschen die Idee der Unendlichkeit gegenwärtig ist,…jene Erdschollen aus dem Gesichte, auf denen sonst der Mensch festen Fuß faßt und seine kleinliche Philisterwelt aufbaut“ (Hans Blumenberg (1920 – 1996)).

Physik und die Entzauberung der Welt

NatursteinPhysik steht spätestens seit Max Weber (1864 – 1920) unter dem Verdikt, zur Entzauberung der Welt zu führen. Diese Gefahr besteht, wenn man sich auf die rein technologisch-mechanistischen Aspekte und bezieht. Physik auf unsere Lebenswelt bezogen kann aber auch das Gegenteil bewirken, indem sie neue Phänomene in den Blick bringt und hilft, Neues zu sehen, was ohne eine physikalische Sehweise nicht zu bestaunen wäre. Weiterlesen

Vorsicht Rutschgefahr!

Schiefe-EbeneDie schiefe Ebene spielt in der neuzeitlichen Physik insofern eine wichtige Rolle, als sie die Idee des an die Senkrechte gebundenen freien Falls mit der waagerechten Ebene durch einen kontinuierlichen Übergang zu verknüpfen gestattet. Galileo Galilei war wohl der erste, dem es mit seinen eine schiefe Rinne hinab rollenden Kugeln gelang, den zu seiner Zeit auf andere Weise kaum messend zu erfassenden freien Fall auf ein experimentell zugängliches Maß zu reduzieren und damit quantitativ zu erschließen.
Mögliche Motive und Ursprünge für diese geniale Idee findet man in den folgenden Ausführungen des Philosophen der Aufklärung Moses Mendelssohn (1729 – 1786). Er zeigt außerdem die aus physikalischer Sicht gegebene Verbindung zum Gesetz der Schwere und Werkzeugen wie der Schraube und dem Keil, sodass die Schiefe Ebene implizit auch als ein Archetyp der neuzeitlichen Physik ausgewiesen wird. Weiterlesen

Das ganze Universum in einem Stein

Wunder-oder-Hindernis„Jedes Ding ist, je nachdem, wie man es betrachtet, ein Wunder oder ein Hindernis, ein Alles oder ein Nichts, ein Weg oder eine Sorge. Es auf immer verschiedene Weise betrachten heißt, es erneuern und durch sich selbst vervielfältigen. Deshalb hat der kontemplative Geist, der nie aus seinem Dorf herausgekommen ist, gleichwohl das ganze Universum zu seiner Verfügung. In einer Zelle oder in einer Wüste liegt das Unendliche beschlossen. Auf einem Stein schläft man kosmisch.
Es gibt jedoch Augenblicke der Meditation – und sie ereilen alle diejenigen, die meditieren -, wo alles als verbraucht, als alt, als schon dagewesen erscheint, selbst wenn uns sein Anblick noch bevorsteht. Denn so sehr wir auch über etwas nachdenken und es beim Nachdenken verwandeln, nie werden wir es in etwas verwandeln, was nicht die Substanz unseres Nachdenkens sei“.
Pessoa, Fernando; Das Buch der Unruhe. Frankfurt 1987

Konvergierende Grenzlinien

Grenzlinien„Auf der Grenze liegen immer die seltsamsten Geschöpfe“, sagt Georg Christoph Lichtenberg (1732 – 1799). Dieser Satz fällt mir beim Blick auf die fluchtenden Grenzlinien ein, als ich von einer Sanddüne aus die Menschen am Saum des Meeres entlanggehen sehe und offenbar mehr oder weniger bewusst das Auf-der-Grenze-Spazieren“ genießen. Was von hier oben als gerade Linie aussieht ist, aus der unmittelbaren Nähe betrachtet ein rhythmisches Spiel der auf den Sandstrand auslaufenden Meereswellen, die von den Menschen je nach „Temperament“ entweder gerade gemieden werden oder deren Wechselbad man gerade genießen möchte. Weiterlesen

Menschen handeln

Menschen HandelnVermuthlich war das große Universalinstrument, die menschliche Hand, die erste Lichtputze, so wie sie der erste Prügel, die erste Wurfmaschine, der erste Griffel, die erste Rechenmaschine, das erste Trinkgeschirr, der erste Sonnenfächer, das erste Tischbesteck, und etwas geballt, die erste kräftige Demonstration für Köpfe gewesen ist, in die sonst keine andere hinein wollte.

Georg Christoph Lichtenberg 1785

Wege 7: Wo geht es lang?

Wege-7-Warum-bin-ich-hierIch und mein Leben, die immer wiederkehrenden Fragen, der endlose Zug der Ungläubigen, die Städte voller Narren. Wozu bin ich? Wozu nutzt dieses Leben? Die Antwort: Damit du hier bist. Damit das Leben nicht zu Ende geht, deine Individualität. Damit das Spiel der Mächte weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.

Walt Whitman (1818 – 1882)

Kurt Tucholsky: Das Loch als Grenzwache der Materie

Loch-2Kurt Tucholsky (1890 – 1935) wurde heute vor 125 Jahren geboren. Obwohl er schon 1935 starb, fehlt er uns in der heutigen Welt mit seinem kritischen Geist und geistreichen Humor. Und wo etwas fehlt da ist ein Loch. Auch das wusste Tucholsky auf amüsant kluge Weise:
„Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.
Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des NichtLochs: Loch allein kommt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.
Wenn der Mensch „Loch“ hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels. Weiterlesen

Wege 6: Der richtige Weg

Widerspruch-Wege-4Wenn mehrere Wahrheiten einleuchtend sind und sich unbedingt widersprechen, bleibt dir nichts anderes übrig, als deine Sprache zu wechseln.

Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste