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Struktur

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In Form des Steins wird das Unbegreifliche greifbar

Ein Stein ist in jeder Beziehung etwas Hübsches: Gestalt, Struktur, Glanz, Härte, er hat so viel Eigenschaften, die unsere Sinne beschäftigen und befriedigen und unser Nachdenken anregen. Wir könnten solch einen Gegenstand zu tausend spekulativen oder praktischen Zwecken benutzen. Die Könige der Welt werden wir sein, wenn wir kühn versichern, daß wir in seiner Verwendung und in unserer zweckmäßigen Freude den ureigensten Sinn des Steines selbst finden. Wir werden elender als Sklaven sein, wenn wir den Stein dazu nehmen, um die anderen damit zu treffen.*

Als ich den Stein (nein, nicht den der Weisen!) fand (siehe Foto), versuchte ich den kleinen, den der große in seinem steinernen Maul zu zermalmen scheint, zu befreien. Die Rettungsaktion misslang: Jahrmillionen alten Steinen ist mit menschlichen Kräften so leicht nicht beizukommen.
Erfolg versprechender wäre es vielleicht die oder wenigstens eine Geschichte zu erzählen, die den kleinen Stein in diese missliche Lage gebracht hat.


*Duhamel, Georges: Der Besitz der Welt. Zürich 1922.

Licht und Schatten zum 4. Advent und Winteranfang

Obwohl die Kerze nicht brennt, wird dem 4. Advent durch 4 Lichter Rechnung getragen. Sie liegen des Kontrastes wegen im Schattenbereich des Kerzenhalters der effektvoll von zwei Halbschattenkreisen zunehmender Helligkeit umgeben ist – ein wahres Clair-obscure-Ereignis. Wer trotz der doppelten Bedeutung des heutigen Tages Lust hat dieses Phänomen physikalisch zu entzaubern, um sich dadurch doppelt verzaubern zu lassen, sei dazu herzlich eingeladen.

Heute wird am 4. Advent der astronomische Winteranfang gefeiert. Wer Winter (in unseren nördlichen Breiten) mit Dunkelheit und tiefstehender Sonne in Verbindung bringt, sollte sich angesichts dieses Tages vor Augen führen, dass ab heute die Tage wieder länger werden. Das – in dieser Hinsicht – schlimmste (?) haben wir hinter uns. Mit einer gewissen Phasenverschiebung steht uns allerdings die kälteste Zeit noch bevor – wenn sie denn kommt.

Ein Sprung in der Wolkendecke

Vor ein paar Tagen erlaubte ein ziemlich langer, gerader, an den Rändern ein wenig ausgefranster und teilweise orange eingefärbter Schlitz in der Wolkendecke für einige Zeit einen Durchblick auf die stets sonnige Welt darüber. Der Durchblick blieb lange erhalten, bis die Sonne schließlich soweit hinter den Horizont gesunken war, dass der Schlitz im Einerlei der hereinbrechenden Nacht verschwand.
Eine Ursache für diese Konstellation konnte ich nicht finden.

Wege 14: Winterliche S-Kurven

Ich kenne diese beiden Wege seit Jahren. Aber nie war mir aufgefallen, wie sehr sie sich ähneln. In beiden Fällen handelt es sich um eine S-Kurve, die zum einen durch Schienen und zum anderen durch eine Straße realisiert wird, auf der die dunkle Wagenspur den ebenfalls dunklen Bahnschienen entspricht. Indem sie in einem kontrastreichen Hell-Dunkel-Kontext erscheinen, wird ihre Strukturähnlichkeit  zu einem Phänomen. Die durch die Schneedecke von den normalerweise vorhandenen Details befreiten Anblicke machen die Entsprechungen erst auffällig.
Wie der Zufall es will, kommt es interessanterweise auch noch in einer strukturellen Übereinstimmung am Rande der Fahrspuren: Dem durch die Bahnschwellen hervorgerufenen periodischen Höhenprofil entspricht auf der Straße die Profilspur eines Traktors.

Zufall? Zufall!

Bei physikalischen Untersuchungen von Wüstensandproben, hatte ich mehrere Blatt Papier mit kleinen Sandproben versehen. Als der Hund meiner Tochter mich stürmisch begrüßen wollte, versuchte ich zu retten, was zu retten war. Hinterher zu meinen Sandproben zurückkehrend, hatte sich das Exemplar mit dunklen Sandkörnern zu einer Pareidolie verschoben. Zunächst glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, denn der Sandhund schaute mich intensiv aus hellen Augen an und erinnerte mich irgendwie an einen Se(e)hhund:-).
Das brachte mich natürlich dazu. wieder einmal über den Zufall nachzudenken. Letztlich fiel mir aber nur ein Satz von Friedrich Engels ein dass nämlich, „… das Zufällige einen Grund hat, weil es zufällig ist, und ebenso auch keinen Grund, weil es zufällig ist“.
Da die Pareidolie nicht nur merkwürdig, sondern m.E. auch schön ist, erscheint sie hier.

Zur konstruktiven Rolle des Fallens

Als ich in einer Dünenlandschaft Sandrippel fotografierte, fiel mir eine runde Objektivschutzkappe aus der Hand und machte sich rollend davon (zum Vergrößern auf Bild klicken). Angetrieben durch den über die Dünen streichenden Wind rollte sie über den welligen Untergrund der Sandrippel und hinterließ eine interessante Spur. Vor die blitzschnell zu entscheidende Alternative gestellt, die Spur zu fotografieren und möglicherweise der Kappe verlustig zu gehen oder die Verfolgung sofort zu starten, entschied ich mich für ersteres. Weiterlesen

Der Februar

Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.

Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
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Zufallsstrukturierte Blattlandschaften

blattaderlandschaft_rvBlätter sind durch Adern strukturiert, die oft sehr stark an Straßennetzwerke erinnern, bei denen von den Autobahnen Hauptstraßen und von diesen Nebenstraßen usw. abzweigen, sodass jede Landschaftsparzelle erreicht werden kann. Ganz ähnliche Strukturen bieten sich manchmal den Flugreisenden an, wenn sie die Landschaften von oben betrachten. Weiterlesen

Natur und Kunst

Wenn ich mir diesen Ausschnitt eines Blatts anschaue, das mir aus dem üblichen Chaos der abgefallenen Herbstblätter heraus ins Auge fällt, dann frage ich mich, welcher Gestaltungstrieb hinter dieser Strukturierung steht. Es ist ein Blatt unter vielen anderen, die sich mehr oder weniger ähneln. Weiterlesen

Windbewegte Strukturen

sandstrukturen_dsc01544a_rv„Anstatt Chaos und Unordnung vorzufinden, wird der Beobachter nicht umhin können zu staunen über eine Einfachheit der Form, eine Genauigkeit der Wiederholung und eine geometrische Ordnung, die in der Natur jenseits der Größenordnung der Kristallstruktur unbekannt ist. An bestimmten Stellen bewegen sich enorme, millionen Tonnen schwere Anhäufungen von Sand unaufhaltsam in geordneten Formationen über die Oberfläche des Landes, indem sie wachsen, dabei ihre Gestalt bewahren und sich sogar in einer Weise fortpflanzen, die in ihrer grotesken Nachahmung des Lebens auf einen fantasievollen Menschen leicht verstörend wirken könnten (Übs. HJS)“. Mit diesen geradezu poetischen Worten beschreibt der wohl erste „Dünen-“ und „Sandwissenschaftler“ Ralph Bagnold (1896 – 1990) in seinem Buch „The Physics of Blown Sand and Desert Dunes. London: Methuen 1954“ seine Begegnung mit den Sandstrukturen in der Wüste.
Wissenschaftler und Poeten scheinen gleichermaßen von den vielfältigen, ästhetisch ansprechenden Strukturen im Sand fasziniert zu sein. So berschreibt der Schriftsteller Raoul Schrott (*1964) – offenbar von Bagnolds Ausführungen inspiriert – seine Begegnung mit den gemeinsamen Werken von Wind und Sand mit den folgenden Worten.
Die Springfracht desWindes bläst die Körner über Luv, kaum höher als ein oder zwei Fuß, bis sie am Kamm festgepreßt werden und schließlich wieder abgleiten; es ist wie mit den Wellen. Der Wind schiebt sie vor sich her. Manche stauen sich auf und werden so rund wie Walrücken.Einige kollidieren miteinander, rollen dann weiter und lassen hinter sich eine kleine, noch junge Düne zurück; solche grotesken Imitationen des Lebens wirken auf jemanden, der zu viel Phantasie hat, sehr leicht verstörend.“ (Raoul Schrott: Die Wüste Lop Nor. 2000).

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Versteinerte Linien

Streifen_und_Felder_rvIch zweifle nicht, daß in den menschlichen Dingen, also auch in der Geschichte, ebensogut eine Notwendigkeit ist wie in den Naturdingen. Aber jeder Mensch hat zugleich seine Separatnotwendigkeit, so daß Millionen Richtungen parallel, in krummen und geraden Linien nebeneinander laufen, sich durchkreuzen, fördern, hemmen, vor- und rückwärtsstreben und dadurch für einander den Charakter des Zufalls annehmen und es so, abgerechnet die Einwirkung der Naturereignisse, unmöglich machen, eine durchgreifende, alle umfassende Notwendigkeit des Geschehenden nachzuweisen. Es geht damit wie mit der Witterung, die gewiß so bestimmte Gesetze hat wie der Umlauf der Welten.

Franz Grillparzer (1791 – 1872): Historische und politische Studien

Verfall – Spuren der Zeit

entblaettern_rvDinge werden durch die Zeit beeinträchtigt, in dem Sinne wie wir zu sagen pflegen, daß die Zeit die Dinge zerbröckelt, und daß alles durch die Zeit altert und durch den Zeitablauf in Vergessenheit gerät. Aber wir sagen nicht, daß wir durch die Zeit gelernt haben, oder daß etwas durch sie neu oder schön geworden ist, denn wir sehen die Zeit an sich eher als Ursache des Verfalls an… Weiterlesen

Strömendes Holz

Strömendes-HolzSo full of shapes is fancy,
that it alone is high fantastical.

William Shakespeare (1564 – 1616)

Was hier wie eingefrorene Strömungsmuster erscheint, ist nichts anderes als ein Teil aus der Rinde einer Korkeiche. Welche biophysikalischen Vorgänge zu dieser Strukturbildung verantwortlich sind, ist mir unbekannt. Es scheint aber so zu sein, dass die Natur in ganz unterschiedlichen Kontexten gerne auf ähnlichen Gestaltbildungsprozessen zurückgreift. Weiterlesen

Wer guckt den da?

HolzschnauzerEin keiner weiteren Beachtung würdiger Stapel Holz am Wegesrand. Als ich daran vorüberging, hatte ich das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Jedenfalls war der Eindruck so stark, dass ich der Sache nachging und plötzlich erkannte, wer mich da fixiert hatte – ein Stück Holz in der Form eines Riesenschnauzers. Oder besitze ich nur zuviel Fantasie? Weiterlesen

Der Wald – eine einzige Nadelarbeit

Schneestickerei„Im Winter bleibt der Wald wie angewurzelt stehen, könnte man sagen, wäre er nicht tatsächlich im Boden verwurzelt. Jede Unebenheit, jedes Relief, jedes Spinnenfädchen hat der Schnee sichtbar gemacht, jedes Ästchen ist weiß überstrichen, lauter winzige Kleinigkeiten sind zum Vorschein gekommen, die das Jahr über verborgen geblieben waren. Ein Baum ist nicht länger ein seitlich von ein paar Ästen verlängerter Stamm, sondern Hunderte zarter Gelenke und strichbreiter weißer, in den grauen Himmel gestickter Äderchen, überhaupt ist der ganze Wald in eine einzige feine Nadelarbeit verwandelt, ein sorgfältig angefertigtes, sauberes Häkeldeckchen, wie man sie sonst nur noch in Großmutters Wäscheschrank oder auf Flohmärkten findet“.

Weber, Anne: Besuch bei Zerberus; Suhrkamp Verlag, 2004

Künstlerische Aktivitäten eines Käfers

Fraßgänge-des-BuchdruckersWas wie ein grafisches Kunstwerk aussieht, ist ein Produkt des Borkenkäfers, der unter der Borke von Bäumen (vor allem Nadelbäume) seine erste Lebensphase verbringt. Man sieht hier die Fraßgänge der Larven, wie sie sichtbar werden, nachdem die abgestorbene Borke abgehoben wird. Die Larven ernähren sich vor allem vom Bast, dem lebenden Gewebe unter der Borke.
Eine verbreitete Borkenart ist der Buchdrucker, der vor allem Fichten anfällt. Die Bezeichnung Buchdrucker geht nicht etwa auf die Baumart der Buche zurück, jedenfalls nicht direkt, sondern spielt auf die Ähnlichkeit der Larvengänge mit geschnitzten Buchstaben an. Die ästhetische Wirkung des Fraßgebildes verdankt sich vermutlich der Tatsache, dass es hier annähernd um eine optimale Struktur handelt. Die Larven scheinen die Gänge so angelegt zu haben, dass sie einander einerseits möglichst wenig in die Quere kommen und andererseits die Fläche so gut wie möglich ausnutzen.

Spuren im Sand

Sandspuren042„Was das hier wäre?: „Na, ein Traktoren-Tanzplatz; unverkennbar.“ Denn die grobgeperlten, geriffelten, profilierten, conti-gesohlten Spuren überschnitten, kreuzten, ringelwurmten, walzten, derart um- & durcheinander, daß es rational-rationell schwerlich mehr zu erklären war: „Gleich hinter Mitternacht, wenn sich der träge Nordbär umgekehret, mach sie sich los: brummldieknubbldiebrapp“ (Arno Schmidt: Die Wasserstraße).

Weit gefehlt: Es sind Spuren von Käfern in einer Sandwüste. Sie wurden des Nachts hinterlassen, am sonnigen Tage findet man von den Käfern keine Spur – nur ihre Spuren.

Prozeß und Struktur – Probleme der Selbstorganisation im Bereich der unbelebten Natur (Teil 1 und 2)

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/11, 392-397 und 32/12, 430-434 (1994).

Der Gegenstandsbereich der klassischen Physik wird durch Vorgänge und Strukturen beherrscht, die als reversibel und im thermodynamischen Gleichgewicht befindlich angesehen werden kön-nen. Ein typischer Vorgang ist eine harmonische Schwingung, eine typische Struktur ist ein Kristall. Starrheit, Unveränderlichkeit, „Zeitlosigkeit“ sind Kennzeichen der klassischen Betrachtung…

PDF: Prozeß und Struktur – Probleme der Selbstorganisation im Bereich der unbelebten Natur (Teil 1 und 2)

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