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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Aeolsorgelmusik am frühen Morgen

Es ist ein wenig windig auf dieser morgendlichen Wanderung durch die Krummhörn. Wind ist hier fast immer, davon zeugen zahlreiche Windkraftanlagen, die die natürlichen Luftströme auf technische Weise visualisieren und ihnen dabei auch noch Energie abnehmen. Aber es gibt auch die eher unspektakulären, leisen Töne, die – wie einst die Sirenen Odysseus betörten – mich zu einer Brücke locken, aus dessen Richtung die außerirdisch klingende Musik kommt.
Als ich die Rohrkonstruktion des Brückengeländers erkenne erinnere ich mich an ein ähnliches Erlebnis das Jahre zurück liegt: Hier wie damals hat sich das Rohrsystem zu einem natürlich-technischen Aerophon gemausert. (Zu diesem Oxymoron stehe ich, weil beide, der natürliche Wind und die technische Konstruktion eine nicht geplante Einheit bilden): Der Wind orgelt auf dem ursprünglich nicht als Musikinstrument gedachten Rohrsystem eine Melodie, die in ihrer Tonalität an eine Aeolsharfe erinnert. Kleine Löcher in den Rohren, die vermutlich zur Verhinderung von Kondenswasser und den damit verbundenen Korrosionsrisiken dienen, führen dazu, dass die Luftsäulen in einigen Rohren passender Länge in Schwingung versetzt werden. Wie beim Blasen auf einen Schlüssel oder einer Flöte erzeugen sie den Klang untermalt vom Rauschen des Windes und der Blätter der Pflanzen (physikalische Erklärung im früheren Beitrag).

Diskussionen

4 Gedanken zu “Aeolsorgelmusik am frühen Morgen

  1. Schönes Beispiel von Musik, die einfach so und ungeplant entsteht.
    Ein Musikerfreund könnte mit diesen fiele recordings sicher einiges anfangen.
    Es gibt auch eine musikrichtung, die sich unterschwelligen Tönen annimmt , diese verstärkt und in eine Art Musikgewebe einfließen lässt. Wie dieses Genre heißt, ist mir entfallen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. Juli 2019, 00:29
    • Ähnlich wie man sich bei optischen Naturphänomenen schwertut, von Kunst zu sprechen, ist es wohl auch bei akustischen. Aber es gibt immer wieder Musiker/Komponisten, die Naturtöne in ihre Werke einbauen. Mich beeindruckt an diesen Aeolsklängen das „Außerirdische“, das so in der Musik nicht zu hörende.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 21. Juli 2019, 08:46
  2. Wer liebte nicht diese merkwürdige Klangwelt aus Wind und Technik. Ich habe kürzlich die Musik am Segelhafen aufgenommen, als der starker Wind auf den Wanten und Stagen orgelte und klimperte.

    Verfasst von gkazakou | 21. Juli 2019, 10:28

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