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Marginalia

Günter Grass wird uns fehlen…

Günter-grass-in-os„Man kann […] auch sagen, dass die schlafende oder träumende Vernunft eine andere Gefahr in sich birgt: dass sie sich absolut setzt. Das Bekenntnis zur Vernunft [darf] nicht erstarren zur Gläubigkeit der Vernunft gegenüber. Der Prozess der europäischen Aufklärung hat von den Anfängen her viel mehr Offenheit bewiesen. Bei Montaigne ist das Irrationale, das auch zum Menschen gehört, noch einbezogen in den Vernunftbegriff, und dann setzte sich die Aufklärung absolut, schied alles das aus, diffamierte es als irrational, setzte es frei – nur so wurde es dann auch als Gegenkraft, als Ungeheuer politisch wirksam, weil nicht mehr eingebunden. Die Vernunft verabsolutierte sich zum Machbaren, zu einem platten Fortschrittsbegriff. […] Vielleicht sollen wir heute begreifen, dass die Ergebnisse der Vernunft einer ständigen Revision bedürfen.“
(aus: Günter Grass: Essays, Reden, Briefe, Kommentare.  Darmstadt: Luchterhand, 1987)

Foto: Günter Grass im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses im Jahre 2014

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