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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Holz – unser inniger Bezug zur Materie

holz_img_5645_rvWenn in diesen Zeiten die Stunden vor dem Kamin uns wieder in die angenehmen Seiten der kalten Jahreszeit einzustimmen beginnen, rückt auch das Holz in seinen zahlreichen Aspekten wieder ins Bewusstsein. Nicht nur dass es unter körperlicher Anstrengung erst einmal kamingerecht zugerichtet werden muss, sondern auch durch die spektakulären Begleiterscheinungen der Rückverwandlung von einer komplexen Biomaterie in seine anorganischen Bestandteile, aus denen es unter Einwirkung der Sonne in den Wäldern entstanden ist. Es ist als würden bei diesem Dekonstruktionsprozess die im Holz aufgehobenen hellen und wärmenden Aspekte der Sonne zugleich lichterloh und stimmungsvoll wieder freigegeben. Dabei fielen mir die folgenden Worte von Phiippe Jaccottet ein:

Wenn wir diese nackten Stämme und diese Äste betrachten, oder vielmehr, wenn sie uns unversehens in die Augen springen, mit jener Jäheit und der Frische dessen, was ein plötzlich aufflammender Scheinwerfer erhellt und aus dem Dunkel reißt, so ist das, was wir sehen, Holz; und dabei wird, glaube ich, ohne daß wir uns dessen deutlich bewußt würden, tief in uns etwas angerührt: unser inniger Bezug zu einer Materie, der in unserem leben eine wesentlich Bedeutung zukommt und die uns fast überall umgibt; und, abermals, ohne daß es uns bewußt würde, erscheinen uns verschiedene Zustände des Holzes in der Erinnerung, die in ihrer Verschiedenartigkeit einen tiefen Raum und eine tiefen Zeit schaffen:
holzscheite_dsc00235_rvdas mag etwa ein Stoß zu Scheiten geschlagenen Holzes vor dem Haus ein, das bedeutet Winter, Frost und Wärme, gefährdetes und behütetes Glück; die Möbel im Zimmer im wechselnden Licht der Tagesstunden; sehr altes Spielzeug gar, ein Kahn vielleicht, unerschöpflich, was alles in einem solchen Wort steckt; für den Augenblick jedoch empfinden wir nur seine dichte und nicht die verschiedenen Schichten, deren ich einige soeben verdeutlicht habe; wir sind demnach nicht zerstreut, sondern wir haben die Empfindung, den Fuß auf etwas Tiefhinabreichendes gesetzt zu haben.

Aus: Jaccottet, Philippe; Der Spaziergäng unter den Bäumen. Köln; 1981.

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