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Marginalia

Tage wie dieser…

Der-AuserwählteEs gibt Tage, da fühlt man sich als Auserwählter. Heute ist so ein Tag. Ich gehe frühmorgens mit jemandem spazieren, den ich eigentlich schätze. Doch als ich dann im feuchten Gras sehe, dass mein Kopfschatten mit einem hellen Schein umgeben ist und zwar nur meiner, ganz unabhängig davon, auf welche Stelle im Gras der Schatten fällt, der Kopfschatten meiner Begleitperson aber stets ohne diese Aufhellung bleibt, glaubte ich, etwas zu haben, was sie nicht hat, zumindest heute. Ich habe meiner Begleitung natürlich nichts von meiner Entdeckung erzählt, sie wird es sicher selbst bemerkt haben und wohlweißlich schweigen.Eine ähnliche Erfahrung machte schon der Künstler und Goldschmied Benvenuto Cellini (1500 – 1571), über die er sich folgendermaßen äußert: „Dann muß ich noch eine Sache nicht zurücklassen, die größer ist, als daß sie einem anderen Menschen begegnet wäre, ein Zeichen, daß Gott mich losgesprochen und mir seine Geheimnisse selbst offenbart hat. Denn seit der Zeit, daß ich jene himmlischen Gegenstände gesehen, ist mir ein Schein ums Haupt geblieben, den jedermann sehen konnte, ob ich ihn gleich nur wenigen gezeigt habe…Diesen Schein sieht man des Morgens über meinem Schatten, wenn die Sonne aufgeht, und etwa zwei Stunden danach. Am besten sieht man ihn, wenn ein leichter Tau auf dem Grase liegt…. ich kann ihn auch anderen zeigen…“ (Benvenuto Cellini: In: Goethes Werke. Hamburg: Gutenberg Verlag 1928).
Diesen Schein nennt man auch Heiligenschein. Mit seiner letzten Aussage täuscht sich Cellini übrigens total.

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