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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Kann man Bäume essen?

Wer in diesen Tagen durch einen Buchenwald geht, wird unweigerlich zwischen den verfaulenden Blättern und Bucheckern frisches Grün entdecken, das so gar nicht an die Blätter eines Baumes erinnert. Es sind die Keimlinge der Buchen, die aus den in den Bucheckern enthaltenen und von den Tieren (Wildschweine, Mäuse, Eichhörnchen u.a.) übriggelassenen Samen hervorgehen. Diese ersten Blätter, die in ihrem dunkleren Grün so gar nicht an die späteren Blätter erinnern, wie man sie von den Buchen her kennt, sollen essbar sein.
Insofern kann man die im Titel gestellte Frage positiv beantworten. Diese Erstblätter gelten sogar als eine Delikatesse. Ein Restzweifel bleibt bei mir. Als Kinder haben wir auch die Bucheckern mengenweise gegessen, weil sie als essbar galten und gut schmecken. Heute höre und lese ich jedoch, dass der übermäßige Genuss roher Bucheckern durch den Wirkstoff Fagin und Oxalsäure zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Zum Glück haben wir damals nichts davon gewusst und deshalb wohl auch nichts gemerkt.
Auf dem Foto  ist bei einigen Keimlingen bereits das nächste Blattpaar zu erkennen, das bereits deutlich an Buchenlaub erinnert. Leider ist allen diesen beherzt ins Leben schießenden Bäumchen ein schnelles Ende bestimmt. Denn der Blätterbelag samt der Keimlinge lagert auf einer Straße, die jemand vergessen hat, vom Laub zu berfreien.

Diskussionen

18 Gedanken zu “Kann man Bäume essen?

  1. Soweit geht leider nicht die Intelligenz des Keimlings. Er kann sicher manchem aus dem Wege gehen, aber nicht erkennen und bedenken, daß das eine zu räumende Strasse ist. Der Aufwand wäre denn auch zu groß, ausserdem waren ja auch Tiere beteiligt, die das für den Keimling „entschieden“.

    Verfasst von kopfundgestalt | 5. April 2020, 00:16
    • Anstatt einen „Apparat“ aufzubauen, der die Überlebenschancen von individuellen Keimlingen einzuschätzen, operiert die Natur mit der schieren Masse. Es müssen ja nur ein oder zwei Keimlinge aufgehen, um den Nachwuchs zu sichern. Ich erlebe das alljährlich beim Froschlaich. Irgendwann wimmelt es nur so von Kaulquappen, die winzigen Frösche/Kröten, die daraus hervorgehen, sind schon deutlich geringer in der Zahl und am Ende sind es nur einzelne Ausgewachsene, die den Teich verlassen und ihr Lebensglück versuchen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. April 2020, 09:32
  2. Dass man die Blätter des Feldahorn roh, als Gemüse gekocht oder gesäuert essen kann, ist völlig in Vergessenheit geraten.

    Verfasst von puzzleblume | 5. April 2020, 00:28
    • Das stimmt und gilt für viele Pflanzen und Früchte, die ich noch als Kind gegessen habe. Mir fällt zum Beispiel der Sauerampfer ein, von dem man heute gar nichts mehr hört. Meine Oma bereitete auch immer einen Brotaufstrich aus Quark und Brennesseln zu, den ich als sehr schmackhaft in Erinnerung habe. Manchmal werden diese Pflanzen wieder entdeckt, wie z.B. Giersch, der bei uns so massenhaft auftritt, dass er nicht einmal angepflanzt werden müsste.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. April 2020, 09:39
      • Es wurde mit steigendem Wohlstand nach der ersten Nachkriegszeit eine Ächtung als Notspeise über die Wildkräuterküche und auch über die Resteküche gebreitet, die übrig gebliebene Lebensmittel immer noch weiter verwendet hat – ist mein Gedanke dazu und meine Beobachtung im eigenen Familienkreis.
        Der Fokus auf käuflich zu erwerbende Kulturpflanzen (oder zumindest ihr Saatgut) als Wohlstandsymbol ganz bemerkenswert.

        Verfasst von puzzleblume | 5. April 2020, 09:59
  3. Bucheckern – leicht angeröstet – sind eine Köstlichkeit- sowohl so- über einen bunten Salat gestreut- als auch gepreßt- als frisches Öl. Lecker! Aber etwas zeitaufwändig 😬

    Verfasst von ele21 | 5. April 2020, 11:14
    • Dan klingt lecker. Aber – wie du schon sagst – der Aufwand ist immens. Das beginnt beim Sammel und hört bei Auspulen noch nicht auf. Außerdem ist der Ertrag natürlich sehr mickrig. Und da wir heute dafür keine Zeit mehr aufbringen wollen, bleibt es in den meisten Fällen bei den industriell vorgefertigten Produkten.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. April 2020, 12:48
      • Letzteres könnte sich schon bald ändern😷😀; ich verbinde das Sammeln gern mit nem Spaziergang und das Zubereiten hat was Meditatives. Lieben Gruß!

        Verfasst von ele21 | 5. April 2020, 13:03
  4. Ich weiss nicht, Joachim, ob ich mich trauen würde, diese Keimlinge zu essen. Mehr oder weniger deshalb, weil ich an die Anzahl von Hunden und anderen Tiere denke, die im Wald ihre Notdurft ausscheiden. 😉
    Viele Grüße von Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 5. April 2020, 12:03
    • Die Pflanzen vom Waldrand würde ich natürlich auch nicht nehmen. Aber in den Buchenwäldern selbst läuft man im Herbst manchmal durch mehrere Lagen Bucheckern. Aber wer nimmt sich heute die Zeit zum Aufsammeln und Auspulen? Aber ich lasse mir nicht nehmen, hin und wieder beim Wandern von der Hand in den Mund den vertrauten Geschmack der Kindheit für kurze Zeit zurückzuholen. Ich wünsche dir noch einen schönen Restsonntag und liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. April 2020, 12:54
      • Ja, das kann ich mir gut vorstellen, Joachim. Sei froh über diese Erinnerung. Mein Geschmack der Kindheit sind Omas Kartoffelpuffer und Kohlrouladen von meiner Mutter, leider nicht mehr zurückzuholen, da beide schon verstorben sind.
        Mein Partner pflückt auch gerne so dies und das im Wald auf, damit wir es essen können!
        Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 6. April 2020, 07:07
      • Ja, Erinnerung sind wichtig. Man lebt mit und in ihnen. Sie sind Teil von uns. Auch dir eine schöne Woche, zumindest das Wetter scheint da mitzuspielen. Liebe Grüße, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 6. April 2020, 09:02
      • Ja, Joachim, heute ist schönstes Wetter in Berlin und nach Beantwortung meiner Kommentare und Mails werde ich Radieren. Es ist gut, dass ich den Geruch von Lösungsmittel und Ölfarbe gleich wieder aus meiner Atelierwohnung herauslassen kann. Auf meinem großen Balkon kann ich mich anschliessend von der Arbeit gut erholen. 🙂
        Einen schönen Tag von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 7. April 2020, 07:57
      • Das hört sich doch gut an. Genieße es! LG, Joachim

        Verfasst von Joachim Schlichting | 7. April 2020, 09:48
  5. Das Schöne an der Kindheit ist eben auch, nicht alles zu wissen und trotzdem zu tun – um dann festzustellen, es funktioniert, ohne die Gefahren, von denen die Erwachsenen meinen, dass genau diese gegeben sind.

    Es ist ein bisschen, wie bei den Hummeln, die eigentlich gar nicht fliegen können, weil ihre Körper zu groß und zu schwer für die kleinen Flügel sind. Sie tun es aber trotzdem. Man erzählt, weil sie genau das nicht wissen.

    Herzlichst, das Licht

    Verfasst von das Licht | 8. April 2020, 18:54

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