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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Meeresrauschen in der Muschel

Rauschende_Muschel2Als ich im letzten Urlaub am Strand eine große Muschel fand, hielt ich sie instinktiv ans Ohr, um jenem Rauschen zu lauschen, das mich als Kind so verzaubert hatte. Bei uns zu Hause lag als Dekorationsstück eine Muschel auf der Fensterbank. Meine Mutter erzählte mir, dass das Rauschen, welches man hören konnte, wenn man die Muschel mit der Öffnung ans Ohr hielt, das eingefangene Rauschen des Meeres sei, aus dem die Muschel stamme. Ich konnte mich nicht satt hören an diesem Rauschen, kündete es doch von Ferne, Weite, Abenteuer…
Eine große Ernüchterung erlebte ich, als ich später ein entsprechendes Rauschen beim Kaffeebecher und anderen Hohlgefäßen feststellte. In der Tat verstärkt ein solcher Hohlraum äußere Geräusche, die man wie eine akustische Tapete gar nicht mehr als solche wahrnimmt und zwar insbesondere die Frequenzen, die in etwa den Eigenschwingungen des Luftkörpers in dem Hohlraum entsprechen. Diese werden vor allem durch die geometrischen Abmessungen des Hohlraums bestimmt. Am einfachsten erweisen sich dabei zylinderförmige Gefäße, bei denen die Schallwellen mit einer Wellenlänge, von etwa einem Viertel, Dreiviertel usw. der Länge der Luftsäule aus dem akustischen Einerlei der Umgebung ausgewählt und verstärkt werden (Resonanz). Dabei bildet sich am festen Boden ein Wellenknoten und an der Öffnung ein Wellenbauch.

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Diskussionen

10 Gedanken zu “Meeresrauschen in der Muschel

  1. Interessant – ich dachte immer, dass dieses Rauschen nicht von außen kommt, sondern aus dem eigenen Körper. Das sind also tatsächlich äußere Geräusche? Dann hört’s sich am Meer mit der Muschel ja doch „schöner“, weil wellenrauschender an 🙂

    Verfasst von simonsegur | 15. Januar 2017, 12:26
    • Die Auffassung, dass man das „Rauschen“ des eigenen Blutes u.ä. hören würde, hört man immer mal wieder. Stimmt aber nicht. Wenn man ein Installationsrohr oder ein Papprohr an einem schallreichen Ort (Empfangshalle, Lobby u.a.) ans Ohr hält, hört man sogar einen bestimmten Ton heraus, dessen Wellenlänge zum Länge der Röhre passt. Wenn man mehrere Rohre geeigneter Längen in einer schallreichen Umgebung aufstellt und im passenden Rhythmus und in der richtigen Reihenfolge sein Ohr von einer Rohröffnung zur nächsten bewegt, kann man sogar „Hänschen Klein…“ zum Tönen bringen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Januar 2017, 13:22
  2. Lieber Joachim,

    jetzt hast Du mir eine große Illusion genommen!😱😂🙈

    Nein, Nein, ich weiß schon, denn mit einem Glas oder einer Konservendose geht das auch, eben mit fast allen Hohlkörpern bzw. Resonanzkörper, Kann ich das so sagen! Mit dem Hohlkörper Mensch gehts auch, da kommen dann nur Mißtöne bzw. Schwachsinn raus!🙊😂😜

    Liebe Sonntagsgrüße Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 15. Januar 2017, 13:16
  3. schon ausprobiert? wenn man ein ast ende auf den grund eines fliessendes gewässer hält und das andere ast ende ans ohr hält, kann man sehr interessante töne wahrnehmen.

    Verfasst von Malabar | 16. Januar 2017, 15:08
  4. Es ist schon erstaunlich, meine Mutter erzählte mir ähnliches. Wir hatten zwar keine Muschel, aber ein riesengroßes Meerschneckenhaus im Wohnzimmer stehen und immer, wenn ich mein Ohr dran hielt, hörte ich dieses Rauschen, das Rauschen des Meeres, wie meine Mutter sagte.
    Und soll ich was sagen? Ich glaub immer noch daran, daß es das Rauschen des Meeres ist, weil ich da dran glauben will und weil es so schön ist 🙂

    Edgar

    Verfasst von seescho | 16. Januar 2017, 20:13
    • Und das ist auch gut so. Man soll sich die Kindheitsträume und -illusionen nicht nehmen lassen. Sie wirken ein ganzen Leben lang. Und wenn du mal am Meer eine Muschel findest und ans Ohr hältst, dann hörst du das Meeresrauschen auch in Übereinstimmunng mit der Physik. Gruß, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Januar 2017, 20:37

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