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Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Auf dünnem Eis

Als Kinder freuten wir uns über zugefrorene Pfützen, um darauf zu glitschen bzw. zu schlittern. Pfützen mit weißen Eisschichten waren weniger geeignet, weil diese so dünn waren, dass man meist schon beim vorsichtigen Betreten einbrach.
Aus Ärger darüber und des schönen Geräusches wegen haben wir dann oft auch noch den Rest der Pfütze zertrampelt, sodass unsere Schuhe und manchmal auch noch die Hosen danach völlig verdreckt und damit Ärger zu Haus vorprogrammiert waren. Denn unter dem dünnen Eisbelag war meist noch feuchter Schlamm vorhanden, den der Frost noch nicht erreicht hatte.
Das Eis ist in manchen Pfützebn deshalb so dünn, weil das Wasser schneller versickert als die Eisschicht dicker wird. Schließlich reißt der Kontakt zur Wasseroberfläche. Auf diese Weise entsteht zwischen dem sinkenden Wasserniveau und der Eisschicht ein Hohlraum mit großer Luftfeuchte. Die reichlich vorhandenen Dampfmoleküle docken an der Unterseite der nunmehr frei gewordenen Eisschicht an und bilden eine Reifauflage. Wegen der Lufteinschlüsse des Reifs geht die Transparenz zugunsten eines Milchglasaussehens verloren. Deshalb gehören dünnes Eis und Intransparenz zusammen.
Aber ehrlich gesagt habe ich das Foto nicht nur deshalb gemacht um dies zu dokumentieren. Vielmehr fand ich die Eisschicht in ihrer reichhaltigen Strukturierung und der darin implizit enthaltenen Entstehungsgeschichte einfach naturschön. Leider werden wir solche Ansichten in Zukunft in unseren Breiten wohl immer seltener zu Gesicht bekommen.


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Diskussionen

16 Gedanken zu “Auf dünnem Eis

  1. Wir haben als Kinder nicht aus Ärger auf dem dünnen Eis getrampelt, sondern aus Freude an den knusprigen Zerbrechgeräuschen…

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    Verfasst von wildgans | 9. Januar 2023, 00:06
  2. nicht knusprig, es soll knistrig heißen!

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    Verfasst von wildgans | 9. Januar 2023, 00:07
  3. Ganz mag ich es nicht glauben mögen, dass es so kommt.

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    Verfasst von kopfundgestalt | 9. Januar 2023, 00:14
  4. Ja diese zugefrorene Pfütze mit ihrer Eisschicht ist „naturschön“.

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    Verfasst von Gisela Benseler | 9. Januar 2023, 07:40
  5. Wirklich wieder wunderschön. Manches erinnert ein wenig an Blätter.

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    Verfasst von Gisela Benseler | 9. Januar 2023, 07:41
  6. Wunderschön, lieber Joachim! Leider muss ich mich aus familiären Gründen vorläufig in der Blogwelt etwas rar machen. Alles Gute dir für das neue Jahr.

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    Verfasst von Ule Rolff | 9. Januar 2023, 19:19

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