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Stein

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Kunst aus der Frühzeit der Erde

Vielleicht heißt ja das Zauberwort, das die Welt zum Klingen bringt „Stein“ – wäre man nur in der Lage, es richtig auszusprechen.

Ohne dass es ich bei dem polierten Naturstein um ein erklärtes Kunstwerk handelt, fand ich es dennoch in einem weltberühmten Kunstmuseum. Kunst scheint also ansteckend zu sein.

Welche physikalischen und chemischen Prozesse in der Erdkruste stattgefunden haben, um derartige Muster hervorzubringen ist Gegenstand der Geophysik und Geologie. Die Reichhaltigkeit der Muster lässt allenfalls erahnen, dass – wie so oft bei natürlichen  Strukturbildungsvorgängen – Zufall und Notwendigkeit auf wunderbare Weise Hand in Hand gehen.

Nerven aus Stein

Es ist für mich kaum nachzuvollziehen, welche physikalischen und chemischen Vorgänge vor Millionen von bei der Entstehung des Naturgesteins abliefen, um dieses faszinierende Muster hervorzubringen. Der Mensch hat diese in einem Steinbruch gewonnenen Steine zurechtgeschnitten und nutzt sie in einer Stadtmauer zur Befestigung einer Böschung.
Ich finde die Musterung des Steins sehr ansprechend und hatte den Eindruck, dass sie mich an irgendetwas Bekanntes erinnerte. Nach einiger Überlegung wurde mir klar, dass es Nervenzellstrukturen sind, die aus den Gehirn herauspräpariert wurden, die ich also auch noch sekundär durch eine Abbildung gesehen habe. Merkwürdig, solche Zellen sind beteiligt bei der Wahrnehmung und Beschreibung dieser Steinstruktur. Ich denke aber, dass dieser Stein mich nicht nur deshalb ansprach, sondern vor allem wegen der subtilen Ästhetik der an eine Grafik erinnernden Struktur des behauenen, aber inzwischen auch schon von Witterungseinflüssen gezeichneten Steins.

Geheimnis der Steine

Ob jemand die Steine…schon verstand, weiß ich nicht*


* Novalis. Die Lehrlinge zu Sais. In: Dichtungen und Fragmente. Leipzig 1989, S. 184


 

In Form des Steins wird das Unbegreifliche greifbar

Ein Stein ist in jeder Beziehung etwas Hübsches: Gestalt, Struktur, Glanz, Härte, er hat so viel Eigenschaften, die unsere Sinne beschäftigen und befriedigen und unser Nachdenken anregen. Wir könnten solch einen Gegenstand zu tausend spekulativen oder praktischen Zwecken benutzen. Die Könige der Welt werden wir sein, wenn wir kühn versichern, daß wir in seiner Verwendung und in unserer zweckmäßigen Freude den ureigensten Sinn des Steines selbst finden. Wir werden elender als Sklaven sein, wenn wir den Stein dazu nehmen, um die anderen damit zu treffen.*

Als ich den Stein (nein, nicht den der Weisen!) fand (siehe Foto), versuchte ich den kleinen, den der große in seinem steinernen Maul zu zermalmen scheint, zu befreien. Die Rettungsaktion misslang: Jahrmillionen alten Steinen ist mit menschlichen Kräften so leicht nicht beizukommen.
Erfolg versprechender wäre es vielleicht die oder wenigstens eine Geschichte zu erzählen, die den kleinen Stein in diese missliche Lage gebracht hat.


*Duhamel, Georges: Der Besitz der Welt. Zürich 1922.

Mir fällt ein Stein vom Herzen…

… und anschließen fehlt mir ein Stein am Herzen.
Rechtzeitig bevor die Flut kam hatte ich mein Herz-Kunstwerk beendet und überließ es jetzt den Naturgewalten in Gestalt der anstürmenden Flut. Als ich am nächsten Morgen den noch von menschlichen Spuren freien Stand betrat und schließlich mein Steinherz wiederfand, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ähnlich war es dem Steinherz ergangen.

Steine: Schön strukturierte Pflastersteine

Beim Flanieren in Städten ist meine Aufmerksamkeit nicht nur auf Menschen und Gebäude gerichtet. Auch der steinerne Belag von Fußböden und Bürgersteigen gehören dazu. Es ist erstaunlich, wie viele Informationen in diesen Nebensächlichkeiten stecken, ganz abgesehen davon, dass man ihnen nicht selten auch ästhetische Aspekte abgewinnen kann (siehe auch hier und hier und hier und hier und hier). Weiterlesen

Physikalische Gedanken zu sonnenbadenden Steinen

Wenn mir jemand sagte, dass im Sand liegende Steine sich ausruhen oder sonnen würden, so fände ich das zumindest ein wenig hergeholt. Wenn man aber einige Steine unterschiedlicher Form und Größe zusammenträgt und in geeigneter Weise zusammenlegt, ist der Gedanke an Ausruhen oder Sonnen nicht mehr von der Hand zu weisen, auch wenn dem Männchen (oder ist es ein Weibchen) schon der kleine Finger der linken Hand abhanden geht. Weiterlesen

Neun Himmel um den großen Stein Erde

Stein_Wellen_rvWie um einen Kiesel, den, wenn man ihn in einen See wirft, auf der Wasseroberfläche konzentrische Kreise umgeben, ordnen sich neun Himmel um den großen Stein Erde.

Weber, Anne (*1964); Besuch bei Zerberus; Suhrkamp Verlag, 2004. Weiterlesen

Der Stein im Stein in der Steinmauer

stein_imstein_dsc05799rvDies ist ein Naturstein, der als Element in eine Steinmauer eingebaut wurde, wie oben an der Mörtelfuge zu erkennen ist. Das Besondere an diesem Stein ist, das in ihm ein vermutlich erdgeschichtlich viel älterer Stein eingelassen ist. Ich stelle mir die in erdgeschichtlich früher Zeit abgelaufenen Vorgänge so vor, dass Steinbrocken von weicher Erde, evtl. Sedimenten umgeben und schließlich ebenfalls zu Stein verfestigt wurden.

Die Unumkehrbarkeit von Ringwellen

Stein_Ringwellen_rvJeder hat Erfahrungen mit größer werdenden Kreisen. Dafür genügt es schon, daß er Zeuge war, wie ein Stein in ein Wasserbecken fiel. aber niemand hat Kreise gesehen, die vom Horizont ausgegangen und in ihrem eignen Mittelpunkt verschwunden sind.

Caillois, Roger (1913 – 1978): Steine. München 1983.

An einem scheinbar rein mechanischen Beispiel kommt in dieser schlichten Feststellung die Irreversibilität natürlicher Vorgänge zum Ausdruck. Irreversibiltität als Ausdruck des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik gilt nicht nur in der Thermodynamik im engeren Sinne. Vielmehr ist die reibungsfreie Mechanik, wonach die Ringe am Ufer reflektiert wieder zurückkommen  und der Stein wieder aus dem Wasser hochschnellt, eine extreme Idealisierung der Wirklichkeit – ohne die allerdings die Entwicklung einer quantitativen physikalischen Beschreibung der Welt im neuzeitlichen Sinne nicht möglich und denkbar wäre. Erst vor dem idealen Hintergrund einfacher physikalischer Gesetzmäßigkeiten lässt sich die wirkliche Welt in definierten Abweichungen von der Idealität physikalisch beschreiben.

Das steinerne Herz

steinernes-herz_rvWir haben Alles mit Schmerzen versehen: das Licht „verbrennt“; der Schall „erstirbt“; der Mond „geht unter“; der Wind „heult“; der Blitz „zuckt“; der Bach „windet sich“ ebenso wie die Straße.
Mein Herz pumpte die Nacht aus: Blödsinnige Einrichtung, daß da ständig sonne lackrote Schmiere in uns rum feistet! N steinernes Herz müßte man haben, wie beim Hauff.

aus: Arno Schmidt. Das Steinerne Herz. Zürich 1986.

Dieses bereits leicht gebrochene steinerne Herz fand ich eingebettet in einer passenden Mulde am Strand und fragte mich, wie es das Herz wohl zustande gebracht hat, nicht durch die periodisch anbrandenden, Sand vor sich herschiebenden, auflaufenden Wellen allmählich in Sand eingebettet zu sein, sondern im Gegenteil vor einer Art „Burggraben“ umgeben zu werden. Schuld ist die um den Stein herum abgelenkte Wasserströmung, die durch die Einschränkung beschleunigt wird. Geschwindigkeitzunahme und dadurch bedingte Druckabnahme in der Strömung bewirken, dass Sand in der Nähe des Steins aufgehoben, fortgetragen und beim anschließenden Langsamerwerden wieder deponiert wird. Dass dadurch besonders die leichten Sandkörnchen betroffen sind, zeigt sich auch optisch in der durch diese Entmischung verursachten Farbänderung rund um den Stein.

Versteinerte Linien

Streifen_und_Felder_rvIch zweifle nicht, daß in den menschlichen Dingen, also auch in der Geschichte, ebensogut eine Notwendigkeit ist wie in den Naturdingen. Aber jeder Mensch hat zugleich seine Separatnotwendigkeit, so daß Millionen Richtungen parallel, in krummen und geraden Linien nebeneinander laufen, sich durchkreuzen, fördern, hemmen, vor- und rückwärtsstreben und dadurch für einander den Charakter des Zufalls annehmen und es so, abgerechnet die Einwirkung der Naturereignisse, unmöglich machen, eine durchgreifende, alle umfassende Notwendigkeit des Geschehenden nachzuweisen. Es geht damit wie mit der Witterung, die gewiß so bestimmte Gesetze hat wie der Umlauf der Welten.

Franz Grillparzer (1791 – 1872): Historische und politische Studien

Steine: Ein steinalter Weihnachtsbaum

WeihnachtsbaumIn diesem Jahr habe ich einen sehr alten Weihnachtsbaum ausgewählt. Er ist viel älter als das Weihnachtsfest selbst und war vor vielen Millionen Jahren ein Farnblatt, das unter die Erde geriet, anschließend hohem Druck ausgesetzt war und durch komplexe erdgeschichtlich bedeutsame Vorgänge eine ziemlich naturgetreue Kopie seiner selbst hinterlassen hat. Der Fund solcher Versteinerungen und das allmählich wachsende Verständnis der geologischen Zeiträume, die für eine solche Versteinerung erforderlich sind, haben schließlich dazu geführt, das „biblische“ Alter der Erde von ca. 4000 Jahren in Frage zu stellen und zu immer realistischeren Abschätzungen des geologischen Erdalters zu gelangen. Weiterlesen

Steine: Von Stein- und Scheinfrüchten

Steine_Früchte2Steine? Schaut genau hin! Es sind nicht nur Steine, sondern auch Feigen, die wie die Steine des Untergrunds aussehen, auf dem die Feigenbäume wachsen. Jedenfalls kam mir der Gedanke, als ich auf der Kanareninsel „La Palma“ Feigen zu essen bekam. Das Gestein vulkanischen Ursprungs kommt in den verschiedensten Variationen bezüglich der Farbe, Härte, Dichte, Form und Größe vor und ist das Ergebnis unterschiedlicher erdgeschichtlicher Prozesse, die die Insel als Ganzes und im Detail geformt haben.
Wir haben es also mit Steinfrüchten zu tun. Nicht ganz. Nur die einsame Dattel, die sich auch noch unter die Steine gemischt hat, darf diesen Titel rechtmäßig in Anspruch nehmen. Alles andere sind Scheinfrüchte.   Damit meine ich nicht nur die Steine, sondern auch die Feigen, die wie beispielsweise auch die Erdbeere einen  Steinfruchtverband darstellen.

Steine: Ein hübscher Stein

Stein„Ein Stein ist in jeder Beziehung etwas Hübsches: Gestalt, Struktur, Glanz, Härte, er hat so viel Eigenschaften, die unsere Sinne beschäftigen und befriedigen und unser Nachdenken anregen. Wir könnten solch einen Gegenstand zu tausend spekulativen oder praktischen Zwecken benutzen. Die Könige der Welt werden wir sein, wenn wir kühn versichern, daß wir in seiner Verwendung und in unserer zweckmäßigen Freude den ureigensten Sinn des Steines selbst finden. Wir werden elender als Sklaven sein, wenn wir den Stein dazu nehmen, um die anderen damit zu treffen“.
Georges Duhamel (1884 – 1966): Der Besitz der Welt. Zürich 1922.

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