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Physik im Alltag und Naturphänomene

Fundstück 1 – Magnetischer Wüstensand

Die „Wüste“ von Maspalomas (Gran Canaria) zu durchqueren, kann eine ganz schön sandige Angelegenheit sein, insbesondere wenn ein Sandsturm dabei ist, die Dünen von den Spuren der Touristen zu säubern und nach seinem Gusto umzugestalten. Dabei entstehen immer wieder neue Muster aus schwarzem und hellem Sand, der ständig durchmischt und auch wieder zu ästhetisch ansprechenden Schwarzweißbildern entmischt wird (oberes Foto).
Nach einer solchen Durchquerung entdeckte ich an der Außenseite meiner Hosentasche ein schwarzes igelartiges Gebilde. Zunächst war ich etwas erschrocken, hatte ich doch vergessen, dass sich in meiner Hosentasche ein starker Scheibenmagnet befand, mit dem ich überprüfen wollte, ob die dunklen Kieselsteine auch hier magnetisch sind, wie ich es vor einigen Jahren bereits auf Lanzarote und La Palma festgestellt hatte.
Der igelartige Auswuchs an meiner Hosentasche entpuppte sich als Bündel dunkler Sandkörner. Bei jeder Berührung meiner Hose mit dem Sand wurden die dunklen und offenbar magnetischen Teilchen angezogen und sie bildeten die typische Struktur am Pol eines Ferromagneten aus, wie man von Experimenten mit Eisenfeilspänen aus dem Physikunterricht kennt oder kennen könnte.
Es zeigte sich also, dass zumindest ein Teil des schwarzen Sands magnetisch ist. Dabei handelt es sich vermutlich um ein Magnetitgranulat, das aus der Verwitterung vulkanischen Auswurfes hervorgegangen ist. Die helleren Sandkörnchen sind übrigens organischen Ursprungs und bestehen hauptsächlich aus zerriebenen Panzern von Schalentieren aus dem Meer.
Fast hätte ich darüber meinen ursprünglichen Plan vergessen, die dunklen Kiesel auf Magnetismus zu untersuchen. Viele von ihnen wurden in der Tat ebenfalls vom Magneten angezogen.
Als wieviel reichhaltiger in ihren Strukturen würden wir doch unsere Umwelt wahrnehmen, wenn wir auch noch einen direkten Sinn für den Magnetismus hätten!

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Fundstück 1 – Magnetischer Wüstensand

  1. Gottseidank hast Du den Igel rechtzeitig bemerkt. Sonst wäre er womöglich ins Unermessliche angewachsen und Du wärest nicht mehr von der Stelle gekommen 🙂

    Magnetismussinn? Wieviel „Sinne“ gibt es eigentlich, die uns Menschen verborgen sind? Oder anders rum gefragt: Gibt es physikalische Phänomene, die werder von Pflanzen noch Tieren genutzt werden. Und wenn ja, wieso?

    Blöde Fragen, ich weiß 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 26. November 2018, 00:09
    • Bei einigen Tieren hat man wohl so etwas wie einen magnetischen Sinn festgestellt, sodass sie sich am Erdmagnetfeld orientieren könen. Ansonsten fällt mir ein, dass Menschen offenbar keinen Sinn für Radioaktivität u.ä. Strahlungen haben. Auch polarisiertes Licht können sie nur mit Schwierigkeiten detektieren. (siehe: https://hjschlichting.wordpress.com/2009/04/06/das-sehen-der-polarisation/). Ultraviolettstrahlung bemerkt man erst, wenn man einen Sonnenbrand hat. Radiowellen sind uns auch nicht direkt zugänglich, dazu brauchen wir ein Hilfsmittel (Radio) und in dieser Richtung wird es noch eine ganze Reihe weiterer Phänomene geben.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. November 2018, 11:31
      • Danke Joachim!
        Ich las (irgendwo), daß Bienen und Hummeln zusätzlich über einen Spannungszustand der einzelnen Blüten merken, ob genügend Nektar drin ist. Der Geruchssinn alleine wird es schwerlich sein.

        Verfasst von kopfundgestalt | 27. November 2018, 15:59
      • In dem Bereich wird man wohl noch einige Entdeckungen machen und vielleicht Überraschungen erleben.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 27. November 2018, 18:22

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  1. Pingback: Filigrane Sanddächer in der Wüste | Die Welt physikalisch gesehen - 16. Mai 2019

  2. Pingback: Stillleben mit zwei Kieselsteinen oder Strukturbildung am Strand | Die Welt physikalisch gesehen - 6. September 2020

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