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Samen

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Mohnsamenschießen

In der letzten Zeit sieht man von den Mohnblumen meist nur noch die Samenkapseln, die allerdings an Schönheit und Interessantheit den Blüten kaum nachstehen. Bläst man gegen die kleinen Öffnungen unterhalb des Kapseldaches, so kommen die inzwischen entstandenen winzigen Samen vom Luftstrom angehoben und beschleunigt geradezu herausgeschossen. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Fixativspritze, bei der man durch Pusten Flüssigkeiten versprüht. Daher lagern die Samenkörner auch in kleinen Kammern, die strahlenförmig um die Symmetrieachse der Kapsel angeordnet sind. Denn je kleiner der Querschnitt, desto größer die Geschwindigkeit der Strömung. Durch diese Technik erreicht der Mohn, dass die Samenkörner bis zu einigen Metern von der Pflanze entfernt fliegen, wodurch eine weitere Ausbreitung gewährleistet wird.
Die vorliegende Kapsel ist 15 mm hoch und hat 12 Kammern. Die Zahl variiert von Pflanze zu Pflanze und kann einige Kammern mehr oder weniger haben. Hält man die Kapsel ans Ohr und schüttelt sie vorsichtig, so hört man ein sehr feines Rasseln der winzigen Körnchen. Wenn man eine noch gefüllte Kapsel vorsichtig auf einem Blatt Papier entleert, ist man meist erstaunt, wie viele Körnchen darin Platz haben. Ich habe sie nicht gezählt, aber es sollen 2000 bis 5000 Stück sein. Sie sind aber auch sehr klein, meist kleiner als 1 mm im Durchmesser.

Nun schweben sie wieder…

Die Löwenzahnwiese blieb die ganze Blühsaison über unberührt und durfte in Ehren fast einheitlich ergrauen. Das Gelb der Jugend wich dem weisen Weiß des Alters. Die zu „Haaren“ umgebildeten Kelchblätter von Korbblütlern (Asteraceae) heißen Pappus im in Anlehnung an das griechische Wort für Großvater „pappos“ (πάππος). Da sage noch einer die Wissenschaftler hätten keinen Sinn für anschauliche Begriffe.
Nach den trockenen Tagen verlieren die Großvaterköpfe ihre Haarpracht und die Haare schweben als kleine Minifallschirme durch den Wind entfacht vor meinem Fenster dahin. Die erste Assoziation: es schneit. Nein, es sind die Papusse, die von einer Zufallskette gelenkt zu einer möglichen neuen Heimat reisen. Zurück bleiben zahlreich kleine Glatzköpfe.
Der Zufall wird auch darüber entscheiden, wo sie schließlich landen und ob sie eine Chance haben, zu einer neuen Pflanze heranzuwachsen. Die Natur bedient sich eines einfachen Prinzips: Keine komplizierten Weginformationen, sondern ohne Rücksicht auf Verluste flächendeckende Ausbreitung. Dabei wird durch eine raffinierte Leichtbauweise und weitere physikalische Tricks erreicht, dass die Sinkgeschwindigkeiten minimal und damit Flugzeiten maximal werden, um auch bei ganz leichten Luftbewegungen voranzukommen.
Der physikalisch optimierte Bau der Gleitflieger geht mit einer eindrucksvollen Ästhetik einher. Ich empfehle Jedem bevor sie oder er mit einem leichten Blasen in die weiße Haarpracht die Gleitschirme auf Reisen schickt, die noch unversehrten Köpfchen gegen das Licht zu halten und den durchschimmernden Innenbau in Augenschein zu nehmen.

Schwimmen in der Luft

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 4 (2019) S. 48 – 49

Eine Welt in einem Sandkorn zu sehn
und einen Himmel in einer wilden Blume

William Blake (1757-1827)

Die Samen des Löwenzahns hängen nicht an flächigen Flügeln, sondern bloß an einem filigranen Faserskelett. Doch gerade das lässt sie langsam und stabil durch die Luft gleiten.

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Schnee im Mai?

Von weitem sieht es aus, als habe es geschneit, obwohl die angenehmen Temperaturen dagegen sprechen. Es wird allerdings sehr schnell klar, dass hier eine große Pappel ihre schneeweißen Samenfasern auf die Reise geschickt hat, die allerdings wegen der Windstille nicht allzu weit gekommen sind.
Schaut man sich die Pappelwolle aus der Nähe an, so entdeckt man, dass an jedem Flaum ein Samenkörnchen hängt, eine potenzielle neue Pappel. Angesichts der schieren Masse der Samen kann man davon ausgehen, dass die meisten von ihnen auf der Strecke bleiben. Weiterlesen

Das Rasseln des Klatschmohns

Das Klatschmohnjahr ist noch nicht zu Ende, auch wenn die Pflanzen schon eifrig dabei sind, für das nächste Jahr vorzusorgen, indem sie ihre Samen in mehr oder weniger großen Kapseln sammeln. Diese sind nicht nur schön anzusehen, sondern können auch zu einem überraschenden Hörerlebnis werden. Sobald die Kapseln verholzen haben sich die vielen kleinen Samenkörner in ihnen gelöst und sind wie in einem Salzstreuer frei beweglich (im Foto rechts unten). Weiterlesen

Löwenzahn mit Glatze

Löwenzahn_mit_FastglatzeWunderbar stand er da im Silberhaar.
Aber eine Dame,
Anette war ihr Name,
machte ihre Backen dick,
machte ihre Lippen spitz,
blies einmal, blies mit Macht,
blies ihm fort die ganze Pracht.
Und er blieb am Platze
zurück mit einer Glatze.

Josef Guggenmos (1922 – 2003)

Ohne die kleinen Gleitschirme würden die Samen des Löwenzahn einfach herunterfallen und sich gegenseitig an einer Stelle Konkurrenz machen, an der sich bereits die Mutterpflanze tief wurzelnd mit einem mächtigen Blätterkranz breit gemacht hat. Mit Gleitschirm ist das Verhältnis von Oberfläche zum Volumen der Samen so stark vergrößert, dass bereits kleine Winde ausreichen, die Samen auf eine längere Reise zu schicken, wo möglicherweise günstigere Verhältnisse für eine Einwurzelung herrschen. Hinzu kommt eine physikalische Besonderheit, die den Gleitschirmen ermöglicht gewissermaßen in der Luft zu schwimmen und daher besonders lange in der Luft zu bleiben.

Blauschimmernde Löwenzahn-Fallschirme kurz vor dem Start

Loewenzahn_unter_blauem_HimBei bedecktem oder blauem Himmel im Schatten gibt es kein reines Weiß. Denn woher sollte es kommen. Der blaue Himmel sendet blaues Licht aus und Gegenstände, die alle Wellenlängen reflektieren, im weißen Sonnenlicht daher auch weiß aussehen, nehmen einen leichten Blauschimmer an. Das sieht man meistens nicht und ärgert sich vielleicht auch noch, wenn die Kamera nicht den gewünschten Weißabgleich vornimmt. Im vorliegenden Fall war mir das bläuliche Leuchten der ansonsten schneeweißen Fallschirmchen mit den daran hängenden Samen des Löwenzahns aufgefallen.
Besonders gut lässt sich die Blaufärbung bei Schnee im Schatten erkennen, weil man dann im Kontrast dazu auch noch den wirklich weißen Schnee im Lichte der Sonne sehen kann.

Vorsicht – Explodierende Samenkapseln!

Springkraut_rvSchlichting, H. Joachim. Spektrum der Wissenschaft 9 (2016), S. 74 – 75

Das Springkraut nutzt die elastische Energie eines ausgeklügelten Systems winziger Federn, um seine Samen in die Umgebung zu schleudern.

 

… wie das Spannen einer Feder,
die, je mehr man sie dehnt,
an Kraft und Widerstand zunimmt,
bis sie jenen Zustand erreicht,
wo sie zurückschlagen muß.

Hartmut Lange (*1937)

PDF: Vorsicht – Explodierende Samenkapseln

Eine Kugel aus weißen Schirmen

Früher sagte mein kleiner Sohn, der an demselben Blütenstand des Löwenzahns eine in voller Pracht gelb blühende Blüte neben einer bereits verblühten weißen „Pusteblume“ sah: „Die ist schon alt, die hat schon weiße Haare“. Aber sie ist schön, entgegnete ich, schau sie dir genau an. Weiterlesen

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