//
Artikel Archiv

Wahrnehmung

Diese Schlagwort ist 21 Beiträgen zugeordnet

Der Mond in den Wolken

Goldmond brennt auf am Festungsturm; in Märchenfernen reist ein Sturm, zaust und zaubert. Ich trage Krüge weinbelaubt; der Wein schwatzt innen laut. Mond reitet na mit Söldnerstern: das rasche Heer verbirgt sich gern hoch in Wolken. Die wilde Wolkeninsel steht mit Pässen, die kein Mensch begeht, und schroffen Silberklippen. Mond landet im Wacholdermeer; die kleine Stadt schläft hell und leer hoch im Bergland. Ich steige leicht wie Wind empor, zum Wolkenwald durch Wolkentor; weiß nicht, wie meine Spur verlor. Ich wandre mit der Wolke. – –* Weiterlesen

Advertisements

Was wären wir ohne Staub?

sonnenstrahlen_dscf5420Ohne den Staub,
worin er aufleuchtet,
wäre der Strahl nicht sichtbar.

André Gide (1869 – 1951)

Dass hier Lichtstrahlen durch die Öffnungen im Blätterdach der Bäume brechen, „sieht“ man nur, weil feinste Wassertröpfchen das Sonnenlicht, von dem sie getroffen werden, in alle Richtungen aussenden, sodass es auf diese Weise auch unsere Augen erreicht.
Daraus wird oft der Schluss gezogen, dass man Licht an sich nicht sehen kann. Dies sagt vielleicht etwas über die Vorliebe zu paradoxen Aussagen aber nicht zur Eigenschaft des Lichts.  Denn wie es unmittelbar einleuchtend (sic!) sein sollte, können wir nur etwas sehen, wenn Licht in unsere Augen fällt. Nur dadurch dass uns Gegenstände Licht zusenden, sieht man sie. Und wenn das Licht, das durch das Blätterdach fällt, nur gesehen wird, wenn Streuteilchen vorhanden sind, so spricht das nicht für dessen Unsichtbarkeit. Wir sagen ja auch nicht, Schall sei unhörbar, nur weil er in einer gegebenen Situation unsere Ohren nicht erreicht.

 

 

Nur ein Blatt unter Blättern

In den schon zahlreich von den Bäumen abgeworfenen bzw. ihnen verlustig (nicht lustig!) gegangenen Blättern glaubte ich das Passfoto einer Person zu sehen. Aber es war nur ein Blatt, das bereits jetzt im Hochsommer fallen musste, bevor alles Grüne vom Baum entnommen worden war. Als ich das Blatt aufhob, war der Effekt dann doch nicht so stark wie auf dem Boden in der Gesamtheit der anderen Blätter. Weiterlesen

Solare Wäschetrocknung und reflexive Bleichung

Dieser aus meiner Kindheit noch vertraute Anblick ist heute selten und damit zu einem Fotomotiv geworden. Obwohl wir ins Zeitalter der regenerativen Energiequellen einsteigen (müssen) ist uns der solare Wäschetrockner offenbar nicht mehr gut genug.
Die Szenerie zeigt darüber hinaus noch ein schönes Phänomen. Während die direkte Sonneneinstrahlung die bunten Farben der Wäschestücke gewissermaßen wegbleicht, werden diese durch die Reflexion im Wasser wieder zurückgeholt. Weiterlesen

Möven über und unter der Wasseroberfläche

Möwenflug

Möwen sah um einen Felsen kreisen
Ich in unermüdlich gleichen Gleisen,
Auf gespannter Schwinge schweben bleibend,
Eine schimmernd weiße Bahn beschreibend,
Und zugleich im grünen Meeresspiegel
Sah ich um dieselben Felsenspitzen
Eine helle Jagd gestreckter Flügel
Unermüdlich durch die Tiefe blitzen.
Und der Spiegel hatte solche Klarheit,
Daß sich anders nicht die Flügel hoben
Tief im Meer, als hoch in Lüften oben,
Daß sich völlig glichen Trug und Wahrheit. Weiterlesen

Schau mir in die Augen, Großer…

Wenn man offenen Auges durch die Natur geht, trifft man immer mal wieder auf Strukturen, die rein äußerlich dermaßen genau auf Strukturen aus völlig anderen Bereichen passen, dass es gar nicht so leicht fällt, an einen Zufall zu glauben. Die verheilten Wunden eines abgeschnittenen Astes von Bäumen ähneln oft erstaunlich genau einem, wenn auch blicklosen, Auge von Mensch oder Tier, obwohl die „Funktion“ eine ganz andere ist. Weiterlesen

Bewegungssensitives Abbild

Manche Werbung überschreitet die Grenze zum Kunstwerk. Ich will nicht behaupten, dass das im vorliegenden Fall so ist, jedenfalls nicht vom Motiv her. Allerdings ist das Gefühl ein ganz besonderes, wenn man die Treppe hochhastet und das Abbild des Kopfes in Streifen zerfallen erlebt. Während man unten noch ein ziemlich intaktes Bild vor Augen hat, schieben sich die nicht zum Bild gehörenden Trittflächen der Stufen zwischen die bebilderten Flanken und lassen das Bild ab einer bestimmten Schwelle (im doppelten Wortsinn) von einem noch als Gesicht wahrgenommenen Ganzen in ein desintegriertes Streifenmuster kippen, dem nichts Menschliches mehr eigen ist. Weiterlesen

Siehst du das Kamel?

wolkenbilderraetsel_68bHamlet: Seht Ihr die Wolke dort,
beinah in Gestalt eines Kamels?
Plonius: Beim Himmel, sie sieht auch
wirklich aus wie ein Kamel.
Hamlet: Mich dünkt, sie sieht aus wie
ein Wiesel.
Polonius: Sie hat einen Rücken wie
ein Wiesel.
Hamlet: Oder wie ein Walfisch?
Polonius: Ganz wie ein Walfisch.

William Shakespeare (1564 – 1616)

Licht, Kunst und Naturphänomene – ein einzigartiges Museum

Wer sich für Lichtphänomene interessiert, der sollte es nicht versäumen, das Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna zu besuchen. Es lohnt sich. Es lohnt sich sogar extra hinzufahren, wie wir es getan haben. Ich fand die Lichtinstallationen so eindrucksvoll, dass ich von einigen mit eigenen Fotos in den nächsten Tagen berichten werde.
Man durfte nämlich in diesem Museum fotografieren; das machte es von vornherein im Unterschied zu anderen ähnlichen Kunstmuseen äußerst sympathisch. Die weitgehend im ursprünglichen Zustand belassenen Räumlichkeiten einer alten Brauerei, in der das Museum untergebracht ist, stellten zudem einen durchweg passenden Kontext für die verschiedenen Lichtgestalten dar und schufen eine einzigartige Atmosphäre, die man so wohl kaum wiederfindet. Weiterlesen

Anamorphosen liegen auf der Straße

Anamorphosen sind in der Kunstgeschichte verzerrte Darstellungen von Gegenständen, um sie zu verstecken und damit nur demjenigen zugänglich zu machen, der den „Schlüssel“ kennt und sie zu entzerren vermag. Berühmt geworden ist u.a. die Anamorphose eines Totenschädels, den Hans Holbein (1497 – 1543) auf seinem Gemälde „Die Gesandten“ (im Original zu bestaunen in der National Gallery in London oder in einer Reproduktion im Internet) „versteckt“ hat. Weiterlesen

Physik und die Entzauberung der Welt

NatursteinPhysik steht spätestens seit Max Weber (1864 – 1920) unter dem Verdikt, zur Entzauberung der Welt zu führen. Diese Gefahr besteht, wenn man sich auf die rein technologisch-mechanistischen Aspekte und bezieht. Physik auf unsere Lebenswelt bezogen kann aber auch das Gegenteil bewirken, indem sie neue Phänomene in den Blick bringt und hilft, Neues zu sehen, was ohne eine physikalische Sehweise nicht zu bestaunen wäre. Weiterlesen

Rostros huecos de mirada penetrante

HohlkopfCuriosidades de la fisica

Schlichting, H. Joachim. Investigacion y ciencia 2 (2016), p. 86 – 88

Las máscaras de yeso con el rostro esculpido hacia el interior parecen seguirnos con la mirada ¿A qué se debe?

Se cuenta que la Gioconda sigue con la mirada a quienes la contemplan. Dicho efecto se ha atribuido al ligero estrabismo de la Mona Lisa, pero no es en absoluto exclusivo del célebre retrato. Se da también cuando el personaje mira directamente a la cámara (o a los ojos del pintor) en el momento adecuado. Sin embargo, las vivencias más impactantes de este tipo las encontraremos en algunos objetos tridimensionales.

En 1984, mientras recorría la exposición Phänomena de Zúrich, donde se presentaban fenómenos y divertimentos científico-técnicos de todo tipo, de pronto algo me extrañó. Expuestos en una vitrina, unos rostros de yeso de mirada penetrante parecieron volverse hacia mí; a pesar de que, todo lo más, los estaba viendo con el rabillo del ojo.

Me detuve y me uní a otros visitantes que comentaban el sorprendente fenómeno. Entonces me di cuenta de que los supuestos bustos de yeso no eran tales. Se trataba de rostros huecos, esculpidos hacia dentro. Algunos de los allí presentes hablaban de un truco holográfico para explicar la ilusión, pero sin poder precisar qué querían decir con ello. Pronto quedó claro, sin embargo, que los efectos holográficos no tenían nada que ver.

¿Cómo se generaba entonces aquella ilusión? Para entenderlo, primero hemos de aclarar por qué percibíamos una forma cóncava, esculpida hacia dentro, como si se tratase de un rostro convexo, con estructuras salientes….

PDF: Rostros huecos de la mirada penetrante

Deutsche Version

Schönheit im Auge des Betrachters

ZiliarkoronaSchlichting, H. Joachim. In: Spektrum der Wissenschaft  8  (2015), S. 48 – 49

Manche farbenprächtige Erscheinung lässt sich nur beschreiben, jedoch nicht direkt fotografieren – denn sie entsteht erst in unserem Sehorgan selbst.

Alles, was wir sehen,
könnte auch anders sein.

Ludwig Wittgenstein (1889–1951)

Wo befindet sich der Regenbogen?

Regenbogen-ganz-nah-rvDer Regenbogen wird oft wie ein Gegenstand angesehen, der sich am Himmel wölbt und mit seinen Enden auf der Erde fußt. Bekanntlich soll ja an diesen Stellen ein Schatz verborgen sein, den bislang jedoch niemand hat heben können. Warum wohl? Weiterlesen

Wasserskulpturen im Licht

IMG_2661Vor einem Springbrunnen

Wie doch die Kraft das Wasser hebt!
Es steigt und schwindet, schwillt und schwebt,
es steht im Strahl, es kommt und fällt
in diese nasse Gotteswelt,

die zwecklos wie am ersten Tag
bloß ihrer Lust genügen mag
und von dem holden Überfluß
an keine Pflicht verstatten muß,

nur jener einen Macht sich beugt,
die sie erschuf- zum Himmel steigt
ihr Dank, ein immer, früh und spät,
unendlich rauschendes Gebet.

BildunterschriftDas rauscht und raunt, das rinnt und rennt
im daseinsseligen Element;
es fällt empor und steigt herab –
kalt ist die Sonne, heiß das Grab.

Und da es lebt, indem es stirbt,
das Licht noch um das Wasser wirbt:
Der Geist, dem solche Lust gefiel,
dankt ihr ein Regenbogenspiel! Weiterlesen

Hohlköpfe mit stechendem Blick

HohlkopfSchlichting, H. Joachim. In: Spektrum der Wissenschaft 5 (2014), S. 46 – 47

Gipsmasken, deren Gesicht nach innen gestülpt ist, bringen unsere räumliche Wahrnehmung in Schwierigkeiten – selbst wider besseres Wissen.

Die Welt nach links zu drehen,
das wäre eine Beschäftigung,
an der ich dauerhaft Freude haben könnte.
Anne Weber (*1964) Weiterlesen

Rätselfoto des Monats Mai 2014

100_Nebelbildung am PropellerWoher stammen die Streifen im Bereich des Propellers?

Erklärung des Rätselfotos des Monats April: Umkehrspiegel fürs Badezimmer

Der Scheinriese im Säulengang

Schlichting, H. Joachim. In : Physik in unClip_142serer Zeit 44/4 (2013) 190

Ein Säulengang, der kürzer ist, als er erscheint, lässt Menschen scheinbar wachsen, wenn sie durch ihn hindurchgehen. Die geschickte optische Täuschung eines Architekten aus dem 17. Jahrhundert befindet sich in einem alten Palast in Rom.

PDF: Kann beim Autor angefordert werden (schlichting@uni-muenster.de)

Menschliche Zeit 2

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/7,8 (1994).

Thomas Mann stellt in seinem Zauberberg das Thema Zeit in den verschiedensten Facetten dar. Wie schon angeklungen, mißt auch er der Gewöhnung im Zusammenhang mit dem Zeitempfinden eine Große Bedeutung zu…

PDF: Menschliche Zeit 2

Menschliche Zeit 1

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/6 (1994).

So gleichmäßig wie die objektive Zeit verläuft im gleichbleibenden Rhythmus eines physikalischen Systems empfindet der Mensch die Zeit nicht. Wenn er seinen Empfindungen traut, dann wechselt die Zeit je nach dem aktuellen Gefühlszustand zwischen Stillstand und rasender Geschwindigkeit. Nach einer in der Literatur häufig auftretenden Einschätzung scheint jede Zeitspanne um so kurzer, je glücklicher man ist. Doch wird man häufig gerade in glücklichen Momenten vom Bewußtsein der Endlichkeit des Glücks übermannt.

PDF: Menschliche Zeit 1

Rätselhafte Zeit

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/5 (1994).

Die leitende Idee, die in allen unseren Forschungen gegenwärtig ist und mit jeder neuen Beobachtung einhergeht, die Idee, deren Klang dem Ohr des Naturkundlers unablässig aus jedem Werk der Natur entgegenzubringen scheint, heißt: Zeit! Zeit! Zeit! (George Poulett-Scrope).
Ist Physik dieser Bedeutung gerecht geworden? Kann die Physik der Zeit überhaupt gerecht werden? Bislang ist es der Physik gelungen, die Zeit ,,uhrbar“ zu machen. Muß es aber nicht vielmehr darum gehen,  die Zeit urbar zu machen? (Georg Christoph Lichtenberg). Das heißt, einen menschlichen Zugang zu gewinnen, Antworten auf die Frage: Was ist das, die Zeit?

PDF: Rätselhafte Zeit