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Physik im Alltag und Naturphänomene

Lichtsäule oberhalb und unterhalb der Sonne

Es war kein Aprilscherz, der sich am 1. April vor meinem Auge abspielte, obwohl ich noch in der Stimmung war, alles und jedes was an dem Tag an nur halbwegs Ungewöhlichem präsentiert wurde, skeptisch zu beäugen. Nein, ich sah es mit eigenen Augen. Kurz bevor die Sonne an der um diese Zeit gewohnten Stelle dem Untergang zueilte – in zwei Minuten ungefähr die Strecke ihres eigenen Durchmessers sinkend – illuminierte sie den Himmel oberhalb und unterhalb ihrer selbst in Form je einer hellen Säulen. Auf dem Foto befindet sich die Sonne selbst direkt unterhalb der Unterbrechung der Lichterscheinung durch einen Wolkenstreifen. Die untere Säule ist im Vergleich zur oberen etwas verkümmert und zwar genau in der Zeit da ich mich beeilte, eine Kamera zu besorgen, um den Effekt zu dokumentieren. Denn gerade die untere Säule ist wesentlich seltener zu beobachten als die obere.
Lichtsäulen sind Haloerscheinungen und kommen durch Reflexion des Sonnenlichts an waagerecht ausgerichteten hexagonalen Eisplättchen zustande, die leicht um ihre waagerechte Lage wobbelnd absinken. Man sieht also die Sonne gleichzeitig vieltausendmal in den Eisplättchen gespiegelt. Eigentlich würde man von einer ordentlichen Spiegelung erwarten, dass das Spiegelbild genau an der Stelle auftritt, an der der Einfallswinkel gleich dem Reflexionswinkel ist, durch den das Licht ins Auge gelenkt wird. Aber da die kleinen Spiegelchen alle etwas um die Gleichgewichtslage schwanken, gelangt auch noch Licht aus geringfügig abweichenden Richtungen unser Auge, sodass sich derartige Lichtsäulen ergeben.
Das Phänomen erinnert nicht nur rein phänomenologisch an das Schwert der Sonne, jener fast alltäglichen Lichtbahn auf dem welligen Meer. So wie dort das Schwertartige durch die Schwankungen der Wasseroberfläche in Form von Wellen hervorgerufen wird, sind es hier die um ihre Gleichgewichtslage schwankenden Eisplättchen.
Lichtsäulen können auch über Lampen entstehen, die zumindest einen Teil des Licht nach oben strahlen. Dieses Phänomen ist allerdings immer seltener zu beobachten, vermutlich weil inzwischen darauf geachtet wird, dass zur Vermeidung von Lichtverschmutzung die Lampen möglichst nur nach unten gerichtet werden.

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Diskussionen

7 Gedanken zu “Lichtsäule oberhalb und unterhalb der Sonne

  1. Das ist super interessant, eine Spiegelung im Himmel, genial! Du scheinst einen Draht nach oben zu haben, um solche Momente zu erleben, die Du dann fotografisch festhalten kannst!

    ❤ Grüße Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 5. April 2017, 20:33
  2. Das ist super interessant, eine Spiegelung im Himmel! Du scheinst einen Draht nach oben zu haben, damit Du so ein Phänomen fotografisch festhalten kannst um es uns dann zu präsentierst!👏👏👏👏👍

    ❤ liche Grüße Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 5. April 2017, 20:41
    • Danke für dein Interesse an diesem Spiegelphänomen. Wenn man sich klarmacht, dass die „Spiegel“ kleine flache Eiskristalle sind, die langsam herabschweben, muss man sich wirklich wundern, dass dabei ein so phänomenales Naturschauspiel herauskommt. Der Draht nach oben ist der innere Zwang, die Welt da oben und auch hienieden stets fest im Blick zu haben. Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. April 2017, 09:05
  3. „…vermutlich weil inzwischen darauf geachtet wird, dass zur Vermeidung von Lichtverschmutzung die Lampen möglichst nur nach unten gerichtet werden.“

    Schön wär´s…

    Edgar

    Verfasst von seescho | 8. April 2017, 19:51
    • Okay, der Fortschritt dabei ist wie immer eine Schnecke. Aber der Gedanke, bei der Ersetzung von Lampen die Lichtverschmutzung im Blick zu behalten nimmt meiner Beobachtung nach doch zu. Du hast natürlich recht, dass da noch sehr viel mehr getan werden könnte. Gruß, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 8. April 2017, 20:39
      • Ich habe das leider anders erlebt.

        Die Laternen hier im Viertel wurden vor ein paar Jahren überholt. Es änderte sich die Leuchtfarbe der Lampen und sie wurden heller. Die Lampenköpfe aber blieben. Nur gut, daß zwischen 1Uhr und 4Uhr30 die Beleuchtung in den Nebenstraßen ausgeschaltet wird.

        Bei mir in der Arbeit, einem großen Heim für Menschen mit geistiger Behinderung, hab ich unter anderem eine Menge Außenlampen zu betreuen. Eine davon konnte ich bis jetzt auf die „Nach unten strahl Technik“ umrüsten. Und ich bin begeistert von dieser Technik. Macht hell, da wo sie soll. Von weiter weg ist sie fast nicht zu registrieren.

        Es gibt noch viel zu tun und die Hoffnung stirbt zuletzt…

        Verfasst von seescho | 8. April 2017, 21:39
      • Das Problem ist vielleicht auch, dass bei vielen Menschen – so auch bei Entscheidungsträgern – das Problembewusstsein für Lichtverschmutzung kaum vorhanden ist. Gruß, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. April 2017, 09:13

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