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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Manches fällt nach oben

Manches erledigt sich von selbst. Naja, nicht ganz aber fast. Eine Schale mit Jogurtresten und den dazu gehörigen Löffel zunächst einmal mit Wasser gefüllt und in die Spüle gestellt, säubert sich, indem sie die Schwerkraft wirken lässt. Weil Wasser eine größere Dichte hat als das Milchprodukt, drückt es diese nach oben. Erstaunlich ist vielleicht mit welcher Konsequenz hier der streng vertikale Aufstieg das Geschehen dominiert. Es kommt zu einer Abbildung bzw. Projektion der Umrisse des Löffels, dessen Mulde man nur noch schemenhaft im getrübten Umfeld erkennt.
Dieser vertikale Aufstieg erinnert mich an die Abbildung von Gegenständen in einer Eisschicht, die ebenfalls an Präzision nichts zu wünschen übrig lässt.
Obwohl die Natur allgemein dazu tendiert, so viel wie unter den gegebenen Umständen möglich an Energie an die Umgebung abzugeben, hat man hier zunächt den Eindruck, dass hier das Gegenteil passiert. Denn die Speisereste steigen nach oben, sodass deren Höhenenergie (potenzielle Energie) zunimmt. Aber da die hinterlassenen Lücken von Wasser ersetzt werden und wegen dessen größerer Dichte mehr Höhenenergie frei wird, kommt es insgesamt zu einer Abgabe von Energie an die Umgebung.

Diskussionen

15 Gedanken zu “Manches fällt nach oben

  1. “ Dichte“ ist eigentlich erklärungsbedürftig. Nicht umsonst dürfte es einen großen Wikipedia-artikel dazu geben. 🙂
    Man verwendet gemeinhin Begriffe, die es erstmal zu fassen gelten sollte.

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. Januar 2019, 01:48
    • Wenn man sagt, Eisen ist schwerer als Holz, dann meint man mit „schwer“ so etwas wie die Dichte (Masse pro Volumen). Das Konzept der Dichte ist also lebensweltlich und alltagssprachlich durchaus vorhanden und ist damit nicht rein physikalisch. Ich habe oft das Gefühl, dass durch manche Artikel, die versuchen alles zu beschreiben, was mit einem Konzept verbunden ist, beim Leser ungerechtfertigterweise den Eindruck hervorrufen: oups ist das kompliziert, also lass ich die Finger davon. Allerdings sollte man schon früh darauf achten, dass auch alltagssprachlich besser zwischen Mass und Dichte unterschieden wird.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 08:43
      • Manche Artikel wirken durch die Summe an plötzlich unklar wirkenden Begriffen kompliziert. Man muss jeweils innhalten und sich im einzelnen fragen: Was steht da? Oder nur den „Tenor “ des Textes aufnehmen, das wäre eine Art Stimmungsbild.
        Manchmal, spätnachts, passiert bei mir nur letzteres. Aber im Grunde „will ich es wissen“ und will es wissen. 🙂
        Danke für das stete Bemühen, Joachim!

        Verfasst von kopfundgestalt | 13. Januar 2019, 10:31
      • Deine Schwierigkeit, lieber Gerhard, kann ich gut nachvollziehen. Die Tatsache, dass manche Begriffe alltagssprachlich und physikalisch in oft abweichender Bedeutung verwendet werden (z.B. die Kraft), macht die Sache nicht einfacher. Manchmal, wie gesagt bei der hier in Frage stehenden Dichte (unterschiedliche Masse bei gleicher Größe) fehlte nicht viel, um zu präzisieren. Oft ist es aber auch so, dass man etwas verbal nachvollzieht, aber dennoch nicht überzeugt ist. Dieses „Verstehen mit Überzeugung“ kann einen aber plötzlich „anspringen“, wenn man nicht damit rechnet. Man spricht dann vielleicht von einem Aha-Erlebnis u.Ä. Also meine Botschaft: Nicht aufgeben und wenn man sich auch zunächst noch mit dem „Stimmungsbild“ zufrieden geben muss.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 11:31
      • Ich bin eigentlich „zäh wie Juchteleder“, haha.
        Dieses Nichtaufgeben übrigens bezieht sich meist auf Lerninhalte. Im Leben gab ich schon oft auf. Leider.
        Das Blockiertsein (im Verstehen), das Du auch ansprichst, hat m.E. oft „tiefere“ Gründe.
        „Du sollst nicht merken“, so ein Buchtitel über Kindheitserfahrungen. Die Wahrheit versteckt sich, um das (innere) Kind zu schützen. Es soll nicht wissen.
        Jetzt bin ich etwas abgeschweift, sorry 🙂

        Verfasst von kopfundgestalt | 13. Januar 2019, 12:47
      • Wo kämen wir hin, wenn es keine Abschweifungen mehr gäbe. Ich glaube, ich habe verstanden was du meinst.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 14:39
  2. Lieber Joachim,
    ich mache immer ein wenig Honig oder Zucker in den Joghurt, damit verändert sich doch die Dichte, oder? Muss mal ausprobieren, wie es dann aussieht!
    Ich bin froh, daß Du die physikalischen Prozesse so einfach wie möglich für uns Laien erklärst! Das erhält das Interesse an diesen spannenden Themen!🤗😉👌👍🙋‍♀️

    Liebe Sonntagsgrüße Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 13. Januar 2019, 10:18
    • Liebe Babsi,
      wenn du Honig oder Zucker beispielsweise in Milch geben würdest, wird die Dichte der Milch anschließend größer, weil das Volumen nicht in dem Maße zunimmt wie Honig oder Zucker hinzugefügt wird. Die Teilchen verkriechen sich also teilweise zwischen die Milch- bzw. Wassermoleküle. Grob anschaulich könnte man das mit einem Schwamm vergleichen, wenn man ihm Wasser zuführt. Das Volumen bleibt gleich aber die Masse nimmt zu. Also ist die Dichte größer geworden.
      Bei Joghurt wird es vielleicht ähnlich sein, aber ganz sicher bin ich mir da nicht. Vielleicht addiert sich nur das eine zum anderen und durchdringt sich nicht. Müsste ich mal ausprobieren.
      Ob ich es wirklich schaffe, die Physik so einfach wie möglich zu machen, weiß ich nicht. Da bin ich auf eure Nachfragen – wie diese – angewiesen.
      Auch dir schöne Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 11:13
      • Heißt also, wenn die Masse zunimmt, ist auch die Dichte größer, oder kann man daß nicht so einfach sagen!?🤔

        Verfasst von kunstschaffende | 13. Januar 2019, 12:52
      • Ja richtig, das kann man so einfach sagen, wenn dabei das Volumen (bzw. die äußeren Ausmaße) unverändert bleibt (Schwammbeispiel). Ein Stück Eisen von der Größe einer Tafel Schokolade hat zwar dasselbe Volumen wie die Schokolade, aber die Dichte ist deutlich größer – weil die Masse (bzw. das Gewicht) größer ist.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 14:48
      • 😊🙆‍♀️😉👍Danke Joachim! Nur noch eins, mit zunehmender Masse kann sich aber das Volumen auch verändern, wenn es sich ausdehnt, oder? Dann würde sich auch die Dichte wiederum ändern? Ich versuche es nur logisch zu sehen!🤔🙆‍♀️😉

        Verfasst von kunstschaffende | 13. Januar 2019, 14:56
      • Ja, wenn du die Masse änderst, ändert sich normalerweise auch das Volumen. Beispiel: Du legst einen Stein in ein Gefäß mit Wasser. Das Volumen ändert sich (Der Wasserstand nimmt zu), die Masse ändert sich (der Topf ist jetzt schwerer) und die Dichte hat sich geändert, weil die Masse pro Volumen größer geworden ist. Aber wenn du statt des Steins noch mehr Wasser ins Gefäß tust, ändern sich zwar Masse und Volumen, aber die Dichte bleibt gleich.
        Ich sehe ein, es kann ganz schön kompliziert werden.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 15:21
      • 🙈🤔spannend ist es aber auch!😁👏👍😉

        Verfasst von kunstschaffende | 13. Januar 2019, 15:27
  3. Würde in der Schwerelosigkeit das Wasser in der Schale bleiben und das Joghurtreste auch dort obenauf schwimmen?

    Verfasst von Malabar | 21. Januar 2019, 14:13

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