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Marginalia

Wer guckt den da?

HolzschnauzerEin keiner weiteren Beachtung würdiger Stapel Holz am Wegesrand. Als ich daran vorüberging, hatte ich das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Jedenfalls war der Eindruck so stark, dass ich der Sache nachging und plötzlich erkannte, wer mich da fixiert hatte – ein Stück Holz in der Form eines Riesenschnauzers. Oder besitze ich nur zuviel Fantasie?
In der kreativen Fantasie Georg Christoph Lichtenbergs (1742 – 1799) spielen Hunde eine gewisse Rolle. Dadurch versucht er sowohl die Besonderheiten des Menschen als auch die des Hundes durch gezielte Gegenüberstellung zu verdeutlichen. Hier einige Beispiele:
Vielleicht hat ein Hund kurz vor dem Einschlafen … Ideen, die eines Magisters der Philosophie nicht unwürdig wären. Sie sind ihnen aber unbrauchbar, und werden durch ihre allzu reizbare sinnliche Werkzeuge auch wieder verwischt (F 265).
Ob wohl ein Hund könnte abgerichtet werden, einen magnetischen Stahl von einem andern zu unterscheiden? Der Gebrauch von der Hundesnase ist wohl noch nicht ganz gemacht worden, der sich davon machen ließe. Erdbeben-Propheten sind die Hunde, wie auch einige andere Tiere
(K 416).
Wenn die Hunde, die Wespen und die Hornissen mit menschlicher Vernunft begabt wären, so könnten sie sich vielleicht der Welt bemächtigen (J 360).
Ist wohl wahr, was ich oft gehört habe, daß die Hunde nicht schwitzen, und wenn es wahr ist was läßt sich für ein physiologischer Grund angeben? (J 1270).

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Wer guckt den da?

  1. Lieber Joachim,
    Du zitierst:
    „Wenn der Hund, die Hornissen und die Wespen mit der menschlichen Vernunft begabt wären, so könnten Sie sich vielleicht der Welt bemächtigen“.

    Ich glaube, der menschliche Verstand ist das Grundübel dieser Welt! Denn auch Vernunft ist ja relativ zu bewerten.
    Der Mensch ist eine Fehlinstruktion, weil er die Mutter Erde und sich selbst zerstört!
    Sein Verstand ist tödlich!

    Meine Meinung lieber Joachim, zeichnet ein düsteres Bild aber wenn man das Weltgeschehen und die Weltgeschichte intensiv beobachtet, fällt es sehr schwer einen positiven Schluss daraus zu ziehen.

    Ich wünsche Dir trotz ein angenehmes Wochenende!

    LG Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 23. Juli 2016, 12:55
    • Liebe Babsi, du hast ja so Recht. Aber ich denke, dass auch richtig ist, was Christa Wolf einmal gesagt hat: „Sich den wirklichen Zustand der Welt vor Augen zu halten, ist psychisch unerträglich“. Deswegen, lasst uns zum Ausgleich auch das Schöne und die Schönheit der Welt genießen. Auch dir ein schönes Wochenende. LG Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 23. Juli 2016, 16:54
      • Selbstverständlich Joachim, die Natur ist unser Seelenheil!
        Ich gehe jetzt auch wieder raus mit meinen Wuffi’s😁😊😉

        Verfasst von kunstschaffende | 23. Juli 2016, 16:58
  2. Ach, habe ich vergessen, das Holzstück sieht wirklich wie ein Riesenschnauzer Kopf aus. Genial, dass Du es gesehen hast.

    Verfasst von kunstschaffende | 23. Juli 2016, 13:02
  3. Oft schon hat mich nicht nur Holz beobachtet. Herrlich ist wenn man lange genug schaut, wandelt sich das eben Gesehene, vor dem eigenen Auge oft in mannigfaltige Gestalt. Kleine Wunder wenn man sich die Zeit nimmt, einmal genauer hin zu schauen. Raucht Dein Riesenschnauzer etwa? ,-)

    Um zum Beispiel das Kamelienkrötschaf einmal bei Fressen in freier Natur zu beobachten, habe ich es lange beobachtet. Die Spezies dieses seltenen Tieres konnte aber erst bestimmt werden nachdem auch andere Augenpaare es sich einmal genauer angeschaut haben. 🙂

    https://sandayblog.wordpress.com/2016/06/05/das-hungrige-schaefchen/

    Dir einen schönen Sonnensonntag
    San

    Verfasst von San-Day | 24. Juli 2016, 09:21
    • Du hast Recht, meistens muss man längere Zeit in eine chaotische Struktur blicken, bis sich eine irgendwie vertraute Gestalt heraushebt. Dein Kamilienkrötschaf ist ein schönes Beispiel dafür und vielleicht auch mein „Philosoph in der Wolke„. Aber bei meinem Schnauzer war es eine Gestalt, die aus dem Augenwinkel heraus beim Vorübergehen entstand. Ich musste ein Stück zurückgehen und richtig suchen, bevor ich fand, was ich so en passant gesehen hatte. Interessanterweise sieht man wohl vor allem Gesichter und Lebewesen.
      Auch dir einen schönen Restsonntag, LG Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 24. Juli 2016, 19:18
  4. Dass Holz einen beobachtet ist gar nicht so selten. Und chaotische Strukturen sind eine praktisch unerschöpfbare Quelle eingebildeter Gestalten. Dieselbe Ecke eines Terrazzobodens kann jeden Tag neue Bilder liefern, und ich finde das klasse!

    Verfasst von gnaddrig | 24. Juli 2016, 22:03
    • Stimmt! In der Suche nach Strukturen ist der Mensch äußerst kreativ. Holzmaserungen sind in der Tat eine Quelle von Möglichkeiten, immer wieder neue Strukturen zu erkennen, wie dein schönes Bauzaunbeispiel zeigt. Ich hatte vor einiger Zeit auch schon einmal eine Holzstruktur-Pareidolie (so nennt man ja wohl diese Wesen zwischen Einbildung und Realität) gepostet. Danke für den Hinweis.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. Juli 2016, 09:17

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  1. Pingback: Wie Phönix aus der Seifenblase… | Die Welt physikalisch gesehen - 29. Juli 2016

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