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Wachsen

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Wenn der weiße Rhabarber wieder blüht…

Dass der Rhabarber auch mal blühen könnte, ist mir in den Jahren, in denen er in unserem Garten wächst und uns mit den sauren Stangen versorgt, nicht wirklich aufgegangen. Erst als er es dann wirklich tat, wie in diesem Jahr, war ich über den gesamten Vorgang doch einigermaßen erstaunt. Die Pflanze bildete nämlich nicht nur Blätter, sondern einen steil aufwärts strebenden Trieb aus, der im Moment vermutlich seine größte Höhe von etwa 150 cm erreicht hat. Dabei habe ich ihn in Unwissenheit über den Vorgang auch wohl noch massiv gestört, weil ich die Blätter wie üblich abgeerntet hatte. Ich vermute, dass der Pflanze dadurch einiges an Energie entgangen sein muss, die sie für die Bildung der Blüte zusätzlich hätte verwerten  können. Ich frage mich, wie groß sie dann wohl geworden wäre.

Apropos Rhabarberblatt. Bei Arno Schmidt (1914 – 1979) liest man:
„Ä – Felix-Oswald,“ hob Frau Ruth auch gleich an: „Gib ma-ma ! Von den hartgekochten Eiern – „; wickelte auch eine Brotscheibe aus dem Rhabarberblatt, in welches man sie (mein Rat!) zum Frischblieben ländlich geschlagen hatte; uralte Sitte. Aber <Eier das sauberste Essen>?: „Ich hab schon ma 1gehabt, da war ein wirggel-lebendijer Ohrwurm drin! – Und wenn ich nicht irre, berichtet eine <Bremische Naturforschende Gesellschaft> noch ganz andere Sachen: Neenee!“.
Überhaupt schien die Luft voller  Fehlleistungen.*

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* Arno Schmidt. Kühe in Halbtrauer. In: Ausgewählte Werke 3. Berlin; 1990. S. 74

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Fast kugelförmig

Und ‘ne merkwürdige Ecke ist das ja: heut früh lag hinten, mitten im Waldgras – wo gestern Abend noch nichts gewesen war ! – eine Kugel von einem Fuß Durchmesser. Gelb pampig-schuppig; als Otje mit’m Stock drauf schlug, wuppte es büchsen, und stieß dann eine flache, matt-giftgründe Rundum-Staubwolke aus : „‘n Bovist ! – Jung sollen sie eßbar sein.“ Aber Otje, massiv=verächtlich : „‘Eßbar‘ bist letzten Endes auch – Du. – Falls De nich zu sehr nach Bock schmeckst.“*

An diese Passage Arno Schmidts wurde ich erinnert, als ich das schon ältere Exemplar des Staubpilzes von der Größe eines Fußballs halb unter einer Hecke verdeckt entdeckte. Mich hat vor allem die große Annäherung an die Kugelform beeindruckt, die in der Natur zwar angestrebt, aber nicht immer in dieser Deutlichkeit erreicht wird.
Die Bedeutung der Kugelform in der natürlichen und wissenschaftlich-technischen Welt liegt vor allem darin, dass die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen minimal ist. Das spielt in zahlreichen physikalischen Zusammenhängen eine wichtige Rolle. Beispielsweise tendieren Wassertropfen und Seifenblasen zur Kugel, weil dabei maximal viel Oberflächenenergie an die Umgebung abgegeben werden kann. Die Abgabe von unter den gegebenen Umständen maximal viel Energie an die Umgebung (Entropiesatz bzw. 2. Hauptsatz der Thermodynamik zählt zu den wesentlichen Vorgängen in der Welt.


* Arno Schmidt. Kühe in Halbtrauer. In: Ausgewählt Werke 3. Berlin 1990, S. 49

Tannen packen ihre neuen Triebe aus

Nachdem nun auch die letzten Pflanzen sich aus ihrer Verpackung befreien und sich frei entfalten, sieht man wie sich die jungen Triebe der Tannen ihrer schützenden Hülle entledigen. Man sieht sie allenfalls noch als eine Art Zipfelmütze an dem einen oder anderen werdenden Neuzweig hängen.
Indem sich die noch angenehm weichen Tannennadeln immer mehr spreizen entwachsen sie der Hülle und schieben sie von sich. Während ich das Foto machte, sah ich die Mützen hier und da Fallen (siehe Foto rechts).

Spirale 12 – Ackerwinde entscheidet sich zur Umkehr

Die Ackerwinde, die – wie der Name sagt – sich vor allem windet, hat sich an einem Schilfhalm hochgewunden bzw. hochgeschraubt und eine Spirale mit ordentlichen, äquidistanten Windungen gebildet. Dabei hat sie – ebenfalls sehr regelmäßig – Blätter abgezweigt, die für die Energiegewinnung durch Fotosynthese der wachsenden Pflanze unabdingbar sind. Wegen des damit verbundenen zunehmenenden Stoffwechsels, insbesondere der Flüssigkeitsversorgung durch die Wurzeln, wird der spiralige Spross immer kräftiger und damit auch schwerer. Weil der vielleicht schon zu Beginn der Kletterpartie schräg stehende abgestorbene Schilfhalm des Vorjahres der Belastung keine aktive Gegenbewegung entgegensetze, geriet das Gebilde immer mehr in eine Schieflage. Weiterlesen

Der April

Der Regen klimpert mit einem Finger
die grüne Ostermelodie.
Das Jahr wird älter und täglich jünger.
O Widerspruch voll Harmonie!

Der Mond in seiner goldnen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
er hat ihn in den April geschickt. Weiterlesen

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