//
Artikel Archiv

Farbe

Diese Schlagwort ist 118 Beiträgen zugeordnet

Farbenpracht zum 4. Advent durch einen Blick in die Röhre

In die Röhre zu blicken ist gemeinhin negativ konnotiert. Mit dem heutigen Foto zeige ich ein Beispiel, in dem das nicht so ist. Wir blicken in eine Röhre an deren entgegengesetzten Ende sich eine Blume befindet. Da die Röhre innen verspiegelt ist – sie besteht aus einer zusammengerollten Spiegelfolie – wird das von der Blume ausgehende Licht an der inneren Wandung der Röhre gespiegelt, und die Spiegelungen werden wieder gespiegelt und so fort.
Weiterlesen

Der Blick ins Blaue

Die fernen Berge versinken in einem hellen Blau. Dort irgendwo muss unser Ziel sein. Wir sind den Weg noch nicht gegangen, wir wissen nicht, was uns erwartet – wir gehen ins Blaue.
Ins Blaue gehen ist mit Unvorhersehbarkeiten, aber auch bewusster Planlosigkeit und dem damit verbundenen Wunsch nach Überraschungen verbunden.
Physikalisch gesehen ist das Blau der Ferne aus zahlreichen Streuvorgängen des Sonnenlichts an den Luftmolekülen hervorgegangen. Das Licht hat Wege zurückgelegt, die nicht zurück verfolgt werden können. Die ganze Erde ist von einem Blauschimmer umgeben – wir leben auf dem blauen Planeten.

Doch was steckt hinter dem Blau? Erwartet man etwas von ihm, wenn man ins Blaue geht oder fährt? Eine Antwort findet man in Kurt Tucholskys heiter melancholischer Sommergeschichte Schloss Gripsholm: „Dann blickten wir wieder zum Himmel auf. Da war nichts. Er lag glatt, blau und halbhell. Da war nichts.

In welches Blau blickt der Mensch auf dem Foto?


* Kurt Tucholsky. Schloss Gripsholm. Hamburg 2014, S. 56

Ein Zeichen am Himmel zum 2. Advent

In der Adventzeit neigen manche Menschen dazu, Zeichen am Himmel zu sehen. Das ist nicht neu. So wurde beispielsweise in meiner Kindheit die rote Abenddämmerung mit den Brot backenden Engeln in Verbindung gebracht. Und was ist es diesmal? Eine rote Fahne, die aus den Wolken heraus hängt (siehe Foto)? Eine gewisse Flatterhaftigkeit kann man ihr nicht absprechen. In der Struktur des Streifens könnte man aber auch die leuchtende Spur eines Objekts sehen, der sich rotierend auf einer Spiralbahn nach unten bewegt (hat). Oder ist es doch nur der Rest eines verwirbelten (verwirrten?) Kondensstreifens?
Bleiben wir mal dabei. Kondensstreifen entstehen nur unter bestimmten Bedingungen.  Dazu gehört u. A. eine genügend große Feuchte (Wasserdampfkonzentration). Es könnte also sein, dass diese Bedingung nur in dem Bereich ausreichend groß ist, in dem man den Streifen sieht. Dort haben sich genügend Wassertröpfchen bzw. Eiskristalle gebildet, an denen das Sonnenlicht gestreut und daher indirekt sichtbar wird. Die rote Farbe zeugt davon, dass die Sonne bereits untergegangen ist  oder zumindest sehr tief steht. Ihr Licht legt einen langen Weg durch die Atmosphäre zurück und hat durch mehrfache Streuvorgänge die kurzwelligen Lichtanteile verloren. Und die verbleibenden langwelligen Rotanteile erreichen auch nur noch höhere Himmelregionenen in dem sich der Kondensstreifenrest wie eine Fahne im Wind bewegt.
Die dunklen Wolken liegen niedriger als der beleuchtete Kondensstreifenrest. Sie werden nicht mehr vom Sonnenlicht erreicht und bilden mit ihrem die kommende Nacht präludierendem Schwarz einen eindrucksvollen Kontrast, der auch ohne brotbackende Engel sehr schön zum heutigen 2. Advent passt.

Rätselfoto des Monats Dezember 2020

Wie kommt es zu der doppelten Abbildung der Fenster?

.


Erklärung des Rätselfotos des Monats November 2020

Frage: Was haben Schneebeeren mit Schnee gemeinsam?

Antwort: Schneebeeren sind weiß und erinnern dadurch an den Schnee, mit dem sie die Farbe teilen. Die Namensgebung ist auch deshalb gerechtfertigt, weil die Beeren außer durch die Farbe weitere Bezüge zum Schnee haben.  Zum einen bleiben bis in den Winter hinein an den Ziersträuchern gleichen Namens (bot. Symphoricarpos albus) hängen. Auch wenn die Winter in unseren Breiten immer schneeärmer zu werden drohen, erinnern sie uns an die Farbe des Schnees.
Als Kinder hatten wir unseren Spaß mit den weißen Früchten. Wenn man sie zwischen Daumen  und Zeigefinger zerquetscht oder sie mit dem Fuß zertritt, geben sie einen vernehmlichen Knall von sich. Zum Knallen können sie sogar dadurch gebracht werden, dass man sie auf den Boden schleudert. Wir nannten sie wegen der Ähnlichkeit zum damals für Kinder zulässigen Silvesterknaller auch Knallerbsen.
Zum anderen verweisen die Schneebeeren mit ihrer weißen Farbe nicht nur äußerlich auf den Schnee. Auch die Farbentstehung ist in beiden Fällen ganz ähnlich. Die Frucht besteht nämlich wie der Schnee zum Teil aus luftgefüllten Hohlräumen. Das merkt man auch daran, dass sie im Vergleich zu gleich großen anderen Früchten äußerst leicht ist.
Wenn Licht in diese Hohlräume hinein gebrochen wird und dann auf das optisch dichtere Medium trifft, wird es vom Einfallslot weg gebrochen. Das führt ab einem bestimmten Einfallswinkel dazu, dass die gebrochenen Strahlen gar nicht mehr in die feste Substanz eindringen, sondern total reflektiert werden – das Licht wird also wie an einem Spiegel so gut wie unverändert zurückgeworfen. Abgesehen von geringen Absorptionsverlusten bei weiteren Reflexionen verlässt das Licht nur wenig geschwächt die Beere. Allerdings wird es der jeweiligen Form der Grenzflächen und der Zahl der Reflexionen entsprechend in verschiedene Richtungen reflektiert, sodass das einfallende Licht zu einem diffusen Weiß gemischt wird – der Farbe in der die Beere dann erscheint.
Wenn man die Schneebeere knallend zerdrückt, entweicht die Luft und wird durch die wässrige Substanz ersetzt. Sie erscheint dann glasig und teilweise bräunlich verfärbt. Die Luft ist also raus und damit die Luftnummer beendet.
Auch bei den an sich transparenten Eiskristallen, aus denen die Schneeflocken aufgebaut sind, wird das Licht nur zum Teil an den Kristallebenen reflektiert, zu einem anderen Teil dringt es zwischen die Verästelungen der Eiskristalle und wird beim Wiederaustritt an der Grenzfläche zu den lufterfüllten Zwischenräumen oberhalb des kritischen Winkels total reflektiert. Daher ist eine wesentliche physikalische Ursache der weißen Schneebeere dieselbe wie die des weißen Schnees.
Bei vielen weißen Blüten, zum Beispiel beim Buschwindröschen spielt die Totalreflexion ebenfalls eine wichtige Rolle.
Manchmal führt die Totalreflexion zu recht merkwürdigen Effekten, wie man sie beispielsweise beim Eindringen eines Laserstrahls in eine dünne Wasserschicht beobachten kann.

Christdorn als Fundstück zum 1. Advent

Beim Spaziergang durch den Wald stieß ich auf ein Fundstück der besonderen Art. Ein kleines Blatt war von einer Stechpalme abgefallen mitsamt sieben roter Beeren, die so stark leuchteten, dass dieses natürliche Phänobjekt nicht zu übersehen war. Ich dachte sofort an den bevorstehenden 1. Advent. Durch dieses farbige Zeichen soll er eine Richtung für die Adventzeit vorgeben, eine Zeit in der dem Dunklen des angehenden Winters einige farbige Aufhellungen gut tun würden.
Hinzu kommt, dass die durch die Anzahl der roten Kugeln ins Spiel gebrachte Zahl 7 bekanntlich gücklich macht (andere mathematische und  physikalische Aspekte wurden bereits in einem anderen Zusammenhang angesprochen) – ein weiteres gutes Zeichen. Bleibt nur noch zu klären, warum das auf meinem Schreibtisch aufgenommene Foto  farbige Schatten aufweist, nämlich blaue und orangefarbene.

Wandern in den Wolken…

Die Luft wird dünner, und manchmal ist der Wanderer von Wolken umgeben, und wenn sie zum Teppich werden, dann heißt das, daß sich vor ihm eine Schlucht auftut. Man geht über Grate, die einen halben Meter breit und fünfzehnhundert, achtzehnhundert, zweitausend Meter hoch sind, an Abgründen entlang. Die Hänge sind senkrecht, und der einzige Halt für den Fuß oder die Hand sind Wurzeln und Sträucher und manchmal ein fester Stein. Wenn man auf eine Hochfläche trifft, ist alles grün: sogar das Sonnenlicht ist grün. Der Boden ist mit einem grünen Pflanzenteppich  bedeckt, die Bäume, die Sträucher und das Buschwerk zeigen die gesamte Palette des Grün. Die Baumstämme sind mit Flechten bedeckt, die wie Grünspan aussehen, sich aber nass anfühlen: Diese grüne Wirklichkeit ist feucht. Von den Blättern tropfen unzählige Regenperlen, und wenn man auftritt, sinkt das Gras mit einem wässerigen Schmatzen ein. Auf den bemoosten Felsen sind flüssige Kristalle, und den Weg kreuzen kleine Rinnsale, Wasseradern. Die Temperatur liegt wenige Grade über Null, und das Licht dringt kaum durchs Blattwerk. Auf einer Lichtung taucht ein Wolkenfetzen auf, und die Sonne zerreißt ihn, und an dem Sonnenstrahl klettert eine Dunstspirale empor. Es regt sich kein Lüftchen, doch ab und zu spürt man einen kalten Windstoß. Ganz weit dort unten ist zu beiden Seiten das graue Meer und zur dritten Seite hin sieht (es) grau aus.*

 


* Guillermo Cabrera Infante. Ansicht der Tropen im Morgengrauen. Frankfurt 1992, S. 94

Wenn das Licht von den Bäumen fällt…

… dann beginnt der Spätherbst. So ist jedenfalls mein Eindruck. Und der wird durch zahlreiche Beispiele untermauert. Beim Blätterfall dieses Ginkgo-Baum (Foto) war mir, als fielen einzelne Lichter herab und erleuchteten anschließend den Boden. Mir erscheint ein kräftiges Gelb in typisch herbstlicher Umgebung oft als leuchtete es aus sich heraus.

Grüne Blätter im Herbst

Hier hat es ein Baum nicht nötig wie die Nachbarn die Energie aus dem Blattgrün in Sicherheit zu bringen. Er lässt die Blätter fallen so wie sie sind. Die grünen Farbtupfer im vorherrschenden Gelb und Rot haben jedoch einen ästhetischen Reiz.

Schwelgen im Blau

Blau, ein Amalgam, in dem sich das Beständige mit dem Beweglichen, die Erwartung mit dem Sprung mischt.*

Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.**


* Thierry Fabre (*1960), französischer Essayist
** Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Stillleben mit zwei Kieselsteinen oder Strukturbildung am Strand

So still wie es auf dem Foto erscheint war es nicht, als ich bei Sonnenuntergang diese ästhetisch ansprechende und physikalisch interessante Aufnahme machte. Denn die Steine liegen am leicht geneigten Meeresufer im Einflussbereich der ein- und auslaufenden Meereswellen.
Indem sie dem fließenden Wasser einen Widerstand entgegensetzen, beeinflussen sie die Strömung und führen zu einer interessanten Struktur. Das von oben zurückströmende Wasser wird um die Steine herum gezwungen und dabei beschleunigt. Es geht also etwas turbulenter zu, dass Sand mitgerissen wird und eine Vertiefung entsteht. Hinter den Steinen vereinigen sich die Strömungen und werden wieder langsamer. Dadurch sedimentiert der mitgerissenes Sand.
Weil der Sand an diesem Strand aus einer Mischung aus leichten hellen und schweren schwarzen Körnern besteht, setzen sich als erste die schwarzen Körner ab und hinterlassen eine entsprechend eingefärbte Spur, die durch lokale Verwirbelungen beeinflusst wird.

Auch optisch ist die Situation interessant. Das von rechts einfallende rötliche Licht der tiefstehenden Sonne gibt dem an sich weiß-schwarzen Sand einen leichten roten Teint. Ähnlich ergeht es der der Sonne zugewandten Seite des rechten Steins. Alles was im Schatten liegt nimmt jedoch eine leicht blaue Färbung an. Bei den schwarzen Steinen ist dies sehr deutlich. Auch der Schatten, den sie werfen ist leicht bläulich. In diesen vom Sonnenlicht nicht beleuchteten Bereichen wird allein das blaue Himmelslicht reflektiert. Der Kontrast macht den Unterschied sehr deutlich.

Gestaffelte Schatten eines Schmetterlings

Ein Schatten ist so gut wie niemals ein Gebiet mit völliger Abwesenheit von Licht. Auf diesem Foto fällt die Sonne gerade so ein, dass die Flügel eines Kohlweißlings mehrere Streifen unterschiedlich dunkler Schatten werfen. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was hier materiell und was nur virtuell ist. Weiterlesen

Wie macht der Kohlweißling sein Weiß?

Immer wenn ich den Kohlweißling (Pieris rapae) beobachte, bin ich von seinem makellosem Weiß und dem effektvoll kontrastierenden schwarzen Punkt auf seinen Flügeln beeindruckt. Nachdem ich mir an einigen anderen Beispielen (z.B. hier und hier) klar gemacht habe, dass hinter der Weißheit meist keine Licht absorbierenden Pigmente, sondern andere physikalische Vorgänge stehen, bin ich der Sache etwas auf den Grund gegangen.
Farben von Gegenständen entstehen dadurch, dass sie von weißem Licht, z.B. Sonnenlicht, bestrahlt werden, mit dem Licht in Wechselwirkung treten und die nicht absorbierten Anteile wieder ausstrahlen. Die Wechselwirkungen bestehen zum einen darin, dass Pigmente einzelne Wellenlangen des weißen Lichts absorbieren und die Komplementärfarbe als Farbe des Gegenstands wieder aussenden. Zum anderen können sie aber auch von der Struktur des Gegenstands mitbestimmt werden, indem das einfallende Licht durch Interferenz, Beugung und/oder Streuung modifiziert wird. Dabei spielen strukturelle Variationen der Materialien eine entscheidende Rolle.
Bei der Farbentstehung der Schmetterlingsflügel spielt die Struktur der Schuppen, die nach einem allgemeinenen Bauplan in einem mehr oder weniger regelmäßigen Muster angeordnet sind, eine wichtige Rolle.  Die Struktur der weißen Flügelschuppen des Kohlweißlings unterscheidet sich in charaktereistischer Weise von der anderer Schmetterlinge. An rasterelektronenmikroskopischen Aufnahmen* erkennt man, dass die Kreuzrippen dicht mit eiförmigen Perlen verziert sind. Diese Perlen streuen das einfallende Licht in alle Richtungen und erhöhen das Reflexionsvermögen der Flügel für alle Wellenlängen, sodass ein kräftiges Weiß entsteht (siehe untere Abbildung rechts). Im Bereich des charakteristischen schwarzen Flecks des Schmetterlings fehlen diese Perlen, sodass das einfallende Licht weitgehend absorbiert wird und er schwarz erscheint (untere Abbildung links).
Weitere Mechanismen für die Erzeugung der Farbe Weiß in der Natur findet man z.B. beim Schnee, der Blüte des Buschwindröschens und der Schneebeere.


Quelle
* Stavenga D.G., Stowe S., Siebke K., Zeil J. und Arikawa K.. Butterfly wing colours: scale beads make white pierid wings brighter. Proc. Roy. Soc. Lond. B 271 (1548), 1577–1584 (2004)

Farbige Schatten am Abend

Am frühen Abend am Schreibtisch sitzend liegt eine Perle vor mir. Dass sie dort liegt wird mir eigentlich erst bewusst, als ich die Schreibtischleuchte anknipse. Ab diesem Moment schmückt sich die unscheinbare Perle mit zwei voneinander getrennten Schatten. Klar, der eine rührt vom Tageslicht her, das frontal durch das Fenster fällt und der andere von der Glühlampe. Und da das Licht aus jeweils unterschiedlicher Richtung kommt, sind die Schatten weitgehend getrennt. Weiterlesen

Ein Blick in die Blätter

Wenn man von einem Blick in die Blätter spricht, denkt man meist an Zeitungen und Zeitschriften und nicht daran, dass man in und durch die Blätter eines Baumes zum Himmel blickt. Auch dabei gibt es oft viel zu erfahren. Beim hier dargestellten Blick haben mich vor allem die elegante Form des Ausschnitts und die durchscheinenden roten Blätter beeindruckt verbunden mit der Frage, wo denn das Blattgrün bleibt, das für die Fotosynthese unabdingbar ist.
Pflanzen mit roten Blättern besitzen ebenso das grüne Chlorophyll wie andere grüne Blätter. Es wird lediglich durch den pflanzlichen Farbstoff Anthocyanin visuell überdeckt. Dieser ist übrigens auch in der Farbe von Erdbeeren, Kirschen u. A. enthalten. Daran erkennt man, dass das Sonnenlicht die Blätter durchdingt und die fotosynthetisierenden Zellen im Blattinnern immer noch an die Sonnenenergie herankommen.

Blattblätter – eine Form der Variegation

Dass Blätter in ihrer Farbe changieren können (nicht nur im Herbst) kennt man, dass aber Blätter der Form nach ein weiteres Blatt mit stark unterschiedlicher Farbe tragen können, dürfte weniger bekannt sein. Jedenfalls war ich erstaunt als ich einen Baum mit derartigen Mustern vorfand. Dabei sind solche Verfärbungen bekannt. Man spricht von panaschierten Blättern (frz. panacher „farbig machen, mischen“). Dieses Phänomen kann natürlicherweise auftreten, wobei die Farben meist zwischen grün und weiß changieren. Die Biologen sehen darin die Funktion Insekten anzulocken. Weiterlesen

Kürbiskernöl – kulinarisch und optisch beeindruckend

Kürbiskernöl ist eine kulinarische Spezialität der Steiermark und wird aus dem Steirischen Ölkürbis (Cucurbita pepo var. styriaca) hergestellt (unteres Foto). Dieser hat anstelle der verholzten Samenschale bei anderen Kürbissen nur ein dünnes Häutchen, sodass es vergleichsweise leicht gepresst werden kann.
Interessant ist allerdings nicht nur der kulinarische Aspekt des Öls, sondern auch der physikalische, der sich in einem interessanten optischen Verhalten der Flüssigkeit äußert: In der Flasche oder als dickere Schicht ist das Öl dunkelrot bis braun, während es als dünne Schicht, wie sie beispielsweise beim Anrichten von Salat oder auf einem Uhrglas auftritt, eine grüne Färbung annimmt (oberes Foto). Das ist erstaunlich, weil man durch die Veränderung der Schichtdicke einer Substanz normalerweise lediglich eine Änderung in der Helligkeit und Farbsättigung erwartet aber keine völlig andere Farbe. Weiterlesen

Weiße Blüten durch Totalreflexion

Buschwindröschen erfreuen uns vor allem in der Zeit, in der die Bäume noch kein Laub haben und die Sonne den Waldboden erreicht, wo sie vornehmlich wachsen und blühen. Später, wenn das Blätterdach der Bäume so dicht ist, dass nur noch wenig Licht zu ihnen vordringt, verziehen sie sich in die dunkle Unterwelt des Rhizoms, in dem die während der kurzen Vegetationsperiode erworbenen Nährstoffe für das nächste Frühjahr gespeichert werden. Weiterlesen

Grün wie Mondschein

Dass Schriftsteller oft naturwissenschaftliche Zusammenhänge benutzen, um bestimmte Situationen zu gestalten, dürfte bekannt sein. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, dass man möglichst sachkundig erscheinen und dem jeweiligen Sachverhalt eine naturwissenschaftliche Dignität verleihen möchte – falls es so etwas gibt. Weiterlesen

Nicht nur auf der Mauer auf der Lauer…

Der Frühling ist im vollen Gange. Die ersten Frühblüher, wie hier der Huflattich, haben bereits ihr Greisenstadium erreicht und sind weißhaarig geworden. Dieses grazil strukturierte Weiß bildet einen schönen Hintergrund für die Beerenwanze, die sich ohne eine Spur zu hinterlassen über die filigranen Haare hinweg bewegt.
Das an sich graubraune Tierchen beeindruckt durch ihre rötlich violetten Deckflügel und ihr helles Schildchen. Vor dem hellen Hintergrund kamen mir die Fühler im ersten Moment wie zwei gestrichelte Linien vor. Alles in allem ein schöner Anblick. Anders als ihre grüne Artgenossin, die grüne Stinkwanze, stänkert sie nicht herum.
Wanzen in ihrer großen Vielfalt sind zwiespältige Geschöpfe. Zwischen äußerer und äußerster Schönheit – und sei es nur durch ein goldschimmerndes Schild – und geradezu vampirartigem Verhalten – man denke nur an die berühmt berüchtigte Bettwanze – sind sie immer wieder zu Überraschungen gut. Schon als Kind lernte ich die Wanze in einem merkwürdigen Lied kennen, das erst dann zuende gesungen war, wenn man die W-A-N-Z-E Buchstabe für Buchstabe getilgt hatte. Damals war ich froh, dass Wanze nur aus fünf Buchstaben besteht. Nimmt man schließlich noch ihre elektronischen Abkömmlinge hinzu, so zeigt sie sich von einer weiteren unangenehmen Seite.

Fundstück 6 – Steinschicht im Steinbruch

Von Zeit zu Zeit besuche ich einen in der Nähe gelegenen seit langem stillgelegten und bereits teilweise von der Natur zurückeroberten ehemaligen Steinbruch. Er besteht an einigen Stellen aus Steinschichten, die man nahezu ohne Hilfsmittel abheben kann. Vermutlich Sedimente eines vorzeitlichen Strandes, der noch nicht von Menschen besucht wurde. Einige der freigelegten Stellen offenbaren sehr schöne Muster. Um die Farben besser zum Vorschein zu bringen, habe ich die vorliegende Platte vorher gewässert (siehe Foto). So wird daraus ein steinernes Kunstwerk.

Die Farbe Rot

Schönes Rot, Farbe der Jugend, der Leidenschaft, der Glut. Rotsehen, darin steckt auch die Vorstellung, der Stier reagiere auf Rot, tatsächlich kann er Rot gar nicht sehen, nur das Dunkle, die Bewegung des Tuchs, der Capa. Rot ist die Farbe, die am häufigsten in den Fahnen der Staaten auftaucht, ohne Zusatz, als reines Rot, ist es die Fahne der Revolution, der Linken, der französischen Commune. Farbe des Lebens, der Veränderung. Schönes Rot. In Schwarzafrika ist es das Rot, das aus Früchten gewonnen wird, mit dem sich die Mädchen, wenn sie ihre erste Menstruation bekommen, am Abend vor der Heirat und bei der Geburt des ersten Kindes Gesicht und Körper bemalen. Kirschrot, Himbeerrot, Erdbeerrot. Das Süße, Saftige verbindet sich mit dieser Farbe, eine Synästhesie, die sich durch Versuche belegen läßt. Kirschrot wirkt speichelbildend mit dem Geschmack der Süße. Im Russischen und im Arabischen ist das Wort rot gleichbedeutend mit schön. Blau ist die Farbe des Himmels, der Distanz. Nicht zufällig hat sich Blaustrumpf durchgesetzt. Hingegen zieht Rot als Kleidung wie keine andere Farbe die Aufmerksamkeit an, insbesondere wenn die Trägerin blond oder schwarzhaarig ist. Man kann blau sein, aber nicht rot, es sei denn durch einen Sonnenbrand. Man kann ein Roter sein, aber kein Blauer, jedoch kann man blaumachen und dann dafür einen blauen Brief bekommen. Feelin‘ blue – das Fest ist vorüber, kein Rot in Sicht. Mann kann rotsehen, aber wer blau sieht, meint nur die Farbe, anders wer schwarzseiht, was noch eine zusätzliche Bedeutung hat. Schönes Rot, das sich nicht fotokopieren läßt.*

Eine Tulpe, die mangels Wasser ihre Steifigkeit verliert und sich mit der schweren Blüte der Schwerkraft folgend zum Tisch mit der weißen Decke neigt. Sie wird vom Sonnenlicht angestrahlt, sodass sie einen Schatten wirft. Der Schatten ist aber nicht dunkel. Da die Blütenblätter nicht nur rotes Licht reflektieren, sondern es auch wenigstens teilweise durchlassen, wird der Schatten rot eingefärbt. Hier sieht man unmittelbar wie Farben entstehen: ein Teil der Farben des weißen Lichts wird absorbiert und der Rest, der dem Gegenstand die Farbe verleiht wird emittiert. In diesem Fall sogar durch den Gegenstand hindurch. Schatten als Abwesenheit von Licht ist nur in der Definition perfekt.


* Uwe Timm. Rot. Köln 2001, S. 88

Prismatische Zerlegung eines Sonnentalers

Der farbige Sonnentaler tanzt mir schon wieder vor der Nase herum und fordert mich geradezu heraus, etwas mit ihm anzustellen. Vor einiger Zeit legte ich drei aus einem anderen Experiment stammende Glasmurmeln in den Lichtfleck. Diesmal habe ich eine hexagonales Prisma zur Hand, das ich mitten in das farbige Lichtgewusel hineinstelle. Ich staune nicht schlecht, wie sich die Dinge ändern: In das farbige Runde mischt sich das geometrisch Gerade hinein. Das bunte Licht wird den Facetten des Glasobjekts entsprechend in vielfacher Weise reflektiert, gebrochen und teilweise sortiert.
Aber auch das Glasobjekt sieht ganz anders aus. Und wenn ich nicht wüsste, wie es beschaffen ist, hätte ich vermutlich Schwierigkeiten, es in seinem Originalaussehen zu erkennen.

Was Goethe wohl dazu gesagt hätte? Gegen die Newtonsche Farbenlehre dichtete u.A. mit folgenden Reimen an:

Ist erst eine dunkle Kammer gemacht
Und finstrer als eine ägyptische Nacht,
Durch ein gar winzig Löchlein bringe
Den feinsten Sonnenstrahl herein,
Dass er dann durch das Prisma dringe:
Alsbald wird er gebrochen sein.
Aufgedröselt bei meiner Ehr‘
Siehst ihn, als ob’s ein Stricklein wär‘,
Siebenfarbig statt weiß, oval statt rund.
Glaube hierher des Lehrers Mund:
Was sich hier auseinander reckt,
Das hat alles in Einem gesteckt.
Und dir, wie manchem seit hundert Jahr,
Wächst darüber kein graues Haar.*


* Johann Wolfgang von Goethe. Aus: Sprüche in Reimen – Zahme Xenien. VII.

Verdopplung des Regenbogens durch die reflektierte Sonne

Wenn man ein solches Szenario erlebt, wie es Stefan Thierfeldt auf den Fotos festgehalten hat, glaubt man für einen Moment die Welt nicht mehr zu verstehen. Das normale Regenbogenpaar bestehend aus einem Regenbogen 1. Ordnung und dem lichtschwächeren Bogen 2. Ordnung wird überwölbt von einem weiteren lichtschwächeren Regenbogenpaar.
Ein Regenbogen rundet sich normalerweise kreisförmig um den Sonnengegenpunkt (auch Antisolarpunkt genannt). Dabei handelt es sich um einen abstrakten Punkt auf der Himmelskugel, der Sonne direkt gegenüber. Man kann den Punkt leicht finden, wenn man seinen Schatten betrachtet. Er liegt etwa dort im Schattenkopf, wo sich unsere Augen befinden. Damit ist auch klar, dass dieser Punkt vom Beobachter abhängt. Wenn er sich fortbewegt, gehen der Antisolarpunkt und der Regenbogen mit ihm mit. Jeder Beobachter hat also seinen eigenen Regenbogen. Weiterlesen

Blau wie das Meer

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 3 (2020), S. 66

Mit tausend Augen blickte der Fluß ihn an,
mit grünen, mit weißen,
mit kristallnen, mit himmelsblauen
Hermann Hesse (1877–1962)

Im Alltag erscheint uns Wasser völlig transparent. Tatsächlich hat es eine blaue Eigenfarbe – doch die bemerkt man erst beim Blick durch dicke Schichten. Zusätzlich verändern Reflexionen und Schwebeteilchen den optischen Eindruck.
Weiterlesen

Ein geschminkter Baum

Ein Gemeinschaftswerk von Natur und Mensch.

Die Ruhe nach dem Hagel

Hagelkörner sind so viel anders als Schneeflocken. Sie sind hart und können ab einer gewissen Größe nicht nur schmerzhaft werden, sondern sogar zu größeren Schäden führen. Als sie gestern bei relativ starken Winden auf die Terrasse fielen hüpften sie wie winzige Bälle umher bevor sie auf diese Weise ihre Bewegungsenergie abgegeben hatten und liegen blieben.
Hagel entsteht in Gewitterwolken, indem unterkühles Wasser an Kristallisationskernen gefriert. Dabei wird Kristallisationsenergie an die Umgebung abgegeben, wodurch die normalerweise gegebene Temperaturschichtung innerhalb der Wolke labil wird und mehr oder weniger starke Aufwinde angetrieben werden. Weiterlesen

Rätselfoto des Monats Januar 2020

Warum bilden sich statt einer homogenen Eisschicht dendritischen Eisblumen auf der Fensterscheibe?

Weiterlesen

Blau-bleu-blue

Blau? Das ist für mich die Farbe meiner Träume.

Joan Miro (1893 – 1983)

Steine: Schön strukturierte Pflastersteine

Beim Flanieren in Städten ist meine Aufmerksamkeit nicht nur auf Menschen und Gebäude gerichtet. Auch der steinerne Belag von Fußböden und Bürgersteigen gehören dazu. Es ist erstaunlich, wie viele Informationen in diesen Nebensächlichkeiten stecken, ganz abgesehen davon, dass man ihnen nicht selten auch ästhetische Aspekte abgewinnen kann (siehe auch hier und hier und hier und hier und hier). Weiterlesen

Reines Wasser ist blau

Wasser ist transparent und farblos. Das ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man ein Glas Wasser trinkt oder unter der Dusche steht.
Vom Strand aus betrachtet sieht es so aus, als sei das Wasser blau oder blaugrün.
Angesichts dieser Diskrepanz beruhigt man sich vielleicht damit, dass das Meerwasser an sich ebenfalls farblos ist und nur durch die Reflexion des Himmelslichts blau wird oder bei Sonnenuntergang auch mal rot.
Was ist nun richtig? Weiterlesen

Am Rande des schwarzen Lochs…

… ergeht sich die Natur noch einmal in den schönsten Spektralfarben, sortiert nach der Wellenlänge des Lichts. Könnte man angesichts des Fotos meinen – aber es ist viel profaner. Als ich im Anschluss an eine größere Feier die Warmhaltebehälter reinige, fällt mir auf, dass die von den Flammen der Brennpaste berußten Stellen von brillanten Farbringen umgeben sind. Wie entsteht eine solche Kolorierung? Weiterlesen

Trost der Farben…

Manchmal landest du im Urlaub in Bettenburgen, die im deutlichen Kontrast zum Hinterland des touristischen Ortes stehen, das du in diesen vierzehn Tagen erwandern möchtest. Und wenn du dann nach einer ganztägigen Tour erschöpft in die Unterkunft kommst und dadurch milde gestimmt noch einmal auf den Balkon gehst, gelingt es auch dem touristischen Ambiente einige ästhetische Aspekte abzugewinnen.
Die vor dem Hintergrund des blauen Meeres und Himmels in dazu beinahe komplementären Farben erleuchteten Balkone wirken für diesen Moment wie ein abstraktes Kunstwerk. Sie rücken plötzlich ohne eigenes Zutun und entgegen der Erwartung in dein Gesichtsfeld und runden einen von den Eindrücken der Natur geprägten Wandertag eindrucksvoll ab.

Wenn Blüten zu Lampen werden

Ich bin immer wieder fasziniert von Blüten, die im Licht der Sonne zum Leuchten angeregt werden, wie hier das noch in prächtigen Farben blühende Springkraut. Solange es noch nicht sein letztes Pulver verschossen hat – es ist immer wieder eine faszinierende Erfahrung, die kleinen Körnchen zum Spingen zu bringen – kann man sich bis in den Herbst hinein daran erfreuen.
Diese Aufnahme wurde vor ein paar Tagen im Lichte der tiefstehenden Herbstsonne gemacht.

Herbstfarben

Ach, daß ein solches Farben-Spiel
Uns doch ins Hertz, durchs Auge, fallen möchte!

Barthold Heinrich Brockes (1680 – 1747)

Poesie ist Illusion, sagt man. Wohl. Aber ists die Farbe und der Ton weniger? Warum denn gerade an die Poesie den plumpen realistischen Maßstab legen, den man Malern und Musikern läßt?

Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

Die prächtigen Blätter stammen übrigens von der Zaubernuss, einem Strauch, der die weitere Besonderheit aufweist, im Winter mit kräftig gelben Blüten meist noch vor dem Blattaustrieb zu blühen.

 

Zur „Weißheit“ des Seifenschaums

In einem kürzlich gesendeten Beitrag im Rahmen der Sendung mit der Maus wird für die Kinder erklärt, warum Seifenblasen weiß erscheinen, obwohl die einzelnen Blasen durchsichtig sind. Die Erklärung geht so, dass eine zunächst ebenfalls transparente Glasscheibe zertrümmert und zerbröselt wird, bis auch dieses Glasgranulat weiß aussieht. Ein Schulkind fragte mich daraufhin mit Recht: Und warum ist zerstoßenes Glas weiß? Um die Sache auf die Spitze zu treiben antwortete ich spaßeshalber: Das ist wie beim Seifenschaum, je kleiner die Bläschen, desto weißer erscheint der Schaum. Weiterlesen

Photoarchiv