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Farbe

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Klatschmohn – Vom grünen zum gelben Hintergrund

Im Jahr des Klatschmohns (Papaver rhoeas) 2017 sehe ich immer noch rot, auch wenn der Hintergrund des Getreidefeldes bereits vom Grün zum Gelb gewechselt hat (siehe Foto). Obwohl dieser windige Sommer die zarten, seidenpapiernen Blütenblätter ganz schön aneinander klatschen lässt und damit die Blume zwingt, ihrem Namen alle Ehre zu machen, scheint sie diese Anfechtungen ohne Verlust des Ansehens locker wegzustecken. Es ist als gelte es, nach den sanfteren Eigenschaften des Rots wie Freude und Wärme nun auch die der Leidenschaft und der Aggression zu demonstrieren. Weiterlesen

Lavendel im Regen

Sie sind kaum wiederzuerkennen, die Lavendelblüten. Sie wirken etwas unnatürlich großzügig gerundet, aber auch ungewöhnlich kräftig in der Farbe. Regentropfen haben die feinen Zwischenräume überbrückt und leuchten nun ihrerseits wie kleine Lampen im typischen Blau-violett des Lavendel. Die Farbe wirkt kräftiger und gesättigter als im Normalfall. Weiterlesen

„Unkraut“ des Jahres 2017

Ich erwähnte es bereits, dass der Klatschmohn, Blume des Jahres 2017 ist, obwohl (oder weil?) sie zu den Unkräutern zählt. Wäre da nicht die Vorsilbe „Un“, die den Ruf dieser Blume bei vielen Menschen allein schon dadurch ruiniert und auf diese Weise den Geist des Kleingärtners ins allgemeine Bewusstsein eindringen lässt, so ginge es dieser selten gewordenen Spezies wesentlich besser. Weiterlesen

Klatschmohn, Kornblume und Kamille – Unkräuter der Lebensfreude

Was berührt uns, wenn wir diese Komposition aus Wildblumen und Getreide wahrnehmen? Man weiß, dass Farben in bestimmter Zusammensetzung und Anordnung nicht ohne Wirkung auf unser Gemüt sind. Besonders die Kombination der Farben rot, weiß und blau fällt dabei immer wieder auf. In dieser Zusammensetzung trifft man besonders oft die weiße Kamille, die blaue Kornblume und den roten Klatschmohn, der Blume des Jahres 2017, meist vor dem Hintergrund eines grünen oder bereits gelben Kornfeldes. In einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel „Blau & rot & weiß blühende Unkrautarten: Symbolik für Natürlichkeit und Kraft der Natur in Kunst und Kultur, Alltag und Werbung“ von Thomas Eggers findet man einige  Antworten auf diese Frage. In der Zusammenfassung heißt es dort:

In Blau, der Farbe der Ruhe und Zufriedenheit, zusammen mit dem kraftvollen Rot der Lebensfreude und Weiß als Farbe der Unschuld und Sauberkeit muss ein reizvoller Beweggrund, eine hohe Attraktivität liegen, so dass diese Farbenkombination in vielen Lebensbereichen gewählt wird, Harmonie und Verlässlichkeit ausstrahlend. Der starke Dualismus Rot gegen Weiß wird durch das Blau gemildert.
Mit der Farbenkombination der blauen Blüten von Centaurea cyanus, der roten Blüten von Papaver rhoeas oder P. dubium und der weißen Blüten von Matricaria recutita bzw. Tripleuro spermum inodorum wird dieses 3-Klang-Thema vielfältig aufgegriffen, in Büchern, nicht nur naturkundlichen, auf Gemälden, im Kunstgewerbe, auch auf Gebrauchsgegenständen und in der Werbung auf Verpackungen von Lebensmitteln, hier vermutlich oft unterschwellig zum Kauf anreizend wirksam.

Klatschmohnrot im Sommer 2017

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Ton in Ton

Beobachterbeobachter

„Ringsum nichts als Sand, die rötlichen Gebirge in der Ferne, ferner als man vorher geschätzt hat, vor allem Sand und nochmals Sand, gelblich, das Flimmern der heißen Luft darüber, Luft wie flüssiges Gas“ (Max Frisch. Homo  Faber). Und mittendrin eine, die ihr Outfit der überwiegenden Farbe angepasst und nun gefangen im überbordenden Gelbton die Rückwirkung auf sich zu spüren scheint. Jedenfalls stand sie sehr lange bewegungslos an diesem Schnittpunkt zweier Grenzlinien.

 

 

Die Naturschönheit der Welt

Was anderes treibt dich, oh Mensch, deine Behausung in der Stadt zu verlassen, von den Freunden und Verwandten zu scheiden und über Berge und Wälder durch ländliche Orte zu schweifen, als die Naturschönheit der Welt, die du, wenn du’s genau bedenkst, nur mit den Augen genießen kannst?

Leonardo da Vinci (1452 – 1519)

Vom Sonnenuntergang durchflammt

Springbrunnen_opalAls wir gehen und einen letzten Blick durch den Bogen des Schlosstors werfen, ist der ganze Regen des großen Springbrunnens vom Sonnenuntergang durchflammt, wie ein Opal im Feuerschein.

Edmond und Jules de Goncourt: Tagebücher. Frankfurt: Insel Verlag 1996. Weiterlesen

Das erste Grün der Natur ist Gold*

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt; – der grüne Schein
Soll meine Zuversicht
Und liebe Ruhe sein.

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt. Wir leben so
Im leisen Auf und Ab
Und sind des Schwebens froh.

Vor meinem Fenster weht
Ein Blatt. Mir ist so gut.
Komm an mein Herz, du Grün,
Das solche Wunder tut.

Otto Julius Bierbaum (1865 – 1910)

*Natur’s first green is gold
The hardest to hold

Robert Frost (1874 – 1963)

Welche Wunder tut das Grün? Ich weiß es nicht. Jedenfalls kann man sich dem frischen Grün im Frühjahr kaum entziehen. Spüren wir vielleicht intuitiv, dass das Blattgrün für Energie steht, für Umwandlung von Sonnenenergie in chemische Energie der Pflanzen, die wiederum Grundlage für (fast) alles Leben auf der Erde ist? Jedenfalls stammt das Wort „grün“ vom althochdeutschen Wort „gruoen“ ab, was soviel wie „wachsen“, „sprießen“, „gedeihen“ bedeutet.
Und wer (fast) alles über Grün wissen will, dem empfehle ich das Büchlein „Grün“ von Alexander Theroux. (Hamburg 2000).

Blauschimmernde Löwenzahn-Fallschirme kurz vor dem Start

Loewenzahn_unter_blauem_HimBei bedecktem oder blauem Himmel im Schatten gibt es kein reines Weiß. Denn woher sollte es kommen. Der blaue Himmel sendet blaues Licht aus und Gegenstände, die alle Wellenlängen reflektieren, im weißen Sonnenlicht daher auch weiß aussehen, nehmen einen leichten Blauschimmer an. Das sieht man meistens nicht und ärgert sich vielleicht auch noch, wenn die Kamera nicht den gewünschten Weißabgleich vornimmt. Im vorliegenden Fall war mir das bläuliche Leuchten der ansonsten schneeweißen Fallschirmchen mit den daran hängenden Samen des Löwenzahns aufgefallen.
Besonders gut lässt sich die Blaufärbung bei Schnee im Schatten erkennen, weil man dann im Kontrast dazu auch noch den wirklich weißen Schnee im Lichte der Sonne sehen kann.

Frühlingsfarben – Rapsgelb

rapsgelb_rvDraußen war alles beim alten. Gelbe Rapsfelder legten sich in den Wind, darüber tupfte der Himmel sein abgedunkeltes Blau über die Quellwolken, bis sie langsam verschwanden. Das Licht schlug in regelmäßigen Abständen gegen den Zug, aber die Farben rutschten an der glatten Oberfläche des Waggons ab, krallten sich einen Moment lang ans Fenster, verschwanden (Guy Helminger. Etwas fehlt immer. Berlin 2007).

Rapsgelb ist eine der ersten intensiven Farben des Jahres, die großflächig und unübersehbar in Erscheinung tritt. Sie scheint uns zu versichern, dass jetzt die helle Jahreszeit die Oberhand gewinnt. Die Farbe wirkt aber nicht nur auf Menschen. Die für uns rein gelb aussehenden Blüten weisen im für uns unsichtbaren ultravioletten Spektralbereich breite Leuchtstreifen auf (UV-Absorption), die als auffällige Saftmale von den Insekten wahrgenommen werden.  (Wildbienen können Licht bis zu einer minimalen Wellenlänge von 300 Nanometer, Menschen nur bis 380 Namometer  sehen). Die Bestäuberinsekten werden  davon angelockt und bestäuben im Gegenzug die Blüten.

Wenn weißer Schnee in Farben funkelt

schneefunkeln_dscf9606abrvH. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 3 (2017), S. 54 – 55

Ein jedes Stückgen Eis, ein jeder kleiner Hügel
Schien recht ein klarer Sonnen-Spiegel

Barthold Heinrich Brockes (1680–1747)

Einzelne Eiskristalle sind durchsichtig. Gerade diese Eigenschaft lässt Schnee weiß erscheinen – und unter den richtigen Bedingungen sogar bunt glitzern. Weiterlesen

Klatschmohn – Blume des Jahres 2017

mohnNachdem wir in letzter Zeit viel Kaltes und Graues erlebt haben, erwärmt mich der Gedanke, dass dieses Jahr zum Jahr des Klatschmohns bestimmt wurde. Um uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Zeit der Mohnblüte zu gönnen, hier schon mal ein anspielungsreiches Gedicht von Hermann Löns. Rot und etwas zerknittert sind die Blütenblätter auch ohne dass man das Haar der Geliebten damit schmückt. Aber dazu im Sommer mehr. Weiterlesen

Hinter farbigen Gardinen

gardinenbeugungWas macht man, wenn man mutterseelenallein in einer fremden Stadt eine Nacht oder mehrere in einem Hotel übernachten muss? Man blickt aus dem Fenster auf eine meist nicht besonders attraktive Gegend. Wenn aber der Blick durch eine Gardine gefiltert wird, kann man das Glück haben, dass es in dieser tristen Situation zu Lichtblicken kommt, die in Form von bunten Farbtupfern in spektraler Verteilung die Stimmung wieder etwas anheben. Weiterlesen

Wenn das Licht in Farben sich erbricht…

eisfarben_dsc08568rvGott, heißt es, schied die Finsternis vom Licht,
Doch mocht es ihm nicht ganz gelingen,
Denn wenn das Licht in Farben sich erbricht,
Mußt es vorher die Finsternis verschlingen.
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„Regenbogen“ auf regennasser Straße

Ölfilm_rvAls der Öltropfen auf dem feuchten Asphalt verlief, wurde wie von unsichtbarer Hand ein bunter Fächer von Regenbogenfarben geöffnet. Der dünne Wasserfilm macht allerdings nur sichtbar, was bei trockener Straße weniger spektakulär abläuft – dass ein Fahrzeug Öl verliert. Während Öltropfen bei Trockenheit im Asphalt versickern, breiten sie sich auf einem den Asphalt überziehenden Wasserfilm aus. Weiterlesen

Blauer Schatten bei Sonnenuntergang

BlauerSchattenEine weiße Wand zeichnet sich dadurch aus, dass sie unabhängig von der Wellenlänge das auftreffende Licht nahezu  unverändert wieder ausstrahlt. An einem strahlenden Sonnentag ist der Schatten auf einer solchen Wand blau. Weiterlesen

Blau – die Farbe meiner Träume

Blau

They said, ‘You have a blue guitar,
You do not play things as they are.’
The man replied, ‘Things as they are
Are changed upon the blue guitar.’

Wallace Stevens (1879 – 1955) Weiterlesen

Das Münsteraner Schloss in der Abenddämmerung

Münsteraner-SchlossDie Lichter im Münsteraner Schloss, dem Hauptgebäude der Universität Münster, sind bis auf wenige Ausnahmen gelöscht. Das Licht der farbigen Dämmerung schneidet die Umrisse des Gebäudes noch einige Zeit scherenschnittartig aus, bis die Sonne so tief gesunken ist, dass sich dunkle Nacht über das Schloss senkt und die geschäftige Hektik des Tages vergessen lässt.

Nebel – halbdurchsichtige Schärpen matten Lichts

nebel_rv„Es stimmt, daß die neblige Atmosphäre alle Gegenstände verdunkelt, es stimmt aber auch, daß die Natur, die unseren Augen keinen Genuß vorenthalten will, eine reiche Entschädigung für diese Beschattung der Farbtöne bereithält: bei feuchter Luft werden sie lebhafter. Jede Farbe glänzt in feuchtem Zustand doppelt so sehr wie in trockenem; und wenn die klaren Fernen von dichtem Nebel versdüstert werden, wenn die klaren Farben des Himmels verschwinden und die Glanzlichter des Sonnenscheins von der Erde, dann nimmt der Vordergrund seine lieblichsten Farben an, das Gras und das Laub leben in ihrem satten Grün wieder auf, und jeder sonnenverbrannte Fels glimmt auf wie Achat.“

John Ruskin (1819 – 1900): Modern Painters.

Die Schönheit einer Stubenfliege

Stubenfliege_IMG_9759barv1Stubenfliegen sind nicht beliebt bei den Menschen. Sie werden oft als hässlich und lästig empfunden. In der Tat können sie manchmal ganz schön nerven. Man tendiert daher eher dazu, sie  zu erschlagen, als sie mit Interesse – und das setzt ein gewisses Wohlwollen voraus – aus der Nähe anzusehen. Wer sich um letzteres bemüht, wird feststellen, dass man eine Fliege auch als schön und interessant ansehen kann. Weiterlesen

Stets aufs neu geteilte Gänge

BlattadernDas zierlich eingekerbt-, und nett-gezackte Laub,
Wodurch die Adern sich bis an die Ecken,
Voll klares Safts, wie Blut, erstrecken,
Ist recht verwunderlich geweb´t. Solch eine Menge
Stets wiederum aufs neu geteilter zarter Gänge
Durchflicht das ganz Blat, wodurch es sich vereint,
Und, wie ein grünes Fleisch, voll grüner Adern scheint.
Ein Blat beschattet oft das ander´, und vermehret,
Durch seine dunk´le Zierlichkeit
Der Schatten, Bildungen und Farben Unterscheid.

Brockes, Barthold, Hinrich (1680 – 1747) Weiterlesen

Blüten, die wie kleine Lampen leuchten

Blüten_wie_LampenBei einem Spaziergang sah ich bei tiefstehender Sonne einen Kranz heller Punkte aus einem beschatteten Bereich wilder Gräser heraus leuchten. Das Foto kann dieses kleine aber sehr auffällige Phänomen nur annähernd wiedergeben. Bei näherem Hinsehen erkannte ich, dass die Spitze einer Spitzwegerichpflanze gerade in den Sonnenschein hineinreichte Die kranzförmig angeordneten, weißen Blüten reflektierten das Sonnenlicht diffus in alle Richtungen und wirkten vor dem dunklen, schattigen Hintergrund wie selbstleuchtende kleine Lampen. Weiterlesen

Der Winter ist zurück…

…und zeigt sich von der besten Seite.Der_Winter_ist_zurueck

Schon bei Sonnenaufgang werden die Dämmerungsfarben von den schneebedckten Bäumen weitgehend ungestört reflektiert. Der Schnee ist deshalb weiß, weil er das aus allen Spektralfarben zusammen gesetzte weiße Sonnenlicht weitgehend ungestört (diffus) reflektiert. Das ist bei anderen Oberflächen anders. Die grünen Nadeln der Bäume, absorbieren die Komplementärfarbe und das liegt im Wellenlängenbereich der Rottöne. Deshalb geben sie nur wenig Licht zurück und bleiben auch dort, wo sie vom Sonnenlicht getroffen werden, ziemlich dunkel und unterstreichen durch diesen Kontrast noch den rot aufflammenden Schnee (fast ein Oxymoron).
Der im Schatten liegende Schnee verhält sich entsprechend, indem er das blaue Himmelslicht reflektiert und daher blau aussieht. Oft erkennen wir das nicht, weil unser visuelles System aufgrund der Farbkonstanz die überwiegende Farbe als weiß definieren „möchte“ und damit in der Regel sehr erfolgreich ist. Weiterlesen

Im Jahr des Lichts (26) – Eins, zwei, drei…unendlich

KerzenunendlichkeitMit dem 1. Advend beginnt die Zeit der Lichter insbesondere in Gestalt von Kerzenflammen und damit zumindest im christlichen Kulturkreis eine imaginierte Verbindung von Diesseitigem und Jenseitigen, von Endlichem und Unendlichem. Das symbolisieren die in dem Foto abgelichteten drei Teelichter, indem sie uns auf ziemlich unspektakuläre Weise zugleich einen Blick  in die Virtualität und Unendlichkeit bzw. virtuelle Unendlichkeit erlauben. Möglich wird dies durch ein Design-Objekt, das zum Beispiel unter dem Namen „der unendliche Teelichthalter“ erhältlich ist und im Wesentlichen aus zwei parallelen Glasscheiben besteht, zwischen denen einige Teelichter platziert werden. Weiterlesen

Wenn der bunte Schleier fällt…

Indian-Summer-DSCF2539Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräfitg die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fliessen.

Eduard Mörike ( 1804 – 1875 )

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Das Grau legt sich über das Grün

Nebel-GrüntöneEin typischer Herbsttag: kalt, Nieselregen und leichter Nebel. Was gibt es da schon an Interessantem zu sehen? Wenn man seinen Blick für Außerordentliches nur ein wenig bemüht, kommt vielleicht zumindest die folgende Fragwürdigkeit heraus. Im Vordergrund ist die grüne Farbe des Feldes mit Wintergetreide viel gesättigter als weiter hinten. Das wäre an sich ja noch nicht erstaunlich, weil die nebelige Luft, durch die das Licht gedämpft wird, umso größeren Einfluss auf die Farben hat, je größer die Schicht zwischen dem Feld und dem Beobachter ist. Aber warum diese Zweiteilung: vorne gesättigt, hinten eingetrübt? Wäre nicht vielmehr ein kontinuierlicher Übergang zu erwarten? Weiterlesen

Im Jahr des Lichts (20) – Die Lichtinstallation einer Spinne

Irisierendes-SpinnennetzWanderungen geben u.a. Gelegenheit zu vielfältigen Naturerlebnissen und bestehen sie auch nur in der Wahrnehmung und Bewunderung eines Spinnennetzes.
Spinnennetze sind so dünn und fein und von unauffälligem Grau, dass sie normalerweise kaum zu sehen sind. Das ist beabsichtigt, denn die Beute soll das verhängnisvolle Netzwerk allenfalls erst dann erkennen, wenn es zu spät ist. Es gibt aber Situationen, in denen zumindest wir Menschen ein Spinnennetz in leuchtenden Farben erleben, so dass es nicht zu übersehen ist und im Gegenteil die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das ist dann der Fall, wenn der frühe Beobachter mit der Sonne im Rücken die nachts in den Spinnennetzen kondensierten Wassertröpfchen in Regenbogenfarben erstrahlen sieht. Weiterlesen

Was sagen die Sonnenblumen?

SonnenblumenWieder die Blendung durch das absolute Gelb. Wieder der Eindruck, dass sie (die Sonnenblumen) sie ansehen und zu ihr sprechen, alle Köpfe der Blumen auf Mathilde gerichtet sind, die sich nicht mehr rühren kann.
„Eh, was hast du?“, sagt Bénédicte?
„Ist dir nicht schwindelig?“, fragt Mathilde.
„Nein, warum?“
Warum? Sie ist schon erstaunlich, diese Bénédicte, sie spürt nichts und hört nichts. Die Sonnenblumen wie diese da, es ist unmöglich sie zu malen, so schön sind sie, es ist unmöglich sie zu verstehen, so sehr sie auch mit einer aus Millionen von strahlenden Mündern bestehenden Stimme schreien, hat sie sowas schon gesehen?
(…) Mathilde findet es traurig, dass Bénédicte unempfindlich für die Sonnenblumen ist. Das ist beunruhigend.
Noelle Châtelet: La Petite aux tournesols. Paris 1999

Farbenprächtige Mineralien in freier Natur

Blühende-FelsenMan muss es selbst gesehen haben, um zu glauben, dass die Farben dieses Landschaftsbildes kaum von der Vegetation herrühren, sondern durch den blanken Felsen bestimmt werden. An diesem Berghang auf der Kanareninsel Gran Canaria treten Mineralien in der vollen Pracht ihrer Farbe zutage. Für mich als Laien identifizierbar ist die typische Grünfärbung des Kupfers. Vermutlich sind auch rötliche Eisenerze im Spiel. Mir geht es hier aber vor allem um die farbenfrohe Ästhetik, die nicht zuletzt der naturgegebenen Anordnung der Farben zu verdanken ist. Die unterschiedlichen Grüntöne der Bäume und Sträucher treten dagegen deutlich in den Hintergrund. Im Vordergrund sieht man einen relativ steil ansteigenden Teil einer Straße die sich hier in Serpentinen durch die Berge schlängelt und nur mühselig mit dem Auto zu bewältigen ist.

Ein Blatt mit Beinen

Bewegliches-BlattDa war doch was. Bewegte sich da nicht etwas auf dem Blatt? Ein Teil des Blatts? Bei näherem Hinsehen entpuppte es sich als ein Insekt, das sich ein fast identisches Aussehen wie das Blatt zugelegt hat. Nur mit Mühe und wenn man es weiß, ist es zu erkennen. Selbst an Details wurde gedacht; auch die Beinchen sind von demselben Grün wie die Blattadern.
Das Tierchen hat es jedoch auch in anderer Hinsicht in sich, wenn man es ärgert bzw. wenn es sich bedroht fühlt, kann es ein übel stinkendes Sekret absondern. Daher auch sein Name: Grüne Stinkwanze. Als ich die Wanze zum ersten Mal sah, war ich von der Schönheit des Anblicks und der Farbgleichheit zwischen Tier und Pflanze beeindruckt. Dieser Eindruck hat auch mit der nachträglich erworbenen Kenntnis, dass die Wanze auch unangenehm stänkern kann, nicht gelitten.

Schönheit im Auge des Betrachters

ZiliarkoronaSchlichting, H. Joachim. In: Spektrum der Wissenschaft  8  (2015), S. 48 – 49

Manche farbenprächtige Erscheinung lässt sich nur beschreiben, jedoch nicht direkt fotografieren – denn sie entsteht erst in unserem Sehorgan selbst.

Alles, was wir sehen,
könnte auch anders sein.

Ludwig Wittgenstein (1889–1951)

Das waren noch Zeiten…

33_Geburtstag_Jan… als man die „Untersuchungen“ des Strömungsverhaltens von Wasser noch kontemplativ und meditativ betrachten konnte, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, welche physikalischen Gesetze hinter diesem Verhalten stehen. Auch die Frage, warum der helle Boden durch das durchsichtige Wasser dunkel wird, musste dich nicht interessieren. Die Zeiten haben sich in den letzten 30 Jahren geändert. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und dir ganz herzlich zu deinem 33. Geburtstag gratulieren, der ein Jahr mit neuen Herausforderungen mit sich bringen wird.

„Zahlentheoretisch“ sicht es schon mal ganz gut aus. Die Zahl 33 besteht aus zwei gleichen Ziffern und wird in der Mathematik auch als Redigit (repeated digits) bezeichnet. Da auf diese Weise die 3 darin gleich 2 mal vorkommt und 3 und 2 besondere Zahlen sind, hat es die 33 in sich: die 2 ist die kleinste und einzige gerade Primzahl und die einzige, auf die direkt eine weitere nämlich die 3 folgt. Die drei ist die erste ungerade Primzahl und die zweitkleinste. 2 und 3 sind die 3. und 4. Fibonacci-Zahl. Die 3 gibt außerdem die Seitenzahl des Dreiecks an, welches die einfachste geometrische Figur in der Ebene darstellt. Außerdem gilt für 33 die Dreierregel, wonach ihre Quersumme ein Vielfaches nämlich das 2-fache von 3 und damit durch 3 teilbar ist: 3 mal 11. Somit steckt auch noch die 1 gleich 2 mal darin, womit auch die 1. und 2. Fibonacci-Zahl darin enthalten ist. Es führte zu weit, auch noch die Besonderheiten der 1 hier zu nennen.

Die Welt des Kleinen und Hässlichen: ganz groß und schön

Irisierende-Bakterien1Bakterien stehen in einem recht zwielichtigen Ruf. Einerseits sind sie für Krankheiten verantwortlich und andererseits sind sie in vielfacher Hinsicht notwendig für das Leben. Diese Ambivalenz fällt dann besonders auf, wenn man sie am Rande eines stinkenden Tümpels in Form dünner Schichten antrifft, die das durch faulende Blätter und andere organische Stoffe „verunreinigte“ Wasser großflächig überziehen und durch die Schönheit der metallisch glänzenden Farben die Aufmerksamkeit auf sich ziehen (siehe Abbildung). Weiterlesen

Naturphänomene beim manuellen Geschirrspülen

Glas-mit-SeifenblaseWer heute noch manuell spült, der wird zuweilen durch eindrucksvolle Phänomene belohnt. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ein gespültes Glas überkopf auf eine glatte Fläche gestellt wird und anschließend zauberhafte Dinge passieren. Diesmal erregt das Glas dadurch meine Aufmerksamkeit, dass es sich langsam unter Abgabe winziger sprudelnder Bläschen in Bewegung setzt und dadurch anzeigt, dass die Fläche etwas geneigt sein muss. Die Neigung ist aber so klein, dass sie bislang auf keine andere Weise erkennbar gewesen wäre. Im vorliegenden Fall bewegt sich das schwere Glas, weil es fast reibungsfrei auf einem Luftkissen sitzt. Denn nachdem das im heißen Spülwasser erwärmte und benetzte Glas auf die kühle Unterlage gestellt worden ist, schließt es das kühle Luftvolumen von der Umgebung ab und erwärmt es. Dadurch erhöht sich der Luftdruck unter dem Glas bis es soweit angehoben wird, dass die Luft entweichen kann. Sie tut es aber nicht einfach so, sondern bläst einen Ring kleiner Seifenbläschen auf, die dann mit dem Glas huckepack zum Rand der Fläche driften. Dort wird es zum Glück durch eine erhöhte Kante zum Stillstand gebracht, wodurch ich vor dem nächten spektakulären Phänomen, dem freien Fall des Glases mit anschließender abrupter Verzögerung (komplexe Bruchdynamik!), sowie den unangenehmen nichtphysikalischen Folgeerscheinungen bewahrt werde. Weiterlesen