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Zeit

Diese Schlagwort ist 21 Beiträgen zugeordnet

Treppen zimmern

treppe-1_rvWas du nicht erschaffst, du
bist es nicht. Dein Sein nur Gleichung
für Tätigsein: Wie will denn,
wer nicht Treppen zimmert,
über sich hinausgelangen?
Wie will heim zu sich selber finden,
der ohne Weggenossen?

Günter Kunert (*1929)

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Docet umbra

Beim Flanieren in weniger bekannten Orten ist meine Aufmerksamkeit auch auf Gegenstände und Phänomene gerichtet, die einen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben. Dazu zählen insbesondere Sonnenuhren. Bei meinem jüngsten Aufenthalt in München, habe ich mir einmal mehr die Sonnenuhr des Münchener Doms, der Frauenkirche, angesehen. Sie war beim letzten Besuch außer Betrieb, weil die Sonne sich hinter den Wolken verbarg. Auch diesmal sah es nicht gut aus. Weiterlesen

Die Zeit der heiteren Stunden

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Verfall – Spuren der Zeit

entblaettern_rvDinge werden durch die Zeit beeinträchtigt, in dem Sinne wie wir zu sagen pflegen, daß die Zeit die Dinge zerbröckelt, und daß alles durch die Zeit altert und durch den Zeitablauf in Vergessenheit gerät. Aber wir sagen nicht, daß wir durch die Zeit gelernt haben, oder daß etwas durch sie neu oder schön geworden ist, denn wir sehen die Zeit an sich eher als Ursache des Verfalls an… Weiterlesen

Die Zeit steht still

zeit_steht_still_rvDie Zeit steht still. Wir sind es, die vergehen.
Und doch, wenn wir im Zug vorüberwehen,
Scheint Haus und Feld und Herden, die da grasen,
Wie ein Phantom an uns vorbeizurasen.
Da winkt uns wer und schwindet wie im Traum,
Mit Haus und Feld, Laternenpfahl und Baum. Weiterlesen

Glaubst du, alles bliebe?

Zerfall-1_rvDoch! wie bald
Welket Schönheit und Gestalt!

Wilhelm Hauff (1802 – 1827) Weiterlesen

Siehst du den Stern?

ZeitSiehst du den Stern im fernsten Blau,
Der flimmernd fast erbleicht!
Sein Licht braucht eine Ewigkeit,
Bis es dein Aug‘ erreicht!

Vielleicht vor tausend Jahren schon
Zu Asche stob der Stern;
Und doch steht dort sein milder Schein
Noch immer still und fern. Weiterlesen

Nachts geben mir die Sterne recht

Winterfiligran„Manchmal, wenn der Himmel weit offen und tief ist wie heute, meine ich, Kopf im Nacken, den Blick in die Zeit selbst zu versenken. Nachts geben mir die Sterne recht, die aus tiefster Vergangenheit und Einsamkeit zu mir hinunterfunkeln. Auch wenn sie über die Erde schweifen, verlieren sich die Augen oft im Gewesenen: jene Mauer dort reicht von einem fernen Zeitalter in das unsere, jener Baum wurzelt in einem fernen Jahrhundert. Weiterlesen

Die Galvano-Magnetic-Clock in Greenwich

Galvano_Magnetic_Clock_GreenwichDiese Uhr findet man an einer Mauer des Greenwich-Observatory. Sie ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat eine ruhmreiche Vergangenheit. Sie wurde von Charles Shepherd (1829 – 1905) gebaut und 1852 installiert. Es ist eine Uhr mit elektrischem Motor („electric-motor-clock“), was für die damalige Zeit eine Sensation war.
Die Idee zum Bau einer solchen Uhr kam vom königlichen Astronomen George Airy (1801 – 1892). Mit dem Aufkommen und der rapiden Ausbreitung der Eisenbahn sah er die Notwendigkeit, eine Standard Uhrzeit nicht nur für England, sondern letztlich für die ganze Welt festzulegen. Die Uhr ist in Greenwich am richtigen Platz, denn an diesem Ort wurde auch das Gradnetz der Erde „fixiert“. Der Nullte Längengrad läuft durch Greenwich. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass dieser Chronometer das Konzept der koordinierten Weltzeit auf den Weg gebracht hat, das wir heute für selbstverständlich hinnehmen und ohne die das moderne Leben nicht möglich wäre.

Wie man die Zeit aufhalten kann

H. Joachim Schlichting. In: Physik in unserer Zeit 37/2 (2006) S. 99

„Siehe eine Sanduhr: Da läßt sich nichts durch Rütteln und Schütteln erreichen“, schrieb Christian Morgenstern. So wahr dieser Ausspruchauch sein mag, im Allgemeinen stimmt er nicht. Wenn man eine Sanduhr schüttelt, also beispielsweise rhythmisch auf und ab bewegt, oder ihren unteren Teil erwärmt, so geht sie mit der Zeit nach.

PDF: Wie man die Zeit aufhalten kann

Zeit als Abfolge

Sonnenuhr001.jpgSchlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 33/12 (1995).

Die Totalität des Seins zu erfahren ist unmöglich.
Daher ist uns alles schrittweise gegeben.
 Jorg Luis Borges

Wie kam es zur Zeit? Mit der Etablierung von Gerichten verbanden sich die Erfindung der Schrift, die Kategorie der Wahrheit, der Zeugenschaft, des Gedächtnisses, der Kausalität und des Beweises, Ideen der Neutralität und einer hierarchisch legitimierten Urteilskraft. Als entscheidend erwies sich indes die unvermeidbare Konzeption einer neuen Zeit; einer linearen Zeitordnung, die sich von der Wahrnehmung zyklischer Zeiten unmerklich abzusondern begann…die neolithische Revolution ereignete sich als irreversibler Sturz in die Zeit (Thomas H. Macho).
Auf diese Weise geht man nach Paul Valéry „zur Sukzession über – und der Determinismus ist bereits eine Konzeption der Raum – Zeit, in der das Antezedens und das Consequenz gleichsam simultane Teile eines Ganzen sind. Die Zeit ist in jedem Kausationsdenken eine echte Dimension des Raums, eine Linie“.
Linien haben eine Länge. Die Länge wird durch überschaubare Einheiten eines Längenabschnitts, z.B. durch Schritte erschlossen:
Er ist eine Meile Wegs bei mir geblieben (die durch den Raum ausgedrückte Zeit als Hintereinandersetzen von Schritten) (Georg Christoph Lichtenberg).
Statt einer Wiederholung von Schritten können diese Einheiten auch durch andere sich wiederholende Vorgänge z.B. Schwingungen realisiert werden:
Wo sich ein Körper bewegt, da ist Raum und Zeit, das simpelste empfindene Geschöpf in dieser Welt wäre also das Winkel und Zeiten messende. Unser Hören und vielleicht auch unser Sehen besteht schon in einem Zählen von Schwingungen (Georg Christoph Lichtenberg)
Die kleinste sinnliche Einheit der Zeit sind Augenblicke. Ach Gott, das Leben ist lang, aber die Zeit ist kurz, sie hat nichts als Augenblicke – Alle Uhren gehen sehr (wobei er eine herauzog und sie ansah, und der sieben übereinnander stehende Weiser unten rückten, liefen und oben pfeilschnell flogen) (Jean Paul).
Ist Zeit Bewegung? „Zeit ist weder Bewegung noch ohne Bewegung…Zeit ist das Abzählbare an der Bewegung“ (Aristoteles).
Die Augenblicke werden linear hintereinander angeordnet, besser noch, sie werden wie Perlen auf eine Kette gezogen, denn sie sind nicht unabhängig voneinander, sondern untrennbar miteinander verknüpft. Diese Verknüpfung wird durch die Dinge der Welt vermittelt, so daß „die Augenblicke losgelöst von den Dingen nichts sind, und daß sie nur in der successiven Ordnung der Dinge selbst ihren Bestand haben“ (Leibniz). Das heißt aber, daß die Zeit in das Geschehen im Palast der Welt eingewoben erscheint:
Du hörst die Zeit verstreichen: ein Rauschen wie vom Wind. Der Wind bläst durch die Flure des Palastes, oder im Innern deines Ohrs. Könige tragen keine Uhren. Man geht davon aus, daß sie es sind, die das Fließen der Zeit regieren, Unterwerfung unter die Regeln eines mechanischen Apparats wäre unvereinbar mit der königlichen Majestät. Die monotone Abfolge der Minuten droht dich zu begraben wie eine langsame Sanddüne. Aber du weißt, wie du ihr entgehst: Du brauchst nur die Ohren zu spitzen und die Geräusche des Palastes unterscheiden lernen… Der Palast ist eine Uhr: Ihre tönenden Ziffern folgen dem Lauf der Sonne, unsichtbare… (Italo Calvino).
Wären wir nicht mit diesem Geschehen sinnlich verbunden, wäre alles gleichartig, so würde man die Zeit nicht bemerken, „denn aus dir selber sagt kein Organ und kein Sinn“ etwas über den Ablauf der Zeit etwas aus. Vielleicht reflektiert die Zeit lediglich die Bewegung unseres Bewußtsein, das sich unaufhörlich „aus einem Zustand in einen anderen (bewegt), und dies ist die Zeit: die Abfolge“ (Jorge Luis Borges).
Oder wird uns der Eindruck von Zeit nur durch Bewegung schlechthin vermittelt?
Wir gehen, gehen, – wie lange schon? Wie weit? das steht dahin. Nichts ändert sich bei unserem Schritt, dort ist wie hier, vorhin wie jetzt und dann, in ungemessener Monotonie des Raumes ertrinkt die Zeit, Bewegung von Punkt zu Punkt ist keine Bewegung mehr, wenn Einerleiheit regiert, und wo Bewegung nicht mehr Bewegung ist, ist keine Zeit (Thomas Mann).
Vor dem Entstehen der Welt, man sagt auch, „vor der Zeit“, war man noch unabhängig von der Zeit: …wie schön es damals in jener Leere war, Geraden und Kurven zu ziehen, den genauen Punkt zu bestimmen, das Fadenkreuz zwischen Zeit und Raum, aus dem das Ereignis aufsprießen würde, unverkennbar im Glanz seines Leuchtens – während jetzt die Ereignisse pausenlos niederprasseln wie eine Zementlawine, in Kolumnen eins nach dem andern verpackt, getrennt durch schwarze und inkongruente Schlagzeilen, die man auf vielerlei Weise lesen kann, die aber im Grunde unlesbar sind, ein Brei von Ereignissen ohne Form noch Richtung, der jeden rationalen Gedanken verschüttet begräbt und erstickt  (Italo Calvino).
Uhren strukturieren den Ablauf der Zeit. Uhren müssen jedoch von Zeit zu Zeit aufgezogen werden. Wie ist es mit dem Urbild der Uhr, dem zeitlichen Ablauf in der Natur?
Gott, der unsere Sonnenuhren aufzieht (Georg Christoph Lichtenberg).
Wie ist es ohne Uhr? Er opfert die Uhr und entgeht der Zukunft (Elias Canetti).

PDF: Zeit als Abfolge

Erzählte Zeit

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 33/5, 202 (1995).

In einer Tagebuchnotiz sagt Max Frisch, wir leben auf einem laufenden Band. Es gibt keine Hoffnung, daß wir uns selber nachholen und einen Augenblick unser Leben verbessern können. Wir sind das Damals, auch wenn wir es verwerfen, nicht minder als das Heute – Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur…

PDF: Erzählte Zeit

Wenn die Zeit zum Tempo wird

Schlichting, H. Joachim. Physik in der Schule 33/4, 158 (1995).

Die „physikalische“ Zeit fließt per definitionem gleichförmig. Dies steht im Widerspruch zu dem Gefühl der Menschen, daß die Zeit unterschiedliche „Geschwindigkeiten“ annehmen kann. Wie schnell soll die Zeit vergehen? Mal möchte man, daß die Zeit stehenbleibt: „Verweile doch, du bist so schön…“, mal weiß man mit ihr nichts anzufangen. Dann schlägt man sie einfach tot, indem man sie mit sinnlosen Tätigkeiten verbringt.

PDF: Wenn die Zeit zum Tempo wird

Alles fließt

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 33/2, 78 (1995).

In diesem Rätsel erscheint die Zeit als ein „Alles fließt“, als etwas bereits Vergangenes oder etwas Zukünftiges, nicht aber als etwas Gegenwärtiges. Sie betrügt den Menschen insofern um seine Zeit, als immer dann, wenn der Mensch sich eines Augenblicks bewußt wird, dieser bereits vergangen ist, oder er auf einen Augenblick in der Zukunft hinlebt, der sich ihm in dem Maße entzieht, wie
er sich ihm nähert.

PDF: Alles fließt

Evolution: Zeit als Schöpfung

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/11 (1994).

Das kausale Denken, das die Naturwissenschaften weitgehend bestimmt, ist ein zeitliches Denken. In der klassischen Physik ist die Kausalität und damit die Zeit linear mit der Folge, daß die Kenntnis eines Zeitpunktes genügt, um alle anderen Zeitpunkte in Vergangenheit und Zukunft zu kennen…

PDF: Evolution: Zeit als Schöpfung

Zeit als „Fachwerk“

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/,10 (1994).

… Mit den Vorsokratikern beginnt die Entpersonifizierung der Zeit. Die Götter werden zunehmend zu empirischen Gegebenheiten. Dabei tritt zunächst die Flußmetapher in den Vordergrund, der Vorstellung also, daß „Alles fließt“…

PDF: Zeit als „Fachwerk“

Zyklische Zeit und ewige Wiederkehr

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/9 (1994).

Das Erlebnis der Zeit kommt vor allem durch die Wahrnehmung von Veränderungen zustande. Die Wiederkehr derselben Ereignisse kann als Rückkehr zum Ausgangspunkt und daher als Aufhebung der dazwischen liegenden Veränderungen angesehen werden. Wenn der Eindruck der Wiederkehr dominiert, kann die Idee einer zyklischen Zeit entstehen, oder – wie es Thomas Manns Held des Zauberberges erlebt – der Eindruck, einen albernen Bogen zu schlagen…

PDF: Zyklische Zeit und ewige Wiederkehr

Menschliche Zeit 2

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/7,8 (1994).

Thomas Mann stellt in seinem Zauberberg das Thema Zeit in den verschiedensten Facetten dar. Wie schon angeklungen, mißt auch er der Gewöhnung im Zusammenhang mit dem Zeitempfinden eine Große Bedeutung zu…

PDF: Menschliche Zeit 2

Menschliche Zeit 1

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/6 (1994).

So gleichmäßig wie die objektive Zeit verläuft im gleichbleibenden Rhythmus eines physikalischen Systems empfindet der Mensch die Zeit nicht. Wenn er seinen Empfindungen traut, dann wechselt die Zeit je nach dem aktuellen Gefühlszustand zwischen Stillstand und rasender Geschwindigkeit. Nach einer in der Literatur häufig auftretenden Einschätzung scheint jede Zeitspanne um so kurzer, je glücklicher man ist. Doch wird man häufig gerade in glücklichen Momenten vom Bewußtsein der Endlichkeit des Glücks übermannt.

PDF: Menschliche Zeit 1

Rätselhafte Zeit

Schlichting, H. Joachim. In: Physik in der Schule 32/5 (1994).

Die leitende Idee, die in allen unseren Forschungen gegenwärtig ist und mit jeder neuen Beobachtung einhergeht, die Idee, deren Klang dem Ohr des Naturkundlers unablässig aus jedem Werk der Natur entgegenzubringen scheint, heißt: Zeit! Zeit! Zeit! (George Poulett-Scrope).
Ist Physik dieser Bedeutung gerecht geworden? Kann die Physik der Zeit überhaupt gerecht werden? Bislang ist es der Physik gelungen, die Zeit ,,uhrbar“ zu machen. Muß es aber nicht vielmehr darum gehen,  die Zeit urbar zu machen? (Georg Christoph Lichtenberg). Das heißt, einen menschlichen Zugang zu gewinnen, Antworten auf die Frage: Was ist das, die Zeit?

PDF: Rätselhafte Zeit

Vom didaktischen Wert physikalischer Grundgrößen

Udo Backhaus, Hans Joachim Schlichting. In Physik und Didaktik 3 (1979) S. 218–225

Es wird gezeigt, daß der Lehrer bei der Einführung physikalischer Grundgrößen weitgehend frei ist. Die Verfügung über die Grundgrößen erweist sich insofern als von großem didaktischem Wert, als je nach Schulart und -stufe der Bezug zur Lebenswelt mehr oder weniger stark hergestellt werden kann. Es werden Argumente für die Auswahl von Grundgrößen entwickelt und insbesondere dafür plädiert, die Größen Energie und Entropie als Grundgrößen einzuführen und ihnen damit beim Aufbau des physikalischen Begriffsystems einen besonderen Stellenwert einzuräumen (Schlichting 1979, Backhaus 1979).

PDF: Vom didaktischen Wert physikalischer Grundgrößen