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Marginalia

Zur Gestaltungskraft eines Sonnenuntergangs

abensdsonne_rvAbendsonne

Spitz der Winkel, schräg der Strahl,
Dennoch voll Gestaltungskraft
Malt die Sonne Berg und Tal
Mit verträumter Leidenschaft.

Dunkler wird, was dunkel war,
Heller leuchtet sattes Blau.
Wolkenweiß vergilbt sogar,
Kälte neigt zu mildem Lau.

Kurz nur zeigt sich dieses Spiel,
Kohlefarben wird das Grau.
Dann verschwimmt das Augenziel.
Ende einer großen Schau.

Ingo Baumgartner (1944 – 2015)

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Zur Gestaltungskraft eines Sonnenuntergangs

  1. Die spitz zulaufenden Strahlen führen direkt zur Sonne. Das ist insofern seltsam, weil die Sonne doch so weit weg ist. Eigentlich müßten die Strahlen doch nahezu parallel verlaufen.

    Verfasst von Wolfgang Schmidt | 3. Dezember 2017, 23:50
    • Stimmt! Die Strahlen sind auch tatsächlich fast parallel. Das scheinbare Auseinanderlaufen der Strahlen ist ein Perspektiveneffekt. Ähnlich wie Bahnschienen zum Horizont hin zu verschmelzen scheinen, sieht es so aus, als würden sich die durch die Lücken in den Wolken ausgeschnittenen Strahlenbünden einander annähern.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 4. Dezember 2017, 09:25
      • Für mich ist weiterhin erstaunlich, daß man sich so über die räumliche Ausdehnung täuschen läßt. Beim Schienenstrang lehrt uns die Erfahrung, daß die Schienen ´ewig´ so parallel bis weit hinter Sibirien weiterlaufen. Und von meiner Schulbildung ist auch so viel hängengeblieben, daß ich weiß – die liebe Sonne – so warm sie auch scheinen mag – sie hat ihren Standort nicht 1 km hinter den Wolken. Aber es sieht eben so aus.
        Ein interessanter Versuch fällt mir dazu ein: Mein Hobby ist die Stereo-Fotografie und Wolken und Gebirge sind aus dem Flugzeug leicht räumlich (3D) zu fotografieren. Was man braucht – ist ein sauberes Fenster und dann macht man mindestens 2 Fotos in derselben Richtung quer zur Flugrichtung. Per Computer lassen sich die beiden Teilbilder zu einem Stereo-Bild zusammenfügen, weil das Flugzeug inzwischen ein paar 100m geflogen ist. In ähnlicher Weise könnte man die gezeigte Wolkensituation mit den Lichtstrahlen – aber mit 2 Kameras – gleichzeitig fotografieren.
        Die Wolken selbst wirken dann plastisch und die Sonne steht eindeutig dahinter – aber ob sie auch sooo nah an den Wolken erscheint ??? – Ob die perspektivische Täuschung bei räumlicher Betrachtung auch so drastisch ist ?
        (Der Abstand sollte schon in der Größenordnung von 100…. 1000m sein, und beide Fotos müssen synchron, d.h. +/- 1s sein.) Sowas wollte ich eigentlich immer schon mal machen – aber es ist ein Fall für Zwei. Und Wetter braucht man auch dazu …. übrigens auch für einen Regenbogen. Ich wollte immer schon mal wissen, ob der definiert ortsfeste Brückenpfeiler hat…..
        sorry, bin etwas vom Thema abgekommen……
        LG Wolfgang

        Verfasst von Wolfgang Schmidt | 5. Dezember 2017, 19:38
      • Bei den Schienen wissen wir, dass sie nicht zusammenlaufen. Für die Entfernung der Sonne haben wir keine auch nur annähernd zutreffende Anschauung. Das wird einer der Gründe dafür sein, warum es uns so schwerfällt, die Divergenz der Strahlen als parallel anzusehen. Die Täuschung kann so groß sein, dass man manchmal sogar den Eindruck gewinnen kann, die Strahlen würden von der zwischen Beobachter und Horizont gelegenen Sonne zum Horizont hin auseinanderlaufen (Wasserziehen).
        Da die Lichtstreuung hauptsächlich in Vorwärtsrichtung erfolgt, erlebt man die Strahlen auch nur von vorn und von der Seite (Vorwärtsstreuung). Von hinten kann man sie nicht sehen. Wenn man sie sehen könnte, würden sie nicht weiter auseinanderlaufen, sondern wieder wie die Bahnschienen zusammenlaufen. Bei Baumkoronen hat man manchmal sogar den Eindruck, die Strahlen würden radial zu den Seiten weggehen und mit der Sonne nahezu in einer Ebene liegen (Baumkorona). Ich finde diese Täuschung deshalb so faszinierend, weil nur unser Verstand eine Korrektur vornehmen kann, nicht aber – wie bei den Bahnschienen – eine durch Erfahrung geschulte Anschauung.
        Die in deinen – im Übrigen sehr interessanten – Fotoexperimenten erzeugten 3D-Eindrücke sind ebenfalls massive Täuschungen unserer Wahrnehmung. Es funktioniert also auch in umgekehrter Richtung. Gruß Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 5. Dezember 2017, 21:27

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