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Energie und Entropie, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Kristallmalerei

In einer klaren Nacht strahlen kleine Objekte – hier die feinen Strukturen der Efeu-Blätter – viel mehr Energie in den kalten Weltraum als sie von dort erhalten. Dadurch sinkt die Temperatur dieser Strukturen unter den Taupunkt. Da dieser jahreszeitlich bedingt immer häufiger unter den Gefrierpunkt sinkt, haben überschüssige Wasserdampfmoleküle, die in ihre Nähe geraten nichts besseres zu tun, als sich dort niederzulassen – als Eiskristalle. Auf dieses Weise ziehen sie Konturen nach und versehen die Blätter mit kleinen kristallenen Tupfern. Die Natur hat eben Geschmack.

Diskussionen

19 Gedanken zu “Kristallmalerei

  1. Sehr schön, „die Natur hat Geschmack“… das merke ich mir. Liebe Grüße Marie

    Verfasst von mmandarin | 29. November 2021, 04:00
  2. Ich finde dich in allen diesen Dingen,
    denen ich gut und wie ein Bruder bin;
    als Samen sonnst du dich in den geringen
    und in den großen giebst du groß dich hin.

    Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,
    daß sie so dienend durch die Dinge gehn:
    in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfte
    und in den Wipfeln wie ein Auferstehn.

    R.M. Rilke

    Verfasst von paulpeterheinz | 29. November 2021, 10:27
    • Danke für das schöne passende Gedicht. Erstaunlich wie du das so schnell gefunden hast. 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 29. November 2021, 18:11
      • Über die Geduld

        Man muss den Dingen
        die eigene, stille
        ungestörte Entwicklung lassen,
        die tief von innen kommt
        und durch nichts gedrängt
        oder beschleunigt werden kann,
        alles ist austragen – und
        dann gebären…

        Reifen wie der Baum,
        der seine Säfte nicht drängt
        und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
        ohne Angst,
        dass dahinter kein Sommer
        kommen könnte.

        Er kommt doch!
        Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
        die da sind, als ob die Ewigkeit
        vor ihnen läge,
        so sorglos, still und weit…

        Man muss Geduld haben
        Mit dem Ungelösten im Herzen,
        und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
        wie verschlossene Stuben,
        und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
        geschrieben sind.

        Es handelt sich darum, alles zu leben.
        Wenn man die Fragen lebt,
        lebt man vielleicht allmählich,
        ohne es zu merken,
        eines fremden Tages
        in die Antworten hinein.

        Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

        Verfasst von paulpeterheinz | 30. November 2021, 10:51
      • Es ist immer wieder erstaunlich zu wie vielen verschiedenen Themen sich Rilke lyrisch geäußert hat. Sehr schön, z.B. die vorlette Strophe („versuchen, die Fragen selber lieb zu haben“) Das Gedicht kannte ich nicht. Vielen Dank!

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. November 2021, 16:40
      • „Geduld“ war als Antwort auf Deine Bemerkung „Erstaunlich wie du das so schnell gefunden hast“ gedacht…
        Aber das hast Du sicherlich registriert, wenn nicht..dann…

        Verfasst von paulpeterheinz | 30. November 2021, 16:46
  3. Mittige Blatthäarchen bekommen auch etwas ab

    Verfasst von kopfundgestalt | 29. November 2021, 11:57
  4. Mir haben es gefrorene Pfützen angetan, da gibt es immer neue Strukturen.

    LG Bernhard

    Verfasst von bernhard1965 | 29. November 2021, 14:05
      • Hallo Joachim,

        das sind ja echt viele 😀

        LG Bernhard

        Verfasst von bernhard1965 | 29. November 2021, 21:08
      • Ich hoffe, es werden in diesem Jahr noch mehr. Bislang blieb der Frost aus. Gruß, Joachim

        Verfasst von Joachim Schlichting | 29. November 2021, 21:09
      • Toll, soviel Pfützen-eis-einmaleins! Als Kind hat man solche Eisflächen noch ohne Risiko und Todesangst betreten.
        Aber auch ohne Eis waren Pfützen die Attraktion. Und damit führen Bernd und Du mich zu der Frage: Woduch, warum und wie kopiert sich diese Tradition zwischen den Kindergenerationen ohne Telefon, Handy, Socail Media, Zeitung, Internet, Fernsehen ohne Worte immer weiter? Woher diese Magie, diese magische Anziehungskraft eines so kleinen Tümpels? Beim Betrachten dieser Frage fällt mir auf, das diese so wohl noch niemand gestellt hat. Eine große leere Stelle innerhalb der Pädagogik, der Soziologie, der Philosophie. In jedem Fall beruhigt mich das und es zeigt mir gleichzeitig, das „das Leben“ sich doch fernab von städtischen Denkern noch ihre Nischen sucht. Das es sich unabhängig von Theorie rumtreibt und Eltern in helle Freude oder große Panik versetzt – aber Kinder immer in Aktion versetzt: entweder selig hineinzuspringen oder geradezu „verächtlich“ in sie zu treten, bis sie leer sind. In jedem Fall aber die entstehende Näße ignorieren – als ob sie es gewohnt wären. Stammen wir alle etwa aus einem uralten „Pfützengeschlecht“.
        Aber bitte verratet niemanden dass hier „unerforschtes Kinderland“ brach liegt. Sonst sehe ich schon die Forschung mit Stiefeln, Tiefen- und Pulsmesser, langen Fragebögen und mit Non-direktiver Gesprächstechnik über die Kinder herfallen. Die Feldforschung träte an zur Erhebung empirischer Daten mittels Beobachtung und Befragung im „natürlichen“ Kontext. Da stünden Anthropologen, Archäologen, Erziehungswissenschaftler, Ethnologen, Soziologen, Politikwissenschaftler, Psychologen Linguistiker sowie Volkskundeler schlange. Sie alle würden „Sich Einbohrens ins soziale Milieu“, so Gottlieb Schnapper-Arndt der dann Leopold von Wiese, Marie Jahoda, Bronisław Malinowski, Marcel Mauss, Franz Boas, Max Gluckman, Gregory Bateson und Georges Devereux mitbrächte.
        Doch alle würden – oder sind es vielleicht schon??- ob ihrer „Geburtsblindheit“ nur frustriert abziehen, wegen der schmalen Erkenntnislage.

        Aber ich sage Dir -Joachim- sicherlich nichts überraschendes das ich bei „Pfützen“ durchaus eine Nähe zu Bildern über die Plazenta sehen könnte und mir dadurch eine „heimliche“ Übertragung zwischen den Kindergenerationen vorstellen kann. Das schlösse auch eine „Pfützenaversion“ vereinzelter Kinder mit ein. So wie es ja auch „Muttertaube“ Kinde gibt.:-)))
        Aber ich höre jetzt auch auf. Sonst passiert doch noch was. :-))))

        Verfasst von paulpeterheinz | 30. November 2021, 05:39
      • Nein, so schnell passiert nichts. Ich stimme mit dir überein, dass die Pfütze in ihrer mehrperspektivischen Bedeutung von allen Disziplinen, die da involviert sein könnten, unterschätzt wird. Ich denke da natürlich an die physikalische Perspektive, die bereits zahlreiche Facetten betrifft, von denen ich auch schon einige in diesem Blog angesprochen habe. Ich bin seit vielen Jahren auf der Suche (nicht sehr intensiv, weil ohne große Erwartung) was im Sinne der Naturgeschichte einer Pfütze in der der Literatur, Philosophie, Malerei etc. wohl gefunden werden kann und bin bislang nicht besonders erfolgreich dabei gewesen. Ich vermute, dass der Pfütze immer noch eine tiefliegende Verachtung entgegengebracht wird. Früher hieß es und manchmal ließt man es noch: Der landet nochmal in der Gosse. Gosse und Pfütze hängen irgendwie eng zusammen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. November 2021, 09:36
      • Ich kann ja bei meinen Textwanderungen unverbindlich die Augen vor Pfützen größer machen…Manchesmal sehen vier ja noch mehr als zwei…

        Verfasst von paulpeterheinz | 30. November 2021, 11:17
      • Da hast du Recht. Man wird wohl eher durch Zufall als durch systematischen Suchen auf geeignete Materialien stoßen. Im Physikalischen Bereich habe ich schon eine ganze Menge an Themen zusammengetragen. In Philosophie und Poesie sieht es noch ganz mau aus.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. November 2021, 16:43
      • Mal sehen, vielleicht lässt sich ja was „fügen“…Vielleicht können wir Rilke dann als Kronzeugen der Antreiber einbinden…
        Wenn man die Fragen lebt,
        lebt man vielleicht allmählich,
        ohne es zu merken,
        eines fremden Tages
        in die Antworten hinein.

        Verfasst von paulpeterheinz | 30. November 2021, 16:51
      • Sehr schön!

        Verfasst von Joachim Schlichting | 30. November 2021, 16:53

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