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Reflexion

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Im streifenden Morgenlicht

Als ich gestern Morgen auf den Balkon den neuen Tag begrüßte und über das schräge, in die Jahre gekommene Dach blickte, überraschte mich eine subtile Alltagsästhetik. Nicht nur dass die an sich anthrazitfarbenen Pfannen streifend von der noch tief stehenden Sonne getroffen in schneeweißem Licht erstrahlten, auch die Spinnfäden und Netze wollten nicht zurückstehen und ihren Anteil zum Naturschönen beitragen, indem sie das weiße Sonnenspektrum in alle seine Farben zerlegten. Eingebettet in die erwartungsvolle Ruhe des beginnenden Tages ging von all dem eine Wirkung aus, die in mir ein unaussprechliches Gefühl der Zuversicht und des Vertrauens auslösten.
Glaubt nicht denjenigen, die da behaupten, es sei nur eine Reflexion und Beugung des Lichts.

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Nasses Gras ist mehr als das

tautropfen_fruehling_img_018Über viele Jahre
und unter großen Kosten
reiste ich durch zahlreiche Länder,
sah die hohen Berge,
die Ozeane.
Nur was ich nicht sah,
war der funkelnde Tautropfen
im Gras gleich vor meiner Tür

Rabindranath, Tagore (1861 – 1941)

Reflexionen im und über grasgrünen Tee

Grüner Tee wird oft so dünn getrunken, dass  er fast so transparent ist wie Wasser. Oft merkt man erst, dass es sich um Tee handelt, wenn die Tasse ziemlich gefüllt ist. Im vorliegenden Fall handelt es sich – wie man sieht auch um grünen Tee. Allerdings taucht nur an einigen Stellen in einem ansonsten trüben Grau mit einem leichten Blaustich auf. Das ist ein Zugeständnis an die Gesetze der Optik. Denn es handelt sich nur um ein geliehenes Grün. An den Stellen, an denen das vom grünen Rasen ausgehende Licht an den unebenen Grenzflächen des Teestrahls mit der Luft so reflektiert und/oder gebrochen wird, dass es unsere Augen erreicht, erscheint es grün. Dominierend ist die Farbe des Himmels, wie man durch direkten Vergleich erkennen kann.
Geschmeckt hat er uns trotzdem.

Ein Loch in der Gondel

Dröhnend verkündete der Ansager neben uns: „Letzte Fahrt des Riesenrades für diese Saison ! Wer will noch mal ! Wer . . . “ Schon hatte ich 2 Bilets erstanden; schon Ilse bei der sommersprossigen Hand genommen; schon saßen wir nebeneinander in der Gondel, die unter angemessener Sambabegleitung nach oben zu steigen begann.
Hoch; ja höher. Oben allein. Und untertauchen in Krach und Helligkeit (wie sagt Sir Thomas Browne im <Religio Medici>? : And even that tavern-music, which makes one merry, another mad, in me strikes a deep fit of devotion.“ And so on) . Neuerdings aufstiegen wir. Sanken wieder auf den Grund des Lichterteiches : in die korallenbunten Gerüste; Knaben ritten auf Seepferdchen; langbeinige Wasserjungfern quälten Würste mit spitzen Fingern, mit Zähnen…..*

Erinnert wurde ich an diese Passage von Arno Schmidt (1914 – 1979) als ich beim vergangenen Münsteraner Send beobachtete, wie die Sonne dabei war, ein Loch in eben die Gondel zu brennen, in der die beiden saßen.

Übrigens, heute ist Sommersonnenwende (Solstize) der offizielle (astronomische) Sommeranfang. Die Sonne erreicht ihre größte Höhe in diesem Jahr. Danach geht es wieder abwärts, wie im Riesenrad, nachdem der höchste Punkt überschritten ist. Der Sonnenreflex wechselt bei der Linksdrehung des Riesenrades zur reflektierenden Scheibe der nächst niedrigen Gondel usw. In der Bewegung betrachtet, sieht es für einen Moment so aus, als würde die Sonne sinken. Tut sie im Grunde auch, aber zunächst ganz langsam. Es wird einige Zeit dauern, bis wir es merken.


*Arno Schmidt. Schulausflug. In: Sommermeteor. München 1969.

Lichtwege

Ich gehe durch einen langen Gang in einem Universitätsgebäude und entdecke nach vielen Jahren zum ersten Mal, dass manche Türen von einem Lichtfleck erhellt werden, deren Ursache sich nicht auf Anhieb erschließt. Eine Lichtquelle ist zunächst weit und breit nicht zu sehen. Doch dann entdecke ich, dass der schmale Spalt zwischen Tür und Boden bei der gegenüberliegenden Tür  hell erleuchtet ist. Indem ich die Tür öffne, kann ich mich davon überzeugen, dass die Sonne durch die der Tür gegenüberliegende Fenster hindurch schräg auf den Boden strahlt und auch den Streifen unter dem Spalt ein Stück weit beleuchtet. Weiterlesen

Heiligenschein und Taubogen

Schlichting, H. Joachim. Physik in unserer Zeit 49/3 (2018), S. 149

Wenn Sonnenlicht durch Tautropfen auf Pflanzenblättern reflektiert wird, kann ein Heiligenschein beobachtet werden. Gleichzeitig kann es durch Dispersion des Lichts zu einem Taubogen kommen.

Ein Vormittag im Herbst, die Sonne hat gerade die letzten Nebel verschwinden lassen, die Blätter der Pflanzen sind mit Tautropfen besetzt. In dieser Situation wird der Schatten des eigenen Kopfes auf den nassen Pflanzen von einem hellen Schein umgeben, einem Heiligenschein. Auf dem Foto umgibt er allerdings die Kamera (PhiuZ 39/4 (1999) 173 – 175). Weiterlesen

Ein Lichtblick am Morgen

Es ist früh am Morgen. Die Straßen liegen noch weitgehend im Schatten. Nur die oberen Bereiche einiger Häuserwände und der blaue Himmel werden bereits von der aufsteigenden Sonne erhellt. Das von einer Häuserwand diffus reflektierte Licht trifft eine ebenfalls noch im Halbdunkel liegende glatte Bank, die es dem Gesetz der spiegelnden Reflexion gemäß in eine bestimmte Richtung weiter schickt und dem, der in dieses Lichtbündel gerät, eine Einladung zum Verweilen ausspricht. Außerhalb des Lichtbündels liegt die Bank genauso dunkel da wie alles andere. Weiterlesen

Das Pantheon – Licht und Kuppel

pantheon_img_5358Das Erstaunlichste an dem Gebäude ist sein Licht. Durch eine kreisrunde Öffnung von neun Meter Durchmesser, die den Scheitel der Kuppel bildet, fällt das ungebrochene, durch kein Glas getrübte Licht des römischen Himmels in den Raum. Die kaum wahrnehmbaren Wandlungen seiner Intensität, seine Milderung durch die Wolken, seine Trübung durch den Schirokko, sein Glanz in der Sonne, und sein geisterhaftes Leben im Mond, diese tausendfältige, lebenspendende Variation des Lichtes durchdringt den Innenraum mit so feiner Gewalt, daß es scheint, als hätten die grau kassettierten Steine ein besonderes beinahe körperlich spürbares leben. Das Pantheon als Ganzes ist eine überwältigende Leistung, aber die Tat des Genies ist die Öffnung in der Kuppel. Weiterlesen

Gestörte Symmetrie

Auch wenn es in dieser unserer (un)vollkommenen Welt keine perfekte Symmetrie gibt, erkennen wir dies nur dadurch, dass wir uns auf die Idealgestalt der Symmetrie beziehen. Die gestörte, gebrochene oder sonstwie verfehlte Symmetrie ist das Reale. Ohne Symmetriebrüche gäbe es weder die Welt noch uns, die wir so großspurig darüber sinnieren. Frank Close (*1945) drückt das folgendermaßen aus: „Es mag seltsam klingen, doch heute, fünf Milliarden Jahre nachdem die erste Fusion in der Sonne stattfand, gibt es uns und andere Lebensformen auf der Erde nur, weil das W (ein Elementarteilchen, HJS) so massiv und das Photon masselos ist. Wieder einmal müssen wir erkennen, dass unsere Existenz ganz wesentlich von einer gebrochenen Symmetrie abhängt. Bei Abkühlen des Universums wurde die Symmetrie durch die unterschiedlichen Massen der Kraftübermittler zerstört.“*
Auch vom ästhetischen Standpunkt aus zieht man meist den (manchmal kaum merklichen) Symmetriebruch vor. Allerdings gilt hier wie dort: „Asymmetrie ist, ihren kunstsprachlichen Valeurs nach, nur in Relation auf Symmetrie zu begreifen“**.
Die vorliegende Fotografie eines Straßenzugs ist so etwas wie eine grobe Visualisierung dieses Sachverhalts, bei der ich mich soweit es ging der Symmetrieachse annäherte. Das führte zusätzlich dazu , dass das an der Glasscheibe reflektierte Licht maximal und die Störung durch Licht von innerhalb des Gebäudes minimal wurde (Fresnelsche Gesetze).
Nur wenn man genau hinschaut, bemerkt man einige Strukturen, die auf Gegenstände hinter der Scheibe verweisen; aber erkennen, worum es sich dabei im Einzelnen handelt, kann man trotzdem nicht. Am meisten fällt noch jene dunkle Linie hinter der Scheibe auf, die keine Entsprechung auf der realen Seite hat.
Da es sich um keinen gewöhnlichen Anblick handelt – wer schmiegt sich schon an eine kalte glatte Scheibe, um in dieser Stellung den Blick auf die gewohnte Welt zu nehmen – hat das Foto etwas Künstl(er)i(s)ches. Denn so etwas bewundert man allenfalls auf Gemälden. Dabei denke ich zum Beispiel an Richard Estes (*1932), der ähnliche Szenen fotorealistisch malte. Obwohl er als Maler die Möglichkeit gehabt hätte, perfekt symmetrische Situationen zu malen, konzentrierte er sich besonders auf die asymmetrischen Aspekte.
Ich hätte dieses Foto bestimmt nicht gemacht, wenn es eine perfekte Symmetrie darstellte, denn im weitesten Sinne des Wortes bedeutet Symmetrie nichts anderes als  Wiederholung des Gleichen. Das wäre mir aber zu langweilig gewesen.


*Frank Close. Luzifers Vermächtnis. München, 2002
** Theodor W. Adorno. Ästhetische Theorie. Frankfurt 1970

Rätselfoto des Monats Mai 2018

Wie kommt  es zu den Farben?


Erklärung des Rätselfotos des Monats April 2018

Frage:Was spielt sich hier ab?

Antwort: Das Foto zeigt den Moment, in dem eine auf einem flachen Teich (mit einem aus dunklem und hellem Sand bestehenden Boden) driftende Luftblase platzt. Die Haut der Blase zieht sich gerade zu den Seiten hin zusammen. An dem sichelmondförmigen blauen Reflex des Himmelslichts ist noch ein Teil der Blasenhaut zu erkennen.
Da eine Blase auf dem Wasser einen kleinen Überdruck im Vergleich zum äußeren Luftdruck aufweist und infolgedessen das Wasser ein wenig eindellt, bewegt sich mit dem Platzen und dem damit einhergehenden Druckausgleich die Wasseroberfläche im Bereich der Blase nach oben und löst infolgedessen eine Wellenbewegung aus, die auf dem Foto gleich doppelt visualisiert wird.
Zum einen sieht man die konzentrischen Ringwellen um die platzende Blase herum, weil das vom Untergrund ausgehende Licht an der wellenförmig gekrümmten Wasseroberfläche gebrochen wird. Der Untergrund erscheint daher entsprechend verzerrt. Dazu trägt vor allem die Bewegungsunschärfe aufgrund der endlichen Belichtungszeit der Kamera bei. Deshalb erscheint der durch die bewegte Welle hindurch zu sehende Boden längs der Wellen deutlich erkennbar in die Länge gezogen.
Zum anderen sieht man das an den konzentrischen Wellen gebrochene Sonnenlicht durch Fokussierung und Defokussierung in Form von hellen und dunklen Ringen auf den Teichboden projiziert. Da diese Kaustik teilweise durch die Wellen hindurch gesehen wird, tritt eine entsprechende Verzerrung an ihrer oberen Front auf.
Es ist außerdem zu erkennen, dass die kurzen Wellen den längeren vorauseilen. Wir haben es also mit Kapillarwellen zu tun, bei deren Entstehung die Oberflächenspannung von größerem Einfluss ist als die Schwerkraft. Einige weitere Blasen warten noch auf ihren Einsatz.

 

Anhängliche Schönheiten

Wer sind die tausendmal tausend,
wer die Myriaden alle,
Welche den Tropfen bewohnen,
und bewohnten?
und wer bin ich?

Aus: Die Frühlingsfeier von Friedrich Gottlieb Kloppstock (1724 – 1803)

Dreimal im Auge des Betrachters

Sieh zu den Fenstern meiner Augen hinein.

Georg Büchner (1813 – 1837)

Im Auge des Betrachters ist man auf mehrere Weisen präsent; als Linsenabbildung auf der Netzhaut, als Spiegelbild auf der Hornhaut und als Wahrnehmungsinhalt im Gehirn. Letzteres vermutlich aber nur, wenn den beiden Bildern die dafür nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese Einsicht kann man zwar auch ohne Anschauungshilfe erlangen. Als ich mich aber eines Tages im Auge unseres Hundes gespiegelt sah, war sie aufeinmal ohne bewusste Bemühungen da.
Interessanterweise spielt die Tatsache, dass ich mich im Auge meines Gegenüber gespiegelt sehe, für dessen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle, denn dieser Anteil des auftreffenden Lichts und die damit verbundene Information wird ja gerade vom Auge reflektiert, also postwendend zurückgeschickt.

Lichtkuh…

…oder Lichthund oder welches vierbeinige Tier die Eine oder der Andere auf dem Asphalt zu erblicken vermeint, ist unerheblich angesichts der Tatsache, dass es sich um eine missglückte Projektion eines doppeltverglasten Fensters handelt. Dabei bezieht sich das „missglückt“ weniger auf einen vermeintlichen Willen der Sonne oder des reflektierenden Fensters etwas Sinnvolles auf den Asphalt zu projizieren, als vielmehr auf die perfekte Montage von Doppelglasscheiben in den Fensterrahmen. Weiterlesen

Zur physikalischen Erzählung verspiegelter Fensterscheiben 1. Fortsetzung

doppelglas_p1010561a_rvIn einem früheren Beitrag habe ich mir die Erzählung von Spiegelbildern an deformierten Doppelglasscheiben angehört und aufgeschrieben. Ein wesentlicher Inhalt dieser Erzählung war, dass die komplexen Spiegelbilder verformter Scheiben eine Überlagerung von einem Hohl- und einem Wölbspiegelbild darstellen. In manchen Fällen – und das kommt immer häufiger vor – sieht man jedoch Scheiben, die nur ein Spiegelbild aufweisen. Weiterlesen

Die Farben des Wassers

Vor ein paar Tagen haben wir eine Wanderung zum Canyon zwischen Lengerich und Tecklenburg unternommen, einem in einer Schlucht gelegenen türkisfarbenen See, der in einem stillgelegten Kalksteinbruch entstanden ist. Die Farbe steht in einem eindrucksvollen Kontrast zu den steil aufragenden Kalksteinwänden, die teilweise bereits von verschieden Pflanzen besiedelt wurden.
Der helle Kalkuntergrund des Sees sorgt dafür, dass alle Lichtfrequenzen des bis dorthin durchdringenden Lichts weitgehend reflektiert werden, so dass lediglich die im Wasser schwebenden und gelösten Stoffe, vor allem Kalk, die volle Eigenfarbe des Wassers vom reinen Blau zum Grün hin „verschieben“, ansonsten aber eine intensive Färbung hervorbringen.
(Nebenbei gesagt erscheint auch unser Leitungswasser grün, wenn man durch eine genügend große Schicht blickt.)
Da der Wasserspiegel des Sees sehr tief liegt und von hohen Wänden umgeben ist, kommen außerdem verschiedene andere Phänomene ins Spiel, die ein ganzes Spektrum des Türkis hervorrufen. Ein sehr dunkler Farbton entsteht im schmalen Schattenbereich der Steilwand. Darüber hinaus spiegelt sich die Silhouette der Wand mit ihren Bäumen bis weit über die Mitte hinaus und lässt das Wasser in helleren Farbtönen erstrahlen, die schon fast ans reine Grün heranreichen. Die Felswand blendet die tieferen Bereiche des Himmels ab, sodass – wegen Einfallswinkel gleich Reflexionswinkel – in diesem Bereich kein Himmelsblau ins Auge des Betrachters reflektiert wird. Erst im Vordergrund ist dies der Fall; die bläulichen Reflexe sind deutlich zu erkennen. Einige kleinere dunklere Farbflecken sind auf entsprechende dunkle Bereiche im Untergrund zurückzuführen, die das meiste eingestrahlte Licht absorbieren.
Blickt man auf die Wasseroberfläche im oberen rechten Bereich des oberen Fotos (zur Vergrößerung aufs Bild klicken), so erkennt man dort eine deutliche Blaufärbung. Sie ist darauf zurückzuführen, dass die Wasseroberfläche in dem Bereich vom Wind aufgeraut wird, sodass durch die Reflexion von Himmelslicht an den steileren Wellenflanken den überwiegenden Grüntönen Himmelblau beigemischt wird.
Schaut man sich die Wasseroberfläche von Nahem an, so erkennt man, dass sie auch in den scheinbar ruhigen Bereichen nicht völlig glatt, sondern von kleinen Wellen bedeckt ist (mittleres Foto).
Im Übrigen sollte man auch die in diesen Tagen erwachende Pflanzenwelt nicht übersehen, die hier in Gestalt blühender Weiden zur frühlinghaften, farbenfrohen Stimmung an diesem warmen Frühlingstag an einem einzigartigen Gewässer beitragen.

Rätselfoto des Monats April 2018


Was spielt sich hier ab? Weiterlesen

Wir leben in einem Spiegelkerker

Vielheit_rvDer Mensch ist ein in einem Spiegelkerker Gefangener.

Christan Morgenstern (1871 – 1914) Weiterlesen

Oszillierende Teestrahlen

Wer beim Eingießen von Tee oder Kaffee den Flüssigkeitsstrahl ins Visier nimmt, könnte sich über eine oszillierende Struktur des Strahls wundern. Dass ein Flüssigkeitsstrahl dazu tendiert, zwischen zwei verschiedenen Querschnitten, einem breiten und einem schmalen hin- und her zu schwingen, ist mir zum ersten Mal in Marrakech aufgefallen, als mir bei einer Einladung der traditionelle Minztee eingeschenkt wurde. Weiterlesen

Spiegelnde Fenster und die Farbe des Himmels

Wie man am geöffneten Fenster im oberen Bild rechts unten sieht, kommt so gut wie kein Licht aus dem Zimmer. Das ist eine gute Voraussetzung für perfektes Spiegeln. Denn auf diese Weise wird das Auge fast nur von dem reflektierten Licht der Scheibe getroffen. Auch wenn dies in der Intensität stark herabgesetzt ist, merkt man von der Transparenz des Fensters so gut wie nichts.
Es handelt sich um Doppelglasscheiben. Das ist an den Verzerrungen der gespiegelten Gegenstände in der Nähe der Scheibenränder zu sehen. Weiterhin verraten die Reflexe, dass die vordere Scheibe stärker reflektiert als die hintere, weil ansonsten gegeneinander verschobene Überlagerungen der etwa gleich starken Reflexe der beiden Scheiben zu sehen wären, wie es in der unteren Abbildung links an einem anderen Fenster mit starken Verzerrungen zu sehen ist. Weiterlesen

Des Rätsels Lösung

Wegen der aktiven Teilnahme an meinem kleinen gestrigen Rätsel komme ich wohl kaum umhin, die Lösung zu präsentieren. Zum Glück hatte ich daran gedacht, auch das Gebäude zu fotografieren, das so schöne Reflexe im Wasser hervorrief. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings eher den ständig neu entstehenden und vergehenden Mustern auf dem leicht welligen Wasser, die dann auch noch rücksichtslos von Enten durchpflügt wurden. Hier ist es. Weiterlesen

Wer kennt dieses Gebäude?

Obwohl in den Reflexen eines Gebäudes auf dem welligen Wasser die gesamte optische Information, die zum Erkennen nötig ist, nicht nur einmal enthalten ist, hat man keine Chance einer Dekodierung. Durch die Verzerrungen aufgrund der Wasserwellen und der vielfachen Reflexionen und Überlagerungen des vom Gebäude ausgestrahlten Licht wird die Komplexität so erhöht, dass das Original darin auf ähnliche Weise verschwindet wie das Bild eines Puzzles mit mehr als 10000 Teilen. Weiterlesen

Rätselfoto des Monats März 2018

Wie kommt es zu den „farbigen Strahlen“?


Erklärung des Rätselfotos des Monats Februar 2018
Frage: Blick auf den inneren Boden eines Kochtopfes. Wie kommt es zu den Farb- und Ringstrukturen?

Antwort: Die Farbmuster auf dem Topfboden werden von einer sehr dünnen Oxidationsschicht hervorgerufen. Sie entsteht durch die Einwirkung von Hitze, wodurch Sauerstoffatome ein wenig in den Stahlboden des Topfes hineindiffundieren. Die Schichtdicke entspricht größenordnungsmäßig der Wellenlängen des sichtbaren Lichts, ist also sehr dünn. Das Licht wird an der Oberseite teilweise reflektiert und teilweise in die Schicht hinein gebrochen, wo es an der Unterseite der Schicht abermals reflektiert wird usw. Kommt es zur Überlagerung der so entstehenden Teilwellen im Auge des Betrachters oder auf dem Chip der Kamera, so unterscheiden sie sich u.a. aufgrund des unterschiedlichen Weges, den beide zurückgelegt haben in der Phase. Das führt zu Auslöschungen oder Verstärkungen bestimmter Farben des weißen Lichts, deren Wellenlänge einem halbzahligen oder ganzzahligen Vielfachen der Schichtdicke entspricht.
Aufgrund der unterschiedlichen Einwirkung der Wärme infolge der unterschiedlichen Lebensmittel, die mit dem Topfboden in Wechselwirkung treten, entstehen auch unterschiedliche farbige Flächenabschnitte (Genaueres findet man hier).
Auffallend sind weiterhin die quasikonzentrischen Ringe auf dem Topfboden. Auf den ersten Blick scheint es sich um herstellungsbedingte Riefen zu handeln, an deren Flanken das Licht reflektiert wird. Dagegen spricht aber, dass sich das Ringsystem verschiebt, wenn man die Orientierung des Topfbodens zur Lichtquelle verändert: Das Ringsystem läuft gewissermaßen mit der Lichtquelle mit. Die Ursache sind vielmehr riefenartige, statistisch verteilte Gebrauchsspuren auf dem Topfboden, von denen nur die Abschnitte sichtbar werden, die dem Reflexionsgesetz entsprechend Licht ins Auge reflektieren (ausführlicher:hier).

Der Tanz der Natur

taenzerin_p1040300rvNatur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.
Sie schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie, – was war, kommt nicht wieder – alles ist neu, und doch immer das Alte.
Wir leben mitten in ihr und sind ihr fremde. Sie spricht unaufhörlich mit uns, und verrät uns ihr Geheimnis nicht. Wir wirken beständig auf sie, und haben doch keine Gewalt über sie.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Das Foto zeigt Lichtreflexe auf der bewegten Wasseroberfläche eines Zier-Wasserbeckens in einem Einkaufszentrum. Letzteres erklärt die kräftigen Farbreflexe. Die „Ballerina“ im Vordergrund kommt durch die Spur einer nahezu punktförmigen, unbewegten Lampe zustande, deren Reflexe auf dem Wasser während der Belichtungszeit der Aufnahme aufgezeichnet werden. Allen anderen bewegten Teilen ist eine ähnliche Bewegungsstruktur einbeschrieben, die aber nur schemenhaft zu erkennen ist. Man achte auch auf das merkwürdige Schnabeltier am linken Bildrand.
Ich hätte diese Beobachtung wohl nicht gemacht, wenn die Person, mit der ich an dieser Stelle verabredet war, pünktlich erschienen wäre. Manchmal lohnt es sich, versetzt zu werden.

Lichtspiele

lichtphaenomene_dscf1812rvAuf dieser nächtlichen Aufnahme in einem Touristenort im Süden fügen sich die natürlichen und urbanen Lichtphänomene zu einem spannungsreichen Bild zusammen. Die Spannung entsteht durch die Gegenüberstellung vom Mond beleuchteter Wolkenfetzen, die auch noch zumindest bruchstückhaft einige Farben einer Mondkorona* erkennen lassen, und und einer streng geometrischen „Lichttreppe“ eines Hotels, die durch die beleuchteten gelb getünchten Wände terrassenförmig angeordneter Balkone hervorgerufen wird.


* Wie eine Korona entsteht wird hier am Beispiel einer Baumkorona erläutert.

Die Erzählung eines Fensters

Aus der Betrachtung dieses Fensters kann man einige Schlussfolgerungen ziehen, die der harmlose Anblick zunächst kaum vermuten lässt. In ihm spiegelt sich – nein, kein symmetrisch gespiegelter Kopf mit Bowler Hut – sondern die Giebelverzierung eines altehrwürdigen Gebäudes. Man sieht die Spiegelung nicht nur einmal, sondern gleich dreimal, sich gegenseitig überlagernd. Das lässt darauf schließen, dass es sich um ein Isolierglasfenster mit drei Scheiben handelt. Und die haben es in sich, vor allem optisch. Weiterlesen

Die Sonne und der volle Mond

sonne_mond_p1000659rv… in trauter Nähe Zweisamkeit, so möchte man hinzufügen, wenn man die beiden wie auf dem Foto so nebeneinander sieht. Ich möchte gleich hinzufügen, dass das Foto nicht manipuliert ist. Es fragt sich also, wie das abgebildete Phänomen zustand gekommen ist. Weiterlesen

Rätselfoto des Monats Februar 2018

Blick auf den inneren Boden eines Kochtopfes. Wie kommt es zu den Farb- und Ringstrukturen?


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Rätselfoto des Monats Januar 2018

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Warum nimmt das Tauwasser diese Form an? Weiterlesen

Zuviel ist zuviel

So sieht es aus, wenn man doppelt im Regen steht: es regnet und der Verkehr staut sich. Wird der Scheibenwischer auch nur einen Augenblick ausgestellt, so trübt sich der Durchblick; so sehr, dass nicht einmal das Kennzeichen des vorausfahrenden Fahrzeugs zu erkennen ist. Schuld daran ist nicht das für die Informationsübertragung fehlende Licht. Man bekommt eher im Gegenteil zu viel Licht vor allem von Stellen, wo es völlig fehl am Platze wäre. Weiterlesen

Rätselhafte Punktmuster eines gespiegelten Laserstrahls

Mit einem Laserpointer soll man eigentlich nicht spielen, jedenfalls nicht, wenn andere Personen in der Nähe sind.  Dennoch ist der Reiz, auf diese Weise neuen Phänomenen auf die Spur zu kommen, sehr groß. Das früher beschriebene Phänomen, bei dem mit einem Laserpointer in eine fast leere Teetasse gestrahlt wurde, gehört dazu. Weiterlesen

Archimedes und der Zimmerbrand

Als ich vor einigen Jahren am 13. September von der Universität heimkehrte, kam mir meine damals 13-jährige Tochter J. entgegengerannt und verkündete laut gestikulierend das Unheil: Papa, Papa, unser Haus hat gebrannt! Ein Blick auf das äußerlich unversehrte Haus nahm mir den ersten Schrecken. Der zweite dauerte etwas länger. Denn als mir im Treppenhaus intensiver Brandgeruch entgegenschlug, wusste ich, dass etwas passiert war. Weiterlesen

Rätselfoto des Monats November 2017

 

Warum läuft die Tinte nicht aus?


Erklärung zum Rätselfoto des Monats Oktober 2017
Frage:
Sonne oder Mond?

Antwort: Wenn man nicht auf den Kontext achtet, könnte es sowohl der Mond als auch die Sonne sein. Vom Mond sind die Strukturen nicht zu erkennen, und die Sonne ist bei diesigem Wetter oft so gedimmt, dass sie wie der Mond aussieht. Aber es gibt Hinweise auf die Antwort. Im Vordergrund erscheinen die Blätter eines Baumes in einem roten Licht. Insbesondere die Blätter, deren Seite so zum Betrachter/zur Kamera  hin gerichtet ist, dass Einfallswinkel des Sonnenlichts gleich Reflexionswinkel gilt, reflektieren spiegelnd rotes Sonnenlicht. Neben der spiegelnden Reflexion, die an der Oberflächenschicht der Blätter vieler Pflanzen auftritt, reflektieren alle Blätter das auftreffende Sonnenlicht diffus. Genauer: Sie absorbieren im blauen und hellroten Bereich und emittieren das komplementäre Grün. Da ihnen in der Abenddämmerung vorwiegend rot angeboten wird, können sie so gut wie kein Licht mehr aussenden und erscheinen schwarz. Wie man sieht.

Zur physikalischen Erzählung spiegelnder Fensterscheiben

doppelglasspiegelung_dscf26Der Kosmos ist ein Spiegel, so lautet eine altpersische Weisheit, und Christian Morgenstern sagt: „Der Mensch ist ein in einem Spiegelkerker Gefangener“. Weiterlesen

Verwirrende Regenbögen in völlig trockener Umgebung

regenbogen_kugel_img_7807_rAm Fenster vor meinem Schreibtisch habe ich als Dekorationsstück eine große transparente Glaskugel stehen. Wenn die Sonne durch das Fenster scheint, projiziert sie einen Lichtbogen in Spektralfarben auf den unteren Rahmen des Fensters. Es handelt sich um die Projektion des Querschnitts eines von der Kugel ausgehenden Lichtkegels, der – wenn die Kugel ein Regentropfen wäre – Regenbogen genannt würde; auch wenn dazu in der Natur zahlreiche Tropfen gemeinsam beitragen. Weiterlesen

Stroboskopische Aufhebung des freien Falls im Zentrum für internationale Lichtkunst

Wir sind in den vorangegangenen Rundgängen im Zentrum für internationale Lichtkunst bereits durch mehrere Räume und Korridore der alten Fabrik gegangen und lassen es uns nicht nehmen, auch noch einen Gang durch den „reflektierenden Korridor“ vom Lichtkünstler Olafur Eliasson (*1967) zu unternehmen, obwohl bereits das Rauschen fallender Wassertropfen ankündigt, dass es hier feucht werden könnte. Aber die Befürchtung erweist sich als unberechtigt, sofern man auf dem vorgesehenen Weg bleibt und nicht versucht, dem Untertitel der Installation „Entwurf zum Stoppen des freien Falls“ entsprechend die Tropfen eigenhändig zum Stillstand zu bringen. Weiterlesen