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Das rote Ordensband ziert sich

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diesen Falter, der sich in mein Zimmer verirrt hatte, sofort an die Luft befördern wollte. Doch als ich mich ihm näherte spreizte er die Flügel und legte ein wunderschönes rotes Unterkleid frei, das mich wegen dieser Naturschönheit begeisterte. Ich hatte ein Rotes Ordensband (Catocala nupta) vor mir. Ich holte den Fotoapparat, um diesen Moment festzuhalten. Doch wie es einem so mit den Momenten ergeht, sie vergehen schneller als man gehen kann. Jedenfalls machte das Rote Ordensband bei meiner Rückkehr seinem Namen keine Ehre mehr. Das farbige Unterkleid war bedeckt. Versuche den Falter dazu zu bringen, die alte Pracht wieder ans Tageslicht zu bringen scheiterten weitgehend. Immerhin gab das Tierchen so viel frei, dass die Fantasie ausreichen sollte, sich vorzustellen, wie schön der Anblick bei völliger Abdeckung sein würde.

Froschbadewanne im Freien

Diesen Frosch habe ich eine zeitlang beobachtet. Wenn ich ihm zu nahe kam, floh er zwar, begab sich aber immer wieder zu dieser Stelle zurück. Statt im verhältnismäßig kühlen Wasser zu chillen, macht er es sich in einer Art Badewanne gemütlich, die auf dem Sonnenlicht absorbierenden Seerosenblatt deutlich wärmer ist. Natürlich fällt auch Sonnenlicht in den übrigen Teich und wird zum großen Teil absorbiert. Aber die Wasserfläche ist im Verhältnis zum Wasservolumen deutlich kleiner als bei der Froschbadewanne. Und daher erhöht sich die Wassertemperatur wesentlich langsamer.

Das Labyrinth im Innern eines Frosches

Als wir früher das lustige Lied: „Ein Storch spazierte einst am Teiche…” sangen, glaubte keiner daran, dass so etwas in der Realität passieren könnte. Kürzlich stieß ich jedoch auf eine Publikation* die mir zeigte, dass die Storch-Blindschleichen-Geschichte doch nicht so ganz abwegig ist. Denn es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Wasserkäfer (Regimbartia attenuata), der von einem Frosch verschluckt wird, dabei meist nicht zu Schaden kommt. Wie die sagenhafte Blindschleiche in unserem alten Lied krabbelt er am andern Ende wieder heraus.
Damit diese unglaubliche Geschichte möglich wird, kommen mehrere Dinge passend zusammen. Der Frosch zerkaut seine Beute nicht, sondern schluckt sie heil herunter. Im Magen gelandet macht der Wasserkäfer sich sofort daran, dem Ausgang zuzustreben. Ihm kommt dabei zugute, dass ihm die Verdauungssäfte nichts anhaben können und er den Sauerstoffmangel mindestens über 6 Stunden übersteht. Denn solange braucht er, um die verschlungenen Pfade zum After-Ausgang zu finden. Es scheint so, als würde sich der Käfer dabei aktiv seiner Beine bedienen.
Vermutlich kommt dem Käfer zugute, dass es auf dem Weg zur Hintertür keine ernst zu nehmenden Abzweigungen gibt, sodass er allein mit der Devise „Immer der Sonn‘ entgegen“ den rettenden Ausgang findet. Oder aber er hat so etwas wie einen Ariadnefaden 😉

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Quelle

* Shinji Sugiura. Active escape of prey from predator vent via the digestive tract. Current Biology 30, R841–R870, August 3, 2020

Das Kielwasser einer Schnecke

Mein breites Kielwasser glänzt, jetzt wird es dunkel.
Ich hinterlass ein hübsches, schillerndes Band:
Das weiß ich
.*


* Elizabeth Bishop. Die Riesenschnecke. In: Die Farben des Kartographen. Frankfurt usw. 1983

Eine physikalische Erklärung für das „schillernde Band“ findet man hier und hier.

 

Holzeule sei wachsam

Er gibt keine Begründung, doch kann man sie sich ergänzen: Nach den rabiaten Göttern Mars und Saturn, Jupiter dazwischen, war eine der Venus adäquate, freundliche Gestalt fällig, die dem Haupt ihres Vaters Jupiter entsprungene Eulengöttin der ‚Kopfgeburten‘ insgesamt, nämlich der Wissenschaften.*

Gestern traf ich das „Maskottchen“ der Weisheit und der Wissenschaften im Iburger Wald, einem Ausläufer des Teutoburger Waldes. Gleich drei Exemplare hockten auf und im Stamm eines abgestorbenen Baums. Ich gehe davon aus, dass es sich um ein Schnitzwerk handelt, das mit der Motorsäge aus dem Baum herausmodelliert wurde.


* Hans Blumenberg. Die Vollzähligkeit der Sterne. Frankfurt am Main 1997, S 189

Feldwespen – Harmlose Untermieter

Diesen Sommer über habe ich im äußeren Bereich des Velux-Fensters meines Arbeitszimmers Haus-Feldwespen als angenehme Untermieter, was bei dem Wort „Wespe“ schon was heißen will. Ich konnte beobachten, wie sie klein beginnend allmählich in mühseliger Kleinarbeit ein schon von der hexagonalen Optik her eindrucksvolles Nest gebaut haben. Denn sie ließen sich in ihrem gemächlichen völlig unaufgeregten Tun auch dann nicht stören, wenn ich das Fenster herunterklappte, um ihnen aus unmittelbarer Nähe beim Arbeiten zuzuschauen. Es waren nicht viele Tierchen – vielleicht insgesamt an die zwanzig – die sich immer wieder einfanden und ihre Brut in den Waben hochpeppelten.
Das Nest hat auf dem Foto seine maximale Größe.
Wer von den jeweils anwesenden Wespen die Königin ist, habe ich bislang nicht herausgefunden. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Völkchen bereits dabei ist „abzubauen“.
Übrigens gehört nicht viel Mut dazu, mit der Feldwespe benachbart zu sein. Sie ist harmlos und interessiert sich in keiner Weise für menschliche Speisen. Und da sie Fliegen, Mücken und Spinnen jagen, kommen sie uns in unserem Bemühen, die Wohnung von diesen Zeitgenossen freizuhalten erheblich entgegen. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht…

Doppelter Besuch beim Schlitzblättrigen Sonnenhut

Den schlitzblättrigen Sonnenhut habe ich erst in diesem Jahr für mich entdeckt, indem ich von Tag zu Tag die Entwicklung beobachte und dabei erlebe, welche Tiere von dieser Blume profitieren, oft in unterschiedlich übergriffiger Weise. Hier zwei Extreme: Während die fleißige Biene die vielen kleinen Blüten absucht zum eigenen und zum Nutzen der Pflanze (linkes Foto), geht die Schnecke gleich in die Vollen und frisst die Blätter – zum eigenen Nutzen und zum Schaden der Pflanze (rechtes Foto). Dafür wartet die Schnecke mit einem schönen Spiralgehäuse auf.

Auf der Spur einer Schnecke

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 9 (2021), S. 64 – 65

»Lerne Schnecken zu beobachten«

Susan Ariel Rainbow Kennedy (geb. 1954)

Eine Schnecke kann sich auf ihrem Schleimfilm fortbewegen, weil das Sekret je nach Art der Beanspruchung zwischen flüssig und fest wechselt. Dank der viskoelastischen Eigenschaften ihrer mobilen Unterlage vollführen die Tiere spektakuläre Kunststücke.

Schnecken sind zwar langsam unterwegs, dafür überwinden sie so gut wie jede Barriere. Sie erklimmen senkrechte Wände, gleiten über glatte oder scharfkantige Oberflächen und erreichen selbst kopfüber kriechend fast jeden Ort. Dabei hinterlassen sie deutliche Spuren in Form von Schleim (siehe oberes Foto links). Auf ihm bewegen sie sich fort, und er macht ihren Körper so glitschig, dass sie kaum zu greifen sind.

Die Tiere sondern die Unterlage je nach Bedarf entlang ihres über die ganze Bauchseite verlaufenden Fußes ab. So schaffen sie sich auf einzigartige Weise ihren eigenen Straßenbelag. Er macht sie weitgehend unabhängig von den tatsächlichen Untergründen, seien es Zweige, Blätter, Sandböden, Spinnennetze oder Fensterscheiben. Schnecken fixieren das Sekret auf jeglichem natürlichen Material, und selbst künstliche superhydrophobe Oberflächen bremsen sie nur mit Mühe aus. Der dünne Belag mit einer Dicke von gerade einmal einigen zehn Mikrometern überbrückt selbst Abgründe (siehe oberes Foto rechts). Ist die Lücke doch zu groß, verwandeln die Tiere den Schleim in einen Faden, an dem sie sich einfach abseilen (siehe mittleres Foto).

Das alles beweist: Der Schleim ermöglicht nicht nur extrem gutes Gleiten, sondern er ist zugleich reißfest, tragfähig und ähnlich stabil wie ein elastischer Festkörper. Physikalisch gesehen handelt es sich um ein vernetztes Gel, das bis zu 97 Gewichtsprozent aus Wasser und zum Rest aus hochmolekularen Protein-Polysaccharid-Komplexen besteht. Obwohl die Mixtur also hauptsächlich Wasser enthält, sind ihre Eigenschaften ganz und gar nicht typisch für dessen Verhalten. Vordergründig widersprechen sie sich sogar. Mit der Gleitfähigkeit scheint weder die Reißfestigkeit vereinbar zu sein, noch passt sie zu der Notwendigkeit, sich zum Vorankommen immer wieder abstoßen zu müssen. Denn jede Fortbewegung setzt voraus, dass man sich von der Unterlage wegdrückt. Beispielsweise wird es auf einer Eisfläche umso schwieriger, durch normales Laufen voranzukommen, je glatter sie ist.

Als so genannte nichtnewtonsche Flüssigkeit kann der Schneckenschleim die verschiedenen Ansprüche verbinden. Im Ruhezustand ist das Gel fest und klebrig. Wird es jedoch geschert – das heißt, entlang der Grenzschicht wirkt eine waagerechte Kraft –, gibt es bei einer bestimmten Stärke der Scherkraft nach. Dann geht es in den flüssigen, gleitfähigen Zustand über. Das passiert aber nur bis zu einer gewissen Tiefe, denn mit seiner Unterseite muss der Schleim ja fest auf dem zu überkriechenden Objekt fixiert bleiben. Indem sie die physikalischen Gegebenheiten fein kontrolliert, kann die Schnecke die Zähigkeit bedarfsgerecht steuern.

Beim Vorwärtskriechen laufen durch den Fuß regelrechte Wellen. Sie entstehen in Folge von Muskelkontraktionen und -entspannungen, die sich periodisch von hinten nach vorn ausbreiten. Ein ruhender Teil des Fußes ist in seinem Auflagebereich mit dem Gel fest verbunden. Von dort aus schiebt die Muskulatur den übrigen Schneckenkörper ein Stück voran. Durch die während der Kontraktion auf den Schleim ausgeübte Scherkraft wird schließlich die Schwelle überschritten, bei der das Gel nachgibt und zerrinnt. Der Zeitpunkt trifft mit der Entspannung des Muskelelements zusammen. Inzwischen kontrahieren benachbarte Abschnitte, und der zuvor verankerte Teil des Fußes gleitet über das nunmehr verflüssigte Stück. So entsteht ein quasi kontinuierlicher Vortrieb.

 Trotz der vielfältigen Einsatzzwecke des viskoelastischen Fluids bringt es für die Schnecken einige Nachteile. Neben der geringen Geschwindigkeit sind das vor allem der extreme Material- und Energieaufwand. Wegen des enormen Flüssigkeitsbedarfs müssen sich die Tiere vor Austrocknung schützen. Sie bleiben bevorzugt in feuchten und schattigen Gebieten und sind vor allem nachtaktiv. Bei widrigen Bedingungen wie Hitze und stark absorbierenden Untergründen gehen sie manchmal zu einer besonders sparsamen Akrobatik über. Sie legen ihren Schleimteppich nicht durchgehend aus, sondern mit Unterbrechungen und hangeln sich von einem Fleck zum nächsten (siehe unteres Foto). Von Artgenossen hinterlassene Spuren werden ebenfalls gern genutzt – was nicht nur die Fortbewegung beschleunigen dürfte, sondern auch die Partnersuche.

Da das Sekret am Boden verbleibt, muss die Schnecke ständig neues nachproduzieren. Das nutzt sie nicht nur zur Fortbewegung. Es bedeckt den ganzen Körper, hält ihn feucht und wehrt dank chemischer Zusätze Mikroben und sogar Beutegreifer ab. Viele potenzielle Fressfeinde meiden die Klebrigkeit oder den widerlichen Geschmack einiger Arten. Der Heimatdichter Hermann Löns (1866–1914) hat in seiner Erzählung »Ein ekliges Tier« ausdruckstark seine Abscheu beschrieben, nachdem er in einem Selbstversuch Schneckenschleim probiert hat. Dort vermischt er an einer Stelle seine Erfahrung sogar mit den physikalischen Eigenschaften, indem er berichtet, dass »Frachtkutscher, die schlecht geschmiert haben, diese Schnecken statt der Wagenschmiere gebrauchen; denn ich kann mir denken, daß selbst eine Radachse aus Angst vor einer zweiten Auflage sich fürder lautlos benimmt«.

Quelle

Mayuko Iwamoto et al.: The advantage of mucus for adhesive locomotion in gastropods. Journal of Theoretical Biology 353, 2014

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Ein Haus am Waldesrand

Ein Haus ich, schlendernd am Waldesrand,
voll lebender Perlenpüppchen fand.
Sie dienen den Müttern mit treuem Sinn
und halten so gute Ordnung drin,
dass jedes Blättchen ohne Säumen,
jed‘ Hälmchen aus dem Weg sie räumen.
Keins hat etwas für sich allein;
und, da sie so still zusammen wohnen,
auch ziehen in langen Prozessionen,
kann’s schier im Kloster nicht besser sein.
Nur die Maria im Hause fehlt,
hier hat die Martha allein gewählt.

Hast du’s erraten, sei gebeten,
nie selber in solch ein Kloster zu treten.
*

Die Ameisenhaufen der Roten Waldameisen, die es in meiner Kindheit in Massen mit Verbindungsstraßen untereinander gab, sind zu einer Seltenheit geworden. Zu Recht stehen auch sie seit 2009 auf der Roten Liste gefährdeter Arten.


* Clemens Brentano (1778 – 1842)

Der vornehme Schein eines Käfers

Auf diesen grün-blau irisierenden Grünen Scheinbockkäfer (Oedemera nobilis) stieß ich, als ich mir das Innere von Mohnblüten ansehen wollte. In einer Körpergröße von 12 mm und ebenso langen Fühlern strahlte er mir seine Strukturfarben entgegen. Diese Farben werden nicht durch Pigmente hervorgerufen, sondern entstehen durch einen „Eingriff“ der nanometer feinen Strukturen des Panzers und der Deckflügel des Käfers, die aus durchsichtigen Chitinebenen bestehen. Die an den verschiedenen Ebenen reflektierten Lichtwellen überlagern sich im Auge des Betrachters und verstärken oder schwächen bestimmte Wellenlängen (Farben) des weißen Lichts, so dass der im Foto zu sehenden Farbton entsteht. Da sich die Lichtwege je nach der Einfallsrichtung ändern, sieht man aus verschiedenen Blickwinkeln leicht zwischen grün und blau changierende Farbtöne, was als Irisieren empfunden wird. (Ausführlicher wird die Farbentstehung für die Goldfliege beschrieben).
Die Deckflügel des Scheinbockkäfers verjüngen sich nach hinten hin und sehen aus wie die Frackschöße eines altertümlich gekleideten vornehmen Mannes. Dadurch wird die „scheinbare“ Eleganz des Tierchens ebenso unterstrichen wie die metallisch spiegelnden Knickerbocker. In der Welt der Insekten passen Frack und Knickerbocker offenbar zusammen. Der Schein im deutschen Namen des Käfers trifft also im doppelten Wortsinn zu: als farbiger Lichtschein und als das aufwändige Bemühen, durch ein raffiniertes Outfit (vulgo: Körperbau) den Schein zu wahren. Schön ist der Scheinbockkäfer trotzdem und sympatisch ebenfalls. Immerhin ließ er sich ohne Probleme ablichten.

Gezielte Landung

Die Libelle landet auf einer Zeitschrift neben einem blauen Auge, verweilt dort einige Zeit – jedenfalls solange, dass ich sie fotografieren kann – und macht sich brummend mit einer Ehrenrunde wieder vom Acker.

Lebensräume

Viele Pilze fristen ihr Dasein im Schatten des Waldes auf dem Boden und zerfallendem Holz. Sie sind nicht unbedingt auf Licht angewiesen, weil sie anders als Pflanzen keine Photosynthese betreiben, und sich nicht auf diese Weise Sonnenlicht aneignen müssen. Sie machen es ähnlich wie die Tiere und ernähren sich von Pflanzen bzw. dem was von ihnen übrig geblieben ist.
Im vorliegenden Fall (siehe Foto) hat ein etwas verkrumpelt aussehender Pilz sich dennoch eine lichte Stelle ausgesucht – eine Art Balkon in der zurückgebliebenen Höhle eines abgesägten Astes von einem Baum.
Ausgesucht ist natürlich etwas übertrieben. Pilze ähneln zwar den Tieren in einigen Hinsichten, was jedoch die Ortsgebundenheit bestrifft, so sind sie eher mit den Pflanzen zu vergleichen: Wo die Samen bzw. die Sporen durch welche Zufallsereignisse auch immer hingeraten, dort müssen sie versuchen, ihr Leben zu beginnen und möglichst zur Vollendung bringen.
Abgestorbenes Holz scheint in diesem Astloch kein Problem zu sein, wenn man einmal den guten Ernährungszustand und die gesunde Farbe des Pilzes als Kriterium nimmt.

Natürliche und naturschöne Wohnhöhlen

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Blindschleiche mit blauen Flecken

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Statt vier Amseln vielleicht vier Eichen

Wer mit seinen Vögeln im Garten auf Du und Du steht und ihre Entwicklung verfolgt, wird auch ihre traurigen Episoden mitbekommen. Nachdem ich vor zwei Jahren die Brut und die Aufzucht der Jungen eines Meisenpaares in einer Schwengelpumpe mit bösem Ausgang miterlebt habe, fand in diesem Jahr das Brüten eines Amselpaares in der Efeuwand unseres Gewächshauses ein jähes Ende. Eigentlich war der Platz aus Sicht der Amseln nicht schlecht gewählt. Zunächst hatte ich das Nest gar nicht entdeckt, sondern mich stets darüber gewundert, dass mir morgens beim Öffnen der Tür immer ein verstörtes Vögelchen entgegenflatterte. Schließlich fand ich dann das gut versteckte Nest mit vier Eiern. Von da an ging ich immer vorsichtig hinein, sodass der Vogel sitzen blieb. Ich sah nur das Köpfchen durch die Efeublätter und hatte den Eindruck, dass das Amselweibchen mich ruhig anblickte und begriffen hatte, dass von mir keine Bedrohung ausgeht.
Doch ab gestern Morgen ist alles anders. Das Nest ist leer und die Amsel lässt sich nicht mehr sehen. Ich hoffe, dass sie nur ihre Brut und nicht auch noch ihr Leben verloren hat. Da größere Räuber nicht in das Gewächshaus eindringen können, habe ich eines der Eichhörnchen, die ebenfalls in unserem Garten leben in Verdacht, die Amsel vertrieben und die Eier gefressen zu haben. Spuren konnte ich jedoch keine entdecken. Die Eier waren verschwunden.
Leider habe ich es versäumt die Amsel auf ihrem Nest zu fotografieren. Stattdessen fand ich an anderer Stelle ein Nest aus dem Vorjahr, indem statt der vier Eier vier Eicheln liegen.
Wenn das mal kein Zeichen ist. Ich bin gespannt, ob wenigstens die Eicheln ihre Chance haben groß zu werden. Der Platz im Wald würde es im Prinzip zulassen. Nur regnen müsste es, damit die Keime durch das Nest in den Boden dringen können.

Mein Fenster als Laufsteg

Ganz unscheinbar – etwa 8 mm lang – bewegte sich dieses Insekt auf der Fensterscheibe vor meinem Schreibtisch und lenkte mich von der Arbeit ab. Da gab es nur eines, zu schießen – ein Foto von diesem Tierchen. Und es hat sich gelohnt. Ich finde, in Form und Farben, in vollkommener Proportion und den subtilen Abweichungen von der perfekten Symmetrie zeigt das Foto, was man mit bloßem Auge allenfalls erahnen kann – eine naturschöne Schöpfung der Natur.

Meister Adebar ist wieder da

Die Störche sind wieder im Kommen. Diesen glücklichen Umstand beobachte ich nun von Jahr zu Jahr nachdem die Störche, die in meiner Kindheit auf dem Lande fast in jedem Dorf heimisch waren, zwischenzeitlich sehr rar geworden waren.
Dass Störche aber wie in früheren Zeiten nur die Krähen oder Möwen hinter dem pflügenden Bauern Kleintiere, vor allem wohl Regenwürmer, aus der aufgeworfenen Erde herauspicken, sehe ich in diesem Jahr seit langem zum ersten Mal. Dabei treten sie nicht einzeln auf, sondern gestern sah ich sie zu fünft oder zu sechst. Offenbar schrecken sie vor dem Lärm des Treckers nicht zurück.

Weiteres zum Storch in unserer Nähe


Zur physikalischen Dimension des Storchs 😉

Rege Regenwürmer im Regen

Als ich gestern Morgen nach einer regenreichen Nacht einen Spaziergang unternahm, musste ich auf der zum Glück wenig befahrenen Asphaltstraße, die durch landwirtschaftliche Nutzflächen führt, aufpassen, wohin ich trat. Die Straße war mit Regenwürmern geradezu übersät. Die Würmer befanden sich in langsamer Bewegung, obwohl ich trotz längerer Beobachtung kein eindeutiges Zielverhalten feststellen konnte.
Dem Namen nach könnte man den Eindruck haben, dass die Würmer den Regen lieben und sich der Feuchtigkeit deshalb exponieren. Doch wenn ihr Name überhaupt etwas mit dem Regen zu tun hat und sich nicht vielmehr auf ihr reges Tun in der Erde bezieht, dann eher weil sie im Gegenteil ihre mit Wasser gefluteten Röhren in der Erde verlassen. Denn einer herrschenden Auffassung zufolge würden Regenwürmer insbesondere bei langanhaltenden Regenperioden in den Gängen ihrer Wohnhöhlen ersticken. Weil die Würmer durch Hautatmung Sauerstoff aufnehmen, würde der im Wasser gelöste Sauerstoff nicht ausreichen. Andererseits zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Würmer es bis zu 35 Stunden unter Wasser aushalten bevor sie sterben. Deshalb können sie auch monatelange Überschwemmungen überleben.
Wie dem auch sei, nach längerem Regen fühlen sie sich offenbar oberhalb der Erde am wohlsten und verschmähen auch eine Asphaltstraße nicht. Ich konnte sogar beobachten, dass einige Würmer ein freiwilliges Bad in einem auf der geneigten Straße fließenden Wasserstrom nahmen. Andere schienen sogar die Gelegenheit zu nutzen sich paarweise aneinander zu legen und sich (soweit ich das mit meinem flüchtig angelesenen Wissen beurteilen kann) zu begatten – wechselseitig, denn sie sind Zwitter und können beides.
Da werde noch einer schlau aus den bei Regen regen und erregten Regenwürmern.

Schon Heinz Erhardt (1909 – 1979) befasste sich lyrisch mit der Namensgebung des Wurms:

Der Regenwurm

Am Fuß von einem Aussichtsturm
saß ganz erstarrt ein langer Wurm.

Doch plötzlich kommt die Sonn herfür
erwärmt den Turm und auch das Tier

Da fängt der Wurm an sich zu regen,
und Regenwurm heißt er deswegen.*


Tapetum lucidum – Von leuchtenden Augen und strahlendem Blick

Als ich gestern Morgen im spärlichen Licht einer kleinen Stirnlampe im Wald spazieren ging, leuchteten mir aus der Dunkelheit zwei intensiv strahlende kleine Lichter entgehen. Nachdem sich mein Schreck offenbar auf den Lichtträger übertragen hatte und dieser mit einem Rascheln verschwand, war mir klar, dass es ein Tier gewesen sein musste, dessen Augenpaar leuchtete. Bei unserer Katze und unserem Hund hatte ich es öfter wahrgenommen.
Das Licht wird nicht in den Augen erzeugt, sondern stammt von einer äußeren Lichtquelle. Diese beleuchtet die Augen des Tieres, sodass das Licht auf die Netzhaut und durch diese hindurch auf eine spezielle Schicht, das sogenannte Tapetum cellulosum lucidum auftrifft und von dort auf effektive Weise spiegelnd reflektiert wird. Dafür sind je nach Tierart  Zink-Cystein, Salze und Farbpigmente verantwortlich. Bei unserer Tieren strahlten die Augen vor allem in Grün- und Blautönen (siehe Foto).
Nur dadurch dass die Stirnlampe sich dicht bei meinen Augen befand, konnte das reflektierte Licht in meine Augen gelanden und ich die leuchtenden Augen des Tieres sehen.
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Vogelfederschindelmuster

Vogelgefieder erinnert mich manchmal an Schindeln. Diese werden so gelegt, dass die höher liegenden die tiefer liegenden überlappen, damit das Wasser abläuft und nicht ins Innere eines Gebäudes gelangen kann. Bei Vögeln ist nicht tiefer und höher entscheidend, sondern vorne und hinten. Auf diese Weise kann der Wind den Vögeln beim Fliegen nicht unter die Federn greifen. Vielmehr werden sie noch dichter an den Körper gedrückt. Das typische Muster insbesondere von Vögeln mit kräftigen Farben hat daher diese typische „Schindelstruktur“.
In meinem gestrigen Beitrag hatte ich die bunten Herbstblätter der Zaubernuss in ähnlicher Weise zusammengelegt ohne an Schindeln und Federn zu denken.  Annas Kommentar: „Zaubernussvogelgefieder“ erinnerte mich jedoch daran, dass ich vor einiger Zeit genau solche Muster eines Gefieders fotografiert hatte. Hier sind zwei Ausschnitte.

Betrachtet man die große Vielfalt von optischen Mustern, die bei der Anordnung der Federn auftritt, so stellt man natürlich einige aerodynamische Optimierungen fest, die die Frage beantworten können, warum die Federn so liegen und nicht anders. Aber dominierend ist zumindest im Falle des Fasans der Eindruck, dass hier eher ästhetische Prinzipien im Spiel waren. Wissenschaftler sehen das meist eher funktional, einem definitiven Sinn geschuldet. Damit wäre man wieder bei einer schon öfter diskutierten Frage.
Im oberen Foto, das ich wegen der Ähnlichkeit zur Anordnung der Blätter der Zaubernuss ausgewählt habe, sieht es auf den erstn Blick so aus, als würden die schwarzen Streifen Schatten darstellen, die von den Federn geworfen werden. Sind es aber nicht, wie durch Vergleich mit den darüber liegenden Federn leicht festgestellt werden kann. Über das gestalterische Prinzip kann man m.E. nur spekulieren.

Die beweglichen Antennen des Gefleckten Schmalbocks

Der gefleckte Schmalbock, der früher schon einmal Gegenstand dieses Blogs war, beeindruckte mich vor allem dadurch, dass er seine Geißelantennen virtuos in alle Richtungen zu krümmen vermochte (siehe Foto). Als ich ihn dabei beobachtete war es nur eine reine Trockenübung. Vielleicht wollte er sie gerade nur recken und strecken, so wie wir es manchmal mit unseren Armen machen. Weiterlesen

Nicht nur auf der Mauer auf der Lauer…

Der Frühling ist im vollen Gange. Die ersten Frühblüher, wie hier der Huflattich, haben bereits ihr Greisenstadium erreicht und sind weißhaarig geworden. Dieses grazil strukturierte Weiß bildet einen schönen Hintergrund für die Beerenwanze, die sich ohne eine Spur zu hinterlassen über die filigranen Haare hinweg bewegt.
Das an sich graubraune Tierchen beeindruckt durch ihre rötlich violetten Deckflügel und ihr helles Schildchen. Vor dem hellen Hintergrund kamen mir die Fühler im ersten Moment wie zwei gestrichelte Linien vor. Alles in allem ein schöner Anblick. Anders als ihre grüne Artgenossin, die grüne Stinkwanze, stänkert sie nicht herum.
Wanzen in ihrer großen Vielfalt sind zwiespältige Geschöpfe. Zwischen äußerer und äußerster Schönheit – und sei es nur durch ein goldschimmerndes Schild – und geradezu vampirartigem Verhalten – man denke nur an die berühmt berüchtigte Bettwanze – sind sie immer wieder zu Überraschungen gut. Schon als Kind lernte ich die Wanze in einem merkwürdigen Lied kennen, das erst dann zuende gesungen war, wenn man die W-A-N-Z-E Buchstabe für Buchstabe getilgt hatte. Damals war ich froh, dass Wanze nur aus fünf Buchstaben besteht. Nimmt man schließlich noch ihre elektronischen Abkömmlinge hinzu, so zeigt sie sich von einer weiteren unangenehmen Seite.

Spirale 11 – Leben in der Spirale

Die ersten Schnecken tauchen bei mir im Garten auf. Obwohl ich mich ärgere, wenn sie ohne zu fragen den Salat ernten, habe ich meinen Frieden mit ihnen geschlossen. Das schließt nicht aus, dass ich sie verbanne, sobald sie überhand nehmen. Aber danach sieht es in diesem Jahr nicht aus. Die Schnecke vermag nämlich das Leben zu bereichern, wenn man beispielsweise an ihre irisierenden Schleimspuren, akrobatische Abseilungen,  ausgeklügelten Konstruktionen und andere Aktionen denkt oder den kunstvollen Aufbau ihres Schneckenhauses betrachtet. Elisabeth Tova Bailey war durch eine Krankheit und die dadurch bedingte Fesselung ans Bett bedingt eine Wohngemeinschaft mit einer Schnecke eingegangen und weiß darüber Erstaunliches zu berichten. Hier eine Passage aus einem lesenswerten Buch: Weiterlesen

Die B-Seite des Admirals

Als ich vor ein paar Tagen den Admiral unter den Schmetterlingen an der Glaswand unseres Gewächshauses entdeckte, wurde ich an frühere Zeiten erinnert, in denen mir manchmal die B-Seite der Songs auf den Schallplatten genauso gut oder gar besser gefielen als die Favoriten auf der A-Seite. Denn die Flügelunterseite dieses schönen Insekts ist anders als bei vielen Artgenossen von vergleichbarer Schönheit wie die Oberseite, die wir normalerweise zu sehen bekommen. Die Glaswand machte es möglich die B-Seite in aller Ruhe zu betrachten. Ist sie in ihren feinen Ziselierungen und ausgesuchten Mustern und kleinen Symmetriebrüchen nicht faszinierend?
Übrigens gefällt mir wieder einmal der wissenschaftliche Name, weil Vanessa atalanta an die Jägerin Atalante der griechischen Mythologie erinnert. Diese amazonenhafte Gestalt erlebt schon damals wie schwierig es ist, sich in der Männerwelt Respekt zu verschaffen – nicht anders als es leider auch heute noch oft der Fall ist.
Zum Vergleich zwischen Flügelober- und -unterseite ist im unteren Bild der Admiral noch einmal in seiner ganzen „oberflächlichen“ Pracht dargestellt, wie er gerade die eine Flügelhälfte teilweise unter ein grünes Blatt schiebt. Das wird bestimmt irgendeine mythologische Bedeutung haben. 🙂
Betrachtet man die Flügelmusterung verschiedener Admirale, so wird man feststellen, dass sie nicht identisch sind, sondern in Details voneinander abweichen. Ein identisches Genom kann unterschiedliche Erscheinungsformen (Phänotypen) hervorbringen. Dabei sind Musterbildungsvorgänge wirksam, wie sie bei zahlreichen Tieren auftreten. So vermutet man beispielsweise, dass bei der Musterbildung der Streifen eins Zebras Turing-Mechanismen im Spiel sind, wie man sie mit einem einfachen Programm auf dem Rechner simulieren kann. Und die Musterung des in einem früheren Beitrag beschriebenen Weberkegels kann mit Hilfe eine zellulären Automaten nachgestellt werden.

Hunde im Schleudergang

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaften 9 (2019), S. 58 – 59

Er schüttelt es ab,
wie der Hund den Regen
Karl Simrock (1802 – 1876)

Viele Landtiere trocknen ihr nasses Fell besonders effektiv, indem sie ihren Körper schnell hin und her drehen. Das überträgt große Kräfte auf das anhaftende Wasser, wodurch es zu den Haarspitzen drängt und sich dort rasch ablöst. Weiterlesen

Ein Bock, der schon mit Pan bekannt war…

Vor einiger Zeit wurde dem gefleckten Schmalbock Kopf_und_Gestalt verliehen. Der mir nunmehr vor die Linse geratene vierbindige Schmalbock unterscheidet sich von ihm durch die einfarbigen Fühler, die beim Männchen einfarbig schwarz (siehe Foto) und beim Weibchen gelbbraun auslaufen. Weiterlesen

Rollende und entrollende Kugeln

Vor Jahren entdeckte ich eine schwarzgrau glänzende Kugel, etwa so groß wie eine kleine Johannisbeere (Abbildung unten rechts). Sie war durch helle „Meridiane“ und einzelne gelbliche Flecken strukturiert. Ich fotografierte sie und ließ sie einige Zeit allein. Als ich zurückkam war sie weg – vielleicht weggerollt. Denn ich hatte bereits beim Fotografieren bemerkt, dass sie schon bei der kleinsten Neigung ins Rollen geriet. Irgendwie geriet sie dann in Vergessenheit, weil ich keinen Ansatzpunkt zu ihrer Identifizierung fand. Weiterlesen

Gefährliche Schräglage

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 7 (2019), S. 52 – 52

Ein kleiner Irrtum am Anfang
wird am Ende ein großer
Giordano Bruno (1548–1600)

Ist ein Sandhaufen zu steil, rutschen Teile von ihm ab. Doch was passiert mit größeren Objekten auf dem Hang? Ob sie am kritischen Winkel stabil liegen oder ins Gleiten geraten, hängt davon ab, wie stark sie den Untergrund deformieren.

Ein größer werdender Sandhaufen wird ab einer bestimmten Neigung nicht mehr steiler. Vielmehr stellt sich ein charakteristischer Schüttwinkel ein, indem oben aufgetürmter Sand hin und wieder in Lawinen niedergeht (siehe Foto …). Sie flachen den Haufen ab, so dass darauf wieder Sandkörner liegen bleiben können, bis der kritische Winkel erneut überschritten wird. In der nichtlinearen Physik spricht man bei solchen Phänomenen von selbstorganisierter Kritikalität. Weiterlesen

Christo was here

GespinstmotteIch staunte nicht schlecht, als ich mit einem Freund auf einer inzwischen einige Jahre zurückliegenden Wanderung an der Ems bei Telgte auf eine Gruppe fast vollständig eigekleideter bzw. verpackter Bäume stießen (obere Abbildung). Es drängte sich mir sofort der Gedanke auf, dass hier ein Verpackungskünstler am Werk war. Die Bäume samt ihrer Äste waren derart sorgfältig mit einer dünnen  Folie überzogen, dass ich meinte, einen natürlichen Ursprung ausschließen zu können.  Denn wenn man vor einem solchen Baum steht und das ziemlich reißfeste und elastische Material in die Hand nimmt, wird man eher an Kunststoff als an ein Produkt natürlicher Herkunft erinnert. Und dennoch sind es kleine Tiere, Raupen der Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella), die diese „Kunstwerke“ als Gemeinschaftswerk sehr vieler Individuen hervorbringen. Weiterlesen

Ein Ausweg der zur Rundreise wird

Ich habe lange keine Blindschleichen gesehen. Auf unserer gestrigen Wanderung auf dem Hermannsweg begegneten uns gleich zwei. Da fiel mir ein altes Lied aus Kindheitstagen ein, das ich merkwürdigerweise noch vollständig erinnerte. Auch das Liederbuch* war – ziemlich zerflettert – noch aufzufinden – ebenfalls sehr merkwürdig. Als ich das Lied aufsagte, fand mein mitwandernder Freund das so lustig, dass er meinte, ich müsse es in meinem Blog bringen. Hier ist sowohl das Lied/Gedicht als auch ein Foto einer der Schleichen, das bei der gestrigen Gelegenheit entstand:

Ein Storch spazierte einst am Teiche
Da fand er eine blinde Schleiche
Er sprach: „Das ist ja wunderbar“
Und fraß sie auf mit Haut und Haar.

Die Schleiche lag in seinem Magen
Das konnten beide nicht vertragen
Da sprach die blinde Schleich: „O Graus!“
Und ging zur Hintertür hinaus.

Der Storch sah solches mit Verdruß.
Daß so was ihm begegnen muß!
Drum fraß er ohne lange Wahl
Den schleichen Wurm zum zweitenmal.

Drauf stemmt er lächelnd mit Verstand
Die Hintertüre an die Wand
Und sprach nach innen zu der Schleich:
„Na bitte, wenn du kannst, entweich.

Da tät mit List die schlaue Schleichen
Zur Vordertür hinaus entweichen;
Doch fraß der Storch ohn lange Wahl
Voll Wut sie nun zum drittenmal.

Und bracht in sinniger Erfingung
Die beiden Türen in Verbindung.
Und sprach zum schleichen Wurm hinein:
„Nun richt dich auf ’ne Rundreis ein!“


* Unser Lied. Assmannshausen o. J.

Unbekannter Vogel

Vor einigen Tagen entdeckte ich eine Blume auf dem Rasen, deren Namen mir bis dahin unbekannt war. In gleich zwei Kommentaren wurde die schöne Blume identifiziert. Um diesen Erfolg möglicherweise zu wiederholen, zeige ich hier einen Vogel, der uns „zugelaufen“ ist. Jedenfalls tänzelt er ohne große Scheu tagein tagaus im Garten und auf dem Rasen herum, um nach Nahrung zu suchen, aber auch – so denke ich manchmal – um mir ein neues Rätsel aufzugeben: Der Vogel sieht wie eine Amsel aus und verhält sich auch so.  Statt aber wie jede normale Amsel in einem schlicht schwarzen Federkleid aufzutreten, trägt sie/er die Flügelspitzen auffällig weiß.
Da ich bei meiner Recherche bisher keinen vergleichbaren Vogel auffinden konnte, frage ich mich und euch, ob es nicht vielleicht sogar eine Amsel sein könnte, die aufgrund eines Gendefekts die Flügel weiß auslaufen lässt. Oder ist diese Annahme allzu kühn?

Wenn Schnecken Straßen überqueren…

… dann sind sie bei vielbefahrenen Straßen meist dem Tode geweiht. Aber auch verkehrsarme Straßen sind alles andere als ungefährlich. Als ich an einem sehr sonnigen Tag eine Schnecke eine trockene Straße überqueren und eine deutliche Schleimspur hinter sich lassen sah, wunderte ich mich allein schon über den materiellen Aufwand, der hier getrieben wurde und über die Gemächlichkeit, mit der sie unter den für sie widrigen Bedingungen eine solche Herausforderung angenommen hatte. Weiterlesen

Einhörner unter uns

Der Stier

Ein jeder Stier hat oben vorn
auf jeder Seite je ein Horn;
doch ist es ihm nicht zuzumuten
auf so ’nem Horn auch noch zu tuten.
Nicht drum, weil er nicht tuten kann,
nein, er kommt mit seinem Maul nicht `ran.

Heinz Erhardt (1909 – 1979) Weiterlesen

Fundstück 2 – Qualle als Unfreiwillige optische Linse

Nachdem ich vor Jahren schmerzhafte Verbrennungen bei der Begegnung mit einer Qualle hinnehmen musste, habe ich ein emotional gespaltenes Verhältnis zu diesen Tieren. Die Begegnung war insofern besonders dramatisch, als ich im Meer schwimmend den „Angreifer“ gar nicht zu Gesicht bekam, denn die transparenten Quallen sind im Wasser nahezu unsichtbar. Die neuerliche Begegnung war wesentlich entspannter, weil sie außerhalb des Wassers am Strand stattfand und einige vermutlich bereits tote Quallen betraf. Weiterlesen

„Dummer Mensch“ – Schmetterlinge (3)

Ein kleiner brauner Schmetterling fliegt vor ihren Füßen auf; und setzt sich wieder, nur 3 Schritt weiter – und wieder auf :nur 3 Schrittchen weiter -?- bis Ann’Ev‘ tadlnd zu ihm sagt : „Dummer Mensch. Flieg doch nach rechts.“ (Da tut Der das auch.)

Arno, Schmidt: Abend mit Goldrand. Frankfurt 1975

Welchen Schmetterling Arno Schmidt im Auge hatte, weiß ich nicht. Mein Schmetterling, dem ich auf einem Baumstaumm sitzend begegnet bin, ist ein Großer Perlmutterfalter. Früher habe ich ihn öfter beobachten können, in den letzten Jahren hat er sich für mein Gefühl rar gemacht. Ich freue mich, hier meinen einzigen Perlmutterfalter dieses Jahres zeigen zu können.

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