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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Physik und Kultur

Physik und Literatur

Es ergibt sich der merkwürdije (aber feine & interessante) Casus : daß eine hochwichtije gestrenge Wissenschaft in RomanForm vorgetragn werdn sollte, um Ab=, womöglich VorBild von/für Leb’m & Verhaltn zu sein.

Arno Schmidt (1914 – 1979): Zettels Traum. Bargfeld 2010

Arno Schmidt ist nicht der erste, der einen solchen (für schulphysikgeschädigte Menschen wohl als abwegig empfundenen) Gedanken äußert. Sieht man einmal davon ab, dass es in der Belletristik zahlreiche Beziehungen zu naturwissenschaftlichen und insbesondere physikalischen Themen gibt, die eine Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Themen und dem naturwissenschaftlichen Weltbild ermöglichen (siehe dazu z.B. hier und hier und hier), so spricht Schmidt einen besonderem Punkt an, der sich wie ein roter Faden durch sein ganzes Werk zieht. Er möchte erreichen, dass naturwissenschaftliche Aspekte, die sowohl in der natürlichen als auch in der naturwissenschaftlich-technischen Lebenswelt anzutreffen sind, in der Belletristik ihrer Bedeutung entsprechend mit derselben Ernsthaftigkeit und Qualität zum Gegenstand gemacht werden wie andere Gegenstände auch. Das setzt allerdings voraus, dass die allgemeine Akzeptanz der Naturwissenschaften in der breiten Bevölkerung maßgeblich gesteigert wird. Leider trägt der naturwissenschaftliche Unterricht – ich kann hier nur für die Physik sprechen – nur wenig dazu bei. Physik ist seit mehreren Jahrzehntes eines der unbeliebtesten Schulfächer (siehe auch die Kommentare zu früheren Beitrag).

Wer kann sich denken, um was für ein Alltagsphänomen es sich bei dem Foto handelt?

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Physik und Literatur

  1. Das Foto würd ich als an einer kühlen Oberfläche kondensiertes Wasser deuten, das herabtropft.
    Edgar

    Verfasst von seescho | 25. Februar 2018, 09:26
  2. Tiefkühlfach abtauen 🙂 Vielen Dank auch für die spannenden PDF-Links. Und herzliche Grüße wie stets!

    Verfasst von simonsegur | 25. Februar 2018, 09:57
  3. Ich hatte auf zwei verschiedenen Schultypen Physikunterricht. Auf der Realschule hatte man seinerzeit schon in der 6. Klasse ersten und in Gruppen versuchsorientierten Unterricht, der mir sehr gefiel, am Gymnasium fand man die 8 Klasse früh genug, mit altmodischen Frontalvorträgen geradezu praxisfeindlicher Lehrern, die jeden Bezug zur alltagstauglichen Verwendung geradezu vermieden, als wären solche Banalitäten unter ihrer Würde.
    Ähnliches habe ich Jahrzehnte später beim Schulunterricht meiner Kinder wieder beobachten müssen, sowohl in Österreich als auch in Niedersachsen.
    Es tut mir für die Schulpädagogik leid, das Armutszeugnis aufrecht zu erhalten: dass meine Kinder naturwissenschaftlich interessiert sind, verdanken sie nicht der Schule, sondern eher der zum Trotz, der familiären „Hilfspädagogik“, meiner ständigen Suche nach Erklärungen und Beispielen.

    Verfasst von puzzleblume | 25. Februar 2018, 11:13
    • Diese Erfahrungen sind leider keine Einzelfälle. Es ist seit Jahrzehnten erhoben worden, dass Physik das unbeliebteste Schulfach ist. Das heißt nicht, dass es nicht auch guten Physikunterricht gibt; aber das ist leider selten. Ein entscheidendes Manko ist m.E., dass den Schülerinnen und Schülern zu wenige Wiederbegegnungsmöglichkeiten in ihrer natürlichen und wissenschaftlich-technischen Lebenswelt mit dem erhalten, was sie im Physikunterricht lernen. Sie lernen gewissermaßen ohne Wolle zu stricken. Eine Änderung müsste bereits in der Lehrerausbildung beginnen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. Februar 2018, 20:39
  4. Guter Beitrag, tolle Message 👌🏽

    frechundfrontal.de

    Verfasst von frechundfrontal | 14. April 2018, 09:36

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  1. Pingback: Aufgehender Vollmond um Mitternacht? | Die Welt physikalisch gesehen - 29. November 2018

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