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Stimmung

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Impressionen aus der Krummhörn 7 – Wirbel

Nicht jeder Wirbel macht Wirbel. Diese bedrohlich aussehenden Wolkenformation löste sich genauso sang- und klanglos auf wie sie entstanden war. Unsere Eile, ein Dach über den Kopf zu bekommen, war unbegründet. Ein Meteorologe hätte es uns gleich sagen können. Aber da war keiner…

Mondsüchtig

Als ich am Abend aus einer bestimmten Perspektive heraus den Mond über den hochstrebenden Pflanzen sah, hatte ich das Gefühl, diese würden zum Mond hinauf ranken wollen…

Wege 19: Ein Weg braucht kein Wohin

fühlst du nicht, dunkel zwar, doch ebenso tief vielleicht wie ich, daß in diesen Begegnungen ein hoher Grad von Wirklichkeit sich manifestiert und gleichzeitig eine Art Durchlaß, ein Weg sich öffnet für unseren Blick? Es muß doch einen Grund geben für unser Glück unter diesen Bäumen. Für heute nur dieses Wenige noch, bis auf weiteres, so einfältig und ungewiß wie alle Aussagen unserer Stimme tief innen, dies: daß die Bäume in meinen Augen die ersten Diener des Lichtes sind und daß, infolgedessen, wenn du mir diese Torheit durchgehen läßt, der Tod unsere Tage erhellt, wenn wir uns unserem Gespensterdasein entreißen.*

Das Foto zeigt einen einsamen, geraden, endlosen, weitgehend zugewachsenen Weg schnurstracks auf den Horizont zulaufend kurz nach Sonnenaufgang in der Krummhörn (Ostfriesland). Die vertrockneten und geblichenen Schilfhalme, die noch aus dem Vorjahr stammen und die Schlote zu beiden Seiten des Weges säumen, reflektieren fast alle Wellenlängen des Lichts und erstrahlen daher im Rot der noch tiefstehenden Sonne.

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* Philippe Jaccottet. Der Spaziergäng unter den Bäumen. Zürich, Köln 1981. S.: 74

Lichtquellen mit Koronen versehen

In dieser dunklen Zeit, an der ein pandemisches und zugleich pandämonisches Virus einen erheblichen Anteil hat, habe ich mir vorgenommen, die mir vertrauten optischen Koronen überall dort zu sehen, wo man sie auch sehen könnte, wenn man sie durch einen Nebel hindurch oder mit einen leichten Schleier vor den Augen betrachtete.

Uttum im Morgennebel

Wenn man die ostfriesische Landschaft erleben möchte, muss man früh anfangen. Oft beginnt der Tag mit Nebeln, die aus den Kanälen und Schlooten aufsteigen und die Strukturen der Landschaft mit etwa derselben Geschwindigkeit freigeben wie das eigene Bewusstsein sich auf den neuen Tag einzustellen vermag.
Ich habe bewusst eine Schwarzweiß-Aufnahme gewählt, weil das Wahrnehmung noch weitgehend durch die Stäbchen bestimmt wird.

Hier werde ich ab heute eine Woche ohne Internet verbringen 🙂

Feuerroter Mohn

In einer blauen Hügelwelt
Bei einer Amsel Sehnsuchtston
Ein großes, grünes Roggenfeld,
Und drinnen feuerroter Mohn.
Wie ein Laternlein jede Blüt,
Und brennen röter als der Tag.
Ein Augenblick hat da geglüht,
Der lang noch nicht erlöschen mag.

Max Dauthendey (1867 – 1918)

Morgenstimmung am Meer

Vor dem Leuchtturm blieb er stehen und übersah die flüssige Wüste vor sich, die so viel weiter reichte als das Auge und über der… ein Wolkenband aufgezogen war, eine Art zweiter sonnengeröteter Horizont.*

Der Sonnenaufgang war wie ein geheimnisvolles Schattentheater. Nur ab und zu ließen die Wolken etwas Licht hindurch und ließen das was sich hinter dem „Vorhang“ abspielte nur erahnen. Ich kam mir vor wie in Platos Höhle. Das durch die Wolkenlücken hindurchbrechende Licht wurde auf den ruhigen Teilen des Meeres und im Vordergrund an den von den zurückweichenden Wellen freigegebenen glatten Strandpartien reflektiert.


* Anne Weber. Tal der Herrlichkeiten. Frankfurt 2012, S. 215

Morgenstunde hat Gold im Munde

Am frühen Morgen im Schlossgraben. Die Sonne ist noch nicht zu sehen. Dann plötzlich zündet sie oben beginnend langsam nach unten voranschreitend die jungen Blätter eines Busches an. Die davon ausgehende und durch die Reflexion im Wasser zusätzlich verstärkte Helligkeit breitet sich wie ein Fluidum in dem von altem Baumbestand verdunkelten Bereich des Parks aus, ohne dass die Sonne selbst bereits zu sehen wäre.

 

 

 

Große Chance des Lebens, daß man die Morgen hat. Daß Zeit Erneuerung schenkt. Daß Wiedergeburt sich nicht nur im Großen gewährt, auch so in kleiner Münze als tägliche Huld. Immer werden die Tafeln wieder gelöscht: Wohltat über alle Wohltaten hinaus. Befleckung wird immer wieder getilgt, immer sind Morgen jung, kühlstark und frisch. Immer findet sich Kraft wieder an, stellt Verlorenes sich wieder her. Neubeginn, zu dem man Gewonnenes hinretten kann, während Verfehltes die Tiefe verschlingt: im Grund besteht alles Weiterschreiten darin.*

 


* Erhart Kästner. Zeltbuch von Tumilat. Frankfurt am Main 1974, S. 226

Ein Sprung in der Wolkendecke

Vor ein paar Tagen erlaubte ein ziemlich langer, gerader, an den Rändern ein wenig ausgefranster und teilweise orange eingefärbter Schlitz in der Wolkendecke für einige Zeit einen Durchblick auf die stets sonnige Welt darüber. Der Durchblick blieb lange erhalten, bis die Sonne schließlich soweit hinter den Horizont gesunken war, dass der Schlitz im Einerlei der hereinbrechenden Nacht verschwand.
Eine Ursache für diese Konstellation konnte ich nicht finden.

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!*


*Theodor Storm (1817 -1888)

 

Funkelnde Farben im Reif

Der Morgen war kalt und Triste, die Gräser und Sträucher waren an bestimmten Stellen von Reif überkrustet, was aber wegen des bedeckten Himmels kaum zur Geltung kam. Doch plötzlich brach die die Sonne durch die Wolken und machte sich durch farbige Lichtblitze in den Eiskristallen bemerkbar.
Beim Vorübergehen erloschen die Kristalle aber nur um an anderen Stellen wieder aufzublitzen: Das war genau dann der Fall, wenn das in ihnen gebrochene und reflektierte Sonnenlicht in meinen Augen landete. Die Kristalle wirkten wie kleine Prismen, das Licht wurde gebrochen, und in seine Spektralfarben zerlegt, die jeweils in geringfügig andere Richtungen ausgesandt wurden. Weiterlesen

Unter dem Pflaster liegt der Strand

Vielleicht träumt die Eine oder der Andere vom fernen Strand, wenn er in der Alltagshektik über das Pflaster eilend überhaupt dazu kommt, den entsprechenden Gedanken Raum zu geben. Aber Raum braucht es dazu gar nicht so viel. Als ich nämlich kürzlich nach einem Regenschauer vom Wetter genervt durch die Stadt laufe, um der nächsten undichten Wolke zu entgehen, trifft mich – ich hätte beinahe gesagt, wie aus heiterem Himmel – ein verheißungsvoller Anblick, der sich ganz diskret in einer Wasserlache entfaltet. Weiterlesen

Im streifenden Morgenlicht

Als ich gestern Morgen auf den Balkon den neuen Tag begrüßte und über das schräge, in die Jahre gekommene Dach blickte, überraschte mich eine subtile Alltagsästhetik. Nicht nur dass die an sich anthrazitfarbenen Pfannen streifend von der noch tief stehenden Sonne getroffen in schneeweißem Licht erstrahlten, auch die Spinnfäden und Netze wollten nicht zurückstehen und ihren Anteil zum Naturschönen beitragen, indem sie das weiße Sonnenspektrum in alle seine Farben zerlegten. Eingebettet in die erwartungsvolle Ruhe des beginnenden Tages ging von all dem eine Wirkung aus, die in mir ein unaussprechliches Gefühl der Zuversicht und des Vertrauens auslösten.
Glaubt nicht denjenigen, die da behaupten, es sei nur eine Reflexion und Beugung des Lichts.

Glühender Wolkenrand

Auch wenn die Sonnenuntergänge in den letzten Tagen meist durch Wolken verstellt werden, kann man sich an den Projektionen des Sonnenlichts an den Wolken in ihren unterschiedlichen Ausprägungen erfreuen. Gestern dominierte der blendend helle fraktale Rand einer ganzen Wolkenfront das Geschehen, die vor der gleichfalls absinkenden Sonne emporkam. Eine Zeit lang sah es so aus als orientierte sich die Natur mit dieser glühenden Linie an dem alten Zaun der Pferdekoppel. Dieser wurde dadurch gleichsam in einen kosmischen Zusammenhang gestellt.

Den Wolken angehauchte Goldblättchen

… als in seine aufgehenden Augen der
rote Schattenriß der vergangnen Sonne,
die seine heutigen Paradiese beschienen hatte,
und das Abendrot einfiel,
dessen Goldblättchen der Abendwind
den Wolken anhauchte.

Jean Paul  (1763 – 1825) 

Gelb – das Gold des Winters

Eine farbliche und – wenn man in diesen Zeiten eine freie Nase hat – duftige Stimulation in der allgemeinen winterlichen Tristesse dieser Tage ist für mich die Zaubernuss im Garten, die mit einem erfrischenden Gelb ganz unprätentiös helle Farbtöne in das graue Einerlei bringt. Diese Pflanze, mit botanischem Namen Hamamelis genannt, hat also die lobenswerte Besonderheit, im Winter zu blühen und das auch noch vor dem Blattaustrieb. Sie hat vor etwa zwei Wochen mit dem Blühen begonnen und steht jetzt in voller Blüte. Erfahrungsgemäß wird sie diesen für die meisten Pflanzen atypischen Zustand noch einige Wochen aufrechterhalten. Ich freue mich jeden Tag darüber und genieße es, wenn sich das saubere Gelb über meinen Sehnerv ausbreitet.

Auch wenn das Gelb der Verheißung des Frühlings noch durch das Weiß des Schnee gerahmt erscheint, habe ich das Gefühl, dass der Anfang gemacht ist und vertraue auf die Zeilen aus den Stufen von Hermann Hesse:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Sonnenstrahlen im Winter

Was man im Sommer nur am frühen Morgen erlebt, ereignet sich im Winter auch mal um die Mittagszeit: Sonnenstrahlen die fast waagerecht von der Seite kommen. Vorausgesetzt die Sonne scheint und es ist auch mittags noch dunstig. Weiterlesen

Abendliche Impressionen

gluhendes_atomkraftwerk_rvWährend einer Eisenbahnfahrt blicke ich von meinem Buch auf und schaue aus dem Fenster. Ich sehe – vielmehr glaube ich zu sehen – den lichterloh glühenden Kühlturm eines Atomkraftwerks. Zum Glück lässt sich dieser der Versunkenheit in der Lektüre geschuldete Schreck schnell wegrationalisieren. Weiterlesen

Zur Gestaltungskraft eines Sonnenuntergangs

abensdsonne_rvAbendsonne

Spitz der Winkel, schräg der Strahl,
Dennoch voll Gestaltungskraft
Malt die Sonne Berg und Tal
Mit verträumter Leidenschaft.

Dunkler wird, was dunkel war,
Heller leuchtet sattes Blau.
Wolkenweiß vergilbt sogar,
Kälte neigt zu mildem Lau.

Kurz nur zeigt sich dieses Spiel,
Kohlefarben wird das Grau.
Dann verschwimmt das Augenziel.
Ende einer großen Schau.

Ingo Baumgartner (1944 – 2015)

Ton in Ton

Beobachterbeobachter

„Ringsum nichts als Sand, die rötlichen Gebirge in der Ferne, ferner als man vorher geschätzt hat, vor allem Sand und nochmals Sand, gelblich, das Flimmern der heißen Luft darüber, Luft wie flüssiges Gas“ (Max Frisch. Homo  Faber). Und mittendrin eine, die ihr Outfit der überwiegenden Farbe angepasst und nun gefangen im überbordenden Gelbton die Rückwirkung auf sich zu spüren scheint. Jedenfalls stand sie sehr lange bewegungslos an diesem Schnittpunkt zweier Grenzlinien.

 

 

Windenergie auf dem Weg in den Süden

WindenergietransportMan kann sich in Norddeutschland mit eigenen Augen davon überzeugen, dass keine Mühe gescheut wird, die aus dem Wind gewonnene Energie durch elektrische Leitungen nach Süddeutschland zu transportieren. Das Foto beweist es!

 

We must take the current when it serves.

William Shakespeare (1564 . 1616)

Reflektierte Abenddämmerung

Abend_in_FlorenzBlick auf Florenz

Geliebteste Erinnerung, San Miniato!
da ich mit Gioia versonnen
im Anblick der Stadt stand;
die warm umgoldet,
im letzten Strahlen
der Abendsonne blinzte.
Vom weichen Südwind umfächelt.
Wir sahen sie lächeln,
die herrliche Stadt!
Und es war das Lächeln
ihrer vergangenen, siegreichen Schönen. Weiterlesen

Brücke im Wasser

Brücke-im-WasserIch ging eines Tages an den Ufern der Aisne entlang, und eine Qual ohne Maß und ohne Grund hatte mich gepackt. Mir schien, als könnte ich nie wieder fröhlich werden. Das Bild einer Brücke im Wasser gab mir plötzlich Vertrauen zu mir selbst und führte zur Freude zurück. Es war doch eigentlich nur ein Reflex im Wasser, aber glaubt niemals denen, die euch sagen werden, daß es nur ein Reflex war.

Georges Duhamel (1884 – 1966)

Im Jahr des Lichts (14) – Die Rötung des Himmels weckt Oasen…

Sonnenuntergang_rot
… für den Nomaden der Liebe (Guiseppe Ungaretti)

Eine einfache physikalische Erklärung für die Entstehung des roten Himmels findet man hier.

Philemon und Baukis in einem herbstlichen Park

Engumgschlungen-rvSeit Jahren gehe ich an dieser Baumgruppe im Park vorbei. An einem dieser kalten, ungemütlichen Herbsttage, die die Sehnsucht nach Wärme und Nähe befeuern, sehe ich die beiden eng umschlungenen Bäume wie zum ersten Mal. Der Zufall wollte es, dass das innere Gefühl den äußeren Blick so zu fokussieren wusste, dass es zu einer Übereinstimmung von außen und innen kam. Aber selbst wenn man alles Gefühlsmäßige beiseitelässt, bleibt ein eindrucksvoller, seltener Anblick.

Mich erinnert das an die Geschichte von Philemon und Baukis, ein in ärmlichen Verhältnissen lebendes Ehepaar, wie es Ovid in seinen „Metamorphosen“ beschrieben hat. Die beiden nehmen als einzige den in Menschengestalt erscheinenden Jupiter und den ihn begleitenden Merkur in ihrer Hütte auf und bewirten sie mit dem, was sie haben. Zur Belohnung wird ihnen der Wunsch gewährt, sich nie trennen zu müssen. Dazu verwandeln die Götter das alte Liebespaar am Ende ihrer Tage in zwei miteinander verbundene Bäume. Leider haben wir es hier nicht mit Linde und Eiche zu tun. Sonst hätte man meinen können,  die beiden sich ewig Liebenden hier  leibhaftig vor Augen zu haben.

Interessant ist bei dieser Baumumschlingung, dass die beiden artfremden Bäume nicht miteinander verschmelzen. Eine solche Inosculation beobachtet man hauptsächlich bei Bäumen derselben Art.

Eine unendlich gütige Bewegung

MargeritteMarguerite

Du standst vor einem Blumenglas am Fenster
und legtest deine Hand
mit einer schönen
unendlich gütigen Bewegung
um eine Marguerite,
ihr von unten her
den Blätterkreis mit der
gekrümmten Hand
verengend
und sie mit einem Seufzer –
mir wenigstens erschien es so –
und voller Liebe anblickend,
dass ich empfand,
dass zwischen dir und jener Blume sich
Geheimnis stiller Zwiesprache
verberge. –
Und wie ich heute selbst
das gleiche Spiel,
mein selber lächelnd, treibe
und ,mit Schmerzen‘ ende, –
lächle ich nicht mehr –
und denke jenes Abends an dem Fenster
und jener traurig-gütigen Geberde.                                 Christian Morgenstern . 1871 – 1914

Manchmal helfen nur Blumen

BlumenwieseEtwas wirkt noch immer droben, weit über die Erfahrung der letzten Möglichkeit von Überleben hinaus: ein Fest an den Quellen der Zeit. Die Blumen gestalten es, indem sie nicht etwa karg, ärmlich und sparsam ihr Leben am Rande des mindestens an Wärme und Boden, des äußersten an Ausgesetztheit, Sturm, Schneetreiben und Trockenheit fristen, sondern Farbe und Gestalt verschwenden.

Barbara von Wulfen: Lichtwende 1985

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