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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Die Herrschaft des Lichts zum 4. Advent

Die Flamme einer Kerze hat trotz ihrer weitgehenden Erklärung durch die Naturwissenschaften nichts an ihrer Faszination verloren. Das zeigt die vorweihnachtliche Zeit auf eindrucksvolle Weise. Ein akustischer Aspekt, der wohl eher die Stimmung der brennenden Kerze betrifft und einen Flammenträumer zum Flammendenker werden lässt, führt zu der Frage, warum das schweigsame Wesen seiner Kerze plötzlich zu ächsen beginnt. Für Franz von Baader (1765 – 1841) geht dieses Knarren, dieser Schreck, „einem jeden stillen oder geräuschvollen Anzünden voraus“. Dieser Laut wird erzeugt „durch den Kontakt zweier gegensätzlich wirkender Prinzipien, von denen das eine das andere behindert oder es sich untertan macht.“ Die Flamme muß sich beim Brennen stets neu entzünden und gegenüber einer rohen Materie die Herrschaft des Lichts bewahren. Hätten wir ein feineres Ohr, so würden wir die Echos dieser inneren Bewegung vernehmen. Der Anblick läßt zu leicht den Gedanken zu, es gäbe hier Vereinigungen. Doch ganz im Gegenteil verbinden sich die knisternden Geräusche nicht. Die Flamme spricht alle Kämpfe die es bestehen muß, um eine Einheit zu bewahren.*

In der Abbildung sehen wir eine Kerzenflamme, die auf irgendeine Weise verdoppelt (oder sogar verdreifacht?) erscheint. Ist dieser Effekt einzig dem 4. Advent zu verdanken?
(Hilfe für eine Antwort findet man hier.)


* Gaston Bachelard. Die Flamme einer Kerze. München 1988, S. 45f

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Diskussionen

7 Gedanken zu “Die Herrschaft des Lichts zum 4. Advent

  1. „Echos dieser inneren Bewegung “
    Ich hatte es sicher schon erwähnt, es gibt ja Musik, die sich dieser an sich unhörbaren Töne bedient.

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Dezember 2021, 01:06
  2. Es gibt ernstzunehmende Erklärungen für die Entstehung der Sondergattung Mensch aus dem Feuer, aus dem sie zur „Evolution“ und „Explosion“ beflügelt worden sei. Heidegger sprach ja vom Blitz der eine Lichtung schuf auf der der Mensch „erschien“.

    Denken wir uns zurück in die wandernden Horden der Jäger und Sammler. Bei Wind und Wetter halten sie sich zur kurzen Rast, zum Schlafen irgendwo auf. Essen rohes Fleisch und Pflanzliches, trinken kaltes Wasser. Dann kommt – vielleicht durch einen Blitz animiert das Feuer „zur Welt“. Einer „entdeckt“ das Prinzip der „Reibungswärme“, der „Übertragung“ und entfacht mit eigener! Hand ein Feuer. Die von Wind und Wetter ermattet Horde spürt „Wärme“ und „Verbrennung“. Sie pendeln die Distanz aus und es fällt aus Versehen ein Stück Fleisch ins Feuer. Nach hilflosen Versuchen gelingt es, das wertvolle Fleisch aus den Klauen des Feuers zu befreien – und siehe, das bietet Vorteile!. Von nun an wird die angenehme Wärme und das besser zu genießende Fleisch sie an die Feuerstelle locken – und vielleicht an eine verhängnisvolle Wende, der „Sesshaftigkeit“ denken. „Alle Lust will Ewigkeit“ und Innovation.

    Die Flamme (muss sich beim Brennen) will sich dazu stets neu entzünden und (gegenüber) durch eine (rohen Materie) Verwöhnungssucht des Menschen nach Nähe und Wärme sich die Herrschaft des Lichts – das bald als Erlösung und Erkenntnis zusammen gedacht wird – bewahren.

    Doch bald wachsen die menschlichen Feuerrunden. Nicht mehr für alle reicht die direkte Wärme. Es bilden sich Kreise, die bald zur Hierarchie werden. Die im äußeren Ring sitzenden planen bald eigene Feuerstellen oder den Aufstand. Erste wilde Versuche von Politik und Kriege entstehen, auch von Flucht und Vertreibung. Alle Kämpfe werden Vorteilskämpfe. Hätten wir ein feineres Ohr, so würden wir die Echos doppelte Stimme dieser inneren Bewegung vernehmen. Der ferne Anblick lässt zu leicht den Gedanken zu, es gäbe hier (nur) Vereinigungen. In Wirklichkeit entstehen Sehnsüchte um den Vorteil am Feuer sitzen zu dürfen. Doch ganz im Gegenteil verbinden sich die knisternden Geräusche nicht. Die Flamme spricht –schon früh – alle Kämpfe, die es bestehen muss, um eine Einheit zu bewahren – und doch gleichzeitig den Verteilungskampf anzuheizen. Jeder möchte in die erste Reihe. Wenn wir dann nur still und selig ins Feuer schauen dann spüren wir die ewige Sehnsucht, die zum Licht geht, weil im Falle des Feuerlichts die Wärme uns ergänzt: der Braten im Ofen wird bald unseren Hunger stillen und wir werden im Schein der Kerze mit jemanden eine Decke teilen, bis für wenige Augenblick im Leben die Flamme ihre Dialektik, ihre mathematischen Kenntnisse zeigt: 1+1=3. (Fast) alle Menschen träumen im Licht von „Gemeinsamkeit“ aber eben auch von „Vernichtung“.

    Gegen letzteres singen wir – oft genug tränenunterdrückend-:
    Freude, schöner Götterfunken,
    Tochter aus Elysium,
    Wir betreten feuertrunken,
    Himmlische, dein Heiligtum.
    Deine Zauber binden wieder,
    Was die Mode streng geteilt,
    Alle Menschen werden Brüder,
    Wo dein sanfter Flügel weilt.

    Verfasst von paulpeterheinz | 19. Dezember 2021, 08:12
    • Ja, so könnte es gewesen sein. Oder war es Prometheus, der Bruder von Zeus, der entgegen dem Willen der anderen Götterden langen Stängel des Riesenfenchels nahm, ihn an der Sonne anzündete und es den Menschen auf die Erde brachte. Was wäre wir ohne Feuer, ohne Licht? In der dunklen Jahreszeit ahnen die Menschen etwas von der Bedeutung dieses Elements und versuchen es durch ihre Lichtlein zu befeuern, auf dass es wieder heller wird. Was dann ja funktioniert.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Dezember 2021, 10:57
      • Ja, auch das ist eine tolle Variante. Mangels empirischer Erkenntnisse legten sie alles in Götterhände. Für jedes Detail gab es einen oder mehrere. Meist eine Mischung aus Glück und Terror.
        Das offene Feuer wurde dann ja bei den Römern zum Herd. Im Tempel brannte bewacht von Vestalinnen ein heiliges Feuer. Aufgrund der Notwendigkeit des Feuers im täglichen Leben wurde Vesta auch in fast jedem römischen Haus verehrt. Viele Häuser hatten einen Hausschrein, der ein Bild der Vesta enthielt.
        Somit hätten wir jetzt schon drei Geschichten. Sicherlich gibt es noch hunderte. Hauptsache es werden tolldreiste Geschichten die am Feuer oder sogar wenn das Feuer fehlt, viele erwärmen.

        Denn -so eine andere Variante- das Tier wird Mensch durch Geschichten die Sprache/Zeichen voraussetzen, bedingen. Zuerst waren es aufgeregte Laute, dann eindeutige dann eineindeutige dann zur besseren Verständigung Worte…die zu Geschichten wurden. So kam der Mensch zur Sprache und die Sprache formte den Menschen und beides formten Geschichten.

        Das Rad der Evolution war und ist wohl irgendwie eine Entzündung, ein Feuer, auch wenn oft die Flammen fehlen.

        Verfasst von paulpeterheinz | 19. Dezember 2021, 13:40
      • Eine schöne Kurzfassung. Da kann ich mir fast meinen Beitrag für morgen sparen, der mit dem Feuer „spielt“. Nach wie vor sind die Menschen vom Feuer und seinen technischen Nachfolgern fasziniert…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Dezember 2021, 13:52
      • Nein bitte nicht, lass es uns wissen. Es gibt immer eine Kette, gerade beim Feuer das auf ganz unterschiedliche Arten „gezündet“ oder „entzünden“ kann. Auch hier also wieder der Doppelcharakter der gerade bei der Benutzung oder Entfachung des Feuers nicht übersehen werden darf.

        Verfasst von paulpeterheinz | 19. Dezember 2021, 14:01

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